10 November 2016

10. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von TORBEN ADELHARDT @Torben41

History
Als Gründungsmitglied der Big Ten Conference, die in den ersten 19 Jahren noch den Titel „Western Conference“ trug, gehören die Wisconsin Badgers zu den renommiertesten und traditionsreichsten Adressen in der Welt des College-Basketballs. Mit Ausnahme der NCAA-Saison 1940/41, in der sich die Badgers ihre bis dato einzige NCAA-Championship sicherten, fristeten die Basketballer aus Wisconsin im vergangenen Jahrhundert jedoch auf nationaler Bühne ein Dasein im Schatten. Erst mit der Ankunft von Head Coach Dick Bennett, dem Begründer der „Pack-Line“-Defense, im Jahr 1995, begann sich für die Badgers das Blatt zu wenden. Nach drei NCAA-Tournament-Teilnahmen in fünf Jahren, übergab Bennett schließlich die Fackel an Bo Ryan, der Wisconsin in der Folgezeit zu einer der erfolgreichsten College-Teams des aktuellen Jahrzehnts entwickeln sollte. Vier „Sweet Sixteen“-Auftritte in fünf Jahren (2011-2015) sprechen hier eine deutliche Sprache. Allen voran die Klassen von 2010 und 2011, die so illustre Namen wie Josh Gasser, Ben Brust, Duje Dukan, Traevon Jackson und Frank Kaminsky beinhalten, spielten in den vergangen fünf Jahren eine dominante Rolle im College-Basketball

Letzte Saison 
(22-13, Sweet Sixteen der March Madness)
Dass die Abgänge von Frank Kaminsky, Sam Dekker, Traevon Jackson, Josh Gasser und Duje Dukan ein ziemlich großes Loch in das Badgers-Teamgefüge reißen dürften, war bereits vor dem Start der letzten Saison abzusehen. Denn die Badgers verloren nicht nur 72 Prozent ihres letztjährigen Scoring-Outputs, sondern mit Gasser, Dekker und Dukan auch herausragende Perimeter-Verteidiger. Schwierigkeiten im Kontext des großen Umbruchs schienen da vorprogrammiert zu sein. Nigel Hayes, dem als Sophomore sein Durchbruch gelang, ging in seiner neuen Rolle als offensives Zugpferd nicht auf, und als Übungsleiter Bo Ryan nach zwölf Saisonspielen auch noch frühzeitig seinen Hut in den Ring warf, schien die Saison der Badgers ultimativ den Bach runter zu gehen. Nur wenige trauten dem neuen Head Coach Greg Gard zu, dass er Wisconsin noch bis in das NCAA-Turnier führen kann. Was dann folgen sollte: Eine Revitalisierung der berühmten Swing-Offense, die unter Bo Ryan zuletzt immer seltener das offensive Erscheinungsbild von UW prägte, sowie elf Siege in den letzten 13 Spielen der Big Ten-Saison. Angeführt von Allzweckwaffe Hayes und Scharfschütze Bronson Koenig stürmte Wisconsin bis in das Achtelfinale des NCAA-Tournaments, wo sie schlussendlich gegen Notre Dame den Kürzeren zogen.

Kader
Vitto Brown (Wing/Big, 6'8'', Senior)
Nigel Hayes (Wing, 6'8'', Senior)
Bronson Koenig (Guard, 6'4'', Senior)
Zak Showalter (Guard, 6'2'', Senior)
Jordan Hill (Guard, 6'3'', Junior)
Ethan Happ (Big, 6'9'', Sophomore)
Alex Illikainen (Big, 6'9'', Sophomore)
Khalil Iverson (Wing, 6'5'', Sophomore)
Brevin Pritzl (Guard, 6'3'', Sophomore)
Charles Thomas (Big, 6'8'', Sophomore)
Andy Van Vliet (Big, 6'11'', Sophomore)
Aleem Ford (Wing, 6'7'', Freshman)
D'Mitrik Trice (Guard, 5'11'', Freshman)

Im Endeffekt ist nur die allgemeine Erwartungshaltung an das Team neu. Wurde den Badgers im Vorfeld der letzten Saison noch ein schweres Jahr prophezeit – welches in den ersten Saisonmonaten auch folgen sollte – so gehört das Team aus Madison in dieser Spielzeit wieder zu jenen College-Teams, die mit den ganz großen Ambitionen in die neue Saison starten. Denn auf Spielerseite hat sich bei Wisconsin praktisch nichts getan. Drei Walk-Ons, die in der abgelaufenen Saison zusammen auf vier Punkte kamen, haben das Team verlassen, und mit D’Mitrik Trice sowie Aleem Ford sind zwei Drei-Sterne-Rekruten neu dazugestoßen. Somit lässt sich durchaus von vertauschten Vorzeichen sprechen, wenn die kommende Spielzeit mit der Vorgänger-Saison verglichen wird.


Starting Backcourt
Bronson Koenig, Zak Showalter

Ähnlich wie es bei Nigel Hayes der Fall war, konnte auch Bronson Koenig im Zuge seiner Sophomore-Spielzeit sich einen festen Platz in der Badgers-Rotation erarbeiten. In der letzten Saison – und nach den Abgängen der Guards Traevon Jackson und Josh Gasser – musste Koenig dann eine wesentlich prominentere Rolle einnehmen. Mit einer Season-Statline von 13.1 PPG, 2.8 RPG und 2.4 APG wusste der Perimeter-Spieler durchaus zu überzeugen.

Vor allem seine Qualitäten als Distanzschütze (39 Prozent Trefferquote bei durchschnittlich 6,1 Versuchen pro Spiel) waren im Offensiv-System der Badgers gefragt. In diesem Jahr werden sich seine Rolle und das Aufgabenfeld nicht sonderlich ändern. Aggressive Perimeter-Defense, partielles Playmaking und Dreier werfen – der zweitbeste Scorer des letztjährigen Teams ist gemeinsam mit Hayes und Ethan Happ eines der wichtigsten Elemente im Offensivspiel von Coach Gard.

Während Koenig als effizientester Schütze der Badgers für das notwendige Spacing sorgt, übernimmt Senior Zak Showalter im Wisconsin-Backcourt die Rolle des athletischen Slasher. Showalter geht als Redshirt-Senior in sein fünftes Jahr am Campus der University of Wisconsin und überraschte in der vergangenen Saison mit einem breiteren Skill-Set.

Im Angriff bewegte er sich abseits des Balles sehr intelligent und lief in den richtigen Situationen seine Cuts. Dank seiner sehr guten Athletik und Dynamik sowie eines verbesserten Sprungwurfs, ist Showalter der optimale Komplementärspieler zu Koenig.

Starting Frontcourt
Nigel Hayes, Vitto Brown, Ethan Happ

Auch wenn Koenig und Showalter in der letzten Saison einen beachtlichen Entwicklungssprung hingelegt haben, darf der Frontcourt der Badgers zweifelsohne als das Prunkstück bezeichnet werden. 38,5 Punkte sowie 18,7 Rebounds brachte das Triumvirat um Hayes, Brown und Happ in der Spielzeit 2015/16 durchschnittlich auf den Statistikbogen.

Dass Nigel Hayes zu Beginn der vergangenen Spielzeit mit seiner neuen Rollen als erste Scoring-Option fremdelte, war mehr als offensichtlich. Doch als der variable Flügelspieler unter Neu-Coach Gard damit begann sich dem Flow der Offensive anzupassen und seine Abschlüsse nicht mehr zu erzwingen, eröffneten sich ihm ganz neue Möglichkeiten. Denn in Sachen Variabilität können nur die wenigsten College-Spieler es mit Hayes aufnehmen.

Der Flügelspieler besticht durch ein ausgereiftes Inside-Out-Spiel, welches primär auf seine Stärken beim Drive, Shooting und Post-Ups fußt. Wer am ganz großen Rad drehen möchte, der könnte das Offensiv-Spiel von Hayes mit jenem von LeBron James vergleichen. Ein Vergleich, der an Blasphemie grenzt. Doch in Wahrheit lässt sich das Spiel des Badgers – wohlgemerkt auf NCAA-Niveau – durchaus mit den jüngsten Darbietungen von „LBJ“ vergleichen.

Aufgrund seiner Mischung aus starker Physis und überdurchschnittlichem Ballhandling, dringt Hayes mit seinen Dribble-Drives immer wieder in die Zone ein, wo er entweder direkt am Ring abschließt oder einen freien Mitspieler bedient. Kein ander Wisconsin-Spieler legte im letzten Jahr eine höhere Assist-Percentage auf (18,2%) – wenn es in der Offensive der Badgers so etwas geben sollte wie einen primären Ballhandler, dann würde Hayes dieser Rolle am ehesten gerecht werden. Auch als nomineller Small Forward.

Gegen kleinere Kontrahenten kann Hayes problemlos aufposten, aber auch dank eines respektablen Distanzwurfes für Scoring-Gefahr vom Perimeter sorgen. Wichtig in dieser Saison: Hayes muss den letztjährigen Trend abwenden und sich nicht mehr so stark auf seinen Distanzwurf verlassen, sondern gezielt Mismatches forcieren und den Korb attackieren.

Vitto Brown ist der ideale Power Forward für Übungsleiter Gard. Ein verlässlicher Dreier (3FG%: 40) macht aus Brown, der in seinen ersten beiden Jahren in Wisconsin kaum Zeit auf dem Parkett verbracht hatte, eben jenen Stretch-Big Man, der für das Funktionieren der Badgers-Offense so elementar wichtig ist. Denn Hayes benötigt für seine Drives Freiräume und auch Ethan Happ ist als scorender Center am Zonenrand darauf angewiesen, dass Brown den gegnerischen Frontcourt-Spieler auf dem Flügel bindet.

Happ ist als „klassischer“ Low-Post-Big Man auf dem ersten Blick nicht unbedingt die Idealbesetzung für die „Swing Offense“ von Coach Gard. Auch wenn der Big Man primär in unmittelbarer Korbnähe scort, ist er beweglich und schnell genug, um den Fastbreak mitzulaufen. Darüber hinaus verfügt Happ über ordentliche Ballhandling- und Passfähigkeiten, wodurch er als Passgeber am High-Post eine wichtige Rolle in der Offensive einnimmt.


Bank
Jordan Hill, Brevin Pritzl, D'Mitrik Trice, Khalil Iverson, Aleem Ford, Charlie Thomas, Alex Illikainen, Andy Van Vliet

Die Bank der Badgers ist in diesem Jahr der X-Faktor. Khalil Iverson, Charlie Thomas und Alex Illikainen gehen in ihre zweite Saison, Jordan Hill in sein drittes Jahr. Alle Spieler waren bereits letztes Jahr unter Gard integrale Bestandteile der Rotation und sollten in dieser Spielzeit noch einen signifikanten Schritt in ihrer Entwicklung nehmen. Quasi Progression aus innen heraus. Insbesondere Illikainen und Thomas entsprechen mit ihrem Potential als Schützen der Badgers-Spielphilosophie.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem belgischen Big Man Andy Van Vliet, der letztes Jahr gemäß NCAA-Regularien aussetzen musste. Nun spielberichtigt, gibt Van Vliet den Badgers den so dringend benötigten Boost in der Frontcourt-Rotation. Mit knapp 2,10 Meter sorgt der Europäer nicht nur für ein Mehr an Länge unter dem eigenen Korb, sondern gibt als Dreier-werfender Big Man Coach Gard die Möglichkeit im Angriff auf eine Five-Out-Offense zu setzen. Inwieweit der junge Pivot tatsächlich für das physische Spiel in der Big Ten Conference bereit ist, bleibt erst einmal abzuwarten.

Coach
Greg Gard erlernte sein Coaching-Handwerk unter der Obhut des legendären Bo Ryan, den er in den vergangenen 15 Jahren als Assistant Coach in Wisconsin unterstützte. Dass die Mentor-Schüler-Beziehung zwischen Ryan und Gard für die Wisconsin Badgers Früchte trägt, offenbarte sich bereits letztes Jahr. Nach dem frühzeitigen Rücktritt von Ryan übernahm Gard das Zepter und coachte die Badgers noch bis in das NCAA-Tournament respektive Sweet Sixteen – eine Leistung, die aller Ehren wert ist. Dabei führt Gard das Erbe seines Coaching-Ziehvaters fort. Er forcierte in der Offensive jedoch nicht nur wieder die altbekannte Swing-Offense, sondern reicherte das Offensiv-System der Badgers auch mit neuen Elementen an. In dieser Saison muss Gard beweisen, dass er seine Mannschaft auch über eine gesamte Spielzeit hinweg jedes Spiel bis an ihr Leistungsmaximum bringen kann.

Stil
Wie bereits erwähnt zeigten die Badgers in der letzten Saison unter ihrem neuen Übungsleiter eine Revitalisierung ihrer Swing-Offense. In der Offensive bewegen sich die Spieler gemäß der Read-and-React-Prinzipen. Ein hoher Bewegungsfluss aller fünf Spieler, Backdoor-Cuts, Hand-Offs, Side Pick-and-Rolls sowie viele Pick-and-Pop-Aktionen prägen das offensive Erscheinungsbild der Badgers unter Coach Gard.

Dabei kommt es Wisconsin natürlich auch zu Gute, dass sich zumeist vier bis fünf Spieler auf der Platte befinden, die allesamt den Ball auf den Boden setzen können, über ein vernünftiges Passspiel verfügen und zumindest aus der Mitteldistanz den Sprungwurf anbringen können. In dieser Hinsicht erinnern die Wisconsin Badgers wieder stärker an die „NCAA-San Antonio Spurs“, die sie zuletzt in der Saison 2014/15 waren. In der Defensive vermissen die Badgers einen waschechten „Brecher“ und Shotblocker, der die eigene Zone beschützt. Die Lösung: eine sehr aktive Helpside-Defense aller Spieler. Mit einer angepassten Defensiv-Effizienz von 92,4 belegten die Badgers am Ende der letzten Saison landesweit Rang 13, was eindeutig für die funktionierende Team-Defensive spricht.


NBA Kandidaten
Nigel Hayes. Der vielseitige Flügelspieler konnte in der letzten Saison leider nicht an seinen Darbietungen aus der NCAA-Spielzeit 2014/15 anknüpfen. An der Seite der beiden Top-Scorer Kaminsky und Dekker blühte Hayes regelrecht auf, doch im letzten Jahr schien ihn die Rolle der ersten Angriffsoption weniger zu liegen als gemeinhin angenommen worden ist. Vermehrt in One-on-One-Situationen isoliert, brachen nicht nur seine Wurfquoten ein, sondern es wurde auch deutlich, dass Hayes kein geborener Isolation-Scorer ist. Doch das muss er in der NBA auch gar nicht sein. Vielmehr macht ihn seine Vielseitigkeit für die NBA-Teams so attraktiv. In der Defensive kann der Flügelspieler mit seiner Mischung aus Kraft und Athletik verschiedene Spielertypen checken und zugleich auch im Angriff die Rolle des Spot-Shooters (s. NCAA-Saison 2014/15) oder Cutter einnehmen.

BBL Kandidaten
Zak Showalter. Der athletische Backcourtspieler könnte im Idealfall zu einem variablen Two-Way-Guard heranreifen, der im Angriff zwar nicht die ganz großen Zahlen auflegt, aber dafür mit Slashing (2015/16: 67,1 Prozent Trefferquote am Korb – ein herausragender Wert) und Spot-up-Shooting überzeugt. Hierfür muss Showalter sich aber noch einen sicheren Sprungwurf antrainieren. Bronson Koenig und Vitto Brown sind ebenfalls mögliche Kandidaten für europäische Teams.

Prediction
Die Wisconsin Badgers haben eigentlich alles beisammen, um im März für einen tiefen Ritt im NCAA-Tournament zu sorgen: einen veritablen College-„Star“ mit Hayes, eine funktionierende Team-Defensive, verschiedene Ballhandler, Shooting vom Flügel und generell eine gehörige Portion Abgezocktheit. Die Big Ten Conference wird auch in diesem Jahr an der Spitze hart umkämpft sein, doch im Gegensatz zu Teams wie Michigan State (Verletzungen, Erfahrung) und Indiana (Konstanz, Defense) gehen die Badgers mit den wenigsten Fragezeichen aller Spitzenteams in die neue Saison. Als Top-Anwärter auf den Gewinn der Meisterschaft in der Big Ten, sollte Wisconsin auch zu den Contendern im NCAA-Tournament zählen.

Wichtige Spiele
Dienstag, 15.11. @ Creighton
Dienstag, 29.11. vs. Syracuse
Samstag, 03.12. vs Oklahoma
Dienstag, 03.01. @ Indiana
Sonntag, 05.02. vs Indiana
Samstag, 25.02. @ Michigan State