08 Januar 2017

8. Januar, 2017


Das neue Jahr ist da und somit der geeignete Zeitpunkt für den Blick zurück und voraus. Wer setzte 2016 seine Duftmarke und wer wird es 2017 tun? Was sollte sich in der NBA ändern? Die #NBACHEF Redaktion schwelgt in Erinnerungen, wagt Prognosen und verkündet die Wünsche für das nächste Basketballjahr.

von NBACHEFSQUAD

Das NBA-Jahr 2016 bleibt in Erinnerung für... 

Stefan Dupick @hoopsgamede: Ein herausragendes Comeback der Cavs gegen die Warriors in den Finals. LeBron James konnte in der Serie zudem beweisen, dass er noch immer der beste Spieler auf dem Planeten ist.

Philipp Landsgesell @Phillyland: Das eingelöste Versprechen von LeBron James. Die letztjährige Finals-Serie bot alles, was ein Sportlerherz sich zu erträumen mag. Ja, die Warriors gaben leichtfertig eine 3-1 Führung her (Hallo, Draymond Green!), aber die Story der Finals ist der erste Titel für eine Franchise aus Cleveland seit Menschengedenken und dass dadurch James endgültig in den Basketballolymp aufgestiegen ist. Ich werde nie vergessen, wie LeBron Iguodala blockt und Irving den Dreier eiskalt über Curry einnetzt. Die Finals. Die Erinnerung 2016!

Torben Siemer @LifeOfTorben: LeBron James, King of Basketball. Nach der vergeblichen Monster-Performance in den 2015er Finals machte er sich im vergangenen Juni endgültig unsterblich. Ich saß am frühen Morgen vor dem Fernseher und war am Ende von Spiel sieben schlicht sprachlos, freute mich wohl zum ersten Mal für und mit LeBron. LBJ hat damit seinen Lebenstraum erfüllt und einen ganzen Bundesstaat glücklich gemacht – viel mehr geht nicht. Und „The Block“ als Sequenz des Jahres habt ihr ja sicher noch vor Augen...

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Marc Lange @godzfave44: Die Cleveland Cavaliers. Klar, die Cavs sind Meister geworden. Von daher sollte das auch so sein. Aber für das Team aus Ohio war das eben mehr, als nur eine einfache Meisterschaft. Im Jahr 2016 fanden die Finals statt, in denen LeBron James seine inneren Dämonen besiegen konnte. Er bewies – trotz aller Titel und Auszeichnungen, die er zu diesem Zeitpunkt schon gesammelt hat – warum er der „Chosen One“ ist. Er beendete die 52-Jahre-Durststrecke der Cavaliers. Seit diesem Kraftakt ist es wirklich angebracht, LBJ und einen gewissen Michael Jordan in einem Atemzug zu nennen. Betrachtet man es von der anderen Seite, wird 2016 für immer ein dunkles Kapitel in der Franchise-Historie der Warriors sein. Ich sag nur: „Don't let this distract you from the fact...“

Daniel Schlechtriem @W14Pick: „The Shot“, gepaart mit LeBrons unbändigem Willen, sogar ein 1-3 umzudrehen. Infolge dessen Kevin Durants Abgang aus Oklahoma City, den so viele für ausgeschlossen erklärt hatten. Außerdem die Rücktritte von Kevin Garnett, Kobe Bryant und vor allem Tim Duncan, die so etwas wie das Ende einer Ära einläuten. Schon bald wird kein Spieler mehr, der vor dem Jahr 2000 gedraftet wurde, auf dem Parkett stehen.


2017 wird ein gutes Jahr für... 

Dupick: Kevin Durant, nach seinem Wechsel nach Golden State könnte es dieses Jahr den ersten Titel geben... ich lege mich fest, es wird den ersten Titel für KD geben!

Landsgesell: Agenten, die einen Super-Max-wertigen Spieler unter Vertrag haben. 35% des Caps und längere Vertragslaufzeiten können Teams nun ihrem qualifizierten Spieler bieten. Das wird die Agenten freuen.

Siemer: Giannis Antetokounmpo. Milwaukees Nummer 34 dürfte bald der erste All-Star in Diensten der Bucks seit Michael Redd im Jahre 2004 werden. Die Bucks sind spätestens jetzt endgültig sein Team und er selbst ist auf dem Weg zum Superstar, führt jenes in allen Boxscore-Stats an. 24 Punkte, neun Rebounds, fünf Assists, zwei Steals und zwei Blocks – pro Spiel. Wenn jetzt noch der Dreier zu fallen beginnt… Ach ja, Anfang Dezember feierte Giannis seinen 22. Geburtstag. 2017 wird also wohl nur das erste von vielen guten Jahren.

Lange: James Harden! Ich weiß bisher noch nicht genau, was mich mehr beeindruckt: Die bloße Statline vom Bart jede Nacht? Die großartige Bilanz von einem, auf dem Papier, nur durchschnittlichen NBA-Team? Oder die Tatsache, dass Harden momentan wirklich so unfassbar gut ist, dass nicht mal mehr die „Er spielt aber keine Defense“-Sprüche durchs Internet kreisen. Auch wenn es am Ende vielleicht nicht zum Titel reichen wird, sieht es momentan ganz gut bezüglich der MVP-Trophäe aus. Schnappt sich das bärtige Offensivfeuerwerk diesen Titel, war das auf jeden Fall ein „gutes Jahr“ für ihn.

Schlechtriem: LeBron James, denn im Osten hat sich immer noch kein ernsthafter Herausforderer hervorgetan, sodass die Kavaliere wieder mit zwei Sweeps in den Conference Finals stehen und letztlich einmal mehr ausgeruht in die Finals einziehen. James Harden und Russell Westbrook verewigen sich in den Geschichtsbüchern: Ersterer wird erstmals MVP, letzterer hält seinen Triple-Double-Kurs.

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2017 wird ein schlechtes Jahr für... 

Dupick: Die Nets! Das Team ist schlecht, Free Agents interessieren sich daher kaum noch für Brooklyn und selbst Tanking bringt den Nets gar nichts, schließlich können und werden die Celtics den hohen Draft Pick dieser Saison mit dem eigenen, nicht ganz so hohen tauschen. Es gilt zu befürchten, dass dieser Text auch in 2018 für die Nets exakt so übernommen werden kann...

Landsgesell: Alle außer Cleveland und Golden State. Kein Team im Osten, noch im Westen, hat das Potenzial die beiden Titelfavoriten zu stürzen, vorausgesetzt sie bleiben gesund. Die Liga ist kompetitiv, keine Frage, aber an den beiden Mannschaften führt kein Weg vorbei.

Siemer: Fans von Dirk Nowitzki. „Father Time“ wurde von noch niemandem besiegt, jetzt scheint er auch Dirk langsam einzuholen. Im 19. NBA-Jahr sagt der Körper immer öfter Nein, die Fortsetzung der Karriere auch in der 20. Saison scheint fraglich. Hoffentlich findet Dirk bald zurück zur Form des Vorjahres – denn so ein Abschied wäre seiner irgendwie nicht würdig. Wir sollten aber wohl spätestens jetzt jedes Spiel wertschätzen, in dem das Seven-Foot-Schnitzel noch auf dem Feld steht.


Lange: Die Dallas Mavericks. Anspruch und Realität sind bei dieser Franchise momentan meilenweit auseinander. Es sagt viel über ein Team aus, wenn ein 38-jähriger Spieler noch immer eine riesige Last auf seinen Schultern tragen soll. Mit den Playoffs wird das dieses Jahr natürlich nichts. Aber auch in Zukunft wird es aus Mavs-Sicht wohl eher weniger zu lachen geben. Schade.

Schlechtriem: Die Portland TrailBlazers. Rose City ließ sich von den glücklichen Umständen der letzten Spielzeit blenden und hat in Allen Crabbe und Evan Turner gleich zwei Spieler völlig unbesonnen und realitätsfern überbezahlt, während der Frontcourt und die Bank weiterhin nicht einmal Durchschnitt sind. Aktuell löhnen sie 112 Mio. $ – nächstes Jahr fast 130 Mio. $ – für eine negative Bilanz und den unbefriedigenden Kampf um Platz acht im Westen. Aussicht auf Besserung gibt's nicht, denn im Sommer sind den Blazers ohne Cap Space und signifikanten Draft Pick die Hände gebunden, sodass sie sich zwangsläufig mit einem Trade um C.J. McCollum beschäftigen müssen.


Der Neujahrsvorsatz der NBA

Dupick: Wir warten alle 82 Spiele darauf, dass die Playoffs losgehen! Warum eigentlich? Wer braucht 82 Saisonspiele? Verkürzen wir die Saison auf 60-70 Spiele und sorgen dafür, dass die Stars in den Playoffs fit sind!

Landsgesell: WENIGER TIMEOUTS! Dass die Auszeiten für die Fernsehanstalten wichtig sind, steht außer Frage. Dennoch zieht sich ein NBA Spiel eindeutig zu lange, was ein manches Spiel zu einer echten Qual machen kann. Weniger Timeouts, mehr instinktive Plays der Spieler. Let's do it!


Siemer: Es wird nicht passieren, aber: eine kürzere reguläre Saison. Bestenfalls ab Weihnachten wird ernsthafter Basketball gespielt und selbst dann wirklich selten über alle vier Viertel mit ernstzunehmender Intensität. Und: Timeouts sollten so lang dauern, wie sie im Regelwerk stehen – aktuell heißt 20 Second Timeout etwa anderthalb Minuten Unterbrechung, ein Full Timeout dauert gut und gerne drei Minuten. Zweieinhalb Stunden sollten reichen, 48 Minuten Basketball zu spielen… der Schlafrhythmus vieler europäischer NBA-Fans würde sich bedanken.

Lange: Liebe Verantwortliche: Macht bitte die Saison kürzer. Ja, das möchte eigentlich kein Basketball-Fan auf dieser Welt hören, ich weiß. Aber dieser 82-Spiele-Wahnsinn jedes Jahr tut der Liga nicht gut. Entweder werden Spieler geschont und die Fans in der Halle sind enttäuscht oder Spieler werden verheizt und/oder verletzten sich. 66 Spiele pro Saison reichen vollkommen aus, um am Ende die besten Teams in die Playoffs zu schicken. Ich meine: Muss man wirklich 82 Partien bestreiten, nur um zu klären, wer in den Playoffs Heimrecht hat? Come on! Die reguläre Spielzeit wird durch eine Kürzung außerdem auch wieder ein wenig attraktiver, weil sich die Teams kleine Niederlagenserien eigentlich nicht mehr erlauben können und demnach keine Spiele mehr abschenken dürfen. Also: Make it happen, Adam!

Schlechtriem: Die vielen Timeouts sind ein Problem und auch die Einbindung des Replay Centers zieht das Spiel unverhältnismäßig in die Länge. Hier muss die Liga einen Weg finden, kritische Entscheidungen via Secaucus schneller und effektiver zu treffen. Im Großen plädiere ich weiterhin dafür, die Regular Season zugunsten eines K.O.-Turniers zu verkürzen, dessen Finale rund um das All-Star Weekend stattfindet. Dies würde Spieler entlasten und gleichzeitig neue Anreize schaffen.


Mein Neujahrswunsch 

Dupick: Kurz vor der Trading-Deadline gibt es eine Reihe an Trades, die das Machtgefüge in der Liga verschieben! Paul Millsap, Jimmy Butler, DeMarcus Cousins und sogar Paul George werden getradet! In Indiana, Atlanta, Chicago und Sacramento wird der Rebuild gestartet und Toronto, die Celtics oder die Jazz werden zu Contendern! Träumen wir nicht alle von mehreren Blockbuster-Trades, über die wir noch wochenlang diskutieren und schreiben können?


Landsgesell: Ein Jahlil-Okafor-Trade! Nichts frustriert mich mehr bei den 76ers als der dritte Pick im Draft 2015. Er spielt uninspiriert an beiden Enden und lässt jegliche Motivation vermissen. Mittlerweile ist es auch egal, was im Gegenzug nach Philly kommt. Ein Zweitrundenpick wäre schön. Hauptsache der Center ist nicht mehr bei den Sixers.

Siemer: Zur Saison 2017/18 wird Nike anstelle von Adidas Liga-Ausrüster, und an Nike richtet sich auch mein Wunsch. Ermöglicht auch uns Fans außerhalb der USA, auf einfachem Wege an das Trikot zu kommen, das wir suchen. Aktuell ist das, milde gesagt, schwierig bis unmöglich. Es geht mir ja gar nicht um das elfte Alternate Jersey der Cavaliers, aber zumindest Heim- und Auswärtstrikots sollten doch irgendwie bestellbar sein… Just do it, okay?

Lange: Mein Neujahrswunsch? So simpel, wie er unwahrscheinlich ist: Keine Verletzungen. Ich will Playoffs mit den besten Teams. Komplett ohne Wehwehchen. Alle in Topverfassung. Ganz nach dem Motto: Möge der Bessere gewinnen. Schaut man sich das dieses Jahr vergleichsweise in der NFL an, ist das echt traurig (jeder Oakland Raiders Fan weiß wovon ich spreche). Deswegen meine große Bitte an den NBA-Gott: Verschone 2017 sämtliche Knie, Knöchel, Gelenke und Schädel von allen Spielern in der besten Basketball-Liga der Welt. Vielen Dank im Voraus.

Schlechtriem: Ich will die Sonics zurück! Und dazu ist nicht mal ein ungeliebter Umzug notwendig. Die Liga ist längst stattlich genug für eine Expansion auf 32 Teams. 30 neue Jobs auf dem Spielfeld sind mittelfristig realisierbar, ohne die Qualität zu verwässern, erst recht weil in Europa ein immer größerer Talent-Pool heranwächst, der gepflegt werden möchte. 16 Teams in Ost und West, die Sonics wieder in Seattle, dazu nach Möglichkeit dem Vorbild Oklahoma City folgend ein neues Team in einer neuen Stadt – worauf wartet ihr noch?