18 Dezember 2016

18. Dezember, 2016


Am Donnerstag erreichte uns die traurige Nachricht, dass die Reporter-Legende Craig Sager im Alter von 65 Jahren verstorben ist. 2014 wurde bei Sager eine seltene, sehr aggressive Form von Leukämie diagnostiziert. Die erste Runde gewann er, schaffte es in Remission. Runde zwei gewann er zu unser aller Bedauern nicht.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Sager war über 40 Jahre als Sportreporter tätig, seit 1981 als Field Reporter in der NBA, im landesweiten Fernsehen. Zu seinem Markenzeichen machte er verrückte, grenzwertige Outfits, oft am Rande des guten Geschmacks, für die er manchmal scherzhaft, manchmal ernsthaft von seinen Interviewpartnern getadelt wurde.

Und doch war es seine authentische, unprätentiöse, sympathische Art – sich trotz der knallbunten Anzüge nicht in den Mittelpunkt zu drängen und dennoch die Begeisterung für das Geschehen auf dem Feld zu transportieren, die ihn so beliebt machten.

Egal ob Reporterkollegen, Verantwortliche, Trainer oder Athleten – Rookies oder Veteranen, Superstars oder Bankspieler: Es findet sich keiner, der ein schlechtes Wort über Sager verlieren könnte. Eine Rarität in der heutigen Medienwelt voller Falschmeldungen, Boykotts und Sensationsgier.


Unvergesslich bleiben seine "Auseinandersetzungen" mit Spurs Coach Gregg Popovich und zahlreiche andere Erinnerungen, die seit Sagers Ableben einmal mehr ein Lächeln auf die Lippen der Fans zaubern.

Diese alleine würden aber nicht dem Menschen Craig Sager gerecht werden, der auch abseits der Kameras mindestens ebenso viel Sympathie und Empathie verbreitete und um den es ebenso unzählige Anekdoten gibt.

In der berühmtesten, seinem wohl größten humanitären Akt, bewahrte er 1993 den psychisch schwer strauchelnden Dennis Rodman vor dem Suizid – zwei Jahre, bevor "The Menace" zusammen mit Michael Jordan und Scottie Pippen bei den Chicago Bulls das wohl berühmteste und erfolgreichste Trio der NBA-Geschichte formierte und drei Meisterschaften in der Windy City gewann.


Die große Anteilnahme weltweit, die vielen bunten Shirts und Trainingsanzüge, die Spieler, Verantwortliche und Fans seit Donnerstagabend tragen, bezeugen, dass es im Basketball und im Sport um viel mehr geht, als um die Athleten, Trainer und das Management.

Nicht nur sehr viele Fans und die gesamte NBA-Familie kondolierten der Familie Sager, auch Vizepräsident Joe Biden und Präsident Barack Obama ließen es sich nicht nehmen, ihre Abschiedsworte mit der Welt zu teilen. "Sager" trendete weltweit.


Passend zu einem Menschen, der – wie jeder, der mit ihm je zu tun hatte bestätigen kann – stets positiv war, immer Lebensfreude ausstrahlte, selbst nach drei Transplantationen ein Lächeln auf den Lippen hatte und seinen Beruf über alles liebte, beendete Golden States Trainer Steve Kerr, der jahrelang zusammen mit Sager beim Sender TNT tätig war, seine Gedenkansprache im Vorfeld des Spiels gegen die New York Knicks nicht mit der Aufforderung zu einer Schweigeminute, sondern zu stehenden Ovationen. Wie es Sager gefallen hätte.

Und so wollen wir es auch halten. Thank you, Craig. Back to the studio.