10 November 2016

10. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Unter Terry Holland, der die Cavaliers zwischen 1975 und 1990 trainierte, konnte Virginia erstmals zu einer Größe der NCAA erwachsen. Aus dieser Zeit sind auch die bisher einzigen Final Four Teilnahmen, zu denen NBA Big Ralph Sampson beitrug, datiert. In den 90ern und Anfang dieses Jahrtausends hatten die Cavs jedoch Schwierigkeiten, sich überhaupt für das NCAA Tournament zu qualifizieren. Erst mit der Ankunft von Tony Bennett stellte sich zuletzt wieder anhaltender Erfolg ein. 2014 und 2015 gewannen die Cavaliers die ACC, die stärkste aller NCAA Conferences. UVa hat wieder eine klare Identität unter Bennett und wartet nun auf die dritte Final Four Teilnahme oder sogar eine erste Meisterschaft.


Letzte Saison 
(29-8, Elite Eight der March Madness)
Bereits im zweiten Saisonspiel wurden die Cavaliers von den George Washington Colonels auf dem falschen Fuß erwischt. Ohne Defensivanker Darion Atkins brauchten die Cavs lange Zeit, um die ideale Rollenverteilung im Frontcourt abzustecken. Auch Justin Andersons Vielseitigkeit musste zunächst erst ersetzt werden. Vor Weihnachten schien Virginia angeführt von einem starken Malcolm Brogdon in der Saison angekommen zu sein. Schließlich konnten Villanova und West Virginia sowie California geschlagen werden. Allerdings verpatzten die Cavs den ACC Start und fingen sich drei Niederlagen gegen schwächere ACC Teams ein. Die dritte ACC Meisterschaft in Folge war daher schnell in weite Ferne gerückt, für einen zweiten Platz reichte es dann doch noch. Im Tournament war Bennett der ersten Final Four Teilnahme extrem nah, doch nach Siegen über Hampton, Butler und Iowa State fehlte gegen Syracuse die Ruhe, um das Saisonziel zu erreichen.

Kader
London Perrantes (Guard, 6'2'', Senior)
Devon Hall (Guard, 6'5'', Junior)
Austin Nichols (Big, 6'10'', Junior)
Marial Shayok (Wing, 6'5'', Junior)
Darius Thompson (Guard/Wing, 6'4'', Junior)
Isaiah Wilkins (Big, 6'7'', Junior)
Jack Salt (Big, 6'11'', Sophomore)
Mamadi Diakite (Big, 6'9'', Freshman)
Kyle Guy (Guard, 6'3'', Freshman)
Jay Huff (Big, 6'11'', Freshman)
De'Andre Hunter (Wing, 6'7'', Freshman)
Ty Jerome (Guard, 6'5'', Freshman)

Anthony Gill und Malcolm Brogdon waren die Gesichter des Aufstiegs unter Tony Bennett. Mehrere Saisons führten sie die Cavaliers in der Offense an und waren Schlüsselspieler. Sie zu ersetzen, wird schwer bis unmöglich. Doch Virginia hat auch in diesem Jahr einen tiefen Roster zu Verfügung und dank der Spielweise sollten die Cavaliers immer in der Lage sein, Spiele zu gewinnen. Austin Nichols ist der prominenteste Neuzugang. Der Memphis Transfer setzte gemäß der Wechselregularien ein Jahr aus und war im Sommer in aller Munde als Virginia neues Gesicht. Doch auch die Freshman Class ist talentiert veranlagt und dürfte direkt in der ersten Saison wichtige Akzente setzen.

Starting Backcourt
London Perrantes, Devon Hall, Marial Shayok

London Perrantes ist in der kommenden Saison der unangefochtene Leader der Cavaliers. Ohne Brogdon wird Perrantes noch mehr Verantwortung tragen. In den letzten Jahren war Perrantes vor allem als Dirigent für die Spielkontrolle zuständig und traf zusätzlich den wichtigen Dreier in der Crunchtime gerne.

In seiner letzten Saison wird Perrantes allerdings auch mehr als Playmaker in Erscheinung treten müssen. Die anderen Guards sind keine Scorer oder können nicht seine Erfahrung aufweisen. Daher wird Perrantes der einzige Guard sein, der die vielen Downscreens derartig nutzen kann, dass er konstant freie Würfe für sich und seine Nebenleute kreieren kann. Ob seine Fehlerquote angesichts des steigenden Aktionsvolumen so gering bleibt, wird mit über den Saisonausgang entscheiden.

Devon Hall ist ein ähnlicher Spielertyp wie Malcolm Brogdon, auch wenn der abgegangene Veteran natürlich auf einem ganz anderen Level agiert hat. Hall ist ein vielseitiger Spieler, der auf allen drei Außenpositionen eingesetzt werden kann und durchaus auch den Spielaufbau übernehmen wird, damit Perrantes sich im Halbfeld mehr auf das Kreieren konzentrieren kann.

Marial Shayok hat das Potential zum Scorer aufzusteigen. Der Kanadier ist ein extrem bulliger Flügelspieler, dessen Defense sich bisher jede Saison verbessert hat. Kann er diesen positiven Trend beibehalten, wird er trotz des tiefen Backcourt viele Minuten sehen. Offensiv findet er immer wieder Wege in die Zone und ist dort aufgrund seiner Statur kaum zu stoppen.

Starting Frontcourt
Isaiah Wilkins, Austin Nichols

Isaiah Wilkins war in der vergangenen Saison mit ein Grund dafür, warum Virginia gegen Ende der Saison immer bessere Defense spielte. Wilkins war der defensivstarke Vierer, der an der Seite vom eher offensiv engagierten Anthony Gill notwendig war. Wilkins ist defensiv sehr variabel. Er kann Innenspieler im Lowpost verteidigen oder auch am Perimeter kleinere Guards vor sich halten. In der aggressiven Pick & Roll Defense hedget der Power Forward zwar noch zu ungestüm, doch mit wachsenden Erfahrungswerten sollte er sich hier noch entwickeln können.

Offensiv ist Wilkins vor allem ein guter Blocksteller, der die Kontrahenten seiner Mitspieler präzise trifft und seinen Teamkameraden somit viele Freiräume ermöglicht. Dank seines verlässlichen Mitteldistanzwurfes kann er auch für Spacing sorgen und sollte nicht alleine gelassen werden.

Als neuer dominanter Big Man sollte Austin Nichols eigentlich direkt der Leuchtturm im Spiel der Cavaliers werden und ist daher in jeder Preview als wichtigster Akteur genannt. Knapp zwei Wochen vor Saisonbeginn gab Virginia bekannt, dass Nichols jedoch für die Preseason Scrimmages und das erste Saisonspiel suspendiert ist, da er gegen Teamregeln verstieß. Ein Bilderbuchstart sieht anders.

Dabei könnte Nichols in der Tat zu Bennett und den Cavaliers passen wie die Faust aufs Auge. Nichols ist ein offensiv begabter Big Man. Er kann im Lowpost im Eins-gegen-Eins scoren und sollte Gills Niveau mindestens matchen, wenn nicht gar übertreffen. Nichols stellt zudem gute Screens und netzt auch aus der Mitteldistanz ein. Einzig als Freiwerfer fehlt ihm die Effizienz.

Mindestens genauso wichtig wie der offensive Output ist aber, dass Nichols ein starker Verteidiger ist und den Ring beschützen kann. Eine solche Präsenz in der Zone und beim Rebound hat den Cavaliers in der vergangenen Saison ohne Atkins gefehlt.


Bank
Kyle Guy, Darius Thompson, Ty Jerome, De'Andre Hunter, Mamadi Diakite, Jack Salt, Jay Huff

Normalerweise spielen Freshmen unter Tony Bennett eine eher untergeordnete Rolle, weil sie aus der High School schlicht nicht gewohnt sind, dass sie verteidigen müssen, um auf dem Feld stehen zu dürfen und diese Umgewöhnung seine Zeit braucht. Zudem ist auch das Offensivsystem anders konzipiert als die der meisten High School Teams.

Doch Kyle Guy könnte eine seltene Ausnahme darstellen. Der Guard bringt viele Qualitäten mit und hat das Potential auf lange Sicht, ein Spieler der Marke Brogdon oder Perrantes zu werden. Guys Wurf ist eine Naturschönheit und sollte in Lehrvideos festgehalten werden. Zusätzlich kann der Combo Guard das Leder aber auch auf den Boden setzen und beispielsweise im Pick & Roll Lösungen finden. Defensiv wird er zwar körperlich hin und wieder unterlegen sein, doch seine Intensität und sein Spielverständnis können hier zur Kompensation dienen.

Von Darius Thompson wird Coach Bennett in dieser Saison mehr erwarten. Mit Vorschusslorbeeren nach einer starken Freshman Saison in Tennessee in die vergangene Spielzeit gestartet, waren seine Leistungen eher mäßig. Immerhin defensiv konnte Thompson mithalten. In der kommenden Saison wird Thompson als sechster Mann in der Offense ebenfalls mithelfen müssen, wenn die Cavs erfolgreich sein wollen.

Ty Jerome und De'Andre Hunter runden die Rotation auf den Außenpositionen ab. Hunter ist ein athletischer Flügelspieler, während Jerome die letzte Saison verletzungsbedingt nicht zu Ende spielen konnte.

Mamadi Diakite saß die vergangene Saison aus und sollte nun bereit sein, für die Backup Role auf der Position Vier. Zwar könnte der Redshirt Freshman immer noch zusätzliche Kilos beim Kampf unter den Brettern der ACC vertragen, doch das Trainingsjahr hat ihm in dieser Hinsicht bereits sehr geholfen. Diakite steht momentan jedoch im Fokus der NCAA, die prüft, ob er gegen den erforderlichen Amateurstatus zu High School Zeiten verstoßen hatte.

Als Optionen auf der Fünf stehen Jack Salt und Jay Huff bereit. Salt ist ein massiver Brettcenter, der harte Screens stellt und Rebound zupackt. Huff ist eher ein beweglicher und athletischer Fünfer. Die Minuten zwischen den beiden werden vermutlich nach Matchup und Tagesform variieren.

Coach
Tony Bennett gehört zu den besten Coaches der NCAA. Wie er die Kultur in Virginia innerhalb weniger Jahre umkrempelte und die Cavaliers zu einem Contender in der ACC formte, verdient höchte Anerkennung. Bennett hat eine klar erkennbare Handschrift etabliert, dank der Virginia in der Spitzengruppe der besten NCAA Conference fest verankert ist. 

Um seine Erfolge zu untermauern, wäre eine Final Fou Teilnahme oder sogar ein Titelgewinn mittlerweile eine angemessene Honoration seiner Arbeit. ACC Titel sind zwar schön und gut, doch am Ende zählen die Resultate im Tournament.

Stil
Defense wird bei Virginia groß geschrieben. Mit ihrer Pack Line Verteidigung rühren die Cavaliers Zement in der Zone an und bringen damit selbst die besten Offensiven der NCAA zum Erliegen. Abschlüsse im Drei-Sekunden-Bereich sind immer stark verteidigt. Hat der Gegner dann keine Schützen an Dreierlinie oder fehlt dem Team das nötige Ballmovement, um den Schützen Freiraum zu gewähren, wird es jeder Gegner schwer haben, überhaupt die Grenze von 60 Punkten zu überschreiten.

In der Offense arbeitet Coach Bennett mit seiner Motion Offense, die zeitlich minimal versetze Flare- und Downscreens beinhaltet. Durch diese indirekten Blöcke haben die Außenspieler beim Ballerhalt oft einen kleinen Vorsprung, der ihnen entscheidend zum Drive verhilft.


NBA Kandidaten
Einen klaren NBA Kandidaten haben die Cavaliers dieses Jahr nicht in ihren Reihen. Austin Nichols hat eventuell Aussichten auf eine NBA Zukunft, wird aber vermutlich auch seine Senior Saison in Virginia antreten.

BBL Kandidaten
London Perrantes ist der einzige Senior des Kaders und könnte tatsächlich in Europa oder der BBL unterkommen. Für die NBA fehlen ihm Größe und Athletik, doch in Europa kann er seine Fähigkeiten als Organisator, seinen guten Wurf und seine engagierte Defense einbringen.

Prediction
Zwei erfahrene Veteranen wie Brogdon und Gill ersetzen zu müssen, ist wie erwähnt kein leichtes Unterfangen. Doch die Mischung aus Spielkultur, einem eingespielten Kern und wichtigen Neuzugängen sollte dafür sorgen, dass Virginia auch in 2017 ein Wörtchen in der ACC mitzureden hat und darüber hinaus im NCAA Tournament einige Runden überstehen wird.

Ob es dieses Jahr für das lang ersehnte Final Four reicht, bleibt abzuwarten. Viel hängt von London Perrantes und Austin Nichols ab. Kann Perrantes Brogdons offensive Leaderqualitäten halbwegs übernehmen und Nichols sich gut ins Team einfügen, stehen die Chancen für einen tiefen Run in der Tat nicht schlecht. Allerdings ist Unterstützung beim Scoring von allen Außenspielern gefragt. Virginia sollte sich nicht darauf verlassen, jeden Gegner unter 60 Punkten halten zu können und entsprechend offensiv in der Lage sein, mindestens 70 Punkte zu erzielen. Das könnte eine Herausforderung werden.

Wichtige Spiele
Samstag, 03.12. vs. West Virginia
Mittwoch, 28.12. @ Louisville
Sonntag, 29.01. @ Villanova
Samstag, 04.02. @ Syracuse
Montag, 06.02. vs. Louisville
Mittwoch, 15.02. vs. Duke
Samstag, 18.02. @ North Carolina
Montag, 27.02. vs. North Carolina