08 November 2016

8. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von TORBEN ADELHARDT @Torben41

History
Mit 1739 Siegen gehören die Longhorns zu den 15 siegreichsten Colleges und feierten in den 1940er zwei NCAA-Meisterschaften. Die Erfolge der Texas Longhorns waren in der jüngeren Vergangenheit ganz eng mit dem Namen Rick Barnes verbunden. Der legendäre Headcoach leitete das Geschehen in Austin ganze 17 Jahre lange (1998-2015) und führte die Longhorns in der Zeitspanne zu 16 Teilnahmen an der großen NCAA-Tanzveranstaltung. NBA-Spieler wie T.J. Ford, Kevin Durant, Avery Bradley, D.J. Augustin, Tristan Thompson, Cory Joseph und Myles Turner gehören zu den prominentesten Namen, die Barnes im Verlauf der vergangenen 15 Jahre rekrutierte. Dass in dieser Barnes-Ära lediglich ein Auftritt im Final Four (2003) zu Stande kam, rief zuletzt regelmäßig die Kritiker auf den Plan. Texas als schlafender Riese – trotz eines kontinuierlichen Zuwachses an Top-High-School-Talenten schaffte es Barnes zuletzt immer seltener eine funktionierende Einheit auf den Platz zu stellen. 2015 übernahm dann mit Ex-VCU Coach Shaka Smart nicht nur einer der vielversprechendsten NCAA-Jung-Trainer das Kommando in Texas, sondern hauchte der College-Mannschaft mit seiner speziellen Spielphilosophie neues Leben ein.

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Letzte Saison 
(20-13, First Round der March Madness)
Mit dem Rauswurf von Headcoach Rick Barnes brach in Austin eine Zeitrechnung an. Kein Wunder, dass die lokale Presse im Vorfeld der letzten Saison nur das Thema „Shaka Smart“ kannte. Dabei übernahm der Neu-Trainer eine Mannschaft, die in ihrer Zusammensetzung weder Fisch noch Fleisch war. Auf der einen Seite gab es genug Athleten wie Freshman Kerwin Roach Jr., die sich hervorragend in das präferierte Spielsystem von Smart integrieren lassen, auf der anderen Seiten standen mit Jungs wie Connor Lammert und Cameron Ridley noch die letzten Hinterbliebenen der „Big Ball“-Ära der letzten zwei Texas-Jahre. Doch Smart schaffte etwas, was Barnes in vergangenen Spielzeiten nicht mehr gelingen wollte. Mit einer gelungenen Mischung aus Uptempo-Basketball und strukturierter Halbfeld-Offensive gab Smart den Longhorns wieder eine klare Spielidentität. „Havoc“ wenn möglich, aber nicht um jeden Preis. Das Ergebnis: eine Bilanz von 20-13, die im Kontext der Erstrunden-Schlappe im NCAA-Turnier gegen Northern Iowa einen letzten Makel erfuhr.

Kader
Shaquille Cleare (Big, 6'8'', Senior)
Mareik Isom (Big, 6'9'', Senior)
Kendal Yancy (Guard, 6'3'', Senior)
Isaiah Hobbs (Guard, 6'3'', Junior)
Eric Davis Jr. (Guard, 6'3'', Sophomore)
Tevin Mack (Wing/Big, 6'7'', Sophomore)
Kerwin Roach Jr. (Guard, 6'4'', Sophomore)
Jarrett Allen (Big, 6'11'', Freshman)
James Banks (Big, 6'10'', Freshman)
Andrew Jones (Guard, 6'4'', Freshman)
Jacob Young (Guard, 6'2'', Freshman)

Im Endeffekt beginnt erst in dieser Saison die „wahre“ Smart-Ära in Texas. In der letzten Spielzeit musste Smart mit einem Kader arbeiten, der nicht nach seinen Vorstellungen zusammengestellt war. Die Abgänge der Seniors Cameron Ridley, Prince Ibeh, Connor Lammert, Javan Felix und DeMarcus Holland werden von der frühzeitigen Exmatrikulation des Ballhandlers Isaiah Taylor garniert. Damit verloren die Longhorns ihre Top-Drei-Scorer (Taylor, Ridley, Felix), Top-Drei-Shotblocker (Ridley, Ibeh, Lammert) und die drei effektivsten Rebounder (Ibeh, Lammert, Ridley). Ein beachtlicher Aderlass in Austin, der jedoch zugleich mit einer gehörigen Talentspritze einhergeht. Big Man Jarrett Allen und Guard Andrew Jones sind die prominentesten neuen Namen.

Starting Backcourt
Kerwin Roach Jr., Andrew Jones, Eric Davis Jr.

7.5 PPG und 2.9 RPG in durchschnittlich 18 Minuten Spielzeit sind auf dem ersten Blick keine atemberaubenden Zahlen. Doch die Zahlen, die Kerwin Roach Jr. in seiner Freshman-Saison aufgelegt hat, können sein gesamtes Potential nur andeuten.

In seiner ersten College-Saison bestach der junge Guard in erster Linie durch eine atemberaubende Athletik, die es ihm ermöglichte problemlos bis zum Korb vorzudringen und direkt am Korb zu finishen. Seine letztjährige Usage-Rate von 24,1 Prozent zeigt an, dass Roach Jr. bereits als Frischling eine bedeutende Rolle im Angriffsspiel der Longhorns einnahm. Während der Drive seine primäre Waffe darstellt, muss Roach in diesem Jahr klare Fortschritte als primärer Ballhandler machen und deutlich umsichtiger agieren. Eine negative Assist-Turnover-Ratio wie im vergangenen Jahr, wird es in dieser Saison hoffentlich nicht geben.


Der neue Backcourt-Kampagnon von Roach Jr. hört auf den Namen Andrew Jones und betritt mit einer ganzen Menge Vorschusslorbeeren die College-Basketball-Bühne. Der Combo-Guard kann dank seiner Mischung aus Athletik und Shooting-Power als optimaler Neuzugang für die Longhorns bezeichnet werden. Jones kann nämlich sowohl in der Transition-Offense glänzen als auch als Off-Guard in der Halbfeld-Offensive. Neben Roach Jr., der letztes Jahr nur 32,8 Prozent seiner Dreier traf, wird Jones als Spot-Up-Shooting-Option von Nöten sein, damit sich das Feld wie die Drives seines Backcourt-Partners öffnet.

Für weiteres Shooting vom Flügel wird Sophomore Eric Davis Jr. sorgen. 38,2 Prozent seiner Dreipunktversuche fanden im letzten Jahr den Weg durch die Reuse, was angesichts seines Volumens (3,3 Versuche pro Partie) ein ordentlicher Wert ist.

Starting Frontcourt
Tevin Mack, Jarrett Allen

Jarrett Allen ist als Top-20-Rekrut natürlich der designierte Freshman-Star in Texas. In einer Mannschaft, die nach zahlreichen Abgängen vor allem im Frontcourt an Länge vermissen lässt, wird Allen mit seiner 7‘5“-Wingspan ganz dringend gebraucht. Der Frischling wird vom ersten Tag an produzieren müssen – und das sowohl in der Defensive als auch in der Offensive. Dank seiner Mobilität ist Allen prädestiniert dafür im Transition-Spiel von Texas zu florieren.

Der X-Faktor im Spiel der Longhorns ist aber zweifelsohne Tevin Mack. Den Longhorns droht im Angriff der Platz auszugehen, sollten die gegnerischen Verteidiger vom Flügel tief absinken und die Zone für Allen und Roach Jr. versperren. In diesem Zusammenhang muss Mack einfach eine deutliche Progression als Schütze zeigen, damit sein direkter Gegenspieler nicht ungestraft absinken kann. Mit einer Dreierquote von lediglich 29 Prozent zeigte Mack in diesem Bereich in der letzten Spielzeit noch deutlichen Verbesserungsbedarf.

Bank
Jacob Young, Isaiah Hobbs, Kendal Yancy, Mareik Isom, Shaquille Cleare, James Banks

Jacob Young hinterließ in der Preseason einen überraschend guten Eindruck und könnte mit ähnlichen Leistungen durchaus schon als Freshman Impulse von der Bank liefern. Isaiah Hobbs hat als Junior College Transfer etwas mehr Erfahrung auf dem Buckel. Zusammen sollten die beiden in der Lage sein, den startenden Guards Verschnaufpausen zu verschaffen.

Kendal Yancy ist der beste Verteidiger am Perimeter, den Shaka Smart zur Verfügung hat. Solange Yancys Dreier fällt, machen ihn diese beiden Attribute zu einem wertvollen Rollenspieler, der die junge Guard mit seiner Erfahrung und seiner hartgesottenen Spielweise exzellent ergänzt.

Mareik Isom, der aus Little Rock kam, bringt Vielseitigkeit und Erfahrung mit. Gerade seine Flexibilität war bei den Trojans schon ein wichtiges Element und sorgte dafür, dass das Team unberechenbar für den Gegner war. Isom ist ein Vierer, wie Smart ihn sich wünscht. Er ist schnell, athletisch, hat einen ordentlichen Wurf und kann verschiedene Positionen verteidigen.

Shaquille Cleare und James Banks sind die Schwergewichte des Teams. Besonders Cleare ist ein Brocken, der sich von einer guten Position nicht mehr wegschieben lässt. Dadurch ist er besonders offensiv wertvoll. Defensiv ist er allerdings anfällig für Fouls und schwache Bekämpfung des Pick & Rolls. Bei Banks besteht in dieser Hinsicht mehr Hoffnung, auch wenn der junge Big noch einiges lernen muss, um auf College Ebene mithalten zu können.

Coach
Die letzte Texas-Saison kann getrost als absoluter Neustart proklamiert werden. Dies hat weniger mit einem Umbruch auf Spielerseite zu tun, sondern mit dem Amtsantritt des charismatischen Shaka Smart. Der 39-järhige Übungsleiter führte die VCU Rams in seiner sechsjährigen Amtszeit (2009-2015) zur nationalen Prominenz, indem er sein Team 2010/11 als #11-Seed bis in das Final Four coachte. 163 Siege fuhren die Rams unter der Leitung von Smart ein und gehörten von 2011-2014 stets zu den effizientesten Defensiven der Nation. Der Grund: Havoc. Eine Bezeichnung, die mittlerweile untrennbar mit dem Namen Shaka Smart verbunden ist und sogar urheberrechtlich geschützt ist. Auch wenn die aggressive (Defense-) Spielweise der VCU Rams unter Smart durchaus einer „Verwüstung“ der gegnerischen Offensiven gleich kam, zeigte der Übungsleiter in seiner Premierensaison in Austin bereits, dass sein Coaching-Handwerk weitaus extensiver ist.

Stil
Wer gedacht hat, dass Smart in seinem ersten Jahr in Austin direkt den bekannten VCU „Havoc“-Basketball aufleben lässt, sah sich getäuscht. Zwar ließ der Coach seine Schützlinge von Zeit zu Zeit eine Ganzfeld-Presse spielen und fokussierte die Trap-Defense bereits in der gegnerischen Hälfte, doch dies wesentlich seltener als es bei VCU noch der Fall war. Smart schien ein größeres Augenmerk auf die Vitalisierung der Longhorns-Offense zu legen, die in den letzten Jahren zu einer äußerst statischen „One-on-One“-Offense verkam.

Stattdessen installierte Smart einige Elemente der Motion-Offense und hielt seine Spieler dazu an den Ball schneller laufen zu lassen und durch zahlreiche Cuts Lücken in die gegnerischen Verteidigungslinien zu reißen. In dieser Saison – und mit einem Kader, der viel stärker zum präferierten Spielstil von Smart passt – sollte das Tempo von den Longhorns auch wieder gesteigert werden und so auch eine stärkere Ähnlichkeit zu den VCU-Teams aufweisen.


NBA Kandidaten
Kerwin Roach Jr. - Die NBA ist noch immer eine Basketball-Liga, in der Athletik eine der bedeutsamsten Komponenten darstellt, weshalb der junge Vielflieger aus Texas durchaus als ein interessantes NBA-Talent erscheint. Nach dem Abgang des balldominanten Isaiah Taylor, wird Roach Jr. fortan vermehrt den Spalding in seinen Händen halten und so wichtige Entwicklungsschritte als Ballhandler nehmen. Noch bringt Roach Jr. neben seinen unfassbaren athletischen Vorzügen auch klare Defizite in den Bereichen Ballhandling, Entscheidungsfindung und Sprungwurf mit. Für einen NBA-Guard keine unwesentlichen Attribute.

Bei Jarrett Allen bleibt abzuwarten, ob er tatsächlich ein veritables „One-and-Done“-Talent ist. Seine Skills als athletischer Rimrunner, der in der Defensive auch für Shotblocking und Rebounding sorgt, sind durchaus bemerkenswert, doch um als NBA-Big Man zu bestehen, muss Allen zeigen, dass er zumindest den Mitteldistanzwurf beherrscht.

BBL Kandidaten
Kendal Yancey und Shaquille Cleare sind als Seniors die letzten verbliebenen Spieler aus der Barnes-Ära. Von diesen beiden Jungs könnte Yancey noch am ehesten ein potentielles BBL-Talent darstellen, da er als Flügelspieler mit seinem Shooting und seiner Athletik noch über ein gewisses an notwendiger Variabilität mitbringt, um für BBL-Teams interessant zu sein.

Prediction
Es gibt eine ganze Menge an Aspekten, die für eine erfolgreiche Longhorns-Saison sprechen. Roach Jr. und Jones formen eines der dynamischsten Backcourt-Duos der NCAA, die neuen Big Men Allen und Banks sind nicht nur talentiert, sondern ergänzen sich auch sehr gut in ihren jeweiligen Skill-Sets. Davis Jr. Und Yancy sorgen für die nötige Firepower von jenseits der Dreipunktelinie und die Transfers Isom und Hobbs verstärken die Rotation sowohl in der Spitze als auch in der Breite. Es sollte aber auch nicht untergehen, dass die Longhorns einen großen Umbruch hinter sich bringen und Smart in weindeseile ein komplett neues Teamgefüge erfolgreich aufstellen muss.

Die nahezu komplette Rotation setzt sich aus Underclassmen zusammen – Leistungsschwankungen sind da vorprogrammiert. Texas wird zweifelsohne eine Mannschaft auf das Parkett stellen, das in Sachen Athletik und Tempo jedes College-Team vor große Probleme stellt. In der Big 12 werden die Longhorns wohl kaum Kansas um die Pole Position herausfordern, doch im Kampf um die „Vizemeisterschaft“ ist mit den Jungs von Smart zu rechnen.

Wichtige Spiele
Dienstag, 06.12. @ Michigan
Samstag, 07.01. @ Iowa State
Samstag, 21.01. @ Kansas
Dienstag, 07.02. vs. Iowa State
Samstag, 25.02. vs. Kansas