03 Dezember 2016

3. Dezember, 2016


von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Aufgewachsen in den ärmsten Vierteln Athens, in einer Familie, die von Krankheiten und Armut gebeutelt war, musste Giannis Antetokounmpo früh lernen, Verantwortung zu übernehmen. Die Erlebnisse und Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend prägen auch heute noch seine Einstellung und Lebensweise.

Mit dem ersten Geld seines Rookie-Deals kaufte er sich eine Playstation, hatte aber ein zu schlechtes Gewissen, ohne seinen jüngeren Bruder Kosta (der mittlerweile an der University of Dayton Basketball spielt) zu spielen und verkaufte sie (zum Originalpreis) an einen Assistenztrainer der Bucks.


Der ‘Greek Freak’ wurde 2013 an Nummer 15 von den Milwaukee Bucks gedraftet. Deren GM John Hammond hatte Antetokounmpo und seine Familie schon zuvor in Griechenland besucht und schon damals klar gemacht, dass er bereit ist, die “Extrameile” für ihn zu gehen, was sich letztlich auch im neuen 100 Millionen Dollar Vertrag dieses Jahres manifestierte.

Bereits in seiner Rookie-Saison machte “Das Alphabet” deutlich, wo seine Stärken und Schwächen, Chancen und Risiken liegen würden. Problemen beim Distanzwurf und der Unerfahrenheit, die sich in der Entscheidungsfindung zeigte, standen unglaubliche körperliche Anlagen und sein steter Wunsch, sich zu verbessern, gegenüber.


In seinem zweiten Jahr kam dann mit dem neuen Head Coach Jason Kidd der Erfolg ins Team, die Rolle des zum damaligen Saisonbeginn immernoch erst 19-jährigen Griechen wuchs. Er wurde zum Starter und schloss die Saison als zweitbester Rebounder der Bucks ab.

Das vergangene Jahr 2015/16 war kollektiv zwar vom großen Rückschritt und weniger Siegen als erwartet geprägt, aber Antetokounmpo selbst explodierte! Platz 3 im Most Improved Player Voting unterstrich seine Entwicklung und honorierte die noch längst nicht abgeschlossene Transformation zum Gesicht und Franchise Player der Bucks.

Spätestens zu Beginn dieser Saison ist diese Rolle nun ohne Frage seine! Dass er das Team in Punkten, Rebounds, Steals, Blocks und Würfen anführt, in der Assist-Wertung nur minimal hinter Dellavedova zurück liegt, wird umso bemerkenswerter, da er in seinen drei Jahren zuvor keine einzige dieser Kategorien als Nummer eins seiner Mannschaft abgeschlossen hat.


Die Frage, die sich angesichts solcher Zahlen unwillkürlich stellt ist: Ist Giannis Antetokounmpo ein All-Star oder sind das nur die üblichen “good stats on a bad team”?

Die Antwort darauf fällt recht leicht. Zum einen, weil Milwaukee nicht wirklich “bad” ist, sondern (trotz des Ausfalls von Khris Middleton) bisher die Hälfte seiner Partien gewonnen hat und absolut im Kampf um die Playoff-Teilnahme steckt.

Zum Anderen, weil die Stats des Greek Freak nicht nur “good” sondern “great” sind. Nach 16 Spielen stehen die Bucks bei einer ausgeglichenen Bilanz von acht Siegen und acht Niederlagen.

Das reicht in diesem Jahr, um im Dunstkreis der Playoffs zu sein. Angesichts der Entwicklung des Teams gibt es wenig Grund zur Annahme, dass sich die Bilanz drastisch verschlechtern wird.

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Antetokounmpo selbst produziert in den ersten 16 Spielen wie ein Fabrik-Fließband: 22.8 Punkte, 8.6 Rebounds, 5.9 Assists, 2.1 Blocks und 2.1 Steals im Schnitt sind Werte, die jeden Fantasy-Spieler vor Freude an die Decke gehen lassen.

Eine Einordnung gefällig? Es gab in der Geschichte der NBA noch keinen einzigen Spieler, der in diesen Kategorien eine Saison mit mindestens 20/7/5/1.5/1.5 beenden konnte.

Selbst auf die “Basic Stats” runtergebrochen und mit ein wenig Spielraum zu den Zahlen der ersten Saisonwochen - also 20 Punkte, 7 Rebounds und 5 Assists - ist die All-Star Frage schnell geklärt. Diese Statistiken wurden in der NBA-Historie 71 Mal über eine Saison aufgelegt, 66 mal von einem All-Star.

Bei den anderen fünf handelte es sich um zwei mit langen Verletzungen und weniger als 50% gespielten Partien (Magic Johnson und Chris Webber), einem ausgefallenen All-Star Game (Grant Hill), Antoine Walker und Jamal Mashburn (beide 2001).


Die Wahrscheinlichkeit einer All-Star Teilnahme Antetokounmpos und auch deren Legitimität sollte allein durch diese historischen Vergleiche extrem hoch eingestuft werden.

Um aber sogar noch einen Schritt weiter zu gehen, können die 71 Saisons mit dem genannten Saisonschnitt auf 27 unterschiedliche Spieler verteilt werden. Von diesen 27 Spielern nennen sich über die Hälfte (15) bereits Mitglieder der Hall of Fame. Unter den anderen zwölf befinden sich mit LeBron James, Kevin Durant, Blake Griffin, Russell Westbrook, Kevin Garnett, Tracy McGrady und Grant Hill einige Spieler, die dafür noch gar nicht zur Wahl standen, mit ziemlicher Sicherheit jedoch den Sprung nach Springfield schaffen werden. .

Also: auch hier zeigt sich ein Muster, das verdeutlicht, wie unglaublich gut dieser Saisonstart von Giannis Antetokounmpo ist, wie hoch er auch historisch einzuordnen ist und letztlich auch, dass ‘Point Giannis’ aktuell nur schwerlich überbewertet werden kann.