07 Dezember 2016

7. Dezember, 2016


von STEFAN DUPICK @HoopsGamede

Den New Orleans Pelicans wurde noch vor einigen Jahren eine rosige Zukunft bescheinigt. Das Supertalent Anthony Davis kam 2012 als #1 Pick in die Liga und schloss sich den Pels an. Der 19-Jährige galt als unfassbar talentiert und konnte bereits in seiner Rookie Saison überzeugen.

Um den potentiellen Superstar versuchten die Pelicans eine schlagkräftige Truppe aufzubauen. Eric Gordon, Jrue Holiday, Ryan Anderson, Omer Asik oder Tyreke Evans kamen nach und nach als Verstärkung. Letztlich führte jedoch massives Verletzungspech, schlechtes Coaching und die falsche Kaderzusammensetzung dazu, dass aus dem Contender-Traum ein Albtraum wurde.


Mit Ausnahme von Jrue Holiday (wenn er nicht gerade mal wieder ausfällt) konnte keiner der genannten Spieler vollends überzeugen. Anderson und Gordon verdienen ihr Geld inzwischen in Houston, Evans hat einen VIP Platz in der Klinik und Asik konnte bis heute nicht beweisen, dass er einen Kaderplatz in der NBA verdient.

Vor der Saison 2015/16 war bereits abzusehen, dass die Pelicans Probleme haben würden. Dennoch verlängerte Davis für fünf Jahre. Die Saison endete in der Lottery, und auch Anthony Davis konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen, obwohl er mit 24,3 Punkten und 10,3 Rebounds in 61 Spielen durchaus solide Zahlen aufs Parkett legte.

Die Erwartungen waren für die neue/aktuelle Saison folglich nicht mehr ganz so hoch. Niemand sprach mehr von der „Unibrow“. Davis wurde als potentielles Zukunftsgesicht der Liga von Karl Anthony Towns oder Kristaps Porzingis abgelöst. Die Rede war von Westbrook vs. Durant, James Harden, der „Lineup of Death“ der Warriors oder dem anstehenden Boogie-Trade.


Anthony Marshon Davis Junior konnte dieses Vakuum für sich nutzen und beweisen, dass die letzte Saison ein Ausrutscher war. Auch wenn in der aktuellen erst 21 Spiele absolviert sind, dominiert Davis auf dem Parkett mit durchschnittlich 31,6 Punkten, 11,4 Rebounds, 2,8 Blocks, 1,5 Steals und einem PER von 31,13.


Davis spielt eine herausragende Saison! 
Schade nur, dass der #1 Pick des Jahres 2012 gefühlt der einzige Spieler der Pelicans ist, der regelmäßig gute Leistungen bringt. 
Holiday und Tim Frazier unterstützen nach bestem Wissen und Gewissen. Während Holiday nach längerer Abwesenheit jedoch noch nicht auf höchstem Level agiert, ist Frazier in seinen Fähigkeiten begrenzt.

Gleiches gilt für E’Twaun Moore, Langston Galloway, Omer Asik oder Alexis Ajinca. Terrence Jones und Solomon Hill sind solide Rollenspieler, speziell Hill ist jedoch ebenso verletzt wie der sehr talentierte Tyreke Evans, hinter dessen Saison vermutlich ein fettes DNP stehen wird.


Rookie-Hoffnung Buddy Hield konnte den hohen Erwartungen bisher auch noch nicht gerecht werden. Aktuell sieht es so aus, als dass der Shooting Guard noch eine längere Zeit brauchen wird, um in der Liga anzukommen.

Die traurige Wahrheit ist, dass die Pelicans im trostlosen Mittelmaß der Liga gefangen sind. Das Talentlevel im Team ist mäßig. Die Situation unter dem Salary Cap birgt auch keine Hoffnung, denn viel Kohle für Free Agents ist nicht vorhanden.



Auf der anderen Seite gilt es jedoch, Anthony Davis zufriedenzustellen. Davis ist 23 Jahre jung und hat noch 4,5 Jahre Vertrag. Mit Tanking wird sich der Power Forward nicht langfristig arrangieren wollen. Kein Wunder, dass die Trade-Gerüchte rund um die Liga aufkochen.

Davis wäre ein hervorragender Fit in Boston, die Lakers könnten sich bemühen, ebenso die Magic oder gar die Timberwolves? Letztlich hängt die Entwicklung von zwei Aspekten ab. Der erste ist Anthony Davis selbst, möchte der Star überhaupt wechseln? Wie unzufrieden ist Davis wirklich? Hat der Forward Hoffnung, bzw. kann das Management ihm Hoffnung machen?


Sollte Davis den Wunsch an das Management herantragen, wechseln zu wollen, dann kommt das größere Problem zum Tragen, denn die Pelicans würden Davis nur abgeben, wenn ausreichend Gegenwert zurück kommt.


Abgesehen davon, dass die Salary-Regeln der NBA bei einem Trade eingehalten werden müssen, sollte ein Davis-Trade den Pelicans die Zukunft sichern. Mit einem Verlust von Davis wäre die Basis zerstört.

Somit müsste ein geeignetes Paket mindestens ein paar frühe Draft-Picks und einige junge, formbare Spieler enthalten. Somit fallen viele Trade-Partner aus dem Raster, denn es gibt nur wenige NBA Teams, die ein geeignetes Paket für einen Davis-Trade schnüren könnten.

So interessant ein Davis-Trade nach Boston für Crowder, Brown, Smart und Nets-Picks auf dem Papier aussehen mag, so unrealistisch ist dieses Szenario in der Realität. Trades von Superstars passieren selten und wenn sie passieren, dann meistens erst nach medialen Schlammschlachten. Diese gibt es in New Orleans bisher nicht.

Folglich wird Anthony Davis weiterhin Fabelwerte in die Box Scores zaubern und die Fans in New Orleans von einer rosigen Zukunft träumen lassen. Dafür, dass diese Zukunft rosig wird, muss jedoch sehr viel passieren. Mit dem aktuellen Team wird nicht viel möglich sein. Der nächste Lottery Pick scheint in Arbeit.