09 November 2016

9. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
In diesem Jahrtausend konnten sich die X-Men Jahr für Jahr, Trainer für Trainer von einem soliden zu einem der besten Programme der NCAA entwickeln. Thad Matta und Sean Miller legten mit den ersten Elite Eight Einzügen der Unigeschichte den Grundstein. Chris Mack übernahm anschließend souverän den Staffelstab von Miller und meisterte vor allem den Übergang aus der Atlantic10 Conference in die neue Big East hervorragend. Seit 14 Jahren sind die X-Men nun ständig im NCAA Tournament vertreten und lechzen nach einer Final Four Teilnahme.

Letzte Saison 
(28-6, Second Round der March Madness)
Ungeschlagen marschierten die Musketeers durch den ersten Teil der Saison. Dabei waren ihre Gegner alles andere als Laufkundschaft. Einem Erfolg über Michigan folgte ein Turniersieg trotz hochklassig besetzten Teilnehmerfeldes (Alabama, USC, Dayton). Auch im stadtinternen Kräftemessen gegen Cincinnati behielten die X-Men die Oberhand und bewiesen im hart umkämpften Derby viel Toughness. Die große Ernüchterung kam jedoch an Sylvester, als das Team zu Big East Favorit Villanova reiste und den Big East Auftakt bestritt. Point Guard Edmond Sumner stürzte in den Anfangsminuten und fiel unglücklich, weswegen das Spiel minutenlang unterbrochen werden musste. Diesen Schock konnten die Musketeers nicht verdauen und kassierten eine empfindliche Niederlage. Im Rückspiel gelang allerdings die Revance, weswegen das Team im März in Topform zu sein schien. Allerdings verlor man im Conference Halbfinale gegen Seton Hall und im NCAA Tournament gegen Wisconsin, was angesichts der insgesamt starken Saison dann doch ein enttäuschendes Ende war.

Best of luck to Xavier's @trevonbluiett and @jalen6_10reynolds as they explore the NBA Draft process! #LetsGoX

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Kader
Malcolm Bernard (Wing, 6'6'', Senior)
Myles Davis (Guard, 6'2'', Senior)
RaShid Gaston (Big, 6'9'', Senior)
Trevon Bluiett (Wing/Big, 6'6'', Junior)
J.P. Macura (Wing, 6'5'', Junior)
Sean O'Mara (Big, 6'10'', Junior)
Kaiser Gates (Big, 6'8'', Sophomore)
Edmond Sumner (Guard, 6'6'', Sophomore)
Quentin Goodin (Guard, 6'4'', Freshman)
Tyrique Jones (Big, 6'9'', Freshman)

Auch in diesem Jahr muss Coach Chris Mack eine Menge Veränderungen im Team hinnehmen. Jalen Reynolds meldete sich vorzeitig zum Draft an und wurde nicht ganz überraschend am Draftabend komplett ignoriert. Ein Senior Jahr hätte dem temperamentvollen Big Man sicher weitergeholfen. Ohne ihre Urgewalt unter den Brettern und dem altersbedingten Abgang des zweitwichtigsten Bigs James Farr, klafft im Frontcourt nun eine Lücke. Hier ruhen nun alle Hoffnungen auf Norfolk State Transfer RaShid Gaston, der nach seiner Redshirt Saison nun spielbereit ist. Malcolm Bernard ist ein Graduate Transfer, der dem Team Tiefe gibt, und die Freshmen Quentin Goodin und Tyrique Jones werden direkt abliefern müssen. Dass mit Myles Davis und J.P. Macura zwei potentielle Starter suspendiert sind bzw. waren, hilft in der momentanen Situation sicher nicht.

Starting Backcourt
Edmond Sumner, Myles Davis, J.P. Macura

Eigentlich sollte am Backcourt am wenigsten im ganzen Kader zu rütteln sein. Doch da sich die Herren Davis und Macura während der Sommerpause Fehltritte leisteten, ist diese Startformation alles andere als in Stein gemeißelt. Besonders Senior Davis, der Ende Oktober bei einer Anhörung vor Gericht zugegen sein muss, da er nach einem Streit mit seiner Ex-Freundin Sachschaden anrichtete, sollte eigentlich der Anführer des Teams werden. Er verfügt über die meiste Erfahrung und bewies in der vergangenen Saison mit seinem Triple Double gegen Providence, dass er auch spielerisch einiges auf dem Kasten hat.

Für Davis könnten entweder Malcolm Bernard oder sogar Freshman Quentin Goodin in die Starting Five rutschen. Einzig Sumner hat seinen Platz sicher. Der elegante, fast zwei Meter große Aufbauspieler hat NBA Potential. Als Aufbau mit elitärer Größe, Länge und Athletik ausgestattet, sorgt er immer wieder für Highlights und ist ein gefährlicher Balldieb. Allerdings muss er an Masse zulegen, seinen Wurf stabilisieren und seine Entscheidungsfindung verbessern. 

J.P. Macura soll sich von allen Rückkehrern über den Sommer am meisten verbessert haben. Macura ist ein polarisierender Spieler, der gerne die gegnerischen Fans bei Auswärtsspielen gegen sich aufbringt und es liebt, sie mit Dreiern oder spektakulären Dunks verstummen zu lassen. Das könnte sein Breakout-Jahr werden.


Starting Frontcourt
Trevon Bluiett, RaShid Gaston

Bereits in der vergangenen Saison wurde Trevon Bluiett vermehrt als Stretch Vierer angesetzt, obwohl er eigentlich ein Flügelspieler ist. Doch dank seines guten Distanzwurfes zieht er seine Verteidiger weit aus der Zone hinaus und hat in der Folge genug Platz, wenn er Closeouts attackieren möchte. Bluiett wird bei all den anderen Namen und Charakteren des Kaders gerne mal vergessen, doch er ist der heimliche Star und X-Faktor des Teams. Läuft es bei ihm und fällt sein Wurf, sind die X-Men wesentlich schwieriger zu bezwingen.

RaShid Gaston wird häufig mit dem verloren gegangenen Reynolds verglichen. Tatsächlich teilen beide die Liebe zum Rebounding, doch da enden die Gemeinsamkeiten auch schon fast. Gaston ist ein soliderer, konstanterer Spieler, der nicht ganz so athletisch wie sein Vorgänger ist, aber sich dennoch in der Zone durchzusetzen weiß. Auf ihm lastet viel Verantwortung, da es dem Frontcourt insgesamt ein wenig an verlässlichen Alternativen fehlt.

Bank
Quentin Goodin, Malcolm Bernard, Kaiser Gates, Tyrique Jones, Sean O'Mara

Goodin könnte wie bereits angesprochen durchaus in die erste Fünf schlüpfen. Für einen Freshman bringt der Aufbauspieler eine collegereife Physis mit. Er ist groß und kräftig, kann seinen Gegenspieler mit einem schnellen ersten Schritt schlagen und weiß auch durchaus in der Defense zu gefallen. Sumner und Goodin werden das Gaspedal in der Offense durchdrücken.

Malcolm Bernard ist aufgrund seiner Vielseitigkeit ein wichtiger Spieler für das Team. Er wird wahrscheinlich drei verschiedene Positionen spielen müssen. Ob ihm das auf Anhieb gelingt, bleibt abzuwarten. Auch spielerisch ist der Sprung aus der MEAC, einer der schwächsten Conferences, in die Big East kein leichter.

Kaiser Gates ist ähnlich wie Bluiett eher ein Flügelspieler und kein Power Forward, allerdings fehlt ihm das sichere Ballhandling für das Perimeter, sodass Coach Mack ihn lieber als Schützen auf die Vier stellt, wo er für Spacing sorgt. Nach einer Knieverletzung in der Vorbereitung und einer längeren Pause wird der Sophomore Zeit brauchen, um wieder in Rhythmus zu kommen.

Als Bigs stehen Tyrique Jones und Sean O'Mara zur Verfügung. O'Mara überrascht gerne offensiv mit trickreichen Bewegungen, die seine behäbige Statur in einem anderen Licht erscheinen lassen. Allerdings muss der Center dringend sein Foulmanagement in den Griff kriegen und beim Rebound verlässlicher arbeiten. Jones ist ein ehrgeiziger Hustler, der vom Typ her ein wenig an Reynolds erinnert.

Coach
Chris Mack trägt ein Feuer in sich, das er seinen Spielern einimpft. Seine X-Men sind immer bis in die Haarspitzen motiviert und es passiert so gut wie nie, dass Xavier einen Loseball abgibt. Dank der erfolgreichen vergangenen Saison ist Mack nun bereits nach sieben Jahren als Trainer in Cincinnati der Coach mit den zweitmeisten Siegen der Unigeschichte. Zudem war er ganz nah dran die bisher beste Saison unter Sean Miller (30-7, Elite Eight) zu toppen. Allerdings fehlten gegen Wisconsin die spielerischen Mittel und die Nerven, um diesen Erfolg zu realisieren. Das wird Mack nur zusätzlich antreiben, noch mehr aus seinen Spielern herausholen zu wollen.

Stil
Wie bereits erwähnt sind die X-Men tough und spielen zumeist härter als ihre Gegner. Defensiv praktizieren sie gerne eine 1-3-1-Zone, die sehr aktiv ist und dem Gegner den Weg zum Korb versperrt. Gegen pass- und wurfstarke Teams ist diese Variante jedoch eher ungeeignet, wie Wisconsin bewies.

Das Spacing im Angriff ist in der Regel gut. Allerdings passt die Wurfauswahl nicht immer. Auch für Ballverluste sind die X-Men anfällig. Doch solche Fehler und überhastete Aktionen gesteht Mack seinen Spielern zu, solange sie in der Defense und beim Rebound mit der richtigen Intensität zu Werke gehen. Alleine dadurch können sich die athletischen Musketeers oft viele einfache Fastbreakpunkte erarbeiten.


NBA Kandidaten
Edmond Sumner hat durchaus das Potential für die erste Runde des Drafts. Ob und wann dieser Optimalfall tatsächlich eintreten wird, ist schwer zu sagen. Sumner sollte jedoch angesichts seines fortgeschrittenen Alters dafür sorgen, dass sein Sophomore Jahr der Türöffner wird und er endlich die mediale Aufmerksamkeit erhält, die seinem Talent entspricht. Dafür muss er vor allem Konstanz in sein Spiel bringen.

BBL Kandidaten
RaShid Gaston und Myles Davis könnten mögliche Kandidaten für Europa sein. Gaston muss jedoch erst zeigen, was er wirklich im Stande zu leisten ist. Davis ist spielerisch sicher ein interessanter Guard, weil er sehr viele Aufgaben und Rollen übernehmen kann und dies bereits im Laufe seiner College Karriere getan hat. Inwiefern seine Suspendierung und die Ursachen abschreckend wirken, wird man sehen.

Prediction
Die X-Men hatten ein großes Problem im vergangenen Jahr: Konstanz. Angesichts der holprigen Vorbereitung und der unklaren Rollenverteilung wäre es wenig überraschend, wenn die ersten Saisonwochen nicht optimal verlaufen. Entscheidend ist jedoch, wie gut sich das Team findet und im März auftritt. Können sie bis dahin Champ Villanova den ersten Platz in der Big East streitig machen, würde das sicher Selbstbewusstsein geben.

Wenn Davis schnell zurückkehrt, alle Spieler ihre Rollen finden und akzeptieren, hat Xavier viele Waffen in der Hand. Aufgrund ihrer unangenehmen Spielweise werden die X-Men sicher auch kein gern gesehener Gegner im März sein. Ob es tatsächlich für das Final Four oder zumindest eine ähnliche Bilanz wie im Vorjahr reicht, ist vor allem mit den Leistungen von Sumner, Davis und Gaston eng verbunden.

Wichtige Spiele
Tire Pros Invitational Tournament, 17.11.-20.11. vs. Missouri, Oklahoma/Clemson/Davidson
Dienstag, 10.01. @ Villanova
Samstag, 14.01. @ Butler
Montag, 16.01. vs. Creighton
Donnerstag, 26.01. @ Cincinnati
Samstag, 04.02. @ Creighton
Samstag, 11.02. vs. Villanova
Sonntag, 26.02. vs. Butler