18 Januar 2017

18. Januar, 2017


von TIM SEITTER @Timuslav

Im Jahr eins nach Tim Duncan befinden sich die San Antonio Spurs auf einem guten Weg. Auch wenn der Abschied von Timmy schmerzt, wurde das von den meisten Kennern auch so erwartet. Wie gut es aktuell am Alamo tatsächlich läuft, dürfte allerdings auch optimistische Spurs-Fans überraschen.

Obwohl mit Duncan der Defensivanker der letzten 20 Jahre seine Sneaker an den Nagel gehängt hat, stellen die Sporen wie schon in der Vorsaison eine der besten Defensiven der Liga. Mit einem Verteidigungsrating von 101,7 muss sich San Antonio aktuell nur hinter den Utah Jazz einreihen, die die Liga in dieser Kategorie anführen.

Auch Offensiv können sich die Zahlen der Spurs sehen lassen. 111,2 Punkte pro 100 Angriffe reichen für Platz vier, hinter Toronto, Golden State und Houston. Zusammen reicht das für eine Bilanz, die sich mehr als sehen lassen kann. Mit 32 Siegen und 9 Niederlagen haben die Spurs hinter den Golden State Warriors die zweitbeste Bilanz der Liga.

Kawhi unstoppable
Großen Anteil daran hat der Nachfolger Duncans als Franchise Player, Kawhi Leonard. Als Defensivmonster ist der zweimalige Defensive Player of the Year Liga weit gefürchtet. Aller spätestens seit dieser Saison ist auch sein Offensivspiel auf Superstarlevel.

Leonard ist zu jeder Zeit in der Lage, sich einen guten Wurf zu erarbeiten und hat von jenseits der Dreierlinie, bis unter den Korb jeden Wurf im Repertoire. 24,8 Punkte pro Partie in dieser Saison bedeuten Karrierebestwert.

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Mit der Möglichkeit, Fouls zu ziehen und an die Freiwurflinie zu gelangen, hat Leonard sein Offensivpotenzial in dieser Saison nochmal erweitert. 7,2 Freiwurfversuche pro Abend, im Gegensatz zu 4,6 Versuchen in der Vorsaison, bestätigen diesen Trend. Dickes Plus: „The Claw“ trifft 91% seiner Freiwürfe, ein weiterer Karrierehöchstwert und Platz vier in der Liga.

Vintage Tony
Totgesagte leben länger. Auch Tony Parker zeigt diese Spielzeit wieder, warum er ein zukünftiger Hall of Famer ist und bereichert das Offensivspiel von San Antonio ungemein. Vor jeder Saison erwartet die Basketballwelt aufs Neue, dass Tony den vielen Meilen, die er in seiner Karriere bereits abgespult hat, Tribut zollen muss.


Dem Franzosen ist das egal. Er erlebt in diesen Tagen einen regelrechten Höhenflug. 14,4 Punkte und 5,8 Assist legt er im Januar im Schnitt aufs Parkett... Vintage Tony!

Parkers Drives zum Korb wecken in diesen Tagen nostalgische Gefühle bei den Fans der Sporen. Layups schließt er hochprozentig ab und seine Kicks finden immer wieder dankbare Abnehmer jenseits der Dreipunktelinie.

Auch sein Midrange-Jumper sitzt in diesen Wochen gewohnt zuverlässig. Tony Parker auf diesem Niveau ist eine Bereicherung für die Spurs, und so hat der Franzose einen großen Anteil an der starken Saison.

Beste Bank der Liga?
Ein weiterer Grund für den Erfolg der Sporen ist die starke Bank, die sich mit jeder in der Liga messen kann. Sie bietet alles, was das Basketballherz begehrt. Sei es Defense und Rim Protection durch Dewayne Dedmon, Scoring durch Patty Mills, Davis Betrans und David Lee oder Athletik durch Jonathon Simmons. Alle tragen dazu bei, dass die Spurs auch dieses Jahr wieder eine der besten Bench Units der Liga stellen.


Auch Rohdiamant Dejounte Murray konnte in der Rolle des Backups der Backups überzeugen. Nachdem Nicolas Laprovittola gewaived wurde, ist der Nummer 30 Pick des letzten Drafts zum Point Guard Nummer drei aufgerückt.

Beim D-League Team der Spurs, in Austin, legt der Guard beeindruckende Zahlen auf. Auch auf dem NBA-Parkett konnte er, wenn auch zu großen Teilen in der Garbage Time, für das ein oder andere Highlight sorgen. Der Coaching Staff der Spurs hält große Stücke auf den 20-Jährigen, seine Entwicklung zu verfolgen wird spannend.

Ausblick
Der weitere Verlauf der Saison hängt zu großen Teilen von der Gesundheit von Tony Parker ab. Bleibt der Guard fit und kann sein Niveau halten, können die Spurs auch weiterhin mit jedem Team der Liga mithalten.

Der nächste große Prüfstein wartet am 21. Januar auf die Herren in Silber und Schwarz, wenn es in Cleveland gegen den amtierenden Champ geht. Das Spiel läutet einen vier Spiele dauernden Roadtrip ein, bei dem nicht nur die Nummer eins, sondern auch die Nummer zwei im Osten, die Toronto Raptors, warten.

Die Spurs müssen nun beweisen, dass sie das hohe Niveau der letzten Wochen halten können. Verstecken müssen sie sich - wie in den vergangenen Jahren - auch dieses Jahr vor keinem Gegner. Dass - mal wieder - niemand von ihnen spricht, wollen die Texaner genauso.