13 Februar 2017

13. Februar, 2017


von JAN WIESINGER @WiesiG

Die letzte Offseason der Miami Heat als Katastrophe zu bezeichnen, dürfte untertrieben sein. Chris Bosh Sportinvalide, Dwyane Wade zu den Chicago Bulls abgewandert. Die Saison begann mit Pat Rileys Selbstkritik und dem Abgesang jener, welche die Heat nach der Ankunft von Goran Dragic noch vor nicht allzu langer Zeit als echten Gegner von LeBron James' Cavaliers ausgemacht hatten.

In sportlicher Hinsicht verlief die erste Saisonhälfte 2016/17 noch schlechter als erwartet. Das Team von Erik Spoelstra fand sich mit einer Bilanz von 11-30 in den Niederungen der Association wieder (Die Buchmacher hatten vor der Saison 34 Siege prognostiziert). Die Heat steckten mit Vollgas auf der linken Spur des Highway Richtung Lottery und Rebuild fest.

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Ab dem 18. Januar 2017 dann schienen die Heat plötzlich nach einem Rastplatz oder gar einer Ausfahrt zu suchen: Mit einem Sieg gegen die Houston Rockets begann eine unverhoffte 13 Spiele-Siegesserie, welche die größte der Franchise-Historie ohne Wade und gleichzeitig eine von nur zwei zweistelligen Siegesserien in der NBA-Geschichte ist, bei denen kein All-Star Teil jenes Teams war.

Houston, Dallas, Milwaukee, Golden State, Brooklyn, Chicago, Detroit, Brooklyn, Atlanta, Philadelphia, Minnesota, Milwaukee, Brooklyn... Auch wenn mit Siegen gegen die Rockets, Hawks und Warriors nur drei dieser Siege gegen Teams mit einer positiven Bilanz zustande kamen, sollten durchaus auch andere Gründe als der vergleichsweise leichte Spielplan ins Auge gefasst werden.

Einzelne Spiele lassen sich in einer langen NBA-Saison und den vielen back-to-backs immer mal überraschend oder glücklich gewinnen - 13 Spiele am Stück allerdings nicht. Ihr Ende fand die Heat-Serie erst am 11. Februar, auswärts bei den Philadelphia 76ers, am zweiten Abend eines back-to-backs.


Dieser Mid-Season-Run der Heat ist alles andere als ein Zufall. Mangelnde Einstellung, vorhandenen Siegeswillen oder gar absichtliches Tanking konnte den Heat auch in der ersten Saisonhälfte nicht vorgeworfen werden. Unter den ersten 30 Niederlagen der Saison verlor Miami 22 Mal mit zehn Punkten oder weniger.

Franchise Player Hassan Whiteside macht genau das, was Riley sich bei der Vertragsverlängerung im Sommer über vier Jahre und 98 Millionen US-$ von ihm erwartet hat: Rebounden, Blocken und hochprozentige Abschlüsse am Korb suchen. Auch wenn Whiteside aufgrund seiner beeindruckenden Athletik vornehmlich am Brett zuhause ist, darf er einen halbwegs passablen Wurf aus der Mitteldistanz sein eigen nennen, was Möglichkeiten beim Blockstellen eröffnet.

Seine Stärke liegt eher im Spiel mit dem Gesicht zum Korb als im Post. Whitesides Fähigkeiten hinsichtlich des Passes sind hingegen ebenfalls sehr limitiert. Gewachsen aus den bestehenden Verletzungsproblemen mit den Ausfällen von Justise Winslow, Josh Richardson und Josh McRoberts, haben die Heat aus der Not heraus eine Tugend gemacht.


Um Whiteside herum gruppiert Coach Erik Spoelstra zu Beginn des Spiels eine variable, kleine Aufstellung, die zumeist mit Luke Babbitt auf der Vier und drei Guards - Dragic, Rookie Rodney McGruder sowie alternativ Enfant Terrible Dion Waiters oder Routinier Wayne Ellington - beginnt.

Deutlich wird aber schnell, worauf das Team setzt: Ausbalancierte Firepower aus der Distanz und ein kraftvolles Inside-Game mit Whiteside. Die volle Kraft des Heat-Spiels entfaltet sich erst von der Bank, wenn mit dem stark aufspielenden James Johnson, Tyler Johnson und Ellington weitere Spieler das Feld betreten, die wissen wo der Korb hängt und wie NBA-Spiele gewonnen werden.

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Bei den zugelassenen Punkten des Gegners aus eigenen Turnovern und Fast-Breaks gehören die Heat ligaweit zu den Top-5. Während der Siegesserie kassierte Miami im Schnitt unter 99 Punkte pro Spiel – im Schnitt fast zehn weniger als vorher. Die Defensive ist die sechstbeste ligaweit.

Auch die Trade-Gerüchte hinsichtlich der Heat sind nach der Siegesserie sehr volatil: Galt vorher noch ein Abgang Dragics und ein anschließender Rebuild als wahrscheinlich, werden die Heat neuerdings als potenzieller Empfänger hochkarätiger Spieler wie Serge Ibaka genannt.

Ob die Playoffs für die Heat in diesem Jahr tatsächlich drin sind, wird sich erst nach dem Allstar-Game zeigen. Das Rennen vor allem um die Plätze Sieben und Acht ist eng. Die Teams aus Milwaukee, Charlotte, Chicago und Detroit werden sich dabei nicht kampflos von den Heat überholen lassen. Die jedoch nimmt jetzt jeder Gegner - spätestens nach den 13 Siegen in Folge - sehr ernst.