26 Januar 2017

26. Januar, 2017


von STEFAN DUPICK @Hoopsgamede

Die vergangene Saison 2015/16 war für die Trail Blazers ein absoluter Erfolg. Conference Halbfinale, damit hatte im Vorfeld absolut keiner gerechnet. Natürlich hatte das gute Abschneiden auch damit zu tun, dass Chris Paul und Blake Griffin auf Seiten des Gegners ausfielen, denn ohne ihre beiden Superstars waren die L.A. Clippers in den Playoffs klar unterlegen. Aber: Runde zwei ist Runde zwei.

Nach diesem Erfolg waren die Erwartungen in Oregon im Sommer besonders hoch. Während im Vorjahr niemand einen Pfifferling auf die Trail Blazers gesetzt hatte, musste nun der nächste Schritt folgen. Portland wollte in der Offseason aktiv werden und auf dem Free Agent Markt zuschlagen. Gesagt, getan!



Evan Turner kam aus Boston, Festus Ezeli aus Golden State, die eigenen Free Agents Allen Crabbe und Meyers Leonard konnten gehalten werden. Unter dem neuen Salary Cap stiegen zwar alle Gehälter ligaweit.

Nicht nur im Nachhinein betrachtet sind die Verträge für die erwähnten Spieler jedoch absurd - auch oder vor allem gemessen an ihrer Produktivität in dieser Saison. Crabbe verdient 18.5 Mio. Dollar, Turner 16.4 Mio $, Leonard 9.2 Mio $ und Ezeli, der verletzungsbedingt noch immer kein einziges Spiel für Portland absolviert hat, immerhin noch 7.4 Mio $.

Vor der Saison
In der Season Preview sah für die Trail Blazers alles noch ganz solide aus. Portland verfügt über einen der besten Backcourts der Liga. Damian Lillard (26,2 PPG) und C.J. McCollum (23,5 PPG) liefern auch in diesem Jahr offensiv ab.

Mit Ezeli, so die Denke, wurde ein solider Defensiv-Center verpflichtet. Auch in der Breite machte der Kader einen recht guten Eindruck.


Zudem waren sich selbst Experten im Sommer unsicher, wie sich die Gehälter entwickeln würden. Es gab keine Vergleichswerte und daher wurde die Annahme getroffen, dass der Markt den Preis regelt und diese Summen für Spieler wie Turner oder Crabbe in der Zukunft normal sind.


47 Spiele später stehen die Trail Blazers auf Platz 9 im Westen, außerhalb der Playoffs. Eine Bilanz von 20 zu 27 ist weit von den eigenen  Erwartungen und denen der passionierten Fans entfernt.

Aktuell ist diese Bilanz keine absolute Katastrophe, denn Denver auf Platz acht ist greifbar nah. Dennoch hatten und haben alle Verantwortlichen in Portland größere Ziele, als einem Sweep in Runde eins gegen die Warriors beizuwohnen.

Was ist passiert?
In einem Satz erklärt: Das Team passt nicht zusammen!
 Auf dem Papier verfügt der Kader über gute Spieler und eine vernünftige Breite. Auf dem Feld jedoch läuft es nicht.

Lillard und McCollum sind die Stützen der Mannschaft und sorgen immerhin dafür, dass Portland noch in Playoff-Reichweite ist (derzeit Rang neun, allerdings einen Sieg mehr als Denver).

Aber: auch an den beiden Stars geht die Kritik nicht vorbei. Es wird inzwischen sogar laut darüber diskutiert, ob der Backcourt in dieser Form zukunftsfähig ist.

Die Defensive ist der ganz große Knackpunkt. Durch den Ausfall von Ezeli fehlt der defensive Anker. Auch Al-Farouq Aminu, ein solider Verteidiger, fiel zu Beginn der Saison lange aus. Neben den beiden ist die defensive Qualität in Portland eher mäßig, was sich auch im Defensiv-Ranking niederschlägt, wo die Blazers auf Platz 27 liegen.


Am schwersten wiegt das defensive Defizit unter den Brettern. Mason Plumlee ist ein ordentlicher Spieler und speziell bei Fantasy Zockern begehrt. Eine Defensive kann er jedoch nicht zusammenhalten. Meyers Leonard noch weniger.

Neben dem (verletzungsbedingten) Totalausfall Ezeli, sind auch die weiteren, dicken Verträge von Turner, Leonard und Crabbe keine große Hilfe. Während Leonard nicht einmal genug geleistet hat, um hier überhaupt namentlich erwähnt zu werden, Crabbe als sehr teurer Backup für McCollum agiert und sich bisher kaum hervor tun konnte, schafft es Turner überhaupt nicht, an seine Leistungen aus Boston anknüpfen.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass Turner den Ball in der Hand braucht, um effektiv zu sein. Wenn er jedoch mit Lillard und McCollum auf dem Court steht, dann sieht er den Ball natürlich nicht so oft, wie er es gerne hätte und bräuchte.

Langer Rede kurzer Sinn: alle drei Verträge - Turner, Crabbe und Leonard - scheinen die Franchise kein Stück nach vorne gebracht zu haben. Gleiches gilt natürlich auch für Ezeli, bei dem fraglich ist, ob er überhaupt jemals wieder professionellen Basketball spielen wird.

Und jetzt?
Das Entwicklungspotential in Portland ist begrenzt. Eine Starting Five um Lillard, McCollum, Maurice Harkless, Aminu und Plumlee sieht nicht schlecht aus, kann defensiv jedoch nicht überzeugen.

Zudem ist die Bank mit Turner, Crabbe und Leonard nicht nur eindeutig zu teuer, sondern auch zu unproduktiv. 
Eben diese Gehälter führen auch dazu, dass unter dem Salary Cap nicht viel Spielraum bleibt. Das heißt, die Trail Blazers können im Sommer auf dem Free Agent Markt wenig bis gar nicht aktiv werden, müssen sich entweder auf die aktuelle Mannschaft verlassen oder nach Trades Ausschau halten.


Genau an dieser Stelle beißt sich die Katze in den Schwanz, denn die Spieler, die Portland bei einem Trade gerne in den Ring werfen würde (Turner, Crabbe, Leonard) will zu den „neuen“ Gehältern kaum jemand haben.

Um Spieler wie Nerlens Noel, Gorgui Dieng, Marcin Gortat oder  gar Hassan Whiteside nach Portland zu lotsen, müssten schon ganz andere Pakete geschnürt werden.
Daher stammt auch das Gerücht, dass der Backcourt getrennt werden und McCollum bei einem passenden Gegenangebot verfügbar gemacht werden könnte.

Das Management in Portland sondiert den Markt aufmerksam. Der Bedarf wurde erkannt und die Blazers hören sich jedes Angebot an. Letzten Endes ist ein Blockbuster-Trade jedoch eher unwahrscheinlich.

Ein Mid-Season-Trade, der einen Big Man bringt und die Blazers zum Gewinner macht, wäre ein absoluter Jackpot. Allerdings wird es schwer, ein Team zu finden, welches gewillt ist, die teuren und langfristigen Verträge aufzunehmen und zeitgleich auch noch Qualität nach Oregon zu schicken.

Die Blazers scheinen sich, Stand heute, in einen Teufelskreis manövriert zu haben. Das Management wollte im Sommer zu viel. Jetzt müssen die Angestellten um Neil Olshey zusehen, wie sie aus diesem Dilemma wieder herauskommen. Es bleibt spannend, denn aus Portland werden nach wie vor viele Namen in der Gerüchteküche auftauchen.