26 Februar 2017

26. Februar, 2017


Auch wenn der Deadline-Day selbst eher unspektakulär über die Bühne ging, lieferte uns die NBA eine aufsehenerregende und abwechslungsreiche Trading Season. Das #NBACHEF Roundup fasst für euch das Geschehen rund um die Trade Deadline zusammen und nennt Gewinner und Verlierer.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Zahlen, bitte

  • Am Tag der Deadline gingen acht Trades über die Bühne, zwölf Teams waren involviert
  • Rechnet man die 10 Tage vor der Deadline dazu, waren es insgesamt 14 Deals und 19 Teams
  • Um die Deadline herum fand kein einziger Multi-Team Deal statt. Alle 19 Trades hatten nur zwei beteiligte Teams
  • Nicht ganz überraschend waren die Houston Rockets mit drei Trades am aktivsten, wenngleich zwei der Deals Salary Dumps waren
  • An keinem Trade beteiligt waren die Boston Celtics, Los Angeles Clippers, Memphis Grizzlies, Miami Heat, Utah Jazz, New York Knicks, Indiana Pacers, Detroit Pistons, San Antonio Spurs, Minnesota Timberwolves und Golden State Warriors
  • Der voluminöseste Vertrag, der um die Deadline herum bewegt wurde, ist der mit knapp 17 Mio. $ dotierte von DeMarcus Cousins
  • Der Deal um Cousins involvierte mit auch die meisten Spieler mit deren fünf – gleichauf mit dem Trade zwischen den Chicago Bulls und Oklahoma City Thunder um Taj Gibson, Doug McDermott, Cameron Payne, Anthony Morrow und Joffrey Lauvergne
  • Insgesamt gingen innerhalb der zehn Tage um die Deadline 15 Draft Picks und 35 Spieler mit einem Gehaltsvolumen von ca. 172 Mio. $ über die Ladentheke

Buyouts

Zur „Deadline nach der Deadline“ ist die Jagd auf Spieler eröffnet, die aus diversen Gründen aus ihren Verträgen gekauft werden und somit zu Free Agents. In den allermeisten Fällen handelt es sich um Veteranen, für die sich vor allem Contender und Teams mit hoher Payroll interessieren. In diesem Jahr stehen hoch im Kurs:

Deron Williams: Auf seinen Wunsch hin legten die Dallas Mavericks ihrem Point Guard keine Steine in den Weg und entließen ihn aus seinem Vertrag. Williams, 32, wurde erst vor zwei Jahren aus seinem Maximalvertrag bei den Nets entlassen. Nun will er im Herbst seiner Karriere endlich auf Titeljagd gehen, was in Dallas auf absehbare Zeit nicht unmöglich sein wird. Die Destination Cleveland Cavaliers ist bereits beschlossene Sache.


Andrew Bogut: Der nächste Ex-Maverick. Bogut und Dallas hat nie so richtig gepasst. Zu den Philadelphia 76ers passt der Australier, der 2015 den Titel mit den Golden State Warriors gewann, noch viel weniger. Auch er will um den Titel mitspielen. Neben den Cavaliers sind die Boston Celtics, San Antonio Spurs und Houston Rockets am ersten Pick des 2005 Drafts dran.

Matt Barnes: Der extrovertierte Flügelspieler ist ein Opfer des Trades um DeMarcus Cousins. Die Sacramento Kings mussten einen Platz im Roster frei machen – erwischt hat es den bald 37-Jährigen, der sich damit nach den Clippers, Grizzlies und eben Kings das vierte Jersey in zwei Jahren überstreifen muss. Jedes Team mit Bedarf auf dem Flügel wird sich um Barnes bemühen, ein Kandidat sind ausgerechnet Cousins' neues Team, die New Orleans Pelicans.

Terrence Jones: Noch ein Opfer des Boogie-Trades: T-Jones, im Sommer von den Pelicans als Free Agent geholt, legte mit 11,5 Punkten und 5,9 Rebounds in New Orleans eine anständige Saison aufs Parkett. Weil die Pelikane nun aber ein massives Überangebot auf den großen Position haben und die Verträge von Ömer Asik und Alexis Ajinca deutlich teurer loszuwerden gewesen wären, trifft es Jones. Mit seinen 25 Jahren und soliden All-Round Fähigkeiten wird der Power Forward aber mindestens bis Sommer wieder unterkommen.

José Calderon: Die Los Angeles Lakers setzen auf Erneuerung und haben in D'Angelo Russell und Jordan Clarkson bereits vielversprechendes Talent auf der Spielmacherposition, in Tyler Ennis einen weiteren Prospect zur Deadline in die Stadt der Engel geholt. Calderon ist mit seinen 35 Jahren kaum noch ein Faktor und dank seiner Erfahrung und Abgeklärtheit höchstens noch für einen Contender gewinnbringend. Die Warriors und Rockets sind am Spanier dran.


Ebenfalls aus ihren Verträgen entlassen wurden Omri Casspi (New Orleans Pelicans), Marcus Thornton (Brooklyn Nets), Marcelo Huertas (Houston Rockets), Jared Sullinger und Mike Scott (beide Phoenix Suns). Weitere Kandidaten sind Langston Galloway und Tyreke Evans (Sacramento Kings).


Die Verlierer

#3: Philadelphia 76ers
Ein Trade um Jahlil Okafor war eigentlich beschlossene Sache und mit den Bulls, Pacers und zunächst auch Pelicans gab es genügend Interessenten. Stattdessen musste nun der bessere Nerlens Noel die Koffer packen – zu einem wenig erquicklichen Preis. Die Sixers hätten im Sommer oder zu Saisonbeginn sicherlich einen sicheren Erstrundenpick für Noel heraushandeln können. Dass es nun Justin Anderson und zwei Zweitrunder geworden sind, spricht nicht für GM Bryan Colangelo. Davon ab steht Okafor, den sie bereits aus dem Team genommen hatten, weiter im Aufgebot, was für den Big Man selbst und die Mitspieler einen wenig angenehmen Eindruck hinterlässt und dem allgemeinen Ruf der Sixers innerhalb der Liga massiv schadet.

#2: Chicago Bulls
Die Bulls bleiben plan- und ratlos. Der Trade um Taj Gibson kommt zwei Jahre zu spät, für Doug McDermott hat GM Gar Forman vor zweieinhalb Jahren noch zwei Erstrundenpicks auf den Tisch gelegt. Der Gegenwert für dieses Duo hält sich sehr in Grenzen: Cameron Payne ist unerprobt, Joffrey Lauvergne Zeit seiner NBA-Karriere ein Lückenbüßer, Anthony Morrow hat seine einzige Qualität, den Distanzwurf, in Oklahoma City verloren und mit 31 Jahren die beste Zeit womöglich hinter sich. Dass Chicago sogar noch einen Zweitrundenpick nach Oklahoma City schickt, setzen diesem miesen Trade noch die Krone auf. Der erwartete Trade um Jimmy Butler ist ausgeblieben, mit ihm und Dwyane Wade ist ein Rebuild nicht realisierbar. Kompetitiver sind die Bullen freilich auch nicht geworden, so straucheln sie weiter orientierungslos auf der Weide der sportlichen Bedeutungslosigkeit umher.


#1: Sacramento Kings
Wer sonst unterbietet die eigene Unfähigkeit seit Jahren? Sacramento hat mit dem Trade um DeMarcus Cousins einen neuen Tiefpunkt erreicht. Ihn zu traden, angesichts seines 2018 auslaufenden Vertrages, des seit Jahren vorherrschenden sportlichen Stillstands und der ständigen Unruhe um seine Person – nicht verkehrt. Ihn für dieses Paket zu verschachern hat zurecht dafür gesorgt, dass die Basketballwelt in einer Mischung aus Ungläubigkeit und Spott den Finger auf die Kings richtet. Aber auch die weitere Personalführung sorgt für Kopfschütteln: Bei Rudy Gay waren Teambesitzer Vivek Ranadivé und GM Vlade Divac zu zögerlich: Gay verletzte sich, kam für einen Trade nicht mehr infrage und wird die kalifornische Hauptstadt im Sommer ohne Gegenwert verlassen. Darren Collison und Ben McLemore werden dann ebenfalls Free Agents: Bei McLemore können die Kings mit jedem Angebot mitziehen, aber ergäbe das Sinn angesichts seiner kaum vorhandenen Entwicklung? Collison wird ligaweit Interessenten finden und hat keinen Grund, sich den chaotischen Zuständen bei den Kings weiter auszusetzen. Für beide Spieler wäre ein Trade angemessen gewesen. Der Stillstand zur Deadline unterstreich die Inkompetenz in Sacramento.


Die Gewinner

#3: Houston Rockets
Die Rockets haben mit der Addition von Lou Williams einen der Volltreffer der Deadline gelandet. Williams trifft den Dreier exzellent, ist sowohl als Ballverteiler, als auch als Spot-Up Shooter gefährlich und bringt mit sieben Mio. $ p. a. einen äußert arbeitgeberfreundlichen Vertrag mit nach Houston. Williams ist ein Wunschspieler von James Harden, denn er entlastet den Bärtigen einerseits und gibt ihm andererseits eine weitere Option am Perimeter. Derweil hat GM Daryl Morey zwei Rosterplätze plus Cap Space freigeschaufelt, ohne einen in Mike D'Antonis Rotation relevanten Spieler abzugeben. Dadurch werden die Rockets zu einem attraktiven Abnehmer für Buyout-Kandidaten, außerdem erhalten sie mehr Flexibilität in der Free Agency.


#2: New Orleans Pelicans
Mit DeMarcus Cousins landeten die Pelikane den Coup der Trade-Periode. Cousins stellt eine Qualität an die Seite von Anthony Davis, die dieser in seiner Profikarriere noch nicht kennen gelernt hat. Der Preis für den ebenso dominanten wie vielseitigen Center ist kaum der Rede wert. New Orleans wird in der restlichen Saison keine übermäßige Rolle spielen, es fehlt an Talent auf dem Flügel und der Bank. Im Sommer jedoch sind sie mit diesem Kern in der Lage, Free Agents überzeugende Argumente zu liefern und im nächsten Jahr mit dem Fundament Davis-Cousins ein Team zu stellen, das sie aus dem Loch der Irrelevanz zieht. Schon jetzt werden sich die Zuschauerzahlen in Halle, TV und League Pass erhöhen und New Orleans damit zu einem signifikanteren Punkt auf der NBA-Landkarte machen.

#1: Toronto Raptors
Serge Ibaka und P.J. Tucker anstatt Terrence Ross und Jared Sullinger. Das einzige kanadische Team der NBA hat einen Quantensprung vorgenommen und damit die Ambitionen als Herausforderer Nr. 1 auf die Cleveland Cavaliers nachdrücklich unterstrichen. Ibaka füllt die seit Jahren klaffende Lücke auf der Power Forward Position exzellent aus, P.J. Tucker bringt Toughness auf den Flügel. GM Masai Ujiri hat einmal mehr gezielt nachgeladen. Die Verstärkungen verbessern die nur durchschnittliche Verteidigung erheblich und erhöhen die Chancen der Raptors auf einen erneuten Einzug in die Conference Finals.



Das „WAS?! Die haben keinen Trade gemacht?“ – Ranking

#3: Minnesota Timberwolves
Die Jungwölfe haben abseits ihrer Top Picks Karl-Anthony Towns und Andrew Wiggins sowie Zach LaVine eine Menge Baustellen offen und galten seit Wochen als sicherer Kandidat für einen Trade. Dass sie es nicht geschafft haben, den stets fleißigen, in der heutigen NBA aber ineffektiven Ricky Rubio loszuwerden, ist ein dickes Minus. Rubios Marktwert wird in den nächsten Monaten nicht durch die Decke gehen, in Kris Dunn und Tyus Jones steht bereits die nächste Generation Gewehr bei Fuß. Zusammen mit Rubio, Shabazz Muhammad und/oder Nemanja Bjelica stand ein einigermaßen solides Paket zur Verfügung, um sich für einen späten Playoff-Run in Position zu bringen. Offenbar waren die Wolves aber nicht einfallsreich und überzeugend genug.

#2: Detroit Pistons
Motor City stockt – und deshalb war um die Deadline herum kein Spieler vor der Gerüchteküche gefeit. Andre Drummond und Reggie Jackson spielen kein besonders gutes Jahr, deshalb hätten sie unter Wert weggeschickt werden müssen. Passiv zu bleiben ist für Detroit jedoch auch nicht der richtige Weg. Obwohl sie nicht endgültig von ihm überzeugt sind, werden die Pistons im Sommer Kentavious Caldwell-Pope langfristig binden – oder ihn ohne Gegenwert hergeben. Beides verbessert ihre dauerhafte Perspektive nicht sonderlich. Die Pistons bezahlen ein höchstens durchschnittliches Team wie einen Titelaspiranten. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

#1: Boston Celtics
Die Wizards kommen mit mächtig Rückenwind, die Raptors haben ordentlich aufgerüstet und die Cavaliers dürfen sich auf Deron Williams und vielleicht sogar Andrew Bogut freuen. Alle Top Teams der Eastern Conference stehen seit Donnerstag besser da – außer die Celtics. Kein Deal in Boston – obwohl Hochkaräter wie Jimmy Butler und Paul George gehandelt wurden, die die Kelten auf einen Schlag zum ernsthaften Herausforderer des Meisters aus Cleveland gemacht hätten.


GM Danny Ainge sitzt seit Jahren auf dem prall gefüllten Bündel an Assets – hohe Draft Picks, vielversprechende Talente, gestandene Veteranen –, doch offenbar fällt es ihm schwerer, sich davon zu trennen, als es für sein Team gesund wäre. Seine besten Spieler, Isaiah Thomas und Al Horford, sind 28 und 30 Jahre alt. Ihre Zeit ist jetzt gekommen – doch Ainge checkt, anstatt seine Chips in den Pott zu werfen. Wenigstens im „WAS?! Die haben keinen Deal gemacht?“ – Ranking sind die Celtics Nummer eins.