16 Februar 2017

16. Februar, 2017


Das All-Star Wochenede steht an und bevor die Elite der Liga in New Orleans zum Stelldichein bittet, diskutiert die #NBACHEF Redaktion: Wer sind die persönlichen Favoriten in Ost und West? Wer wurde übergangen? Wer hat mit dem Prädikat All-Star so überhaupt nichts zu tun. Und was bringt das neue Voting System?

von NBACHEFSQUAD

Meine Starter im Osten

Harald Mainka: LeBron, klar. Die weiße Rose aus Athen (Ich liebe Volksmusik!). Jimmy Butler, im Ruhrgebiet wird ehrliche Arbeit noch respektiert und jeder einfache Mann braucht einen Helden. Die Leute möchten einen Jungen aus Philadelphia, ich gebe ihnen Kyle Lowry. Und weil ich mich seiner grenzgenialen Pässe einfach nicht erwehren kann, bekommt John Wall meine Stimme.

Philipp Landsgesell @Phillyland: Im Backcourt Kyle Lowry und Isaiah Thomas. Der Celtic brennt fast ungeachtet der Top Storys in der NBA jeden Abend ein Offensivfeuerwerk ab, während Lowry der beste Point Guard im Westen ist und seine beste Saison spielt. Im Frontcourt: LeBron James, Joel Embiid, Giannis Antetokounmpo. LeBron und Giannis sind offensichtlich und Embiid hievt die Sixers auf ein ganz hohes Level, sobald er auf dem Feld steht.

Torben Siemer @LifeOfTorben: Meinen Backcourt bilden Kyle Lowry und John Wall – Lowry ist der beste Spieler der Raptors, Wall hat seine Wizards nach schwachem Start in die Top 4 der Eastern Conference manövriert. LeBron James ist auch in Jahr 14 und nach sechs Finalteilnahmen in Serie immer noch LeBron James, an seiner Seite findet sich mit Giannis Antetokounmpo, der vorne das Spiel organisieren und hinten alle fünf Positionen verteidigen kann, ein weiterer „freak of nature.“ Den letzten Platz schnappt sich knapp Jimmy Butler, der trotz aller Querelen in Chicago stark aufspielt.

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Marc Lange @godzfave44: John Wall, Isaiah Thomas, Giannis Antetokounmpo, LeBron James, Joel Embiid. Problemlos könnte auch Kyrie Irving einen der Guard-Spots einnehmen. Allerdings waren die Leistungen von Wall und Thomas in den letzten Wochen vielleicht noch ein Mini-Fitzelchen stärker als von unserem liebsten NBA-Onkel. Auf Joel Embiid komme ich später noch zu sprechen.

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Im Backcourt Isaiah Thomas und Kyle Lowry. Sie sind die Anführer der ärgsten Verfolger der Cavaliers. Deren König LeBron James ist selbstverständlich auch dabei. An seiner Seite führt kein Weg an Giannis Antetokounmpo vorbei. Das letzte Ticket geht an Paul Millsap, der sinnbildlich für die Hartnäckigkeit der Hawks steht.


Meine Starter im Westen

Mainka: James Harden, Russell Westbrook, Kevin Durant und Kawhi Leonard sind verdammte No-Brainer. Anthony Davis, DeMarcus Cousins und Karl-Anthony Towns überzeugen individuell. Marc Gasol tut das auch, hat sein Spiel weiterentwickelt und die Grizzlies gewinnen. Das überzeugt. Ein bisschen Flamenco ist beim All Star-Game ja durchaus angebracht.


Landsgesell: Backcourt: James Harden, Russell Westbrook. „The Beard“ ist für mich der MVP der bisherigen Saison und RW0 legt fabelhafte Statistiken auf. Der Hauptkonkurrent Stephen Curry spielt bisher eine eher solide Saison und muss daher auf die Bank. Frontcourt: Kevin Durant, Kawhi Leonard, Marc Gasol. In Golden State sehen wir endlich das Rundumpaket des KD, Leonard hat sich erneut gesteigert. Auch im Westen würde ich gerne einen Oldschool-Center auf der Five sehen. Mit Marc Gasol möchte ich die Grizzlies belohnen, die wieder einmal ihre Überwartungen übertreffen.

Siemer: Russell Westbrook und James Harden laufen im West-Backcourt auf, warum fragt hier hoffentlich niemand ernsthaft. Kevin Durant ist der beste und konstanteste Scorer der letzten Jahre und hat Golden State nochmal auf ein neues Level gehoben, Kawhi Leonard ist inzwischen der unangefochtene Franchise Player der Spurs. Für den fünften Spot hatte ich mehrere Kandidaten auf dem Zettel, letztlich fiel die Wahl auf Draymond Green – nicht nur, weil er gerade das erste Triple-Double der NBA-Historie mit einstelliger Punkteausbeute auflegte, sondern weil die Warriors ohne seine defensive Vielseitigkeit nicht das vierköpfige Monster wären, das die ganze Liga schlagen will.

Lange: Russell Westbrook, James Harden, Kawhi Leonard, Kevin Durant, DeMarcus Cousins. Auch wenn Steph Curry in den letzten Wochen wieder ganz groß aufspielt, führt hier eigentlich kein Weg an Russell Westbrook als Starter vorbei. Außerdem wäre nur bei dieser Variante garantiert, dass Brodie und Kevin Durant gleichzeitig auf dem Parkett stehen. So kriegen wir jetzt wahrscheinlich nicht den Moment mit, in dem Westbrook einen völlig offenen KD ignoriert und stattdessen einen Hero-Shot gegen vier Gegenspieler nimmt. Schade.

Schlechtriem: James Harden und Russell Westbrook verstehen sich von selbst, ebenso wie Kawhi Leonard und Kevin Durant. Der letzte Platz im Frontcout ist fast nicht zu entscheiden. Anthony Davis, Marc Gasol und Boogie Cousins wären keine verkehrte Wahl. Weil für mich aber Erfolg eine entscheidende Prämisse ist, gehe ich mit Draymond Green.

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Der All-Star Snub 2017

Mainka: Wer entwirft eigentlich die All Star-Trikots bei Adidas? Lasst die Jungs einfach wieder in ihren Vereinstrikots zocken! Und wo ist Charlotte (Die Frage erreicht volle 10 von 10 auf der Transgender-Skala)? Ihr merkt: wer letztlich die Zirkusmanege in New Orleans betritt, ist Firlefanz. Der einzige Reiz liegt in der Auswahl der sieben Reserveplätze, was in einer nie talentierteren Liga Kopfzerbrechen bereiten kann. Gut, Westbrook hätte starten müssen - da das Spiel noch immer in erster Linie für Fans ist, und die Fans nun mal Steph Curry von Beginn an sehen wollen, geht aber auch das in Ordnung, genau so wie die restlichen Kadernominierungen. Chris Paul hätte ohnehin nicht gespielt, genau wie Jabari Parker (leider). Gordon Haywards Nominierung ist seit Jahren überfällig, dennoch ist Rudy Gobert für mich der eigentliche All-Star aus Utah. Für Carmelo Anthony hätte ich mich gefreut. Eric Bledsoes 21-6-5-Statline ist wohl das bestgehütete Geheimnis Arizonas. Und Dion Waiters gönnt sich wirklich keinen einzigen Wettbewerb? Auf seinem Sandhügel muss es wirklich schön sein.

Landsgesell: Das Argument mit der Minutenbegrenzung kann ich nicht nachvollziehen, die Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache. „The Process“ muss ins All-Star Game.


Siemer: Rudy Gobert. Gobert ist der klassische Snub: Kleiner Markt, keine allzu aufregenden Boxscore-Stats und ein Team, das trotz einer konstanten Entwicklung weiter unter dem Radar zu fliegen scheint. Der französische Center ist aber das Fundament einer Top 3-Defensive, dank der die Utah Jazz aktuell auf Kurs Heimrecht in Playoff-Runde eins unterwegs sind. In den 19 Drei-Mann-Lineups der Jazz, die ein positives Net-Rating haben, taucht Gobert 17-mal auf. Dazu führt er die Liga bei den Blocks, der True Shooting Percentage und den Defensive Win Shares an. Falls noch Fragen offen sind, will Gobert diese zeitnah beantworten.

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Lange: Joel Embiid! Für mich steht beim All-Star Game Unterhaltung an erster Stelle. Von daher ist es mir ein absolutes Rätsel, wie einer der aufregendsten und unterhaltsamsten Spieler dieser Saison es nicht einmal auf die Reservebank im Osten schaffen konnte. Ich habe sehr viel Respekt vor Kevin Love und seinen Leistungen, jedoch will ich im All-Star Game nicht sein effektives aber langweiliges Skillset sehen. Embiid hätte es – in meinen Augen – nicht nur wegen seines Social Media Games, sondern auch von den Leistungen her verdient gehabt in New Orleans für Furore zu sorgen.

Schlechtriem: Rudy Gobert statt DeAndre Jordan wäre nicht verkehrt gewesen, ansonsten gehe ich mit dem Rest: Joel Embiid ist zu dominant und gleichzeitig zu unterhaltsam, um ihn nicht auf die größte Bühne zu stellen. Spätestens nächstes Jahr führt kein Weg an ihm vorbei.


Das All-NBA Anti-All-Star Lineup

Mainka: Ich könnte mich jetzt durch die Roster kämpfen und Typen wie Jahlil Okafor, Timofey Mozgov, Rajon Rondo, BenMcLemore oder irgendeinen Plumlee benennen. Ich halte es simpel und nehme die Nets. Vielleicht freut es ja Pascal.


Landsgesell: Trey Burke, Mario Hezonja, Anthony Bennett, Mike Scott, Andrew Nicholson. Burke und Nicholson sind Spiegelbild der miesen Wizards-Backups. Hezonja kommt auch unter dem neuen Trainer überhaupt nicht zurecht und sammelte DNP CDs ohne Ende. Auch in Mike Scott hatte ich Mal ein paar Hoffnungen gesetzt, wie auch in Bennett, der mittlerweile gar nicht mehr in der Liga ist.

Siemer: Die Anti-Allstars, die Gurkentruppe, die Spieler, zwar auch ein „Wow“ beim Blick auf ihre Stats hervorrufen. Aber nicht das Gute. Im Backcourt finden sich hier Orlandos Mario Hezonja – der den Nachweis seiner NBA-Reife weiter schuldig bleibt – und Marcus Thornton, dessen On-Off-Stats exemplarisch für die miese Wizards-Bank stehen. Den Frontcourt bilden Jahlil Okafor, den die Sixers lieber heute als morgen traden würden, Evan „Plus-Minus“ Turner und Alex Len, der von einem sich in seiner 16. Saison befindenden Tyson Chandler an die Wand gespielt wird.

Lange: Isaiah Whitehead: Isaiah wer? Den Namen müsst ihr euch eigentlich auch nicht merken. Wer in der NBA durchschnittlich 22 Minuten spielt und ein PER von 6.84 auf die Beine stellt, hat keine sonderlich rosige Zukunft in der besten Basketballliga der Welt. Randy Foye: 19 Minuten. 5,5 Punkte. 36 Prozent aus dem Feld. Pro Nacht. Danke für Nichts, Randy Foye. Luol Deng: Es muss für das Lakers Office echt ein nicht so tolles Gefühl sein, zu wissen, dass Deng gerade die erste Saison seines Vier-Jahres-Vertrages im Wert von 72 Mio. Dollar bestreitet. In seinen letzten zehn Spielen gab es von ihm in 25 Minuten (!) durchschnittlich sechs Punkte bei 35 Prozent aus dem Feld. Auweia. Joakim Noah: Dieser eine grausame Freiwurf gegen die Pacers reicht für die Nominierung. Kyle Singler: Ladies & Gentlemen: Das Anti-All-Star-Team hat mit Kyle Singler seinen Kapitän gefunden. Falls sich jemand fragt, wozu der Forward von OKC seine durchschnittlich zehn Minuten Spielzeit nutzt: 2 PPG, 1 RPG, 0,2 APG bei 23 von Downtown und einem PER von 3,3. Wow. Einfach nur: Wow.


Schlechtriem: Die Gurkentruppe wird angeführt von Jahlil Okafor, der den Sixers-Fans inzwischen so willkommen ist wie Charles Oakley in der Privatloge von James Dolan. An seiner Seite Donatas Motiejunas, dessen maßlose Selbstüberschätzung zu einem irreparablen Karriereknick geführt hat und der selbst bei den Pelicans keinen Fuß auf die Erde kriegt. Auf dem Flügel Chandler Parsons und die knapp 3,5 Mio. $, die Memphis pro Durchschnittspunkt hinblättert. Der Backcourt wird europäisch: Mario Hezonja hat bisher sämtliche Erwartungen nicht erfüllt, José Calderon ist nur noch ein Schatten seiner selbst und sollte schleunigst den Weg zum Schaukelstuhl auf der Veranda finden.


Das neue Voting-System

Mainka: Es ist auf jeden Fall positiv, um sich der Willkürlichkeit der Stimmabgabe von Fans jenseits des Uralgebirges zu entziehen. Eine All Star-Nominierung ist mehr nur ein simpler Patch, den man sich auf die Trainingsjacke näht, sondern für Vertragsverhandlungen einfach zu wichtig geworden. Die Stimmabgabe der Spieler, Trainer und Medienvertreter wertet das All Star-Spiel ein wenig auf, löst dennoch das mehr und mehr aufdrängende Kernproblem: die schwindende Relevanz. Gestehen wir uns und der 24/7-NBA-Landschaft ein Wochenende zum Verschnaufen zu, bevor es anschließend mit Euro Step-großen Schritten à la Giannis Antetokounmpo schon wieder in Richtung in Playoffs geht.

Landsgesell: Ich würde den Fans das komplette Spiel überlassen. Dafür aber das All-Star Game für jegliche andere Würdigungen wie die Hall of Fame rausnehmen.

Siemer: Die Stepien-Rule soll General Manager vor sich selbst schützen, die Pachulia-Rule das All-Star-Game vor… ja, wovor eigentlich? Davor, dass nicht die besten Spieler auflaufen? Die All-Star-Starter wurden ewig lang allein von den Fans bestimmt, waren also immer schon mehr Abbild der Popularität als der tatsächlichen Leistung. Und nur weil jetzt mit Zaza Pachulia zweimal ein Rollenspieler an der Starterrolle geschnuppert hat, werden die Regeln geändert? Das All-Star-Game ist ein Party-Wochenende für die Spieler und ein Fest für die Fans, also lasst die Fans Spaß haben. Die besten Spieler landen dann am Saisonende in den All-NBA Teams. 

Lange: Es ist eigentlich egal, inwiefern das Voting für die All-Star Nominierungen angepasst wird. Es wird immer den einen Fan geben, dessen Lieblingsspieler nicht dabei ist. Von daher wird es auch nie das „perfekte“ Voting-System geben. Bestes Beispiel: Zaza Pachulia. Für Basketballfeinschmecker ist das neue System ein Segen, sonst wäre der Georgier nämlich Starter im Westen gewesen. Aber sollte ein Spieler, der eine halbe Million mehr Stimmen als der drittplatzierte Frontcourt-Spieler bekommen hat, deswegen wirklich nicht dabei sein dürfen? Ich kann mit der #zazarule jedenfalls nicht so viel anfangen. Gebt den Fans (weltweit!) einfach was oder wen sie sehen wollen. 


Schlechtriem: Es hat uns vor Zaza Pachulia als Starter bewahrt und verdient allein dafür schon Applaus. Da die Nominierungen relevant sind für Vertragsinhalte und Saläre, ist mehr Seriosität nicht verkehrt. Jetzt gilt es nur noch die Spaßvögel zu maßregeln, die trotz völlig fehlender Legitimation für sich selbst gestimmt haben.