19 Januar 2017

19. Januar, 2017

Tis the Trade Season! Nach der heißen Ware und den Hochkarätern bleiben die Spieler, deren Teams sie nur zu gerne abstoßen würden, jedoch selbst für ein Sonderangebot keine einträgliche Nachfrage erhalten. Auf dem metaphorischen Wühltisch liegen dieses Jahr...

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Rajon Rondo

Chicago Bulls | PG | 30 Jahre alt
Stats 2016/17: 6,9 PPG | 6,0 RPG | 6,9 APG | 0,2 BPG | 1,3 SPG

Sie geht steil abwärts, die Karriere des NBA Champions 2008. Seine damaligen Kollegen Ray Allen und Kevin Garnett haben sich bereits in den Ruhestand verabschiedet, Paul Pierce ist ein halbes Jahr davon entfernt. Und für Rondo könnte er früher kommen als gewünscht.

Nach missglückten Episoden in Dallas und Sacramento wagten die Bulls im Sommer den Versuch mit dem einstigen Weltklasse-Aufbauspieler. Nach nicht mal einer halben Saison haben aber selbst sie erkannt, dass dessen zweifaches Scheitern in zwei Jahren kein Zufall war. Rondo passt nicht mehr in die heutige NBA.

Die großen Defizite des vierfachen All-Stars sind schon seit Jahren entblößt, aufgrund seines schlechten Wurfs verteidigen ihn Gegner erst ab der Freiwurflinie und halten so die Zone dicht. Obwohl dieser Mangel seit Jahren bekannt ist, hat es Rondo nicht vermocht, ihn auszumerzen und sich dem Spiel anzupassen.

In Chicago spielte der 30-Jährige um den Jahreswechsel überhaupt keine Rolle keine Rolle mehr, inzwischen kommt der von der Bank, steht aber nur noch rund 20 Minuten auf dem Parkett. Der ebenfalls nicht sonderlich wurfbegabte (36,7% aus dem Feld), aber immerhin etwas dynamischere Michael Carter-Williams hat Rondo den Rang abgelaufen... zu dessen Unverständnis.


Ein Buyout oder Aussitzen des Vertrags scheint die logische Konsequenz, denn für einen Trade fehlt es an Vorstellungsvermögen. 14 Mio. $ Jahressalär steht für 2016/17 in Rondos Vertrag, kein Team mit einem Rest Verstand wird ihn zu diesen Bedingungen aufnehmen, geschweige denn wenigstens einen 2nd Round Pick bieten.

Denn selbst wenn Rondo frei zu haben wäre, finden sich kaum mutmaßliche Destinationen. Sogar die schwer verzweifelten Brooklyn Nets haben bessere Optionen auf der Eins. Und dann sind da noch die zuletzt verletzten Mario Chalmers und Jarrett Jack, die auf eine Rückkehr in die NBA drängen und die Konkurrenzsituation um die wenigen Point Guard Jobs der Liga verschärfen.


Rondos Kontrakt in Chicago ist für die nächste Saison nur teilweise garantiert. Schon jetzt gilt es als ausgeschlossen, dass sie ihn über den Juni behalten. Eine neuerliche Trennung scheint unausweichlich – und dann steht Rondo vor einer sehr ungewissen Zukunft in der NBA.


Ricky Rubio

Minnesota Timberwolves | PG | 26 Jahre alt
Stats 2016/17: 7,9 PPG | 3,9 RPG | 8,1 APG | 0,1 BPG | 1,9 SPG

Anderer Spieler, gleiches Problem. Rubio ist jünger und längst nicht der Egoist und Hitzkopf, der Rondo ist. Und doch hat er es in seinem nun sechsten Jahr noch nicht vollbracht, richtig in der NBA anzukommen. Wenngleich seine Defensive überdurchschnittlich ist und er dank der europäischen Schule ein Spiel zu diktieren vermag: Der Spanier hat keinen Wurf – und nichts ist heute in der besten Basketball-Liga der Welt ein größeres Ausschlusskriterium.

In der laufenden Spielzeit vollzieht Rubio einen Rückschritt bei den nackten Zahlen, er erzielt weniger Punkte und gibt weniger Vorlagen. Das mag mitunter auf die Umstellung zum System des neuen Coaches Tom Thibodeau und dem generell schlechtem Abschneiden der Timberwolves zurückzuführen sein.

Jedoch weist Minnesotas Aufbauspieler ein wenig rühmliches Net Rating von -2,3 auf, die Durchschnittswerte der Wölfe sind sowohl im Defensiv- als auch im Offensivrating besser, wenn Rubio nicht auf dem Feld steht – und das ist eine vernichtende Bilanz.


Schon seit Jahren existieren hartnäckige Trade-Gerüchte um den einst als Wunderkind verschrienen zweifachen Europameister, angeblich war die sportliche Leitung der Timberwolves mehrfach kurz davor, den fünften Pick des 2009 Drafts wegzuschicken.

Hier scheinen sie den richtigen Zeitpunkt verpasst zu haben, denn angesichts der aufgeführten Umstände, eines mit durchschnittlich 14 Mio. $ dotierten Vertrages bis 2019 und der qualitativen Dichte in der NBA auf der Point Guard Position erscheint es schwierig bis unmöglich, einen erschwinglichen Gegenwert zu finden.


In Kris Dunn und Tyus Jones haben die jungen Wolves in den letzten Jahren zwei Aufbauspieler gedraftet und sich damit für die Zukunft, für eine Zeit nach Rubio positioniert. Zwar sind beide Youngster noch mehr als einen Schritt davon entfernt, produktive NBA-Spieler zu sein. Dies ist angesichts der ohnehin bereits gelaufenen Saison im Target Center, in der es höchstens noch um Entwicklung und Ping-Pong-Bälle geht, unerheblich.

In Karl-Anthony Towns, Andrew Wiggins und Zach LaVine steht der Kern der Timberwolves für die nächsten Jahre. Nun gilt es, passende Komplementäre zu finden. Rubio wird hierbei keine große Hilfe sein.


Kenneth Faried

Denver Nuggets | PF/C | 27 Jahre alt
Stats 2016/17: 9,8 PPG | 7,9 RPG | 0,9 APG | 0,9 BPG | 0,8 SPG

Der dritte im Bunde, der nicht mehr so recht in die moderne NBA passt – und wie bei Rondo und Rubio liegt es am fehlenden Wurf. Die Transformation vom „Manimal“ zum Lastvieh hat sich schon länger vollzogen: Faried erfüllt nicht die zeitgemäßen Anforderungen an einen Power Forward und ist mit 2,03 Meter Körpergröße zu klein, um gegnerische Center zu verteidigen, selbst gegen ein Small-Ball-Lineup.

Schon länger versuchen die Nuggets, Faried loszuwerden, denn seinen 2014 unterzeichneten Vertrag, der ihm jährlich etwas über 12 Mio. $ einbringt, rechtfertigte er nie. Als unermüdlicher Arbeiter am Brett sind seine Leidenschaft und sein Einsatz überaus löblich, leider oft genug vergebene Liebesmüh.


Denver ist dank Faried und ihres Brockens Nikola Jokić erster in der Rebound Rate, jedoch vorletzter in defensiver Effizienz. Die Nuggets lassen die zweitmeisten Körbe zu und sind vorletzter in gegnerischerer Trefferquote.

Dieser Widerspruch erklärt sich mitunter in Farieds universellen Verteidigungsdefiziten: Sein Defensivrating beträgt indiskutable 110,6 bei einem Net Rating von -4,3. Beide Werte sind in den letzten Jahren konstant miserabler geworden. Die seit Jahren schwindenden Minuten, vor zwei Jahren waren es noch knapp 30, heute nur etwas über 20 – sind die logische Folge.

Kein Wunder also, dass der Forward mit den auffälligen Dreadlocks schon länger in der Ramschecke liegt und andere Teams nicht bereit sind, einen nennenswerten Gegenwert auf den Tisch zu legen. Zu hoch das Salär, zu gering die Perspektive – erst recht da nicht davon auszugehen ist, dass Faried mit seinen 27 Jahren sein Spiel noch umzustellen vermag.


Denver hat eine niedrige Payroll, fast 20 Mio. $ unter der Salary Cap Grenze. Der wuchtige Vertrag Farieds fällt also vorerst nicht ins Gewicht und folglich bleibt er Identifikationsfigur und Anheizer in der Mile High City. Ob die Nuggets bereit sind, ihn bis 2019 auszuhalten, darf bezweifelt werden.


Jahlil Okafor

Philadelphia 76ers | C | 21 Jahre alt
Stats 2016/17: 11,2 PPG | 4,9 RPG | 1,0 APG | 1,1 BPG | 0,4 SPG

Jahlil Okafor ist auf bestem Wege, dem 2006 gedrafteten Adam Morrison als schlechtestem dritten Pick dieses noch jungen Jahrhunderts Konkurrenz zu machen. Vor dem Draft galt er als möglicher No. 1 Pick Kandidat, mit großen Vorschusslorbeeren wurden Vergleiche zum (damals noch relevanteren) Al Jefferson gezogen.

Knappe zwei Jahre später steht das Wort „Bust“ in dicken Lettern auf Okafors Stirn geschrieben. Um den Jahreswechsel hat Philadelphias Coach Brett Brown die Geduld mit dem Defensivallergiker verloren: Okafor wurde für vier Spiele komplett aus der Rotation verbannt, von denen die chronisch erfolglosen 76ers gleich drei gewannen.


Und das aus gutem Grund. Seine Zahlen sind verheerend: Net Rating -14,8. Defensivrating 109,8 (Teamdurchschnitt: 104,7). Offensivrating – was eigentlich seine Stärke sein sollte – 95,0 (Teamdurchschnitt 98,7), bei einer Usage von 23,1%. In Kurzform: Okafor ist ein miserabler Spieler in einem schlechten Team.

Das Big Man Dilemma der 76ers geht damit in die nächste Runde: Joel Embiid ist als Franchise Player gesetzt, bei Nerlens Noel besteht zumindest die Aussicht auf einen halbwegs profitablen Trade. Okafor hingegen hat einiges in Kredit beim Trainerteam verspielt, bei den Fans sowieso.

Besteht noch ein Markt für den Spieler, der für ewig derjenige sein wird, den Philadelphia anstelle von Kristaps Porzingis in die Stadt der brüderlichen Liebe holte? Okafor befindet sich gerade mal in seinem zweiten Jahr und die Situation bei den jungen, wenig kompetitiven Sixers ist bekanntlich nicht einfach. Die vielen Niederlagen gehen jungen Spielern an die mentale Substanz.

Ein von Jahlil Okafor (@jah8) gepostetes Foto am

Noch ist der Weg als designierter Nachfolger Adam Morrisons nicht final vorgezeichnet, womöglich findet der 21-Jährige – übrigens ein entfernter Cousin von Emeka Okafor, zweiter Pick im NBA Draft 2004 und Rookie des Jahres 2005 – in einer anderen Stadt, in einem anderen System und einem anderen Coach wenigstens eine Nische in der NBA.

Bis auf weiteres ist sein Schicksal jedoch davon abhängig, wie tief die Verantwortlichen den Preis für den ehemaligen Duke Blue Devil ansetzen. In Philadelphia scheint eine gedeihende NBA-Karriere nach aktuellem Stand nicht mehr möglich.


Greg Monroe

Milwaukee Bucks | C | 26 Jahre alt
Stats 2016/17: 10,7 PPG | 6,8 RPG | 2,3 APG | 0,5 BPG | 1,2 SPG

Greg Monroe sorgte im Sommer 2015 für erhobene Augenbrauen, als er sich als einer der begehrteren Free Agents für den kleinen Markt in Milwaukee entschied und anstatt den Verlockungen und hohen Ambitionen der Großstadt einem jungen, unfertigen Team anschloss. Die Bucks sahen in Monroe eine offensive Schaltstelle am Korb, ein 15 und 10 Spieler, der er bei den Detroit Pistons war.

Dieses Versprechen hat der 26-Jährige auch in seinem zweiten Jahr in der Bierstadt nicht eingelöst. Die Starterrolle, die er vergangenes Jahr noch bekleidete, ist ihm längst abhanden gekommen – zugunsten der – mit viel guten Willen – mittelmäßigen John Henson und Miles Plumlee.


In der laufenden Spielzeit steht Monroe deutlich weniger als selbst in seiner Rookie-Saison auf dem Parkett, die nur 21 Minuten pro Abend machen sich numerisch bemerkbar. 6,8 Rebounds pro Spiel sind ein Career-low, mit 10,7 Punkten im Schnitt liegt er nur knapp über dem Wert seines ersten Jahres in der NBA.

Dabei sind seine Advanced Stats nicht einmal unfruchtbar, im Gegenteil: Monroes Net Rating von +7,1 ist das beste des ganzen Teams, offensiv macht er die Bucks merklich besser, ohne die Defensive erheblich zu schwächen.


Das Problem ist ein strukturelles: Milwaukees Nummer 15 hat seine größten Stärken im Low Post und passt somit nicht sonderlich in Coach Jason Kidds auf häufiges Small-Ball ausgerichtetes System, in dem der angehende All-Star Giannis Antetokoumpo als Alleskönner glänzt und die Präsenz eines zusätzlichen Big Man nicht zwingend erforderlich macht.

Daher versuchen die Bucks schon länger, einen Trade einzufädeln. Als offensiv versierter, in der besonders für Big Men renommierten Georgetown University ausgebildeter Center hat Monroe sicherlich einen Markt in der NBA. Ein Trade zur Deadline wird jedoch erschwert durch seine Vertragssituation.


Der 2,11 Meter Mann hat im Sommer eine Player Option über knapp 18 Mio. $, die Interessenten abschreckt, da einerseits die Gefahr eines Abgangs in der Free Agency droht, andererseits diese Summe trotz gestiegenen Caps das gegenwärtige Leistungsvermögen nicht ansatzweise widerspiegelt.


Monta Ellis

Indiana Pacers | SG | 31 Jahre alt
Stats 2016/17: 8,7 PPG | 2,9 RPG | 3,3 APG | 0,4 BPG | 1,1 SPG

Die „Mississippi Missile“ befindet sich im Sturzflug und auf bestem Wege, eine unvollendete Karriere als solche zu manifestieren. Über Jahre hinweg hat es Monta Ellis nicht vermocht, seine Kritiker verstummen zu lassen, die ihm eine ineffiziente Spielweise und ein sehr limitiertes Arsenal vorwerfen.

Die neue Philosophie der Pacers, von einem brachialen Defensivbollwerk zu aufregendem Hochgeschwindigkeitsbasketball sollte Ellis zugute kommen, im Tempo und Drives zum Korb liegen seine Stärken: Verbessert haben sich seine Zahlen und seine Effektivität jedoch nicht.

Im Gegenteil: Bei Punkten und Assists war Montas Ausbeute nur im Rookie-Jahr geringer, das war auch die bislang einzige Saison, in der er durchschnittlich weniger als 30 Minuten auf dem Feld stand. Aktuell sind es etwas unter 29 – Tendenz sinkend, denn seine Starterposition hat er an den leidlich talentierten Glenn Robinson III verloren.


Nicht zu Unrecht. Ein Querschnitt durch Montas Stats lassen den geneigten Fan angesichts seiner einstigen offensiven Schlagkraft erschaudern. Dass der Wandel der Pacers nicht reibungsfrei verlaufen ist und sie im Eastern Conference mitten im engen Feld zwischen Rang vier und elf treiben, stets im Wandel von Ebbe und Flut, mal knapp oberhalb einer ausgeglichenen Bilanz, mal knapp unterhalb, liegt mitunter an der offensiven Abhängigkeit von Starspieler Paul George.

Für dessen Entlastung war Ellis vorgesehen, als ihn die Pacers 2015 für vier Jahre und 44 Mio. $ in den Hoosier State holten. Eineinhalb Jahre später sollte klar sein, dass er diese Funktion nicht erfüllen wird. Zwar spielen die Pacers um die Playoffs, doch wie so viele andere Teams im Osten sähen sie sich gerne in einer Verfolgerrolle der Cleveland Cavaliers. Hierzu sind spätestens im Sommer neuerliche Modifikationen erforderlich.

Dann hat Indianas Mann am Zepter Larry Bird massig Cap Space zu vergeben und wird sein Augenmerk auf einen Shooting Guard richten, auf ein passendes Komplement zu Paul George und Jeff Teague. Monta Ellis ist dies nicht.


Für den laufenden, wenig vielversprechenden Playoff-Run brauchen sie den Most Improved Player des Jahres 2007 – lang, lange ist es her – nicht unbedingt. Wirkliche Begehrlichkeiten weckt der 31-Jährige allerdings auch nicht.

Bisher haben weder die Golden State Warriors, noch die Milwaukee Bucks oder Dallas Mavericks Ellis nach seinem Abgang auch nur eine Träne nachgeweint. Den Indiana Pacers wird es nicht anders ergehen, erst recht wenn sie es schaffen, ihn noch vor seinem bis 2019 laufenden Vertrag mit einer Teamoption im Vorjahr wieder loszuwerden.