27 Februar 2017

26. Februar, 2017


von AXEL BABST @CoachBabst

Durch Niederlagen von Arizona und Gonzaga sind die Ducks dem 1 Seed im Westen näher gerückt. Doch wenn sie wirklich den Heimvorteil und die vermeintlich leichtesten Gegner im Tournament genießen wollen, müssen weitere Argumente folgen.

Im bisherigen Saisonverlauf gelangen den Ducks bereits einige Paukenschläge. Nach schwachem Saisonstart hat sich das Team mittlerweile mehr als gefangen, besiegte zu Hause UCLA und Arizona. Auch beim Rematch in Los Angeles sahen die Ducks lange wieder sichere Sieger aus, ehe die Bruins die Verteidigung für sich entdeckten und den Enten die Flügel stutzten.

Zuletzt konnten die Ducks Nervenstärke beweisen und jeweils mit dem letzten Angriff den Sieg aus Berkeley und Stanford entführen. Die Ducks sind vielleicht das gefährlichste Team im März.


Um jedoch - auf die Seeding Thematik bezogen - weiter aufzudrängen, müssen die Ducks im Conference Tournament nochmal ihre Stärke unter Beweis stellen und Arizona oder UCLA schlagen. Dass das möglich sein sollte, haben sie bereits bewiesen und ohnehin muss sich Oregon vor keinem Gegner verstecken.

Dana Altman hat ein siebenköpfiges Monster geformt. In jedem Spiel kann ein anderer Schlund zupacken und den Gegner verschlingen. Zwar sind Casey Benson und Chris Boucher die festgelegten ersten Einwechselspieler von der Bank, doch sie sind den Startern ebenbürtig und können genauso gut Spiele entscheiden.

Die Variabilität und Ausgeglichenheit der Rotationsspieler macht sich an beiden Enden des Feldes bemerkbar. In dieser Hinsicht sind die Ducks von allen Final Four Anwärtern und Titelcontendern vielleicht das am ausgeglichensten agierende Team der NCAA. Besonders die Feuerkraft der Offense ist eine brisante Mixtur aus individuellem Talent, persönlicher Spielerentwicklung und kollektivem Siegeswillen.

Offense
Eines der Standardsets, das Dana Altman seit seiner Ankunft in Oregon laufen lässt, ist eine Highpost Motion. Dabei werden um einen Big Man auf der Freiwurflinie vier Guards positioniert. Die vielen Cuts und Read-and-Reaction-Elemente erlauben eine relative freie Entscheidungsfindung und ermöglichen es so, kleinste Fehler der Verteidigung zu bestrafen.

Da die Ducks immer mindestens vier Schützen und mindestens drei fähige Ballhandler auf dem Feld haben, die ein Pick & Roll laufen können, wird die Motion noch gefährlicher.


Initiiert wird der Angriff mit einem Handoff. Anschließend wird der Ball komplett um die Dreierlinie bis zum anderen Flügel bewegt. Die beiden am Handoff beteiligten Spieler versuchen ihre Gegenspieler am Highpost abzustreifen und cutten auf die andere Spielfeldseite.

Dadurch ergibt sich auf sehr viel Platz für den Big Man und dem Ballhandler, um ein Pick & Roll oder Two-Man-Game per Handoff zu laufen. Ist der Weg zum Korb nicht frei, wird der Ball wieder entlang der Dreierlinie gepasst und die Cuts und Aktionen wiederholen sich.

Diese Offense ist auf Dauer für die Defense einschläfernd, was viele Fehler nachsichzieht. Die Ducks sind mittlerweile so eingespielt, dass sie solche Nachlässigkeiten direkt erkennen und ausnutzen, was dazu führt, dass dieses Play über eine ganze Partie funktioniert, obwohl die Abläufe bekannt sind und sich Gegner relativ gut darauf vorbereiten können.

Des Weiteren ist an dieser Stelle Jordan Bell explizit hervorzuheben. Bell konnte sich in jedem seiner drei Collegejahre stark verbessern. Als Freshman war er ein athletisches Sprungwunder, das vor allem Würfe blocken und Rebounds holen sollte.

In der vergangenen Sophomore Saison erweiterte er sein defensives Arsenal, um eine ordentliche Perimeter Defense, die es ihm erlaubt, Screens zu switchen. Seit dieser Saison ist Bell nun auch offensiv ein sehr kompletter Spieler. Er trifft den Wurf aus der Mitteldistanz und entwickelt langsam Postmoves.

Mit Abstand am wichtigsten ist jedoch seine am meisten unterschätzte Qualität: Bell ist ein verdammt guter Passgeber und Playmaker. Das würde man von einem solchen Koloss nicht erwarten, doch tatsächlich hat er eine seltene Kombination von gutem Auge, hohen technischen Fertigkeiten und exzellentem Spielverständnis. Dadurch weiß er, wann er auf welchen Mitspieler schauen muss, um anschließend genau den einen richtigen Pass spielen zu können.


Diese kurze Zusammenstellung ist ein Mikrokosmos dessen, was Bell Woche für Woche anstellt. In verschiedensten Spielsituationen findet der Big Man fast immer die optimale Lösung. In der ersten Situation könnte Bell vermutlich trotz zwei sich nähernder Verteidiger spektakulär abschließen und ein Dreipunktespiel herausschlagen.

Doch stattdessen erkennt, er dass Mitspieler Tyler Dorsey in die Ecke driftet und findet ihn mit einem gestochen scharfen, einhändigen Pass aus dem Dribbling. Diesen Pass würden die wenigsten Point Guards so hinkriegen. Gleiches gilt für den Alley-Oop-Pass in der Transition.

Die letzten drei Szenen zeigen, wie gut Bell aus dem Postup heraus das Spiel gestalten kann. Zuerst guckt er sich im Faceup seinen eigenen Verteidiger aus, bindet zwei weitere Verteidiger und findet trotzdem Mitspieler Dillon Brooks. Noch beeindruckender ist die folgende Sequenz: Erst lotet er per Schulterblick die Lage aus, arbeitet sich dann geduldig zum Brett vor und bedient abschließend den cuttenden Mitspieler mit einem exorbitant starken Bodenpass, den die wenigsten NBA Bigs spielen könnten. Auch Doppeln erweist sich als keine gute Alternative, wie der letzte Pass verdeutlicht.

Nichtsdestotrotz ist Bells Athletik weiterhin eine Option, die Coach Altman nur allzu gerne in Form durch Lobplays nutzt:


Der Ball wandert zu Topscorer Brooks, der am liebsten vom linken (High) Elbow aus operiert. Während alles mit einer Isolation rechnet, läuft Dylan Ennis einen Flexcut, was die Defense schon auf dem falschen Fuß erwischt. Dass sich Ennis dann aber auch noch umdreht und Bell einen Backscreen stellt, bringt die Verteidigung zum Kollaps.

Neben Bell und den Highpost Angriffen der Ducks, ist vor allem das Perimeter bevorzugtes Einzugsgebiet der Enten. Hier können sie ihre Schussstärke demonstrieren und Gegner geradezu demoralisieren, wie beispielsweise Arizona feststellen musste.

Folgendes Play, dessen zentrales Element ein Flarescreen ist, zeigt wie gefährlich Oregon an der Dreierlinie ist und oft genug selbst ordentliche Verteidigung nicht ausreichend ist, um einen Dreier zu vermeiden:


Erneut wird das Play mit einem Handoff initiiert. Dieses Mal cuttet der Aufbauspieler sofort auf die andere Seite und der neue Ballführer trennt sich direkt mit einem Pass auf die andere Spielhälfte von dem Leder. Schaltet der Verteidiger nach diesem Pass ab, ist der offene Dreier eine Garantie. Denn nach dem Pass erhält der Guard, in beiden Fällen hier Tyler Dorsey, einen Flarescreen.

Arizona verteidigt den Block schlecht, da der Verteidiger des Blockstellers nicht hilft und der Screen von Bell gut gestellt ist. Dorsey kann in Ruhe anreißen und spürt die Bemühungen des einen Kopf kleineren Parker Jackson-Cartwright gar nicht. In der zweiten Szene verteidigt UCLA die Situation etwas besser, weil Brooks' Block deutlich schlechter ist und er zur Dreierlinie herauspopt und damit nicht so viel Gefahr für die Defense darstellt wie ein sich abrollender Bell. Dennoch trifft Dorsey den Wurf staubtrocken.

Eine Möglichkeit, um die Dreierstärke Oregons in die Schranken zu weisen, ist eine 3-2-Zone. UCLA nutzt diese Verteidigungsvariante sehr gerne und war damit auch einigermaßen erfolgreich, wie der folgende misslungene Angriff zeigt:


Oregon versucht auch gegen die Zone, über den Highpost mit Brooks zu arbeiten. Allerdings ist es gegen eine solche Zonenvariante schwer, den Ball zur Freiwurflinie zu passen. Zumal Ennis und Dorsey nicht direkt ihren Mitspieler angucken und somit der Defense Zeit zur Ordnung geben.

Beim anschließenden High Pick & Pop zwischen Payton Pritchard und Brooks, erkennt der Freshman leider nicht, dass der äußere Zonenverteidiger herbeigeeilt kommt und somit Dorsey auf dem Flügel verwaist.

Dorsey hätte entweder einen offenen Dreier oder - sogar noch besser - ein Eins-gegen-Eins gegen Thomas Welsh, der deutlich langsamer als Oregons Guard ist. Erst über Umwege landet der Ball dann doch bei Dorsey, der jedoch unter Zeitdruck gerät und nach dem langen Skippass keinen Vorteil mehr hat.

Eine solche Zonenvariante kann Oregon also durchaus eine Option sein, eine herkömmliche 2-3-Zone sollten Kontrahenten jedoch vermeiden:


Erneut sind High- und Lowpostanspiele die Schlüsselkomponenten, um die Defense zu knacken. Zunächst findet Bell seinen cuttenden Mitspieler, was die Defense zu Rotation zwingt und exzellentes Ballmovement eröffnet.

Anschließend wird Brooks am High Elbow gefunden. Der Kanadier zeigt, dass auch er nicht nur als Scorer, sondern auch als Passgeber in Erscheinung treten kann, indem er seinen Landsmann Ennis in der gegenüberliegenden Ecke bedient.

Grundsätzlich sollte eigentlich seit dem ersten Aufeinandertreffen mit UCLA in den USA bekannt sein, wie gut Brooks eine Defense im Alleingang filettieren kann. Spätestens mit seiner Performance in der Crunchtime gegen Cal zementierte er seinen Status als gefürchteter Closer:


Zunächst stellt Brooks einen Flare/Backscreen für den Mitspieler, um frei zu werden und scort per entschlossenem Drive von seiner Lieblingsposition. Direkt im nächsten Angriff laufen die Ducks das Play erneut. Aus Angst vor Brooks' Scoring hilft dessen Verteidiger dieses Mal nicht bei der Verteidigung des Screens, um den Pass zu Brooks zu verhindern. Das führt jedoch nur dazu, dass Chris Boucher einen einfachen Layup hat. Ein schwieriger Fadeaway aus dem Postup und der Buzzerbeater runden das Gesamtpaket ab.

Grundsätzlich sind die Ducks einfach nicht für 40 Minuten zu stoppen. Dafür haben sie zu viele Waffen, spielen zu uneigennützig und eine zu ausgeglichene Spielanlage. Diese Kombination sorgt dafür, dass die Ducks fast in jedem Angriff einen guten Wurf herausspielen, was angesichts der Wurfstärke des Kaders über kurz oder lang zwangsläufig in Punkten resultieren muss. Für die ganzen engen Situationen haben sie mit Dillon Brooks zudem den perfekten Eins-gegen-Eins-Spieler auf College-Ebene. Die wenigsten Teams können ein gutes Matchup für ihn aufweisen.

Defense
Im Gegensatz zu vielen anderen offensivstarken Teams sind die Ducks aber auch, oder besser gesagt gerade, in der Verteidigung auf sehr hohem Niveau unterwegs. Ihre 1-2-2-Zonenpresse, die in eine Matchup Zone übergeht, ist extrem schwer zu knacken. In den vergangenen eineinhalb Monaten konnten sie sich hier zudem wöchentlich verbessern und sollten pünktlich zum März auf dem Höchststand eintrudeln.

Die Probleme für die meisten gegnerischen Teams beginnen schon bei der Zonenpresse. Sie ist zwar eigentlich in erster Linie dazu gedacht, Zeit von der Uhr zu nehmen, dennoch sollte man nicht zu leichtfertig mit dem Ball umgehen:


In der Regel ist Dorsey die Speerspitze der Presse. Er verhindert, dass der Ballhandler den Ball durch die Mitte nach vorne transportieren kann. Sobald sich der Aufbauspieler der Mittellinie nähert, kommt der Verteidiger auf der entsprechenden Ballseite zum Doppeln kurz nach der Mittellinie. Der dritte Guard des Dreiecks unterbindet den ersten Pass, wodurch der Aufbauspieler zu einer schwierigen Entscheidung gezwungen wird.

In diesem Fall schmeißt Lonzo Ball einen gefährlichen Pass über die gesamte Spielfeldbreite, was Bell hervorragend antizipiert und zum And1 ausnutzt.

In solchen Situationen setzen sich die Ducks gerne mal einem gewissen Risiko aus, was nicht immer ein gutes Ende nimmt:


Hier lösen sich die Bruins mit zwei schnellen Pässen aus dem Doppeln, weshalb eine Zwei-gegen-Eins-Situation in Brettnähe entsteht. Ike Anigbogu lässt sich die Gelegenheit zum Dunk nicht nehmen und bestraft die aggressive Defense.

Doch auch wenn in diesem Fall nichts mehr zu machen, riskieren die Ducks durchaus solche Unterzahlsituationen, in dem Wissen, dass sie mit Bell und Boucher ihre beiden "Swatter Boys" als Rimprotectoren auf dem Feld haben:


Gerade Bell hat ein diabolisches Vergnügen daran, Korbversuche der Gegner rustikal und mit einer faszinierend spektakulären Art abzuschmettern. Oft verhindert Bell die Punkte nicht nur, sondern sammelt auch noch selber den Rebound ein oder schlägt den Ball gezielt in den Lauf des Mitspielers. In dieser Szene bereinigt er einen Fehler bei der Pick & Roll Verteidigung.

Da sich Gegner der Traps und Rimprotection bewusst sind, geraten die Angriffsversuche oft von selbst ins Stocken aus Respekt davor, selber Opfer einer solchen Attacke zu werden. Dass die Matchup Zone die Gegner dann auch noch vor verzwickte Entscheidungen unter Zeitdruck stellt, macht die Sache nicht einfacher:


Arizona startet erst bei 22 Sekunden verbleibender Angriffszeit mit den Offensivbemühungen. Bereits nach wenigen Sekunden verteidigt Bell als nomineller Centerspieler an der Dreierlinie den Aufbauspieler, während sich Dorsey und Brooks in der hinteren Verteidigungslinie absprechen, wer welchen Gegner verteidigt.

Der Ballscreen wird zurück geswitcht, weswegen kein Vorteil für die Offense entsteht. Auch das potentielle Mismatch am Zonenrand wird durch ein schnelles Doppeln unterbunden. Aus diesem Doppeln reagieren die Ducks schnell und rotieren rechtzeitig zurück. Plötzlich wird es für die Wildcats eng, mit herablaufender Shotclock überhaupt einen Wurf zu kreieren.

Fehlende Aufmerksamkeit der Aufbauspieler für diesen Umstand führt letztlich zum Regelverstoß. Solche Defensivsequenzen können die Ducks durchaus bis zu fünf Mal in einem Spiel auf die Platte bringen. Das zermürbt ein gegnerisches Teams auf Dauer.

Grundsätzlich haben die Ducks alles um die Meisterschaft zu gewinnen: Sie sind athletisch, haben viele gute Schützen, Rimprotection, Teamdefense, können Rückstände aufholen und haben in Brooks einen Crunchtime Killer für die engen Partien. Das Bracket der gelbgrünen Enten will sicher kein Fanlager außerhalb Oregons teilen.