08 November 2016

8. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Unter Jim Calhoun wurden die Huskies zu einer Großmacht in der NCAA. In der starken Big East konnten sie sich Jahr für Jahr behaupten und in der Ära der Coaching Legende drei Mal den Titel einheimsen. Legendäre College Spieler wie Rip Hamilton, Khalid El-Amin oder zuletzt Kemba Walker sorgten mit ihren Performances für Tournament Runs im großen Stil. Als Calhoun 2012 in Ruhestand ging, übernahm sein Assistant Kevin Ollie, ehemaliger Spieler unter Calhoun, den Posten des Lehrmeisters. Mit der vollkommen überraschenden Meisterschaft 2014 gelang ihm direkt in seiner zweiten Saison das Gesellenstück.


Letzte Saison 
(25-11, Second Round der March Madness)
Erstmals ohne die Guards der Vorjahre (Walker, Shabazz Napier, Ryan Boatright) brauchte das Team einige Zeit, um sich zurecht zu finden. Das Battle 4 Atlantis war da direkt zu Beginn der Saison ein wahrer Prüfstein. Knappe Niederlagen gegen Syracuse und Gonzaga deuteten an, dass das Team über Potential verfügt, dieses aber erst noch entfesseln musste. Auch in der Conference taten sich die Huskies schwer und schwebten relativ lange entlang der ominösen "Bubble". In diesem Zusammenhang erwies sich eines der spannendsten Spiele der vergangenen Saison als enorm wichtiger Erfolg: Im Viertelfinale des AAC Tournaments rangen die Huskies Cincinnati nach vier Verlängerungen nieder, auch dank des Buzzers von Freshman Jalen Adams. Im Tournament war Kansas in der zweiten Runde eine Nummer zu groß.

Kader
Amida Brimah (Big, 7'0'', Senior)
Kentan Facey (Big, 6'10'', Senior)
Rodney Purvis (Guard/Wing, 6'4'', Senior)
Jalen Adams (Guard, 6'3'', Sophomore)
Steven Enoch (Big, 6'11'', Sophomore)
Terry Larrier (Wing/Big, 6'8'', Sophomore)
Mamadou Diarra (Big, 6'8'', Freshman)
Juwan Durham (Big, 6'11'', Freshman)
Alterique Gilbert (Guard, 6'0'', Freshman)
Vance Jackson (Big, 6'8'', Freshman)
Christian Vital (Guard, 6'2'', Freshman)

Sterling Gibbs und Shonn Miller waren vergangene Saison als Graduate Transfers willkommene Ergänzungen zum dünn besetzten Kader. Dieses Jahr verzichtet Ollie jedoch auf diesen Weg und setzt auf ein extrem junges Team. Nur fünf Spieler haben bisher schon für die Huskies gespielt. Zwar sind die Freshmen durchaus talentiert, doch es dürfte dauern, bis sich die Rollen verteilen und alle ihren Platz gefunden haben. Der Konkurrenzkampf dürfte hart umkämpft werden. Ärgerlich war die Draft Anmeldung von Allrounder Daniel Hamilton, der auf sein Senior Jahr verzichtete und nun um einen Roster Spot in der NBA kämpfen muss.

Starting Backcourt
Jalen Adams, Alterique Gilbert, Rodney Purvis

Sich eine Startaufstellung der Huskies ohne zwei Point Guards vorzustellen, erscheint unmöglich. Seit Jeremy Lamb gab es keinen festen Shooting Guard in der ersten Fünf mehr und wenn Ollie es zwischendurch versuchte, gingen die Spiele entsprechend schlecht aus. Daher wird es interessant zu sehen sein, wie sich Ollie diese Saison entscheidet: Setzt er wieder auf zwei junge Guards oder fängt er doch lieber groß an und stellt einen zweiten Big Man auf? 

Sollte er sich für erstere Variante entscheiden, die sich in der jüngeren Vergangenheit oft rentiert hat, würden sich Jalen Adams und Alterique Gilbert die Aufgaben in der Spielorganisation teilen. Die beiden kennen sich noch aus AAU Zeiten, was sicher von Vorteil ist.

Adams noch auf seinen sensationellen Wurf zu reduzieren, wie es oft noch gemacht wird, wäre ihm gegenüber unfair. Schließlich wurde der Freshman mit jedem Saisonmonat stärker und war gegen Ende der Saison durchaus der beste Spieler der Huskies. Während andere Freshmen gegen Ende der Saison oft platt sind, dem Druck nicht standhalten oder für ihre Matchups durchschaubar werden, überzeugte Adams mit Reife und Leaderqualitäten.

Hierauf muss Adams aufbauen. Das oberste Ziel für seine Sophomore muss sein, noch aggressiver zum Korb zu ziehen und seine athletischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Adams' Drive ist schwer zu stoppen und dank seiner bulligen Erscheinung kann er Kontakt in der Zone gut absorbieren.

@alteriquegilbert was named @American_Conf Preseason Rookie of the Year yesterday. #AmericanHoops #UConnNation

A photo posted by UConn Men's Basketball (@uconnmbb) on


Alterique Gilbert ist deutlich kleiner als Adams, aber dafür viel schneller und wird vermutlich schnell die ersten Vergleiche mit Ryan Boatright auf den Plan rufen. Tatsächlich sind sich die beiden nicht unähnlich. Ob Gilbert tatsächlich, wie von Ollie angekündet, sofort seine Duftmarken hinterlassen kann, wird abzuwarten sein. Adams und Gilbert haben aber definitiv das Potential zu einem Monsterbackcourt.

Vor seinem fünften Jahr muss sich Rodney Purvis in diesem Team uralt fühlen. Der ehemalige NC State Guard ist einer der physischsten Guards der NCAA, verpasste es bislang jedoch, diesen gewaltigen Vorteil zu nutzen. Der Ferrari, wie Ollie ihn nennt, muss dringend hochprozentiger am Korb abschließen und entschlossener beim Rebound mitarbeiten.

Starting Frontcourt
Terry Larrier, Amida Brimah

Bei der hier kolportierten Variante mit zwei Point Guards in der Starting Five würde Terry Larrier auf die Position des Power Forwards rutschen. Larrier wechselte im vergangenen Sommer von VCU zu den Huskies, nachdem Shaka Smart das Angebot von Texas angenommen hatte. Larrier ist ein extrem vielseitiger Spieler, der scheinbar kaum etwas auf dem Feld nicht kann. Er ist athletisch, hat einen guten Wurf, kann variabel verteidigen und reboundet ausgesprochen gut. Aufgrund seiner Flexibilität sollte er trotz seines geringen Gewichts (gelistet mit 192 Pds.) die Vier spielen können und gerade offensiv ein wandelndes Mismatch am College darstellen.

Bei Amida Brimah ist die Entwicklung ein wenig ins Stocken geraten. Das Junior Jahr verlief äußerst durchwachsen und spielerische Progression war kaum auszumachen. Ein gebrochener Mittelfinger an der Wurfhand war in dieser Hinsicht nicht gerade förderlich. Der Fokus sollte für Brimah jedoch vor allem darauf liegen, sein Foulmanagement weiter zu verbessern, damit er konstant 30 Minuten auf dem Feld stehen kann. Seine Präsenz als Shotblocker und Anker der Defense ist spürbar.

Bank
Christian Vital, Mamadou Diarra, Vance Jackson, Juwan Durham, Kentan Facey, Steven Enoch

Christian Vital war ursprünglich auf dem Weg nach Las Vegas, doch mit der Entlassung des dortigen Coaches Dave Rice plante Vital um und schloss sich stattdessen den Huskies an. Er könnte sich aufgrund seiner Wurfqualitäten und seiner guten Verteidigung als echter Steal entpuppen. Zudem ist die Tiefe im Backcourt sowieso begrenzt.

Mamadou Diarra, Vance Jackson und Juwan Durham sind die Freshmen, die um die Minuten auf den Positionen Drei und Vier konkurrieren werden. Durham ist das vielleicht größte Talent der drei. Nicht nur wegen seines Plus an Zentimetern. Er kann von der Dreierlinie einnetzen, hat ein umfassendes offensives Paket und bringt sich beim Rebound ein. Allerdings musste er nach zwei Kreuzbandrissen lange pausieren und wird nun zunächst Rost abschütteln.

Diarra kann ebenfalls den Dreier treffen und besitzt viel Potential im Angriff, ist aber noch inkonstant und macht zudem zu wenig aus seiner Athletik. Daher wäre es wenig überraschend, wenn Jackson den Vorzug gegenüber Diarra erhalten würde. Jackson schießt auch hochprozentig, ist kräftiger als Diarra und insgesamt weiter in der Entwicklung.

Steven Enoch und Kentan Facey verfügen über Erfahrung im Dress der Huskies. Facey ist der beste Offensivrebounder des Teams und könnte je nach Matchup oder sonstigen Überlegungen Ollies sogar der Starter auf der Vier werden. Offensiv ist der Senior zwar immer noch limitiert, aber begeht dafür defensiv kaum Fehler. Enoch ist ein absolutes Kraftpaket, das mit seiner Explosivität und Masse ein schwieriges Matchup sein kann. Als Sophomore sollte er mehr Minuten erhalten und seine Power demonstrieren. Er ist einer der heißesten Breakout-Kandidaten in der NCAA.

Coach
Kevin Ollies bisherige Karriere ist durchaus interessant und regt oft zu Diskussionen an. Eine Meisterschaft direkt als Rookie Coach, wenn man seine erste richtige Saison außen vor lässt, in der UConn sowieso nicht an der Postseason teilhaben durfte, gelingt den wenigsten Trainern. Doch Kritiker führen hier schnell an, dass Ollie diesen Erfolg Calhouns gutem Recruiting zu verdanken hatte und er noch beweisen muss, dass er selbst ein Team auf die Beine stellen und es zum Erfolg führen kann.

Während diese Kritiker ihm schlechtes Coaching vorwerfen, gibt es andere Stimmen, die behaupten, dass Ollie der nächste College Coach ist, der den Sprung zum NBA Trainer vollzieht. Dieses Jahr ergibt sich dazu nun die Chance zu sehen, wer näher an der Wahrheit dran ist.

Stil
Eine richtige Handschrift hat Ollie bisher noch nicht gefunden. Seine Teams definieren sich bisher in erster Linie über eine harte Verteidigung, die schwere Würfe und Turnovers erzwingt. Aus letzteren wollen die Huskies schnell ins Laufen kommen und möglichst viele einfache Fastbreak Punkte erzielen. Seit dem Abgang von Ryan Boatright fehlt hier jedoch etwas die Effizienz. 
Im Halbfeld ist das Pick & Roll das zentrale Element der Offense. Als guardorientiertes Team kreieren die Aufbauspieler aus solchen Situationen viele Würfe - vor allem für sich selber. Hin und wieder werden auch mal Alley-Oops für die Bigs eingestreut oder Isolations, wenn sich klare Mismatches ergeben.


NBA Kandidaten
Amida Brimah ist wegen seiner defensiven Stärke immer noch ein Kandidat für die NBA. Als Rollenspieler und Backup Center sollte er durchaus in der NBA bestehen können, vorausgesetzt er legt noch an Masse zu und verbessert seine Hände, damit ihm nicht mehr so viele Bälle durch die Lappen gehen. Für Jalen Adams kommt der Schritt womöglich noch etwas früh, doch angesichts der steilen Lernkurve während der vergangenen Saison ist es nicht ausgeschlossen, dass er sich bereits als Sophomore zum Draft anmeldet. Ähnliches gilt für Terry Larrier, der langfristig einen Blick wert ist.

BBL Kandidaten
Rodney Purvis fehlen für die NBA wichtige Zentimeter und Skills, weshalb er in Europa landen sollte. Ob er hier allerdings mit dem europäischen Stil zurecht kommt, hängt davon ab, wie sehr sich sein Wurf und seine Abschlüsse in der Zone verbessern. Mit seiner Physis und Defense kann er in Europa sicher irgendwo eine Unterkunft finden.

Prediction
Die Huskies sind in dieser Saison ein extrem junges Team und werden vor allem in den ersten Saisonwochen noch viele Fehler begehen. Zudem sind die Rollen noch nicht klar verteilt und es wird interne Konkurrenzkämpfe um Minuten geben. Auch Kevin Ollie wird erst herausfinden müssen, welche Formationen gut funktionieren und auf welche Spieler er sich verlassen kann. Doch wenn dieses Team den ersten Part der Saison einigermaßen gut übersteht und dann im Februar Fahrt aufnimmt, wird sich kein Gegner gerne gegen die Huskies antreten wollen.

Besonders auf die jungen Spieler wie Adams, Larrier und Gilbert darf man gespannt sein. Sind diese drei tatsächlich in der Lage, sofort Verantwortung zu schultern, steht einer Tournament Teilnahme der Huskies wenig entgegen. Und der März gehört traditionell UConn.

Wichtige Spiele
Maui Invitational Tournament, 21.11.-23.11. vs. Oklahoma State, North Carolina/Oregon/Wisconsin
Montag, 05.12. vs. Syracuse
Samstag, 14.01. @ Georgetown
Donnerstag, 19.01. @ SMU
Samstag, 04.02. @ Cincinnati
Sonntag, 19.02. @ Temple
Samstag, 25.02. vs. SMU
Sonntag, 05.03. vs. Cincinnati