08 November 2016

8. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Kein anderes Programm in der NCAA kann auf eine bedeutendere Geschichte zurückblicken als die Bruins. John Wooden war eine Legende und stellte Rekorde auf, die bis heute unerreicht sind und vermutlich auch in absehbarer Zukunft nicht einzustellen sind. Zehn Meisterschaften in zwölf Jahren, 88 aufeinanderfolgende Siege. Dazu spielten spätere NBA Legenden wie Kareem Abdul-Jabbar (damals noch Lew Alcindor) oder Bill Walton in der Uniform der Bruins. In jüngerer Vergangenheit konnte UCLA unter Ben Howland zwischen 2006 und 2008 drei Mal in Folge das Final Four erreichen. In dessen Amtszeit streiften sich Russell Westbrook und Kevin Love das weiß-blaue Trikot über. Seit dieser letzten Final Four Teilnahme erlebt die Uni allerdings eine kleine Durststrecke, weshalb der aktuelle Coach Steve Alford auch nicht unumstritten ist.

Letzte Saison 
(15-17, Keine Postseason)
Die Saison begann wenig verheißungsvoll mit einer Heimniederlage nach Overtime gegen Monmouth. Dass Monmouth eins der Überraschungsteams der Saison sein würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen, dennoch war die Leistung der Bruins indiskutabel. Gegen die stärkere Konkurrenz (Kansas, Wake Forest) setzte es beim Maui Invitational weitere Niederlagen. Den vorzeitigen Saisonhöhepunkt erlebten das Team, als man die Kentucky Wildcats bezwingen und damit Revanche für eine der fürchterlichsten Niederlagen der Geschichte nehmen konnte. Zwar folgten weitere wichtige Siege gegen Gonzaga und Arizona, doch das Pendel schlug gegen Ende der Saison immer häufiger in die andere Richtung aus. Von den letzten 13 Spielen wurden nur drei gewonnen, was zu einer 6-12-Bilanz in der PAC12 und dem Nicht-Erreichen des Tournaments führte.

Kader
Bryce Alford (Guard, 6'3'', Senior)
Isaac Hamilton (Guard/Wing, 6'5'', Senior)
Gyorgy Goloman (Big, 6'11'', Junior)
Thomas Welsh (Big, 7'0'', Junior)
Prince Ali (Guard, 6'3'', Sophomore)
Aaron Holiday (Guard, 6'1'', Sophomore)
Alex Olesinsksi (Big, 6'10'', Sophomore)
Ike Anigbogu (Big, 6'10'', Freshman)
Lonzo Ball (Guard, 6'6'', Freshman)
T.J. Leaf (Big, 6'10'', Freshman)

Auf dem Papier ist der Kader einer der stärksten der NCAA und wesentlich besser als im Vorjahr besetzt. Tony Parkers Inside-Präsenz wird sicher vermisst werden, allerdings stand er aufgrund seines schlechten Foulmanagements sowieso kaum auf dem Parkett. Jonah Bolden entschied im Sommer, dass ein Engagement in Europa ihm eine spielerisch bessere Entwicklung bieten würde, als weitere Jahre unter Steve Alford. Die Freshman Class der Bruins ist jedoch eine der stärksten seit Jahren. Lonzo Ball gilt als potentieller Top10 Pick. T.J. Leaf und Ike Anigbogu werden sofort wichtige Rollen übernehmen.


Starting Backcourt
Lonzo Ball, Bryce Alford, Isaac Hamilton

Besonders die Aufteilung der Aufgaben, Rollen, Würfe und Minuten im Backcourt dürfte eines der spannendsten Themen rund um die Bruins in diesem Jahr sein. Vermutlich liegt hier sogar die Kernfrage für den Saisonerfolg: Passen die einzelnen Protagonisten zusammen? 

Schon bei der Frage des Playmakings und der Aufbauposition gibt es mehrere möglichen Szenarien, da grundsätzlich vier Kandidaten diesen Part übernehmen können. In der vergangenen Saison war Aaron Holiday die beste Option, da er wirklich das Spiel lenkt und organisiert. Doch aufgrund der Ankunft von Lonzo Ball könnte er durchaus in die Rolle des sechsten Mannes rutschen. Ball ist ein prototypischer Guard, der mit physischen Idealmaßen aufwarten kann.

Fast zwei Meter groß und mit langen Armen ausgestattet ist es wenig verwunderlich, dass er in der High School in einem Helter-Skelter-System durchschnittlich ein Triple Double auflegte. Nun muss Ball auf NCAA Level jedoch erstmal bestätigen, dass auch wirklich diese Fähigkeiten gegen ebenbürtige Gegner in einer ernsthaften Umgebung reproduzieren kann.

Interessant wird auch zu sehen sein, ob Trainersohn Bryce Alford weiterhin das durchgehend grüne Licht zum Ballern sieht. An guten Tagen gewinnt er mit seinen Würfen Spiele, an schlechten verliert er sie. Die Bruins waren dadurch zunehmend berechenbar und Teams konzentrierten sich darauf, Alford die Nerven zu rauben und ihn so aus dem Spiel zu bringen. 

Isaac Hamilton lauert bei all den Namen auch noch im Hintergrund und wird als Senior viel daransetzen, aus dem Schatten seiner Backcourt Partner herauszutreten. Der Point Forward hat eigentlich die Skills, um sich variabel den anderen Spielern anzupassen. Allerdings wurde das die letzten Jahre schon von ihm verlangt und ob sich der Topscorer der vergangenen Saison so einfach wieder in die Ecke stellen und zum Spot-up-Shooter degradieren lässt, wird abzuwarten sein.

Starting Frontcourt
T.J. Leaf, Thomas Welsh

Einen sehr interessanten Background kann T.J. Leaf aufweisen. Der Power Forward hatte ursprünglich Arizona seine Zusage gegeben. Nachdem er jedoch nicht von Sean Miller im Sommer 2015 zur U19 Weltmeisterschaft mitgenommen wurde, zog er seine Zusage zurück und entschied sich stattdessen für die Bruins. Zudem spielte er im vergangenen Sommer dann bei der U20 Nationalmannschaft Israels mit und sammelte internationale Erfahrung bei der B-Europameisterschaft.

Leaf ist ein Big Man mit gutem Touch, der bis raus zur Dreierlinie Gefahr ausstrahlt und besonders im Pick & Pop eine verlässliche Waffe darstellen kann. Bei den vielen kreativen Ballhandlern im Backcourt sollte sich Leaf auf viele Kickout freuen dürfen.

Thomas Welsh darf nach Tony Parkers Abgang endlich starten. Er ist offensiv der versiertere Fünfer. Dank softem Touch kann er locker aus der Mitteldistanz einnetzen oder am Zonenrand Baby-Hooks durch den Ring befördern. In der Defense ist er sehr mobil und verteidigt das Pick & Roll ordentlich, allerdings spielt er foulanfällig und lässt gelegentlich die letzte Entschlossenheit vermissen.


Bank
Aaron Holiday, Prince Ali, Gyorgy Goloman, Alex Olesinski, Ike Anigbogu

Wie bereits an anderer Stelle ausgeführt, gehört Aaron Holiday eigentlich in die Starting Five. Er war als Freshman ein spürbarer Ruhepol auf dem Feld. Dank ihm konnte sich Alford Junior auf seine wilden Würfen konzentrieren und Isaac Hamilton das Kreieren vom Highpost übernehmen. Als Bauernopfer für Lonzo Ball herhalten zu müssen, ist daher sicher keine angenehme Erfahrung, aber Holiday sollte zumindest den Großteil der übrig bleibenden Minuten abgreifen und bereit sein, falls Ball Anpassungsschwierigkeiten haben sollte.

Prince Ali dürfte dem einen oder anderen College Enthusiasten vor allem aufgrund seines Poster Slams über Kentuckys Alex Poythress im Gedächtnis geblieben sein. Tatsächlich war die Freshman Saison des Combo Guards eher verhalten und litt unter inkonstanten Spielanteilen und einer Rolle als Statist. Das dürfte sich in diesem Jahr nicht großartig ändern.

Gyorgy Goloman und Alex Olesinski sind in diesem Jahr die beiden Power Forwards von der Bank. Beide sind typisch für Alford, der gerne lange, bewegliche Vierer rekrutiert, um sie dann an die Spitze seiner Zonenpresse oder Halbfeld Zone stellen zu können. Während der Ungar ein Stück größer und schneller ist, kann Linkshänder Olesinski ab und an den offenen Dreier treffen.

Ike Anigbogu kann so etwas wie der heimliche Star der Recruiting Class werden. Bis zuletzt von den meisten Scouting Portalen massiv unterbewertet, ist Anigbogu als Spätstarter eine physische Präsenz auf dem Feld. Besonders das Rebounding an beiden Enden des Feldes sollte der Innenspieler beleben.

Offensiv reißt der aus Nigeria stammende Big zwar keine Bäume aus, doch das muss er auch nicht. Solange er Durchstecker verwertet und den schusswütigen Guards einen Abnehmer für Offensivrebounds anbietet, wird er der Mannschaft enorm helfen. Defensiv kann er im Vergleich zu Parker nur glänzen. Eine Knieverletzung wird Anigbogus Karrierestart jedoch ein wenig bremsen.

Coach
Steve Alford sitzt auf einem brandheißen Stuhl. Normalerweise sind College Coaches in ihren ersten Spielzeiten an neuer Wirkungsstätte wenig erfolgreich, weil sie noch mit den Spielern ihrer Vorgänger, die in der Regel nicht den Wunschvorstellungen entsprechen oder nicht ins gespielte System passen, Vorlieb nehmen müssen. Erst nach einigen Jahren, wenn sie dann selbst rekrutierte Spieler versammelt und auf ein Ziel eingschworen haben, gelingen die ersten erfolgreichen Saisons.

Genau das Gegenteil ist bei Alford der Fall. In Alford erster Saison gewannen die Bruins 28 Spiele, anschließend 22 und letzte Saison sogar nur 15. Zwar gelangen zwei Sweet Sixteen Teilnahmen, allerdings war der Startplatz beim zweiten Mal heiß diskutiert und die Saison bis dahin alles andere als souverän. Alford hat nun eines der besseren UCLA Teams der vergangenen Jahre zur Verfügung und muss beweisen, was er wirklich kann.

Stil
Offensiv war die Marschroute in den vergangenen Jahren, den Ball in Alfords Hände zu geben und ihn die Spiele entscheiden zu lassen. Coach Alford lässt seinen Sohn dazu beispielsweise sehr gerne die Baseline entlang rennen, während die Bigs dort einen Screen nach dem anderen stellen, bis Alford frei ist. Auf Dauer ist das sehr berechenbar und sobald ein Team mehrere physisch starke Verteidiger hat, bekommt der Guard Probleme. Genau dieses Schema muss und wird sich in der kommenden Saison ändern.

Die Bruins werden angetrieben von Lonzo Ball definitiv wieder mehr Fastbreaks laufen und das Tempo anziehen. Um die nötigen defensiven Stops zu generieren, wird Alford auch in der anstehenden Spielzeit vermutlich auf seine Zonenverteidigung zurückgreifen, bei der der Vierer an der Spitze einer 3-2-Aufstellung anfängt und in die Zone absinkt, sobald der Ball unterhalb der Freiwurflinie landet.


NBA Kandidaten
Lonzo Balls NBA Talent ist unbestritten und die kommende Saison dient eher zur Einordnung, wie gut er wirklich ist. Sollte UCLA wieder in die Erfolgsspur finden, wird das sicherlich das Verdienst von Ball sein und sollte sein Standing unter den NBA Scouts entsprechend stärken. Bei T.J. Leaf, Ike Anigbogu und Thomas Welsh gilt es die Saison abzuwarten. Alle drei haben das nötige Potential, können aber auch nach der Saison zur weiteren Entwicklung am College bleiben.

BBL Kandidaten
Isaac Hamilton ist für europäische Clubs ein potentieller Kandidat. Für die NBA fehlen ihm ein wenig die Größe und Masse, doch in Europa kann er mit seiner Vielseitigkeit eine große Hilfe darstellen, sofern er sich in der Verteidigung steigert. Bryce Alford wird vermutlich ebenfalls in Europa landen, auch wenn seine Spielanlage besser zur NBA passt. Allerdings wird er hier physisch zu große Schwierigkeiten haben.

Prediction
Die Saison kann nur besser verlaufen als die vergangene. Doch wie viel besser, weiß wohl Steve Alford selber im Moment nicht. Grundsätzlich haben die Bruins eine Menge Talent, eine gute Mischung aus Alter/Erfahrung und Talent/Spielfreude und wollen sich nach der verkorksten Saison beweisen. Allen voran Coach Alford dürfte auf Wiedergutmachung brennen, nachdem er bereits eine Vertragsverlängerung aus seinem ersten Jahr revidieren ließ, um seine Enttäuschung zu unterstreichen.

Gelingt es den Bruins, schnell zu spielen und die Stärken der Einzelnen in einem Kollektiv zu entfalten, ist UCLA tatsächlich sogar ein Sleeper Kandidat für eine mögliche Final Four Teilnahme. Ist die Verteidigung jedoch löchrig und gelingt die Rollenverteilung nicht reibungslos, wird zwar eine Tournament Teilnahme drin sein, doch Zufriedenheit unter den Anhängern wird nicht einkehren.

Wichtige Spiele
Samstag, 03.12. @ Kentucky
Samstag, 10.12. vs. Michigan
Mittwoch, 28.12. @ Oregon
Samstag, 21.01. vs. Arizona
Donnerstag, 09.02. vs. Oregon
Samstag, 25.02. @ Arizona