30 November 2016

30. November, 2016


von MARC LANGE @Godzfave

Die Wahl zum MVP, dem wertvollsten Spieler der NBA, ist alle Jahre wieder eine etwas kontroverse Entscheidung. Warum? Weil sich selbst die Abstimmenden beim Begriff "wertvoll" meist nicht so richtig einig sind.

Ist der beste Spieler des besten Teams wirklich wertvoller als ein Spieler, der ein eher schwaches Team in die Playoffs führt? Die Meinungen gehen da (zurecht) auseinander. Fakt ist: Wenn Du beim Kellerkind der Liga zockst, gehen Deine Chancen auf die MVP-Trophäe gegen Null.

Deswegen wird es Zeit, nach knapp einem Viertel der NBA Saison 2016/17, die fünf bisher auffälligsten Spieler im MVP-Rennen ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen.


Russell Westbrook

Stats: 30.9 PPG, 10.3 RPG, 11.3 APG, 30.7 PER

Darum wird er MVP: Dank Westbrook weint in Oklahoma niemand mehr Ex-MVP Kevin Durant hinterher. Das spiegelt sich natürlich auch in Brodies Stats wieder, die sich einfach nur bombastisch lesen. Der 28-Jährige ist zur Zeit auf dem besten Weg, eine Saison für die Geschichtsbücher zu spielen.


Darum wird er nicht MVP: Effizienz! Natürlich sind 31.2 PPG eine deutliche Ansage. Aber: Westbrook führt die Liga dafür auch deutlich bei den Wurfversuchen an. Speziell seine 44-Wurf-Partie gegen die Pacers beweist: Alles ist teilweise ein wenig erzwungen. Zudem sind seine Feldquoten nicht sonderlich berauschend (nur 34% von Downtown!) und wenn elf Assists mehr als fünf Turnovern pro Spiel gegenüberstehen, ist auch dieser Wert praktisch nur noch "die Hälfte" wert.

Fazit: Vollbringt Westbrook die Sensation und zaubert am Ende der Saison durchschnittlich ein Triple Double aufs Parkett, führt eigentlich kein Weg an RW0 als MVP vorbei – selbst bei mangelnder Effizienz oder fehlender Playoff-Teilnahme seiner Mannschaft.


James Harden

Stats: 28.7 PPG, 7.2 RPG, 11.9 APG, 29.7 PER

Darum wird er MVP: Bester Stepback im Game? Check! Bester Eurostep im Game? Check! James Harden ist DIE offensive Waffe der Liga. Seit seiner neuen Rolle als "Points Guard" unter Mike D'Antoni, legt der Bart diese Saison im Angriff tatsächlich nochmal eine Schippe drauf. Dank Harden stehen die Rockets momentan auf Platz 5 im Westen – wer hätte das im Vorfeld gedacht? So viel zum Thema "wertvoll".


Darum wird er nicht MVP: Defense. Harden spielt diese Saison bisher nicht so katastrophale D, wie es ihm nachgesagt wird. Natürlich überragt er in der eigenen Hälfte auch nicht (0.3 DBPM), aber es ist bekanntermaßen äußerst schwer, einen aufgedrückten Stempel wieder loszuwerden.

Fazit: Trotz seines grandiosen offensiven Arsenals und sehr guten Zahlen, müssen die Rockets es irgendwie in die Post-Season schaffen, wenn Harden in Sachen MVP-Trophäe ein Wörtchen mitreden will. Ansonsten wird es für Kritiker zu einfach, den bärtigen Superstar bei der Wahl zu ignorieren.


Anthony Davis

Stats: 32.1 PPG, 11.2 RPG, 2.8 BPG, 1.8 SPG, 32.5 PER

Darum wird er MVP: Wer hätte nach seiner Rookie-Saison gedacht, dass Anthony Davis mal so eine Allround-Granate wird? Der Power Forward tut (eigentlich) alles, was ein MVP tun muss. Mit seinen 31.3 PPG und 10.8 RPG ist er übrigens erst der zweite Spieler in den letzten 40 Jahren, dem solche Zahlen nach den ersten 15 Spielen gelungen sind.


Darum wird er nicht MVP: Am Ende zählen Siege. New Orleans ist zur Zeit sehr weit von den Playoffs entfernt. Was bringen also sehr gute Stats, wenn Du Dein Team damit nicht regelmäßig zum W führen kannst? Das Argument, dass The Brow kein gutes Team um sich herum hat, wird ihm
bei der Wahl leider nicht weiterhelfen.

Fazit: AD ist das perfekte Beispiel, warum die MVP-Wahl oft nicht fair ist. Würde Davis solche Leistungen bei einem Contender abliefern, wäre es fast ein Skandal, wenn er nicht zum wertvollsten Spieler gekürt wird. Hätte, wenn und aber: Die bekannteste Augenbraue der Liga spielt nunmal für die schwachen Pelicans. Allerdings: Führt Davis dieses Team als große Überraschung noch in die Playoffs, wäre er definitiv wieder ein Favorit auf die Trophäe. Abwarten.


Kevin Durant

Stats: 27.1 PPG, 8.4 RPG, 4.7 APG, 1.6 BPG, 1.6 SPG, 30.8 PER

Darum wird er MVP: Der Albtraum von 29 NBA Teams ist eingetreten: Kevin Durant spielt in Oakland genauso gut, wie in Oklahoma. Kurze Bestandsaufnahme: Wer hat die meisten Win Shares in der NBA? KD mit 3,9. Wer führt bei der True Shooting Percentage? Mr. Durant! Wer ist der momentan beste Spieler beim zur Zeit besten Team in der NBA? Ihr kennt die Antwort. Meine Damen und Herren, das ist klassisches MVP-Material.

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Darum wird er nicht MVP: Bei so vielen anderen, qualitativ hochwertigen MVP-Kandidaten, könnte es für Durant noch zum Nachteil werden, einen zweiten Superstar wie Steph Curry an seiner Seite zu haben. Noch ist die Rolle von Durant als Alphatier bei den Warriors nämlich nicht in Stein gemeißelt.

Fazit: Gewinnen die Warriors wieder weit über 60 Spiele und sind der Krösus der Liga, ist KD  seinem zweiten MVP Award sehr viel näher, als es einige Internet-Rambos (oder Charles Barkley) wahr haben möchten. Sorry, Brodie.


LeBron James

Stats: 23.5 PPG, 8.1 RPG, 9.3 APG, 25.7 PER

Darum wird er MVP: Woran merkst Du, dass LeBron immer noch ein automatischer MVP-Kandidat ist? Wenn Kevin Love in einem historischen ersten Viertel 34 Punkte scort und LBJ mit 31 Punkten, zehn Rebounds und 13 Assists am Ende doch der Held des Spiels ist. Auch mit fast 32 Jahren ist der King noch immer ein absolutes Monster.


Darum wird er nicht MVP: Die Konkurrenz macht ernst. James ist nicht mehr der einzige Spieler, der sowohl durch Leistung als auch durch die nackten Zahlen auf dem Papier überragt. Zudem ist es teilweise auch gewollt, dass er immer mehr Verantwortung an Kyrie Irving und Kevin Love abgibt. Umstände, die sich noch auf seine Produktion auswirken könnten.

Fazit: Den King kann und sollte man nie abschreiben. Auch wenn James momentan die zweitschwächste Punkteausbeute seiner Karriere erlebt, verteilt er so viele Assists und sammelt so viele Rebounds pro Spiel wie noch nie zuvor. Für seinen fünften MVP-Titel wird er diese Saison den Fuß aber keine Sekunde vom Gas nehmen dürfen.


Honorable Mentions:
Kawhi Leonard
Steph Curry
Blake Griffin
Chris Paul