11 November 2016

11. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Villanova stieg unter Rollie Massimino erstmals zu konstanter nationaler Bedeutung auf. In 15 Jahren unter ihrem Trainer kamen die Wildcats auf vier Elite Eight Einzüge und die erste Meisterschaft 1985. Unter Steve Lappas blieb der Erfolg im Anschluss aus. Bis über die Second Round ging es nie hinaus, weswegen Jay Wright 2001 den Staffelstab übernahm. 2009 erreichten die Wildcats unter Regie von Kyle Lowry das Final Four, schieden in den Folgejahren jedoch immer wieder früh aus, weswegen leise Kritik an Wright aufkam. Erst in den vergangenen drei Jahren konnte Wright mit seiner Mannschaft wieder an die Final Four Saison anknüpfen. Eine Bilanz von 97-13 und die Meisterschaft der vergangenen Saison sollten Wrights Kritiker zum Verstummen gebracht haben.

Letzte Saison 
(35-5, NCAA Champion)
Vor der Saison war nicht unbedingt abzuwarten, welches Ende die Saison nehmen würde. Gleich drei Starter verlor Jay Wright. Während die Abgänge von JayVaughn Pinkston und Darrun Hilliard einkalkuliert waren, überraschte Dylan Ennis' Transfer nach Oregon ein wenig und sorgte für Unruhe. Als man dann beim Pearl Harbour Classic in Honolulu gegen Oklahoma unter die Räder kam und auch wenige Tage später gegen Virginia verlor, beschlich die meisten Fans wieder das Gefühl der Vorjahre: Für eine gute Bilanz und die Big East reicht das Talent im Team, doch gegen hochklassige Konkurrenz fehlt der Biss. In dieser Hinsicht war gerade auch das Conference Finale gegen Seton Hall eine Ernüchterung für die Fans. Gegen ein vermeintliches Streetball Team waren die Wilcats nicht Herr der Lage und wurden von den toughen Pirates an die Wand gespielt. Während die Pessimisten sich also für ein Aus am ersten Tournament Wochenende wappneten, präsentierte sich die Mannschaft von einer ganz anderen Seite. Miami und Iowa hatten nicht den Hauch einer Chance, Titelfavorit Kansas wurde in einem engen Spiel bezwungen. Die Krönung folgte am Final Four Wochenende mit einer dominantesten Final Four Leistungen der Geschichte im Halbfinale gegen Oklahoma und einem der denkwürdigsten Comebacks der Final Four Historie im Finale gegen UNC.

Kader
Josh Hart (Wing, 6'6'', Senior)
Kris Jenkins (Big, 6'6'', Senior)
Darryl Reynolds (Big, 6'9'', Senior)
Phil Booth (Guard, 6'3'', Junior)
Mikal Bridges (Wing, 6'7'', Sophomore)
Jalen Brunson (Guard, 6'3'', Sophomore)
Tim Delaney (Big, 6'9'', Sophomore)
Donte DiVincenzo (Guard, 6'5'', Sophomore)
Eric Paschall (Big, 6'7'', Sophomore)
Dylan Painter (Big, 6'10'', Freshman)

Ryan Arcidiacono und Daniel Ochefu waren Hirn und Herz des Meisterschaftsteams. Besonders Arcidiacono konnte sich während seiner vier Jahre konstant steigern und zum Floor General des besten NCAA Teams reifen. Ochefu war besonders gegen Oklahoma der Schlüsselspieler, da er als Big Man auch das Pick & Roll switchen und am Perimeter Guards vor sich halten konnte. Immerhin entschieden sich Josh Hart und Kris Jenkins gegen den NBA Draft und für ihr Senior Jahr. Eric Paschall ist nach seinem Redshirt Jahr nun spielberechtigt, während Donte DiVincenzo nach überstandener Verletzung auf sein Comeback brennt. Ende September erreichte Wright die Nachricht, dass Freshman Big Omari Spellman aufgrund fehlender akademischer Nachweise keine Spielberechtigung erhalten würde.


Starting Backcourt
Jalen Brunson, Phil Booth, Josh Hart

Nach dem Abgang von Arcidiacono ist Jalen Brunson der einzige wirklich ausgebildete Aufbauspieler im Kader der Wildcats. Nachdem sich Brunson gerade erst an die Rolle als Co-Regisseur gewöhnt hat, kann er als Sophomore nun endlich sein Naturell als Floor General ausleben.

Brunson ist ein extrem kräftiger Guard, der genau weiß, wo er hin will und zu diesem Spot nach Belieben gelangen kann. Der Linkshänder spielt nicht wie der gewöhnliche Guard in seinem zweiten Collegejahr, sondern eher wie ein NBA Veteran mit zehn Jahren Ligaerfahrung auf dem Buckel. Es gibt kaum eine Schwäche im Spiel des Guards. Er verteidigt, verteilt den Ball, kann selber zum Korb ziehen und hat einen ordentlichen Schuss. Man darf gespannt sein, welche Rolle er in der kommenden Saison tatsächlich einnimt und wie er diese dann interpretiert.

In der vergangenen Saison kam Phil Booth als Instant Scorer von der Bank. Nach dem Abgang von Arcidiacono ist der Backcourt etwas dünn besetzt. Durch das Fehlen eines Backups auf der Aufbauposition wird Booth hier einspringen müssen und damit automatisch mehr Verantwortung übernehmen. Das Ballhandling und den Drang zum Korb hat er bereits, allerdings konnte er bisher nicht wirklich als Ballverteiler oder Organisator in Erscheinung treten.

Josh Hart war in der vergangenen Saison der große Profiteur vom Aderlass auf den Außenpositionen. In seinen ersten beiden Jahren als effizienter Rollenspieler von der Bank überzeugend, konnte er als Junior den Schritt zum Starter de facto überspringen und sich direkt zum Key Player aufschwingen. Denn Hart war der Motor und Taktgeber der Wildcats, der dafür sorgte, dass die Intensität in der Defense stimmte.

In der kommenden Saison wird er sich ebenfalls mehr um das Playmaking im Halbfeld kümmern. Hier hat er noch ein wenig Raum zu Verbesserung. Viele seiner Drives enden eher wie Postups, da er einen kräftigen Körper hat. Ihm fehlt noch ein wenig das Ballhandling, um seinen Gegenspieler per Crossover zu überrumpeln. Kann er sich in dieser Hinsicht verbessern, würde er einen wichtigen Schritt Richtung NBA nehmen.

Starting Frontcourt
Kris Jenkins, Darryl Reynolds

Die vielleicht spannendste Frage der Saison besteht darin, wie Wright Daniel Ochefu ersetzen will. Nach dem Verlust von Spellman haben die Wildcats zwar immer noch drei potentielle Fünfer im Kader, doch keiner von ihnen kann die Qualität oder das Potential eines Spellman aufweisen. Mehrere Szenarien sind möglich. Unter anderem ist es beispielsweise denkbar, dass Wright sich das Modell der Death Lineup der Warrios zu eigen macht. In diesem Gedankenexperiment wäre Jenkins der Mini-Draymond-Green auf der Fünf, während Bridges und Hart die Forward Spots besetzen und Brunson und Phil Booth den Backcourt bilden würden.

In der konservativen Konstellation, die zunächst wahrscheinlicher erscheint, ist jedoch Darryl Reynolds der neue Starter auf der Fünf. Reynolds ist ein harter Arbeiter, der genau weiß, was Wright von ihm verlangt und sich in jeder Saison verbessern konnte. Er packt ähnlich entschlossen beim Rebound zu wie Ochefu, kann aber nicht so gut am Perimeter verteidigen wie sein Vorgänger. Auch offensiv fehlen ihm dessen Postmoves.

Kris Jenkins machte sich mit seinem Gamewinner unsterblich, was umso bemerkenswerter ist, da er bis zur vergangenen Saison gerade so mit der Backup Rolle auf der Vier bedacht war und hinter JayVaughn Pinkston kaum eine Chance hatte. Doch Jenkins konnte seinen ohnehin schon guten Wurf nochmals verbessern und ihn im genau richtigen Moment anwenden. Als Verteidiger kann er sich noch ein bisschen steigern.


Bank
Donte DiVincenzo, Mikal Bridges, Eric Paschall, Tim Delaney, Dylan Painter

Donte DiVincenzo verletzte sich zu Beginn der letzten Saison und brach sich den berüchtigten fünften Metatarsalknochen im Fuß, weshalb er den Rest der Saison verpasste. Er ist einer der Breakout Kandidaten für die kommende Saison. Das Paket aus Athletik, Wurfstärke und verbessertem Ballhandling öffnen ihm die Türen zur Rotation und wichtigen Minuten auf dem Court.

Mikal Bridges ist einer der variabelsten Verteidiger der gesamten NCAA und kann in der Tat problemlos alle fünf Positionen verteidigen. Aufbauspielern macht er das Spiel mit seinen langen Armen und seiner Schnelligkeit zur Hölle. Big Men können sich gegen den Flügelspieler aufgrund seiner immensen Spannweite und seiner cleveren Postdefense nicht durchsetzen. Bridges kann daher jedes Pick & Roll switchen.

Offensiv wird sich Bridges weiter verbessern. Als Finisher konnte er schon deutliche Fortschritte verzeichnen, allerdings fehlen ihm immer noch ein paar Kilos auf den Rippen, um hier die höchstmögliche Effizienz erlangen zu können. An seinem Ballhandling muss der Sophomore mit den Krakenarmen ebenfalls noch tüfteln. Dennoch bezeichnete Wright Bridges jüngst als sechsten Starter.

Eine weitere Geheimwaffe könnte Eric Paschall werden. Der Fordham Transfer konnte das Redshirt Jahr bestens nutzen und wird durchaus Ambitionen anmelden. Zur Not könnte er sogar als Fünfer in die Starting Five rutschen. Die Masse und den Körper dazu hat Paschall auf jeden Fall. Doch auch im Umgang mit dem Ball hat der Big einiges drauf, weshalb er sowohl vom Perimeter als auch am Zonenrand eifrig Punkte sammelt.

Tim Delaney und Dylan Painter sind weitere Fünfer im Kader. Sie werden Starter Reynolds im Nacken sitzen und um ihre Minuten kämpfen. Erst wenn keiner der drei wirklich überzeugt oder Paschall und Bridges sich extrem aufdrängen, ist eine Small Ball Lineup mit Paschall/Jenkins auf der Fünf denkbar.

Coach
Seit einigen Jahren heftete Jay Wright der Ruf an, dass seine Teams nicht tough genug wären und gegen ebenbürtige Konkurrenten die Challenge nicht annehmen würden. Diese Geschichte sollte sich mit der vergangenen Saison und dem sehr souveränenen NCAA Tournament erledigt haben. Kein anderes Team wirkte fokussierter und besser auf den jeweiligen Gegner vorbereitet. Wrights Spieler werden mit jedem Jahr besser und präsentieren sich stets als Einheit. Zudem ist Wright offen für neues und passt sich gerne dem vorhandenen Spielermaterial an, was einen guten Trainer auszeichnen sollte.

Stil
Im Angriff spielen die Wildcats sehr modernen und variablen Basketball. Normalerweise werden vier Spieler entlang des Perimeters platziert und sind allesamt fähig, den offenen Dreier zu versenken. Das Pick & Roll schafft meist die nötigen Rotationen seitens der Defense, aus denen sich die Freiheiten an der Dreierlinie ergeben. Aber auch Mismatches werden gezielt gesucht. Postups sind in dieser Hinsicht eine oft gewählte Variante. Josh Hart kann kleinere Guards am Zonenrand vernaschen. Daniel Ochefus Passqualitäten aus dem Lowpost werden die Wildcats allerdings vermissen.

In der Defense spielt Mikal Bridges an der Spitze der 1-2-2-Zonenpresse eine entscheidende Rolle und erschwert vielen Aufbauspielern das Leben. Anschließend gehen die Wildcats meist in Mannverteidigung über, wobei sie viele Situationen switchen.


NBA Kandidaten
Josh Hart ist der ideale Rollenspieler und Energizer von der Bank. Genau diese Rolle füllte er in seinen ersten beiden College Jahren mit einer atemberaubenden Effizienz aus. Auch Mikal Bridges hat NBA Potential. Er kann mindestens vier Positionen verteidigen und könnte der ideale Small Ball Vierer sein. Kris Jenkins ist eher ein Stretch Vierer, allerdings fehlt ihm ein wenig die Größe für die NBA.

BBL Kandidaten
Daher wäre es nicht verwunderlich, wenn Jenkins letztlich in Europa landen würde. Für europäische Verhältnisse vereint er viele Skills, die einen guten Vierer ausmachen: Shooting, Kraft, Physis und Gefahr als Lowpostscorer.

Prediction
Wenn beim amtierenden Champion drei Starter und die beiden wichtigsten Bankspieler zurückkehren sind das grundsätzlich gute Voraussetzungen, um eine Titelverteidigung einigermaßen realistisch erscheinen zu lassen. Allerdings müssen die zwei verlorenen Starter erstmal ersetzt werden. Sowohl Ryan Arcidiacono als auch Daniel Ochefu hatten besondere Rollen im Team inne. Unter ihrer Führung präsentierten sich die Wildcats als toughes Team, das an der Grenze zur Unbesiegbarkeit zu wandeln schien. Zudem bekleideten die beiden die Schlüsselpositionen im College Basketball: Ein so eingespieltes und erfahrenen Point Guard-Big Man Duo konnten und können die wenigsten Teams aufweisen.

Nova muss also besonders auf der Fünf schnellstens eine präsentable Lösung finden. Kann sich Darryl Reynolds oder einer der beiden unerfahrenen Youngster hier als verlässlicher Arbeiter etablieren, wären die Wildcats sicher wieder in Final Four Reichweite. Um das Finalwochenende zu erreichen, müssen Josh Hart und Kris Jenkins ihre Erfahrung einbringen und Phil Booth und Jalen Brunson einen formidablen Backcourt bilden.

Wichtige Spiele
Montag, 14.11. @ Purdue
Samstag, 31.12. @ Creighton
Mittwoch, 04.01. @ Butler
Dienstag, 10.01. vs. Xavier
Sonntag, 29.01. vs. Virginia
Samstag, 11.02. @ Xavier
Mittwoch, 22.02. vs. Butler
Samstag, 25.02. vs. Creighton