11 Dezember 2016

11. Dezember, 2016


*"Hoch die internationale Solidarität!" BJ Armstrong

von ANNO HAAK @kemperboyd

Alter Hut
David Stern trägt inzwischen Bart. Genau wie die Story, die er dieser Tage nach zigfachem Durchessen wieder aus dem Tiefkühler der Schnelllebigkeit holte. Der berühmteste Trade, der niemals war, war sein Thema.

Den CP3-Trade habe man gar nicht annuliert. Demps habe ohne Rücksprache mit dem damaligen Owner NBA einen Trade gar nicht durchführen dürfen. Ach so. Die Differenz im Ergebnis geht Richtung Defensivwert von CJ McCollum. Aber eine Woche ohne geklaubte Worte ist eine verlorene Woche.

Aber da gerade der fünfte Jahrestag war, schmeißen wir ein ungeklaubtes Auge auf die von Stern mitverantwortete Entscheidung, Paul aus der goldlilanen Kabine rauszuzerren und über den Flur in den Locker von LAs anderem Team zu schicken.

Die Hornets hätten Lamar Odom, Luis Scola, Kevin Martin, Goran Dragic und den First-Rounder der New York Knicks 2012 bekommen. Die NBA annulierte (ach so, sorry… wies darauf hin, dass Demps ohne Zustimmung nicht hätte traden dürfen). Statt dessen bekam die Franchise later known as Pelicans Eric Gordon, Aminu, Kaman und den ungeschützten 2012er Pick der unglückseligen Wolves, der Austin Rivers wurde.

Machen wir das kurz: hier ging es nicht um Qualität. Das Paket der Lakers und der Rockets wäre umfangreicher und besser gewesen. Hier ging es darum, das nächste (vermeintliche) Superteam zu verhindern, nachdem die Owner gerade ihre Spieler ausgesperrt hatten, um ein Miami Heat 2.0 auf alle Zeiten auszuschließen. How’s that for Wortklauberei?


Houston, wir hatten eine Soap Opera
Ich darf aus eigener Erfahrung berichten. Wenn jemand sagt, er habe Rechte, hat er meistens zwar ebenjene. Aber eben auch nur eben jene. Die hat man im Rechtsstaat immer. Ein Nullsummensatz ist das ergo, der nur camoufliert, dass man zwar Rechte, aber aktuell keine Ansprüche hat.

BJ Armstrong weiß ergo, dass die "Rechte" (welche auch immer) seinem Klienten Donatas M. nicht den Anspruch vermitteln, einen Medizincheck zu verweigern. Jedenfalls nicht, wenn man spielen will. Wir wissen inzwischen, dass er das tatsächlich wünscht. Und zwar in Houston. Dennoch war der Eurostep unter den angedeuteten Streiks Anlass, mal auf die Hoffa-Jünger der Ligageschichte zurückzublicken.

5. Michael Ahorn Jordan
Stell Dir vor, Du ziehst Dich neben Scottie Pippen und Toni Kukoc um, der Größte aller Zeiten und Universen ist gerade zurückgekommen und Dennis Rodman ist unterwegs zu Dir. Dann sollst Du in der Diaspora eine Expansion Franchise aufbauen. In einer Stadt, in der zuletzt Basketball gespielt wurde, als es für Deinen Opa gekennzeichnete Sitzbereiche im Bus gab, um dem KKK zu seinem Recht zu verhelfen.

Also kündigte Benjamin Roy „We have rights“ Armstrong jr. himself an, in Toronto werde er sich nicht blicken lassen, jedenfalls nicht, um beruflich Basketball zu spielen. Zu seiner Verteidigung: er versprach das, bevor die Resteverwertung durch die Raptoren 1995 überhaupt begann. Weil Torontos Manager aber Isiah Thomas hieß, wählte man den Agenten der Vorhölle trotzdem nebst Ankündigung, dessen Wunsch nach einem Trade zu einem Contender zu entsprechen. Dann ging er zu den Warriors. Erklärt sich selbst die Pointe, oder? Gut.

4. Bananenboot 1.0
Es gab eine selige Zeit in der NBA, da weigerten sich nicht nur Free Agents, sondern Draft Picks, nach Dallas zu kommen. Kiki Vandeweghe hat einen Namen wie Giannis, den Geburtsort Wiesbaden im Führerschein. Auf basketballerische Entwicklungshilfe in der Footballstadt hatte er trotzdem keine Lust und verweigerte den Dienstantritt bei dem Team, das wir heute als das zweitbestgeführte der Liga kennen.

Vandeweghe wurde dann später GM. Erklärt sich von selbst, die Pointe, oder? Ihr seid die Besten.

3. Mitchie Rich
...wollte ein Mann namens Billy Owens in der Zeit werden, bevor es genormte Rookie-Deals gab. Also baute er einen Tristan Thompson, nachdem die Kings ihn 1991 gedraftet hatten. Schließlich wurde er zu den Warriors verschifft. Im Gegenzug kam Mitch Richmond.

Der wurde vielfacher All Star, NBA Champion und der einzige Kings Cover Athlet aus Sacramento für NBA Live. Don Nelson brach für den mittelmäßig begabten Forward Run TMC auseinander. Sidenote: Owens kam fünf Jahre später zu den Kings. Vor allem aber: die Warriors (!) verlieren (!) einen Trade gegen die Kings (!). Erklärt sich von selbst, die P...?

2. Vancnever!
Es ist ein wunderschöner Moment. Ein Sponsor hat den Anzug maßfertigen lassen. Die Augen der Eltern leuchten vor Stolz und Vorfreude auf die Designerbude, die der Filius vom ersten Gehaltscheck verschenken wird. Der Commissioner nennt den Namen. Die Entbehrungen der Jugend zahlen sich buchstäblich aus. Draft Nacht.

Dann kommt die Mütze und darunter das Grinsen von einem Ohr zum anderen. Steve Francis hatte 1999 andere Pläne. Er guckte nach seiner Wahl an zweiter Stelle durch die Vancouver Grizzlies sauertöpfisch unter der Bärchenkappe. Was für BJ recht ist, muss für mich wohl billig sein. in der  Eishockeystadt wollte Franchise nicht spielen. Francis erpresste seinen Trade zu den Rockets. Ja, den Rockets, dem Arbeitgeber von "I have rights". Erklärt sich selb...? Gut.

1. Monoganique
Die frühe Draftgeschichte der Utah Jazz ist tragikomisch wie ein Lakers Trikot mit der Nummer 3. Den Erstrundenpick 1979 hatte man an die Lakers abgegeben. Es wurde der erste des Jahres, mit dem ein gewisser Earvin Johnson in Lalaland anlandete.

Drei Jahre später wählte man an dritter Stelle den vor Michael Jordan spektakulärsten Spieler seiner Generation, der zudem einer der besten Scorer der NBA-Geschichte werden sollte. Doch der Mann, den sie Human Highlight Film nennen würden, hatte keinen Bock auf Polygamie oder Angst vor der drohenden Zahlungsunfähigkeit der Franchise mit dem kleinsten Markt der NBA.

Dominique Wilkins jedenfalls verweigerte sich der Franchise aus Salt Lake City und wurde zu den Hawks getradet. Für zwei Menschenkinder mit den klangvollen Namen John Drew und Freeman Williams. Wenn "Paul zu den Lakers" es nicht wäre, würde dieser Tausch neben "Superlativ von lopsided" in den Lexika stehen. Keine Pointe.


Statline Love
Ist erst ein paar Monde her, da war mancher von Unverständnis geschüttelt, als die Warriors Klay Thompson partout nicht in das Paket für Kevin Love stecken wollten. Love ging dann nach Cleveland, blieb vor Steph, dann the Block, dann the tears, dann the ship in the land.

60 Punkte in 29 Minuten dürften dennoch auch den Letzten überzeugt haben, dass Currys Sidekick ein moderner Ray Allen ohne die spindeldürren Arme und die Defensivallergie ist. Der beste pure Shooter der Liga.

20/20/0. Das gab es nicht seit Asbach Uralt und das ist schon einen Eric Gordon wert. Das einzige Problem an den zwanzig Punkten, ebenso vielen Assists und keinem einzigen an den Gegner übergebenen Ball ist, dass man mathematisch gar keine Ratio aus Assists und Turnovers bilden kann. Das ist feilich ein Schönheitsfehler wie der Unterschied zwischen "vorab untersagt" und "annuliert".


Fundstück der Woche
7 Triple Doubles and coooounting...