07 Januar 2017

7. Januar, 2017


Tis the trade season. Die Bäume liegen noch nicht ganz auf der Straße, da wird in der Gerüchteküche gekocht, bis die Abzugshaube aufgibt. In der Chefküche werden wie gehabt (fast) nur die getätigten Deals gebraten. Heute: The Champ is here!

von ANNO HAAK @kemperboyd

Start
Der Champ ist auf den kleinen Positionen schwach auf der Brust. Obskure Namen wie McRae, Liggins oder Felder tauchen hier nach dem Abgang von Dellavedova, Mo W. und J.R. Smith (Verletzung bis mindestens März) deutlich häufiger auf, als sie sollten. Dass man hier nachladen muss, lag auf der Hand.

Budenholzer scheint aus den Baby-Spurs die Sixers für Besserverdienende machen zu wollen. Der neue Plan heißt offenbar Komplettabriss. Nachdem man Carroll und Horford via Free Agency verlor und Jeff Teague für ein Truthahnsandwich und eine Umarmung nach Indiana verschleuderte, stehen nun mit Millsap und Korver (nebst Sefolosha und Hardaway Jr.) die letzten Ruinen des 60-Siege-Teams von 2015 zum Verkauf.


Schuss
Die Hawks bekommen einen geschützten Erstrundenpick 2019, Mike Dunleavy und den Korpus von Mo Williams samt dessen Vertrag. Die Cavs erhalten Kyle Korver.



Cavs
El Jefe hat alles zum Thema gesagt. Großtrademeister Griffin strikes again. Love geholt, den Knicks Smith und Shumpert gestohlen, Frye für ein warmes Bier bekommen und jetzt das. Korver ist in seiner dreizehneinhalbjährigen Karriere ein 44/43/88-Spieler. Für Menschen wie mich, die Zahlen kennen, aber nicht mögen, kann man es runterbrechen: Die Cavaliers bekommen den besten aktiven puren Shooter der Liga.

... und das zu einem Preis, der in der NBA Jahrgang 2017 mit „Witz“ unzureichend beschrieben ist. Runde fünf Mio. $ stehen im – noch dazu im Sommer auslaufenden – Vertrag. Defensiv mag er zwischen geöffneter Bahnschranke und grüner Ampel pendeln, aber einen besseren Kurzfristersatz für den verletzten Hemdenverächter hätte sich wohl nicht finden lassen.


Auf der mit der Lupe zu suchenden Minusseite steht fehlende Weitsicht. Man ist zwar noch nicht auf dem Weg zum Brooklyn der 20er Jahre, verschiebt allerdings bereits den zweiten Erstrundenpick der nächsten Jahre.

Den an Portland verdaddelten Erstrundenpick 2018 musste man wegen der nach dem Ex-Owner benannten Regel sogar auf das laufende Jahr vorziehen. Auch wenn er lotteriegeschützt ist, geht das stark in Richtung „Nach mir die Sintflut“.

Dunleavy ist dagegen zu verschmerzen. Er ist sogar noch etwas älter als Ashton K., hat dank der schwächsten Quote von downtown seit fast zehn Jahren die Vorschusslorbeeren der idealen 3 and D (*hust, hust, röchel*) Ergänzung ohnehin zu bittersüßem Mus verarbeitet.


Hawks
Die Kernschmelze der 4-All Star-Bande 2015 geht in atemberaubendem Tempo weiter. Der Letzte der Gerechten ist Paul Millsap, der aber nach Auskunft derer, die sich damit auskennen, in der Liga auch angeboten wird wie Gammelfleisch in Nordkorea.


Korver wäre sicher kein Teil der mittelfristigen Zukunft in Atlanta gewesen, der Vertrag lief aus und dass er im Karriereherbst Bock auf Reload in Atlanta gehabt hätte, darf man bezweifeln. Nur gibt man einen zuverlässigen (seit Ankunft bei den Hawks 2012 immer mindestens 71 Spiele) Spieler ab, der mit seinem Ray-Allen-Gedächtnis-Spiel die Räume für Schussallergiker wie Dwight Howard und Dennis Schröder schuf. Dafür bekommt man im Gegenzug so gut wie nichts von Wert.

Wenn man denn neu aufbauen will, sollte im Tausch für Starter zumindest ein bisschen Beton für das neue Fundament kommen. Carroll, Horford, Teague und eben Korver hat man jetzt für eine rote Null abgegeben. Dunleavy (über den 52-Punkte-Rentner rede ich gar nicht) will man gar nicht gebrauchen, selbst wenn man könnte.

Nicht umsonst warteten die Hawks fast 36 Stunden mit dem Anruf in der NBA-Zentrale, um ein drittes Team zu suchen, das Dunleavy abnehmen würde. Die einkommenden Picks sind Zweitrundenwahlrechte und lotteriegeschützete Picks der... Cavs 2019 und der Timberwolves 2018 (Du lieber Himmel).

Dass Dwight Howard, der offiziös immer noch Meisterschaftsambitionen konfabuliert, dieser neue Weg besonders zusagt, ist wenig wahrscheinlich. Wohl deshalb gibt es inzwischen sogar erste Gerüchte, auch er solle schon mal die Kündigungsfristen in seinem Mietvertrag in A-Town recherchieren.


Zieleinlauf 
Dass die Cavs den Trade kurzfristig gewinnen, ist eingepreist. Alles andere wäre für einen Contender auch beschämend. Berücksichtigt man den Zweck des Trades für beide Seiten... bleibt es dabei.

Vorteil: Cleveland