10 Februar 2017

10. Februar, 2017


* "Der schärfste Dreierschütze der NBA." FC St. Pauli über Stephen Curry (keine Pointe)

von ANNO HAAK @kemperboyd

The Scum of the Capital of the World
"When they go low we go high" ist ein Slogan von bestenfalls mediokrer Originalität, und erfolgreich war er bekanntlich auch nicht. Das Schöne an den Knickerbockers of New York City ist, jeder lallende Dorfspilunkenpöbler führt einen intellektuell ansprechenden Diskurs verglichen mit dem Niveau, das die einst stolze Franchise aus dem großen Apfel verkörpert.

In dieser Woche, der sechsten im Jahre 2017 des Herrn, aber, in dieser Woche haben sich die Knicks auf dermaßen jämmerliche Weise selbst unterboten, dass inzwischen selbst die Sacramento Kings wie das Sportunternehmen des Jahrzehnts aussehen.

Es begann mit Phil Jackson. Der Zen-Master hatte offenbar das dringende Bedürfnis, den Beweis anzutreten, dass ca. 70-Jährige mit Verballogorrhoe durchaus kontroverse Tweets absetzen können. Dass daran jetzt nicht übermäßiger Bedarf besteht, seitdem der Knicks-Nachbar aus dem Goldklinkerturm sich aufs politische Parkett begeben hat, hatte er vermutlich übersehen, als er gerade die Verlobungsauflösungsfolgenvereinbarung gegenlas.

Also erzählte er irgendwas mit Punkten, die man auch mit noch so viel Lauge nicht vom Leoparden abgewaschen bekommt. Vielleicht hat er wirklich gedacht, die Botschaft an seinen besten Spieler wäre kryptisch genug, als dass sie nur der Adressat verstünde. Vielleicht ist Jackson auch einfach nur der schlechteste Executive seit Stepien.

Wie sonst soll man einen GM im kaputten Körper eines gealterten Trainers nennen, der seit Wochen versucht, seinen einzigen Star durch eine öffentliche Schmierenkampagne aus der Stadt zu treiben, nachdem er ihm vor 32 Monaten selbst ohne Not ein Vetorecht gegen jeden Trade einräumte.

Die Bilanz des einst als Heilsbringer willkommen geheißenen Jackson nach drei Jahren ist jedenfalls horrend. In der Dunkelheit einer 1000-tägigen Isiah Thomas'schen Nacht hatte er drei lichte Momente: den Moment der Unterzeichnung des Vertrags mit Robin Lopez, den Draft von Porzingis und den Draft von Jerian Grant.

Lopez und Grant spielen jetzt mit dem Phil Jackson unter den NBA-Starting-Backcourts, während Porzingis unter dem dritten unfähigen Übungsleiter in ebenso vielen Jahren zenmastiger Schreckensherrschaft sportlich vor sich hin vegetiert. Mit einer solchen Bilanz auf der Habenseite kann man sich schon mal mit dem vermeintlichen Franchise Player anlegen.

...und immer wenn man denkt, die Knicks sind am Tiefpunkt, unterschreibt James "Ich wäre so gerne Slash, not Trash" Dolan noch schnell eine Executive Order. In diesem Fall verhängte er ein Einreiseverbot in den MSG für Charles Oakley. Der Mann hat zehn Jahre die Knochen hingehalten für blau-orange und wollte offenbar am Mittwoch in der alten Heimat vorbeischauen.

Während er den Garden betritt, pöbelt er also einmal ohne Grund in die Runde, wird wahrscheinlich auch noch übergriffig gegen Passanten, indes dennoch von den zwei Muckibudenopfern in schlecht sitzendem "Security"-Anzug zu seinem Platz geleitet, an dem man ihn sich dann fröhlich weiter dem Eigentümer gegenüber "abusive behaven" lässt (vong Verbalinjurie her), um ihn dann höflich zu bitten, den Saal zu verlassen.

Derweil kauert Dolan, von aufmerksamen Kameras nicht verpasst, wenige Reihen davor, trinkt aus einem Pappbecher Stephon Marbury Kool Aid und tut äußerst angestrengt so, als bekäme er gar nicht mit, was sich da in seiner Hörweite zuträgt. "Beyond sad" ist noch zu wenig.

Statt sich dann verschämt in die Ecke zu stellen wie der Klassenclown, den man beim Abschreiben erwischt hat, legte die peinlichste Franchise der NBA noch einen Scheit ins Feuer des PR-Desasters. Man hoffe, Oakley bekäme Hilfe, seine Story sei "total fiction". Man betet, dass die Spicer-Conway-alternative-Facts-Fanboys vom Garden of evil wenigestens im Nachhinein die Ironie selbst erkennen.

Ich finde es ja unterhaltsam, wenn Franchises shice sind. Dass Magic jetzt die Shots callen will und seine Truppe einen Star vom Ring entfernt sieht, die Siebenfüßersammlung in Disneyland oder der verzweifelte Versuch von Paul Allen, die Wings-Kollektion aus der Pippen-Sheed-Sabonis-Zeit wiederzubeleben, alles gehobene Unterhaltung. Was die Knicks da treiben, verdient nur einen Kommentar: Löschen Sie sich, Sie überflüssige Entität!


Treason doth never prosper, what’s the reason?
For if it prospers, none dare call it treason

Mag sein. Vielleicht sind viele Sachverhalte, die man Verrat nennt, aber auch gar nicht ein eben solcher. Karriereentscheidungen hochqualifizierter junger Arbeitnehmer wie etwa, sagen wir, Kevin Durant sind eben genau das, aber kein Verrat, an was denn zum Geier auch? An einer Franchise, die er sich nicht mal als Arbeitsplatz ausgesucht, für die er sich aber neun Jahre lang den Dolan aufgerissen hatte?

Man mag ihn jetzt mit Schimpfworten, die eigentlich leichtlebigen jungen Damen vorbehalten sind, belegen, ihn als "Traitor" schmähen und 1.000 Dollar auf dem Schwazmarkt investieren, um ihn dann am Samstag bei seiner Rückkehr so auszubuhen, dass man sich am Montag mit Heiserkeit beim Arbeitgeber abmelden muss. Oder man lernt von den Cleveland Cavaliers. Wie man die Warriors besiegt und dass man sich im Leben immer zweimal sieht.




Also nehmt die türkisen Ohrstöpsel raus, zieht die orange angelaufenen Köpfe aus dem Dolan, und übt für den Season Opener 2020 in der Chesapeake whatever und sprecht mir nach:

"FRRROOOOOOOOOOOOOOOOM THE UNIVERSIITY OF TEXAS AT AUSTIN..."

Oder überlegt Euch einfach mal, ein Spaßvogel aus San Francisco transportiert einfach die ganze Franchise in den Golden State. Ich zieh die grün-gelbe Decke wieder hoch und dann trade ich vielleicht noch Jrue Holdiday für einen Nummer-3-Pick.


Fundstück der Woche
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