17 Januar 2017

17. Januar, 2017

Tis the Trade Season! Der erste Teil beleuchtet die heiße Ware, im zweiten Teil stehen die Hochkaräter im Fokus, um die sich die Gerüchte ranken. Spieler dieses Formats werden in der Regel seltener getradet, doch was ist in der NBA 2017 schon normal?

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Blake Griffin

Los Angeles Clippers | PF | 27 Jahre alt
Stats 2016/17: 21,1 PPG | 8,8 RPG | 4,7 APG | 0,5 BPG | 1,0 SPG

Nach langen Jahren in der Wüste der sportlichen Bedeutungslosigkeit waren die Clippers infolge der Verpflichtung von Chris Paul prädestiniert, erstmals in der Geschichte der Franchise (mindestens) die Conference Finals zu erreichen. Die Gruppe um Paul, DeAndre Jordan, J.J. Redick, Jamal Crawford und Blake Griffin hatte alle Puzzleteile beisammen, um endlich aus dem großen Schatten des anderen in Los Angeles ansässigen Teams zu treten.

Und doch ist dieser Traum bisher ein solcher geblieben und droht es angesichts der schwergewichtigen Konkurrenz der Golden State Warriors und San Antonio Spurs auch zu bleiben. Dieses Jahr ist so etwas wie die letzte Chance dieser personellen Konstellation: Griffin, Paul und Redick werden Free Agents, Crawford im März schlanke 37 Jahre alt.


Selbst wenn es ihnen gelingen sollte, im Sommer die genannten Free Agents im Staples Center zu halten, bleibt kaum noch Raum, um das Team endlich in der Tiefe zu verstärken. Eine erträgliche Bank fehlte den Clippers bereits, als Donald Sterling noch in der Besitzerloge Platz nahm.

Die Zukunft der Mannschaft um Doc Rivers steht auf wackligen Beinen, sodass ein Plan B in der Schublade liegen muss. Dieser betrifft den nach Jordan dienstältesten Clipper und ehemaligen No. 1 Pick Griffin. Sportlich bestehen kaum Zweifel am 27-Jährigen. Seine Prügelei mit einem Physiotherapeuten im Frühjahr 2016, bei der er sich die Hand verletzte und wochenlang ausfiel, hat ihm aber intern und extern einiges an Sympathie gekostet.

Und nicht nur das: Griffins Fehlen offenbarte, wer bei den Clippers die Hosen anhat. Letzte Saison gewann L.A. in seiner Abwesenheit angeführt von ihrem zweiten legitimen All-Star Chris Paul 30 von 45 Partien und marschierte auf einem soliden vierten Platz in die Playoffs. Blake scheint entbehrlich, CP3 weniger.


Diese Tendenz bestätigt sich aktuell wieder: In Pauls Abwesenheit um den Jahreswechsel verloren die Clippers fünf von sieben. Seit seiner Rückkehr ins Aufgebot sind sie in fünf Spielen ungeschlagen. Die Clippers verstehen es immer besser, Griffins häufiger werdende Ausfälle zu kompensieren.

Einen gleichwertigen Ersatz für ihre Nummer 32 darf das Team von „Developers“ Steve Ballmer im Februar sicherlich nicht erwarten. Dafür aber mehr Tiefe, vor allem auf dem Flügel und im Aufbau, wo Wesley Johnson und insbesondere Trainersohn Austin Rivers nicht immer die größte Hilfe sind.


Um den im Sommer drohenden Schiffbruch zu vermeiden, müssen die Kalifornier erwägen, jetzt proaktiv zu handeln. Ein Spieler von Griffins Format ist nicht häufig auf dem Markt, mehrere Teams suchen seit Jahren händeringend nach einem legitimen Franchise Player und signalisieren Bereitschaft, dafür tief in die Tasche zu greifen.

Entsprechend hoch ist die Verhandlungsbasis anzusetzen. Die heikle Situation um Blake zwingt die Clippers womöglich zu ihrem Glück, aus der Not eine Tugend zu machen, seinen Abgang in der Breite zu kompensieren und somit Chris Paul zu signalisieren, dass der Club mit ihm als Gallionsfigur einen neuen Weg in Richtung Championship einschlägt.

Interessenten: Celtics, Kings, Nuggets, Suns, Thunder
Trade-Wahrscheinlichkeit: 35%


DeMarcus Cousins

Sacramento Kings | C/PF | 26 Jahre alt
Stats 2016/17: 28,1 PPG | 10,0 RPG | 4,2 APG | 1,4 BPG | 1,4 SPG

Das Auf und Ab um DeMarcus Cousins geht in die entscheidende Runde. Lange Zeit galt Boogie aufgrund seines 2018 auslaufenden Vertrags und der chronischen Perspektivlosigkeit bei den Kings – noch immer wartet er auf sein erstes Playoff-Spiel – als Top-Kandidat für einen Blockbuster-Trade.

Geändert hat dies die erfreulich reibungsfreie Einigung auf ein neues Collective Bargains Agreement und damit zusammenhängend die Möglichkeit, einen Franchise Player wie es Cousins ist, zu einem bisher nie dagewesen, astronomischen Vertragsvolumen zu verlängern. Die Rede ist von 207 Mio. $.


Diese Summe riegelt sämtliche Abwanderungsgedanken ab und ist und ein Tiefschlag für die Hoffnungen derjeniger, die aufgrund der desaströsen Zustände in Sacramento auf einen Trade um deren besten Spieler lauern.

Die Kings werden spätestens im Sommer ihrem elitären Big Man diesen Vertrag anbieten und es sieht sehr danach aus, dass Cousins ihn auch anzunehmen gedenkt. Loyalitätsbekundungen, wie er sie immer wieder in Richtung Stadt und Franchise loslässt, sind in der NBA keine Seltenheit und ebenso häufig vergessen, sobald die Free Agency beginnt. Dass Boogie 207 Mio. $ ablehnt erscheint aber utopisch.

Einen Strich durch die Rechnung machen kann er sich demnach nur noch selbst. Denn: Es bestehen ernste charakterliche Zweifel am 2,11 Meter Mann. Sein unreifes bis kindisches Verhalten auf und abseits des Platzes hat sich in den letzten Jahren zwar etwas gebessert, bereitet dem Umfeld jedoch weiterhin Sorgen. 

Ende 2016 bedrängte und bedrohte er einen Reporter der lokalen Zeitung Sacramento Bee und war auch – selbstverständlich – an vorderster Front mit dabei, als Cousins‘ ebenso für seine Eskapaden bekannter Teamkollege Matt Barnes in einem Nachtclub angeblich eine Frau attackierte und würgte. Wann immer es bei zu einem derartigen Vorfall kommt, was bei den Kings eher Normalität als Ausnahme ist, ist Boogie beteiligt.


Von Selbstbeherrschung, Demut oder Einsichtsvermögen fehlt beim 26-Jährigen auch in seinem siebten Profijahr jede Spur. Dass die Kings in all der Zeit kein Gewinnerteam stellten, muss neben der unfähigen sportlichen Leitung auch ihrem Franchise Player Cousins und seinen offensichtlich nur gering vorhandenen Führungsqualitäten angelastet werden.

Selbst bei den Kings ist die Geduld nicht unendlich und Cousins neuerliche Ausfälle eigentlich ein guter Grund, das erwähnte Rekordangebot zumindest noch einmal zu überdenken. Andererseits haben angeblich potentielle Abnehmer, darunter die Boston Celtics, aufgrund seines Rufes als Unruhestifter von einem neuerlichen Angebot Abstand genommen.

Sollte sich Boogie also selbst nicht wieder einmal ein Bein stellen, sieht es sehr danach aus, als würde die zumindest stets unterhaltsame Ehe zwischen ihm und den Kings noch einige Jahre fortgeführt werden.

Interessenten: Bulls, Celtics, Lakers, Nuggets, Wizards
Trade-Wahrscheinlichkeit: 5%


Carmelo Anthony

New York Knicks | SF/PF | 32 Jahre alt
Stats 2016/17: 22,2 PPG | 6,0 RPG | 3,1 APG | 0,4 BPG | 1,0 SPG

Wieder einmal brennt bei den Knicks der Baum, wieder einmal hinken die New Yorker den eigenen Ansprüchen meilenweit hinterher, wieder einmal ist absehbar, dass sie es in der einfacheren Conference und einer der einfachsten Divisions der Liga nicht schaffen, konstant Leistung aufs Parkett zu bringen.

2017 haben die Kniehosenträger nur zwei von neun Begegnungen gewonnen, mit den letzten Spielen des Vorjahres sind es sogar zwei von 13. Der geographische Nachbar und Schlusslicht Brooklyn liegt daher auch tabellarisch näher als der Primus aus Cleveland. Das von Neuzugang Derrick Rose postulierte „Superteam“ ist sehr viel schuldig geblieben und so wird, wie in New York üblich, alles und jeder infrage gestellt.


Angefangen mit dem zeitweise hilflos agierenden Coach Jeff Hornacek über Teampräsident Phil Jackson, dessen elf Ringe ihm bis dato nicht geholfen haben, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen – bis hin zum Franchise Player.

Carmelo Anthony, der Hometown Hero, der auf den Freiplätzen New Yorks das Körbewerfen lernte, war so etwas wie das personifizierte Versprechen der Rückkehr in die sportliche Relevanz. Doch nach zuletzt dreimaligem Verpassen der Playoffs und den gegenwärtigen Schwierigkeiten, ist auch er vorerst gescheitert.

Es ist ein gegenseitig gebrochenes Versprochen: Anthony ist nicht die Lichtgestalt und der Anführer, den sich die Knicks erhofften. Umgekehrt schaffte es die New Yorker Führung in sechs Jahren nicht, ihm eine Truppe von gehobener Qualität zur Seite zu stellen, wie sich beide Partien dies spätestens 2014 bei Carmelos pompöser Vertragsverlängerung über fünf Jahre und 122 Mio. $ ausgemalt haben. Konsequenz der Dinge: Ein neuerliches Melo-Drama bahnt sich an.


Weil auch namhafte Akquisitionen wie Derrick Rose und Joakim Noah keinen kurzfristigen Erfolg gebracht haben und Melo sein Glück unverbesserlich weiter in Isolation Plays sucht, wird es an der Zeit, die Franchise auf Kristaps Porzingis auszurichten – und nicht mehr auf Anthony, der bekanntlich nicht sonderlich gerne das Scheinwerferlicht teilt.

Umgekehrt läuft dem im Mai 33 Jahre alt werdenden neunfachen All-Star die Zeit davon. 2011 erzwang er aus Perspektivlosigkeit einen Wechsel von den Denver Nuggets in die Heimatstadt, mehr als einen Einzug in die zweite Playoff-Runde 2013 hat er im blau-organenen Trikot nicht vorzuweisen. Trotz drei Olympischen Goldmedaillen droht seine Karriere, sein außergewöhnliches Talent, nicht nur unvollendet zu bleiben, sondern verschenkt.

2018 kann Melo aus seinem Vertrag aussteigen und weil die Zukunft im Madison Square Garden lettisch spricht, muss sich die sportliche Leitung zwangsläufig mit dieser Personalie beschäftigen. Anthony hat eine No-Trade-Klausel im Vertrag stehen, kann also jeden Deal unterbinden. Dennoch kursieren die Namen zweier Teams, für die er sein Veto angeblich fallen lassen würde: Die Cleveland Cavaliers von LeBron James und die Los Angeles Clippers von Chris Paul, mit denen er jeweils sehr gut befreundet ist – Stichwort Bananenboot.

Diese Gedankenspiele werfen allerdings eine Reihe von Fragen auf: Würde sich Melo einem Franchise Player LeBron bzw. CP3 unterordnen? Wäre er bereit, für die Chance auf einen Ring die zweite Geige zu spielen? Wären umgekehrt diese beiden Teams überhaupt willig, den nicht immer einfach handzuhabenden Anthony aufzunehmen und den mutmaßlich nicht geringen Gegenwert zu bezahlen?


Vieles an diesem Konstrukt ist reine Spekulation. Doch mit jeder Niederlage der Knicks wird ein Wechsel zumindest nicht unwahrscheinlicher. Und dass er selbst schon über die Möglichkeit eines Abgangs spricht, darf zumindest als erster Schritt aus New York City heraus gewertet werden.

Interessenten: Cavaliers, Clippers
Trade-Wahrscheinlichkeit: 25%


Bradley Beal

Washington Wizards | SG | 23 Jahre alt
Stats 2016/17: 22,5 PPG | 2,8 RPG | 3,5 APG | 0,3 BPG | 1,0 SPG

Der Saisonstart der Wizards war eine der größeren Enttäuschungen der laufenden Spielzeit. Mit neuem Coach und hohen Ambitionen gestartet, fanden sich die Hauptstädter bald schon in den unteren Regionen der Eastern Conference wieder.

Zwar haben sie aus dem 6-12 Zwischentief eine positive Bilanz gemacht und sind wieder voll im Playoff-Rennen. Nach dem Scheitern im Vorjahr darf das aber nicht der eigene Anspruch sein und der durchwachsene Saisonverlauf der willkommene Anlass, die derzeitige Personalkonstellation zu überdenken.


Erst im Sommer verlängerte Washington mit Bradley Beal über fünf Jahre und 128 Mio. $. Kurze Zeit später wurde allerdings publik, dass er und John Wall zwischenmenschlich wenig kompatibel seien. Auch auf dem Feld sind sich die beiden Guards zu ähnlich, um fruchtbar zu koexistieren.

Weil Wall als Franchise Player und Gesicht der Wizards nicht zur Debatte steht und Beal außerdem verletzungsanfälliger ist – erst ein Mal seit seinem NBA-Debüt 2012 absolvierte er über 70 Spiele der Regular Season – bietet sich ein Trade des 23-Jährigen an. Die Interessenten für den ehemaligen Florida Gator bekommen Sicherheit bis 2021 – ein überzeugendes Kaufargument.

Washington hat trotz hoher Payroll auf beinahe allen Positionen Qualitätsdefizite. Das schafft einerseits Druck, zur Trade Deadline aktiv zu werden, andererseits sind die Hauptstädter nicht auf einen bestimmten Spielertypen als Gegenwert festgelegt. Darüber hinaus können sie zusätzlich einen vielversprechenden jungen Flügel – Otto Porter oder Kelly Oubre – in den Topf werfen.


Für Beal selbst wäre eine Emanzipation von den Wizards die Chance, mehr Verantwortung zu übernehmen, ein „eigenes“ Team zu führen, zum Anführer und Taktgeber zu wachsen, nach dem Vorbild von James Harden 2012. Ob sich ein Abnehmer findet, der ihm diese Rolle und Evolution zutraut, steht auf einem anderen Stern.

Interessenten: Kings, Lakers, Magic, Nets
Trade-Wahrscheinlichkeit: 30%


Danilo Gallinari

Denver Nuggets | SF | 28 Jahre alt
Stats 2016/17: 17,0 PPG | 5,0 RPG | 2,1 APG | 0,3 BPG | 0,7 SPG

Seit der Italiener im Zuge des Deals um Carmelo Anthony in der Mile High City aufschlug, ist er ein gerne gesehener Gast in der Gerüchteküche. Denn seitdem geht es für die Nuggets entweder bergab oder nicht mehr bergauf.

36, 30 und 33 lautet die Anzahl der Siege der letzten drei Spielzeiten. Für die Playoffs reicht das freilich nicht, für einen hohen Draft Pick auch nicht. Gallinari fungiert als Gesicht dieser Mediocrity Treadmill, denn einerseits ist er zu verletzungsanfällig, um seinem Team über eine ganze Saison zu helfen, insgesamt 60 Spiele verpasst er in den letzten beiden Jahren.

Andererseits ist er zwar der beste Spieler seiner Mannschaft, aber eben nicht die Definition eines echten Franchise Players – eines Ausnahmetalents, das den Unterschied macht und sein Team auf die Erfolgsspur führt. Im prominent-historisch-unpassenden Vergleich ist er weitaus mehr Scottie Pippen als Michael Jordan.


Um endlich wieder sportlich relevant zu werden, brauchen die Nuggets einen solchen Franchise Player. Und den via Trade zu bekommen ist nicht nur ausgesprochen schwierig, sondern auch sehr, sehr teuer.

Schon länger werden die Nuggets genannt, wann immer ein außergewöhnlicher Spieler wie Blake Griffin oder DeMarcus Cousins verfügbar zu werden scheint. Und in der Tat gehören sie zu den Teams in der Liga, die am meisten auf den Tisch legen können: Diverse Draft Picks? Check! Junge und verheißungsvolle Talente? Check. Spieler, die vielleicht nicht hervorragend, aber doch sehr gut sind? Hier führt analog zum Melo-Trade kein Weg am Milanesen vorbei.


Die heikle Situation um Gallinari erhält zusätzliche Würze, da der 28-Jährige im Sommer Unrestricted Free Agent werden wird. Denver hält alle Trümpfe in der Hand, kann ihm als einziges Team einen Fünfjahresvertrag anbieten und ihre Nummer 8 betont auch stets, wie wohl er sich in Colorado fühlt.

Nur sind solche Bekenntnisse im Sommer schnell vergessen, wenn ein Team mit Playoff-Qualität, einem legitimen All-Star im Kader oder gar Aussicht auf eine Championship anklopft. Die sportliche Leitung der Nuggets muss derweil erörtern, ob sich Gallo noch auf seinem sportlichen Zenit befinden wird, wenn sie endlich wieder ein konkurrenzfähiges Team stellen – was noch das eine oder andere Jahr dauern wird.

Sollte sich ein Trade um einen Spieler von oben genanntem Kaliber anbahnen, wird GM Tim Connelly nicht zögern, Gallinari in den metaphorischen Topf zu werfen. Viel interessanter wird jedoch die Frage, ob es auch eine etwas niedrigere Kategorie sein darf, oder ob sie riskieren, ihn im Sommer zu verlieren, respektive mit ihm in die Zukunft zu gehen.

Interessenten: Celtics, Clippers, Magic, Pelicans, Wizards
Trade-Wahrscheinlichkeit: 45%


Jimmy Butler

Chicago Bulls | SF/SG | 27 Jahre alt
Stats 2016/17: 24,9 PPG | 6,8 RPG | 4,6 APG | 0,3 BPG | 1,8 SPG

Nach dem überraschend starken Saisonstart der Bulls ist Ernüchterung ins United Center eingekehrt. Alle Vorbehalte, nach denen Chicagos Offensive kein Spacing produziert und ausrechenbar wird, haben sich spätestens im Dezember bewahrheitet, als sie 11 ihrer 17 Spiele verloren. Chicago ist 19. in offensiver Effizienz, vorletzter in der True Shooting Percentage.

Das mag für das Schneckenrennen um die hinteren Playoff-Plätze der Eastern Conference genügen, entspricht aber so gar nicht dem Anspruch der Windy City und der permanent verpflichtenden Glorie der Neunzigerjahre, an der die heutigen Spieler im Bulls-Jersey noch heute gemessen werden.


Alle Ambitionen Chicagos sind wieder einmal frühzeitig zum Erliegen gekommen und das schon seit Jahren überfällige Drücken des roten Knopfes erscheint von Tag zu Tag unvermeidlicher. Stand heute sind sie meilenweit davon entfernt, LeBron James und den Cleveland Cavaliers in irgendeiner Form gefährlich zu werden. Warum sich also nicht frühzeitig in Position bringen für die Zeit, in der LeBron nicht mehr ganz LeBron ist?

Ein Rebuild wäre schon im Sommer der notwendige und richtige Schritt gewesen. Bereits nach einem halben Jahr ist absehbar, dass Rajon Rondo ein kompletter Fehlgriff war und auch vom nun 35-jährigen Dwyane Wade keine Husarenstücke mehr zu erwarten sind, zumindest nicht mit dieser Kaderzusammenstellung.

Der klassische Weg in den Rebuild ist es, seinen besten Spieler für Draft Picks und Youngster zu traden. In Chicagos Fall wäre das Jimmy Butler, einer der besten Two-Way-Wings der Liga. Um den Jahreswechsel bewies Chicagos Nummer 21 seinen Wert mit 40 Punkten gegen die Brooklyn Nets, 42 Punkten gegen die Toronto Raptors und 52 Punkten gegen die Charlotte Hornets.


Dass die Verantwortlichen in der Windy City trotzdem nicht glücklich mit „Jimmy Buckets“ sind, zeigten sie bereits vergangenen Sommer, als sie angeblich kurz vor einem Trade mit den Minnesota Timberwolves und/oder Boston Celtics standen.

Nach den Fehlern des letzten Sommers gilt es zügig, Schadensbegrenzung zu betreiben und das vorhersehbare Erstrundenaus anderen zu überlassen: Die Bulls werden im Juni möglicherweise den Draft Pick der Sacramento Kings erhalten – die Chancen stehen ordentlich, dass die Top-10 Protection nicht greift.

Mit dem eigenen Pick und zusätzlichen, die ein Trade Butlers brächte und oberste Bedingung für einen Deal sind, ließe sich innerhalb kurzer Zeit aus einem Team ohne wirklicher Perspektive eine hungrige und dynamische Mannschaft umbauen, die der junge Coach Fred Hoiberg formen kann.

Sicherlich bedarf es einiges an Überwindung, einen Spieler von Butlers Talent abzugeben, der zudem mindestens bis 2019 vertraglich gebunden ist. Allerdings gilt der zweifache All-Star als nicht immer pflegeleicht und würde einen Rebuild nicht ohne Widerworte mittragen.

Sollten sich die Bulls entscheiden, aufgrund der verfahrenen Konstellation um Wade und Rondo mit einem Stoßgebet den aktuellen Kader in Richtung Postseason zu schicken, wird Butler spätestens zum Draft im Juni wieder einer der prominentesten Namen der Gerüchteküche sein.

Interessenten: 76ers, Celtics, Kings, Pelicans, Timberwolves
Trade-Wahrscheinlichkeit: 30%