02 Dezember 2016

2. Dezember, 2016



von AXEL BABST @CoachBabst

In der Preseason noch an Nummer Eins der Polls gesetzt, mussten die Duke Blue Devils diesen Status nach den ersten acht Saisonspielen an die Kentucky Wildcats abreten. Allerdings besteht keinerlei Anlass, Duke nicht länger als Favoriten auf den Titel anzusehen. Ohne die drei stärksten Freshmen Harry Giles, Jayson Tatum und Marques Bolden, die allesamt in der Lottery des kommenden Drafts gezogen werden sollten, verlor Duke lediglich gegen Mitfavorit Kansas in einer engen Partie.

Gerade offensiv bestechen die Blue Devils bisher mit einer unberechenbaren Mischung aus Talent, Erfahrung und klaren Strukturen. Die älteren Spieler wissen genau, was Coach K von ihnen verlangt, und Freshman Frank Jackson findet sich mit jeder Woche besser zurecht. Die spannende Frage wird sein, ob sich die anderen Freshmen ähnlich schnell in den Sets etablieren können und dafür sorgen können, dass Duke noch gefährlicher wird.

Transition
Bevor es um die Halbfeldoffense gehen soll, liefert bereits die folgende Umschaltsituation einen ersten Einblick, wie strukturiert und intelligent Duke im Angriff handelt. Zwar ist die Rotation auf sechs Spieler beschränkt und damit eher dünn besetzt, doch das hält Duke nicht davon ab, Fastbreaks zu laufen und gezielt auf das Gaspedal zu drücken. Durch die vier (oder gar fünf) potentiellen Ballhandler in der Lineup werden schnelle Outletpässe möglich.


Nach einem Block in der Defense übernimmt Grayson Allen den Ballvortrag. Sofort stellen die Blue Devils hervorragendes Spacing auf. Die beiden Bigs Amile Jefferson und Chase Jeter besetzen ihre Spuren als Rimrunner, während die weiteren Guards die Weakside besetzen.

Über drei schnelle Pässe landet der Ball schließlich bei Jefferson im Postup. Durch das gute Spacing ist Michigan State in der Defense noch unsortiert und Jefferson hat ein Mismatch gegen den zehn Zentimeter kleineren Guard Matt McQuaid. Jefferson nutzt seinen Vorteil gnadenlos aus und zieht ein Dreipunktespiel.

Sollten Harry Giles und Jayson Tatum hier ins Geschehen eingreifen, dürften sich das Tempo und die Häufigkeit solcher Fastbreaks nochmal deutlich erhöhen. Gerade Tatum ist im Fastbreak nur schwer zu stoppen und wird von der Organisation des Teams profitieren.

Halbfeld
Im Setplay vereint der Coaching Staff gutes Playcalling mit variablen Spielzügen, die sich auf die Stärken der eigenen Spieler oder die expliziten Schwächen der Kontrahenten anpassen lassen. Ein Beispiel für die Variabilität ist die ursprüngliche Pick & Roll Motion "5", die Coach K seit Jahren benutzt.

In der ersten Situation wird "5" noch relativ normal gespielt:


Auf den Pass zum Flügel folgt ein UCLA Cut des Aufbauspielers Frank Jackson. Anschließend stellt der Big Man einen Ballscreen für den Ballinhaber. Die Seite ist komplett frei geräumt für das Pick & Roll. Ergibt sich hieraus nichts, cuttet der zweite Big Man zur Dreierlinie und erhält dort den Ball.

In diesem Beispiel kommt es direkt zum High-Low der beiden Bigs und Jefferson nutzt erneut seine Erfahrung und das Spacing, um in Ruhe seinen Move durchzuführen. Ist das Anspiel auf Jefferson nicht möglich, kann Jeter sich zur anderen Seite orientieren und dem Aufbauspieler Jackson den Ball per Handoff übergeben, womit das identische Side Pick & Roll der ersten Seite aufgestellt wird.

Diese Variante sollte dem Trio Jefferson, Giles und Bolden auf den großen Positionen viel Platz zum Eins-gegen-Eins verschaffen, sofern nicht ohnehin freie Korbleger/Dunks in Zonennähe entstehen. Alle drei Bigs sind exzellente Passgeber, weshalb Krzyzewskis Go-to-Play im weiteren Verlauf wieder mehr an Bedeutung gewinnen sollte.

In Anbetracht der Tatsache, dass Coach K momentan oft mit vier Guards gleichzeitig spielt, hat er dieses Play ein wenig so angepasst, dass es auch als Option für Small Ball zur Debatte steht. Zudem können die Shooter des Teams als Profiteure hervorgehen.


Matt Jones cuttet dieses mal nach dem UCLA Cut in die Strongside Corner, womit das Two-Man-Game auf der Weakside vorbereitet wird. Jefferson stellt dort einen Downscreen für Schütze und Topscorer Luke Kennard.

In dieser konkreten Situation zeigt sich auch die Ruhe und Abgeklärtheit der Devils. Ballhandler Grayson Allen übersieht den offenen Kennard im ersten Moment. Wo andere Teams und Spieler nun in Panik versuchen würden, ihren Fehler durch eine Einzelaktion wieder gutzumachen, wahren die Protagonisten hier die Contenance und laufen den Downscreen einfach nochmal. Zur Belohnung trifft Kennard seinen offenen Catch-and-Shoot-Jumper.

Diese Aktion könnte mit Giles als Blocksteller und Tatum als Nutznießer noch gefährlicher werden. Tatums Midrange Game kann durchaus als das beste der gesamten Draft Class bezeichnet werden. Konzentriert sich die Defense zu sehr darauf, ihn nicht an den Ball kommen zu lassen, kann Giles seinen Screen slippen und durch Alley-Oops oder Postups scoren.

Sehr großer Beliebtheit erfreut sich Horns in vielen Formen und Varianten unter Coach K. Der Hall of Fame Trainer nutzt diese Grundaufstellung, um die eigentliche Aktion durch indirekte Blöcke vorzubereiten. Viele Pick & Roll Situationen werden durch Handoffs oder eben Offball Screens vorbereitet, wodurch der Ballhandler oft schon einen Vorteil genießt, ehe der direkte Block am Ball überhaupt gestellt wird.

Das populärste Horns Play im Playbook ist das folgende:


Der Ball wandert vom Aufbauspieler in die Hände des Bigs. Der Point Guard cuttet sofort hinterher, und kann den Ball per Handoff direkt wieder erhalten. Da die Strongside Corner beim Pass befreit wird, fehlt hier oft die Hilfe, weshalb sich der Verteidiger des ballführenden Bigs kurz zeigen muss.

Diese kleine Reaktion wird jedoch oft bei der eigentlichen Aktion des Plays bestraft. Von der Weakside cuttet der Außenspieler dem Ball entgegen und erhält noch einen indirekten Block vom zweiten Elbowspieler. Mit vollem Tempo und einem zurückliegenden Verteidiger erfolgt der Handoff zwischen Big Man und Außenspieler, was in der Regel einen Layup für einen der beiden verursacht.

Auch diese Aktion sollte Tatum in die Karten spielen und mit Giles und Bolden auf den Elbows an Effizienz gewinnen. Denn gerade bei einer Lineup mit vier Guards wird der indirekte Block vom Gegner bisher gerne geswitcht. Doch auch dafür haben die Blue Devils eine Lösung parat:


Zwar switcht Rhode Island in dieser Szene nicht, doch Blocksteller Allen merkt, dass das Timing zerstört zu werden droht und reagiert, indem er sich selber den Ball abholt und seinen Verteidiger damit auf dem falschen Fuß erwischt. Im Pick & Roll ist damit die Hilfe des Bigs erforderlich, was Jefferson schnell erkennt und zum Slip nutzt.

Gerade in dieser Situation zeigt sich, wie spielintelligent die Blue Devils handeln und warum sie so schwer zu verteidigen sind. Sie finden auf jede Reaktion der Verteidigung die passende Gegenreaktion und stellen die Defense solange vor Probleme, bis diese nicht mehr im Stande ist, Lösungen zu finden. Hierin liegt auch der Knackpunkt bei den Freshmen. Können sie auf ähnlich hohem Niveau die Fehler der Defense lesen und damit den offensiven Rhythmus aufnehmen?

Eine andere Horns Variante ist der Handoff zur Strongside. Diese Aktion bedeutet ein simples Two-Man-Game auf einer Seite, was angesichts des Talentlevels, des Spielverständnisses und den technischen Fähigkeit in der Regel ausreichend ist, um gute Würfe zu ermöglichen:


Gerade bei Spielern wie Allen oder Kennard kann der Gegner nicht unter dem Handoff durchrutschen, was in der Regel die Mitte zur Penetration öffnet oder die Hilfe des Bigs erfordert und dadurch die Gefahr eines Slips steigen lässt.

Führt der Vierer oder der vierte Guard den Handoff aus, folgt meist sofort der Ballscreen vom Fünfer:


Eine letzte sehr beliebte Variante aus einer Hornsaufstellung heraus ist das Pick & Roll zwischen den beiden Spielern auf den Elbows. In der vergangenen Saison war vor allem Brandon Ingram als Ballhandler dieses Pick & Rolls der Hauptnutzer. Eine ähnliche Rolle könnte in dieser Saison Tatum als Small Ball Vierer in den Schoß fallen:


Abschließend noch ein paar Sätze zu zwei Spielern, die einerseits eine entscheidende Rolle bei der Mission Championship spielen werden, aber andererseits viel zu wenig Beachtung erhalten. Amile Jefferson ist bis jetzt der Fels in der Brandung und dürfte selbst bei Anwesenheit von Giles und Bolden nicht als wichtigster Big zu verdrängen sein. Seine Rolle als erfahrener Anführer, der Ruhe ins Spiel bringt und sich jeden verfügbaren Rebound abgreift, füllt er bisher nahezu perfekt aus:


In dieser Szene fungiert Jefferson als Ein-Mann-Pressbreak, Organisator im Setplay und Go-to-Option am Ende der Wurfuhr. Viel souveräner kann ein Big Man einen Angriff nicht bestimmen.

Auch Luke Kennard spielt bislang eine bärenstarke Saison und ist zur Zeit der beste Spieler des Teams. Als reiner Shooter und Scorer verschrien, übernimmt er offensiv sehr viele Aufgaben und personifiziert die Spielintelligenz und Vielseitigkeit der Blue Devils:


Aus einer harten Trap im Pick & Roll heraus findet, Kennard genau den richtigen Mitspieler und hat damit einen wesentlichen Anteil am folgenden Dreier von Matt Jones.

Diese letzten beiden Videos illustrieren zudem, wie schwierig es für Teams sein wird, einen Rückstand gegen Duke aufzuholen. Selbst unter großem Druck finden die blauen Teufel noch den offenen Mitspieler und bestrafen aggressive Verteidigung mit offenen Layups oder von der Freiwurflinie.

Es wird spannend zu beobachten sein, inwiefern sich die momentan noch verletzten Freshmen dieser kaltschnäutzigen Spielweise anpassen werden. Über das individuelle Talent braucht nicht zu diskutiert werden und auch die Setplays bieten wie aufgezeigt ausgezeichnete Optionen für die Youngster.

Sobald die drei auf das Parkett zurückkehren und die blaue Uniform tragen, wird Duke kaum noch zu stoppen sein. Die entscheidende Frage ist eigentlich nur, wann die Premiere der drei erfolgt, wie schnell sie sich einbringen können und wie reibungslos die Staffelweitergabe erfolgt. Die nächsten Saisonwochen und -monate versprechen ein Spektakel zu werden, bei dem sich das Einschalten lohnt.