09 November 2016

9. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
In sein 40. Jahr geht Coach Jim Boeheim bei den Orange. In diesen 40 Jahren konnte sich Syracuse als fester Teilnehmer am NCAA Tournament etablieren und des öfteren bis ins Final Four einziehen. Syracuse gehörte zur Elite der alten Big East und ist seit Jahrzehnten immer in der Lage, potente Teams ins Rennen zu schicken. Aktuell sind die Orangemen mit 46 aufeinanderfolgenden "winnings seasons" aktiver Rekordhalter in dieser Kategorie. Höhepunkt war bislang die Meisterschaft 2003, als Carmelo Anthony und Hakim Warrick das Team durch die Saison trugen. In der jüngeren Vergangenheit waren die Orange ebenfalls relativ erfolgreich, wenn sie denn am Tournament teilnehmen durften. 2015 durfte Syracuse aufgrund akademischer Verfehlungen in den Vorjahren nicht in der Postseason auftreten, allerdings meldeten sich die Orangemen furios zurück in der abgelaufenen Saison.

Letzte Saison 
(23-14, Final Four der March Madness)
Für ein erstes Ausrufezeichen sorgten die Mannen von Jim Boeheim beim Battle 4 Atlantis, als sie dieses qualitativ hochwertig besetzte Turnier gewannen und sich gegen Teams wie Connecticut oder Texas A&M behaupten konnten. Darauf folgten jedoch teils bittere Niederlagen gegen ein schwächelndes Wisconsin, ladungsgehemmte Georgetown Hoyas und St. John's, die in der Big East abgeschlagen Letzter wurden. Auch in der ACC bekleckerten sich die Orange nicht gerade mit Ruhm und schlossen die Runde mit einer Bilanz von 9-9 und ohne nennenswerte Siege ab. Da auch in der ersten Runde des ACC Turniers gegen Pittsburgh Schluss war, gingen die meisten Experten davon aus, dass Syracuse nicht mal am Tournament teilnehmen würde, doch sie bekamen das Vertrauen des Entscheidungsgremiums und starteten einen sensationellen Run, in dessen Verlauf sie Gonzaga und Virginia eliminierten. Gegen North Carolina waren die Orange jedoch deutlich unterlegen.

Kader
Dajuan Coleman (Big, 6'9'', Senior)
John Gillon (Guard, 6'0'', Senior)
Tyler Roberson (Big, 6'8'', Senior)
Andrew White (Wing, 6'7'', Senior)
Paschal Chukwu (Big, 7'2'', Sophomore)
Frank Howard (Guard, 6'5'', Sophomore)
Tyler Lydon (Wing/Big, 6'9'', Sophomore)
Tyus Battle (Guard/Wing, 6'6'', Freshman)
Taurean Thompson (Big, 6'10'', Freshman)

Nach dem Verlust des gesamten Backcourt sah der Kader äußerst ausgedünnt aus. Während die altersbedingten Abgänge von Michael Gbinije und Trevor Cooney einkalkuliert waren, schmerzte besonders die vorzeitige Draft Anmeldung von March Madness Held Malachi Richardson. Doch immerhin entschied sich Tyler Lydon vorerst gegen die NBA und für eine Rückkehr. Aufgefüllt wurde der Kader dann kontinuierlich über den Sommer. Besonders zwei Personalien brachten relativ spät nochmals Qualität in den Kader. Zum einen entschied sich Freshman Taurean Thompson als der letzte Top100 Rekrut kurz vor knapp für Syracuse. Zum anderen gelang es Boeheim, den vielleicht begehrtesten Transfer des Sommers nach New York zu lotsen: Andrew White verkündete sehr spät, dass er Nebraska verlassen werde und wurde just von über 50 Colleges umworben. Am Ende machte Boeheim das Rennen, der sogar während des Aufenthalts in Rio bei der Olympiade mit White regelmäßig Kontakt hielt.


Starting Backcourt
Frank Howard, Andrew White

Dank der Ankunft der vielen Graduate Transfers gibt es viele denkbare Starting Lineups für Boeheim. Die Vielfalt an Optionen liegt zusätzlich auch an der Vielseitigkeit diverser Spieler und der Tiefe des Kaders.

In der vergangenen Saison stach Frank Howard nur selten heraus, doch genau das mag Boeheim an seinem Sophomore. Als Freshman unterliefen dem groß gewachsenen Aufbauspieler nur sehr selten Fehler und sein Ballvortrag war überaus solide. Besonders defensiv ist er ein Guard nach Boeheims Geschmack, da er mit seiner Größe und Länge viel Platz wegnimmt und einfachste Pässe zum Highpost erschwert.

Andrew White war in der vergangenen Saison einer der besten Scorer der NCAA. Der Wing startete seine Karriere bei den Kansas Jayhawks, wo er jedoch hinter Spielern wie Andrew Wiggins kaum Spielzeit bekam. In Nebraska erhielt er dann seine Minuten und viel Verantwortung, allerdings blieb der Teamerfolg aus. Den Cornhuskers gelang lediglich mit einem Sieg bei Michigan State ein Ausrufezeichen. Der Rest der Saison verlief eher suboptimal. 

Bei den Orange dürfte White die Komponenten "wichtige Rolle" und "Teamerfolg" nun endlich miteinander vereinen können. Der Senior wird sich für sein letztes Jahr eine Menge vorgenommen haben und die rege Nachfrage sicher als positiven Ansporn nutzen. Zudem passt er hervorragend zu seinem neuen Coach. Offensiv darf sich White austoben und seine Künste ausleben, während er defensiv in der Zone auf Steals spekulieren kann.

Starting Frontcourt
Tyler Lydon, Tyler Roberson, Dajuan Coleman

Die drei Frontcourt Spieler sind ein eingespieltes Trio, das seine Funktion in der Verteidigung hervorragend erfüllt. Alle drei sind groß, haben lange Arme und sind exzellente Shotblocker. Dadurch wird jeder Wurf im Herzen der Zone für den Gegner zu einem fragwürdigen Unterfangen.

Tyler Lydon ist offensiv der talentierste Starter im Frontcourt. Er vefügt über einen Bilderbuch Jumper, den er auch aus NBA Distanz sicher trifft. Hinzukommt, dass Lydon aufgrund seiner Größe und seines hohen Abwurfpunktes bei seinen Würfen schlicht nicht zu stören ist. Allerdings ist er nicht auf seinen Wurf fixiert, sondern nutzt auch gerne mal seine Athletik und sein gutes Ballhandling, um in der Zone per Dunk abzuschließen.

Nichts anderes tut Tyler Roberson. Zwar ist er offensiv immer noch kein wirklich solider Zeitgenosse, doch das muss er auch nicht sein. Er verwertet, was für ihn übrig bleibt und das mit einer atemberaubenden Effizienz. Der große Vorteil an Roberson ist jedoch, dass er sich und seinen Mitspielern am laufenden Band zweite oder gar dritte Chancen erarbeitet. Es gibt vermutlich in der ganzen NCAA keinen besseren Offensivrebounder als Roberson, der sich auf seiner Mission einfach nicht beirren lässt.

Dajuan Coleman ist gefühlt seit einer halben Ewigkeit bei den Orange anzutreffen. Immer wieder aufkeimende Verletzungsprobleme hatten daran ihren Anteil. Doch nun bestreitet der Big Man seine letzte Spielzeit im Dress der Orange. Boeheim weiß, was er an seinem Defensivanker hat. Die Mitte der Zone zu sichern, hat oberste Priorität und ist gar nicht so einfach zu erlernen. Insofern mag Coleman keine spektakulären Zahlen auflegen oder im Spiel besonders auffallen, doch seine Präsenz in der Verteidigung ist ungemein wichtig.


Bank
Frank Howard, Tyus Battle, Taurean Thompson, Paschal Chukwu

John Gillon ist ein exzellenter Aufbauspieler, der allerdings auch problemlos abseits des Balls eingesetzt werden kann. Er verfügt über einen guten Wurf und ist in der Lage, mit seiner Erfahrung ein Team zu dirigieren.

Tyus Battle wird dort anknüpfen, wo Malachi Richardson aufgehört hat. Battle ist jedoch der wesentlich bessere Verteidiger, der zusammen mit Howard ein brandgefährliches Gespann bilden könnte. In der Offense ist er noch eher ein Rollenspieler, der in Transition oder nach Kickouts seiner Mitspieler die besten Momente hat. Besonders an seinem Ballhandling muss der Wing noch arbeiten, wenn er konstant in die Zone kommen will.

Auf der Fünf werden Taurean Thompson und Paschal Chuwku um die Backup Minuten kämpfen. Thompson ist der athletischere, schnellere Spieler. Thompson ist daher auch problemlos als Vierer einzusetzen und wird zumindest defensiv eine gute Figur abliefern. Chukwu kann mit seiner schieren Größe die Zone dichtmachen und viele Würfe verändern. Zudem hat der Providence Transfer bereits ein Jahr mit dem Team trainiert.

Coach
Jim Boeheim ist eine der Legenden des College Basketballs. Seine Art, Zonenverteidigung zu spielen, hat diese Verteidigungsvariante salonfähig gemacht und sich über die Jahre als ein schwer zu bespielendes Hindernis erwiesen. Mit dem Team USA gewann er im Sommer als Assistant Coach eine weitere Goldmedaille und zu seinem ehemaligen Schüler Carmelo Anthony hat er immer noch gute Kontakte. Es gibt kaum Coaches mit mehr Fachwissen und Erfahrung, weshalb seine Teams niemals zu unterschätzen sind.

Auch er selber sollte nicht unterschätzt werden, was angesicht seiner stoischen, an Langeweile grenzenden Haltung im Sitz durchaus eine Verlockung zu sein scheint. Doch solange er auf den Fingernägeln kaut oder sich die Nase kratzt, läuft auf dem Feld normalerweise alles nach Plan.

Stil
Syracuse steht für 2-3-Zonenverteidigung. In der Regel verfügen alle fünf Verteidiger über eine Spannweite deutlich über zwei Meter und erschweren damit selbst die kürzesten Passwege. Nur wenigen Teams gelingt es, über 40 Minuten gute Würfe gegen diese Verteidigung zu erspielen. Schlechte Würfe und zahlreiche Ballverluste sind in der Regel Grundstein für massenweise Fastbreakpunkte der athletischen Orangemen. In der Offensive arbeiten die Orange entweder mit Offball-Screens für die Schützen oder verschiedenen High Pick & Rolls. Besonders zwei aufeinanderfolgende Drag Screens sind sehr beliebt und ermöglichen einfache Zähler.


NBA Kandidaten
Tyler Lydon hätte sich vermutlich diesen Sommer schon zum Draft anmelden können und wäre Ende der ersten Runde gedraftet worden. Er bringt ein interessantes Paket aus Schuss, Athletik, Rim Protection und Ballhandling mit, das ihn als modernen Vierer brandmarkt. Abhängig vom Saisonverlauf wird er nächsten Sommer dann vermutlich den Sprung in die NBA wagen.

Tyler Roberson könnte als Reboundingspezialist irgendwo unterkommen, doch sein offensives Repertoire reicht bei weitem nicht für die NBA. Andrew White könnte das Jahr für sich nutzen, allerdings werden Franchises vorsichtig bei einem Spieler sein, der sehr auf sein Scoring achtet und bereits drei Colleges besucht hat.

BBL Kandidaten
Für europäische Verhältnisse wäre Roberson der ideale Small Ball Fünfer. Hier kann er sich komplett auf Rebounds und Shotblocking konzentrieren, harte Screens stellen und in der Offense finishen, was übrig bleibt. John Gillon ist ein interessanter Guard, der die größere Bühne zu seinen Gunsten nutzen wird.

Prediction
Auf dem Papier ist das Team dieses Jahr mindestens genauso stark einzuschätzen wie in der vergangenen Saison. Zudem sind die Orange deutlich tiefer besetzt und haben auf allen Positionen mehrere Optionen zur Verfügung, was eine gewisse Flexibilität erzeugt. Joe Boeheim äußerte zuletzt, dass das diesjährige Team sogar eines der talentiertesten seiner 40 Jahre währenden Ära sei. Mit Andrew White haben die Orange zu guter letzt auch ihren neuen Topscorer gefunden, der in dieser Hinsicht Richardson und Gbinije beerben dürfte. 

Aufgrund der Zonenverteidigung und der Coaching Erfahrung Boeheims ist Syracuse jedes Jahr ein Team, das im März Feuer fangen kann und Nervenflattern des Gegners gnadenlos bestraft. Der diesjährige Tournament Run hat das wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Insofern sollten die Cuse bei der Konstruktion des eigenen Brackets im Rahmen der Tournament Challenge stets im Hinterkopf präsent sein.

Wichtige Spiele
Maui Invitational Tournament, 21.11.-23.11. vs. Oklahoma State, North Carolina/Oregon/Wisconsin
Montag, 05.12. vs. Syracuse
Samstag, 14.01. @ Georgetown
Donnerstag, 19.01. @ SMU
Samstag, 04.02. @ Cincinnati
Sonntag, 19.02. @ Temple
Samstag, 25.02. vs. SMU
Sonntag, 05.03. vs. Cincinnati