05 Januar 2017

5. Januar, 2017


von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Was bisher geschah

Paul Millsap verbrachte die ersten sieben Jahre seiner NBA-Karriere in Utah, wo er lange im Schatten von Al Jefferson und Deron Williams stand. Als er sich im Sommer 2013 für einen Wechsel nach Atlanta entschied war noch nicht klar, dass die kommenden drei Jahre für ihn persönlich und das damals neu formierte Team immer nur in eine Richtung zeigen sollten: Nach oben!

In seiner ersten Saison in Atlanta, die durch die Implementierung von Coach Budenholzers neuem System und einer Brustmuskelverletzung von Al Horford geprägt war, wurde Millsap erstmals ins All-Star Team gewählt. Seitdem war er in jedem Jahr Bestandteil dieses Teams.

Trotz eines heißen Flirts mit den Orlando Magic, die ihm 80 Millionen Dollar für vier Jahre anboten, entschied sich der damals 30-Jährige für eine 2+1 Vertragsvariante bei den Hawks. Diese Struktur ermöglicht es ihm, zum Zeitpunkt des damals projizierten Salary-Cap-Gipfels in einem für ihn als Basketballer immer noch guten Alter wieder Free Agent zu werden.

Nach der gemessen an Siegen etwas rückschrittlichen letzten Saison verließ mit Al Horford ein Teil des einst kongenialen Frontcourt-Duos das Team Richtung Boston. Mit Dwight Howard wurde ein noch größerer Name verpflichtet und gleichzeitig auf der Point Guard Position dem jungen Dennis Schröder das Vertrauen geschenkt.


Diese Dualität beschreibt den Weg der Hawks, die seit der Saison 2007/08 nie die Playoffs verpasst haben, sehr gut. Die Franchise versucht den Erfolg möglichst lange zu konservieren, ohne dabei zu viel Risiko in die eine (Win-Now) oder andere (Rebuild) Richtung eingehen zu müssen.

Der Verlust von Horford in der vergangenen Free Agency führt daher zu einem Szenario, in dem die Hawks sensibilisiert sind, dass ein hochkarätiger Free Agent sie verlassen könnte. Ein Abgang von Millsap würde sie vor eine große Herausforderung stellen, das etablierte Level eines “Jahr für Jahr Playoff”-Teams zu halten.

Nach den neuesten Berichten von ESPNs Marc Stein und Brian Windhorst, als Reaktion auf die Neuigkeit von Chris Haynes (ebenfalls ESPN), dass Millsap wohl die Option nicht ziehen wird und erwartungsgemäß im Sommer 2017 den Markt testen will, befassen sich die Hawks auch aus den oben genannten Gründen nun mit einem Trade ihres Topscorers.


Was will Atlanta?

Ein Trade vor Vertragsablauf würde gleich zwei potentiell nachteilige Szenarien für die Hawks eliminieren: Einmal den Verlust von Millsap ohne Gegenwert in der Free Agency, gleichzeitig eine möglicherweise zu hohe Gehaltsforderung ihres All-Stars.

Millsap ist als Spieler mit zehn Jahren Erfahrung für die höchste Stufe des Maximalgehalts qualifiziert (je nach Höhe des Salary Caps zwischen 32 und 40 Millionen Dollar), kombiniert mit einem langfristigen Vertrag, der ihn bis ins Alter von 37 Jahren an die Hawks binden könnte.

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Ein Trade zum jetzigen Zeitpunkt wird sicherlich nicht so viel Gegenwert nach Atlanta bringen wie es noch vor einem Jahr der Fall gewesen wäre, da ein potentielles neues Team die oben genannten Risiken der Hawks jetzt übernimmt und weniger von seiner aktuellen Leistung zum aktuellen Vertragstarif profitieren kann.

Nichtsdestotrotz kann ein Trade dem Budenholzer-Team einen soliden Mix aus Talent, Draft-Picks, Assets und legitimen Rotationsspielern einbringen, der ihnen bei der Franchise-Mission des langfristigen Erfolgs helfen kann. Ein Bieterstreit bei einem so selten verfügbaren Allstar-Kaliber birgt außerdem gute Chancen, dass der Gegenwert höher ausfällt, als Millsap in einem Vakuum vielleicht “wert ist”.


Mögliche Ziele

Toronto Raptors
Need
Die Raptors sind auf vier von fünf Starter-Positionen sehr gut aufgestellt. Einzig der Power Forward Spot ist mit Pascal Siakam und Patrick Patterson schwach. Der Kader hat so viel Tiefe, dass sie ein Paket mit echten, teils schon in der NBA etablierten Talenten auf unterschiedlichen Positionen anbieten können. Wenn sie auch noch Korver loseisen könnten, um das Spiel noch etwas weiter vom Korb wegzuziehen, sind die Raptors ein waschechter Konkurrent für die Cavaliers.

Fit
Die einzige Schwachstelle in der Starting Five mit einem All-Star zu stopfen kann kaum hinterfragt werden. Toronto müsste in einem potentiellen Deal mit Talenten nur ganz wenig Minuten aus der Rotation aufgeben, könnte diese mit unheimlicher Qualität ergänzen und gleichzeitig andere Spieler weiter entlasten.

Der Trade
Millsap für Terrence Ross + Pascal Siakam + Jakob Poeltl + Bruno Caboclo


Boston Celtics
Need
Die Celtics brauchen weiterhin einen Star. Ein echter Superstar kommt per Trade nur äußerst selten. Die Kategorie “regelmäßiger All-Star” ist zwar ab und an verfügbar, aber auch nicht regelmäßig. Mit Millsap könnte Danny Ainge einen Spieler der Kategorie hinzufügen, der mit auslaufendem Vertrag erstmal keine langfristige finanzielle Belastung sein muss und ihnen (möglicherweise) ermöglicht, direkt anzugreifen, ohne die allerbesten Zukunfts-Assets opfern zu müssen.

Fit
Dass ein Frontcourt-Duo Millsap/Horford funktionieren kann, haben sie drei Jahre lang in Atlanta bewiesen. Die übrigen drei Starter sind alle für sich als Upgrades gegenüber dem Äquivalent der damaligen Hawks-Teams einzuordnen. Die Bank (auch mit ein wenig Aderlass) ist ebenfalls eine Nummer besser. Den Cavs zumindest auf die Pelle zu rücken, könnte so durchaus möglich werden. Im Falle eines Scheiterns hätte Boston (bestenfalls) nichts langfristig aufgegeben.

Der Trade
Millsap für Terry Rozier + Amir Johnson + Kelly Olynyk + Guerschon Yabusele + 2019 Clippers First Round Pick + 2019 Memphis First Round Pick


Denver Nuggets
Need
Der Kader der Nuggets ist tief, hat aber eigentlich fast überall “zu viel Talent”, um es angemessen zu fördern. Der Saisonstart war holprig durchwachsen, das ein oder andere Talent konnte in die ein oder andere Richtung besser evaluiert werden, es haben sich gute und schlechte Synergieeffekte gezeigt. Zeit einen Trade zu finden, der den Stau auf einigen Positionen lösen und das Team in Richtung Playoffs pushen kann.

Fit
Ein etwas dünnerer Kader, klarere Rollen, mehr Sicherheit und Vertrauen für die, die da bleiben. In dieses bestehende Gerüst könnte sich Millsap einfügen und direkt einen enorm variablen und spielfreudigen Frontcourt um Chandler, Gallinari, und Jokic ergänzen, der als Prunkstück des Teams vorangehen und das Team in die Playoffs führen kann, wo die jungen Talente im Backcourt wichtige Erfahrung sammeln können.

Der Trade
Millsap für Will Barton + Jusuf Nurkic + Kenneth Faried



Washington Wizards
Need
In Washington zeigt der Trend nach dem furchtbaren Saisonstart wieder etwas nach oben, allerdings weiterhin als unsicherer Playoff-Kandidat. Nach den teuren (aber alternativlosen) Vertragsverlängerungen für Wall und Beal steht die Entscheidung im Sommer auch bei Otto Porter an, welche vor allem im Vergleich zu den beiden eben genannten doch mehr Zögern hervorrufen dürfte. Im Fall der Hauptstädter macht es durchaus Sinn, einen weiteren erfahreneren Baustein auf All-Star-Level hinzuzufügen, um einen schnellen Erfolg zu erzielen, den der massiv unter stehende GM Ernie Grunfeld ganz dringend braucht.

Fit
Millsap wäre ein klares Upgrade gegenüber Porter. Um finanziell einen Deal zu finden, müsste allerdings wohl auch Marcin Gortat verschifft werden, wodurch die Wizards sich ernsthafte Gedanken über die Center-Position machen müssten (Ian Mahinmi wird weiter von Verletzungsproblemen geplagt). Mit Muscala und Sefolosha wären aber immerhin weitere Bausteine für die katastrophale Bank da. Allerdings müsste in irgendeiner Form ein weiterer Move folgen.

Der Trade
Millsap + Mike Muscala + Thabo Sefolosha für Otto Porter + Marcin Gortat + Tomas Satoransky


Minnesota Timberwolves
Need
Coach Thibodeau steht auf Erfahrung, Defensive, Erfolg und Playoffs. All das bringt Paul Millsap mit und/oder verspricht die Chancen der Timberwolves darauf, sie zu erhöhen. Im Duo mit Kyle Korver würden völlig neue Elemente ins Spiel kommen, ein spürbares Gegengewicht zu den jungen Talenten darstellen und gleichzeitig dabei helfen, eine Erfolgskultur zu etablieren.

Fit
Aktuell spielt Karl-Anthony Towns viele Minuten neben Center Gorgui Dieng. Mit seiner Flexibilität ist er aber auch als Center neben Millsap vorstellbar, der selbst auch mal als Small Forward agieren könnte. Die Optionen sind zahlreich und können sogar in eine frühe Playoff-Runde führen, wo ein solches Team zumindest unangenehm zu spielen ist. Korver wäre eine wichtige Ergänzung, um von der Bank Shooting zu bringen.

Der Trade
Millsap + Korver für Ricky Rubio + Shabazz Muhammad + 2020 First Round Pick + 2018 First Round Pick (wurde bereits nach Atlanta getradet), ungeschützt