28 Februar 2017

28. Februar, 2017


von MATTIS OBERBACH @MattisOb

Spätstens seit dem Aufstieg von Joel Embiid zur Zukunft der Sixers-Franchise in diesem Jahr war klar: drei Center sind mindestens einer zu viel. Dann wurde Nerlens Noel nach Dallas getradet. An sich zwar okay (der Trade), ist das, was die Philadelphia 76ers für ihn bekamen, eher suboptimal. Und trotzdem zählen sie irgendwie zu den Gewinnern der Trade-Deadline.

Der Reihe nach. Wenige Stunden vor Ablauf der Deadline wurde bekannt, dass Nerlens Noel nach Dallas geht, dafür kommen Andrew Bogut, Justin Anderson und ein Top-18 geschützter First Round Pick (2017) nach Philadelphia.


Dass Bogut wohl nie das Sixers-Jersey tragen wird, ist verkraftbar. Dass der involvierte Draft-Pick aber vermutlich in zwei Zweitrundenpicks verwandelt wird, weil die Mavericks die Saison in den unteren 18 beenden werden, macht den Trade weniger schmackhaft.

Unterm Strich bleibt für Philly also: Nerlens Noel für Justin Anderson und zwei Zweitrunder.

Für die Sixers erstmal gut. Denn sie machen unter ihrem eigenen Korb etwas Parkett frei und wer weiß, wozu Justin Anderson mal fähig sein könnte. Vor allem aber wurde Schadensbegrenzung betrieben.

Ganz offensichtlich hatten die Sixers nicht vor, Noel im Sommer das Geld zu bezahlen, welches er vermutlich auf dem Markt als Restricted Free Agent hätte bekommen können. Oder bekommen wird. Center sind teuer. Dann wäre er weg gewesen, die Sixers bekämen noch weniger als den Gegenwert dieses Trades - nämlich nichts.


Gut, oder? Naja, fast.

Denn nur kurz nach der peinlichen Kings-Cousins-Saga stellte sich auch die obere Sixers-Etage als, nunja, sagen wir semi-professionell dar. Nicht nur gingen scheinbar mehrere potentielle Okafor-Deals in den letzten Wochen flöten. Die Sixers mussten letztendlich einen Deal annehmen, der nicht das Maximum darstellt.

Das ist an sich schon ärgerlich, lässt zudem bei Fans, Experten und eventuell Spielern das Vertrauen in das Management nicht unbedingt auf Wolke sieben ansteigen. Ein weiterer Trade, und wieder kommt kein großer Name ins Team. Wann geht diese Organisation mal einen Schritt vorwärts, nicht nur seitwärts und zurück, wie schon seit Jahren?

Das Front Office hätte die Situation besser lösen können - oder müssen. Selbst ein Sign-and-Trade mit Noel im Sommer wäre möglich gewesen und hätte dann eventuell mehr gebracht. Ist „Schadensbegrenzung“, oder „besser Anderson als gar nichts“, wirklich eine gute Rechtfertigung für einen semi-guten Deal?

Zumal die Frage im Raum steht, wieso überhaupt Noel getradet wurde und nicht Okafor. Immerhin schien Letzterer schon seit Längerem nicht mehr in Philly spielen zu wollen. Außerdem gab es Teams, die offensichtlich an ihm interessiert waren. Dazu spielt Noel eine ziemlich gute Saison, gemessen an den Erwartungen und den Möglichkeiten des Teams.


Joel Embiid wird aller Voraussicht nach der Center der Zukunft sein, für einen weniger athletischen Okafor ist neben Embiid weniger Raum als für Noel. Auch als Backup zu Embiid ist Okafor höchstens Schulnote 3.

Ob Okafor also bleibt? Ob er langfristig in den Plänen der Sixers ist? Wenn nicht er, wer dann?

Panik schieben wäre jetzt aber definitiv die falsche Idee. Dieser Trade war vielleicht nicht die beste Lösung, aber es hätte schlimmer kommen können. Siehe Sacramento. Die Kings sorgen nicht nur für Gelächter in der NBA-Welt, sie sorgen auch für gute Stimmung in Philadelphia.

Je schlechter die Kings, desto besser die Picks der Sixers, die ihren 2017 mit Sacramento tauschen dürfen. Und werden. Wenn die Kings dazu ihr Team nicht pronto verbessern, kann auch der Kings-Picks 2019 ein guter werden. Der geht ebenfalls an Philadelphia, no matter what.

Wichtig sind in Philadelphia jetzt die zwei großen Ps: „Process“. Und „Progress“. Was sich hinter „Process“ verbirgt, wissen wir mittlerweile. Aber so richtig „Progress“ sehen wir (immer) noch nicht. Mit Noel, und in gewisser Weise auch mit Okafor, sind zwei sehr hohe Picks der letzten Jahre mehr oder minder verpufft.

Wer in wirklich schwarzen Farben malen will, kann orakeln, dass Embiid im schlimmsten Fall nie richtig gesund wird und Ben Simmons bei allem Talent eher in die Schublade Andrew Bynum gesteckt werden kann. Simmons’ Debüt-Datum ist frühestens zu Beginn der Saison 2017/18 - also nicht mehr in der aktuellen.

Vielmehr aber sollten Sixers-Sympathisanten dieser Tage ein neues Motto adoptieren, während auf bessere Tage gewartet wird: "It could always be worse in Philadelphia".