08 November 2016

8. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Die Gaels stehen momentan so gut da wie noch nie, was vor allem Randy Bennett zu verdanken ist. Er übernahm das Programm 2001 als Trainer, nachdem die Vorsaison mit einer 2-27 Bilanz in einem Desaster endete. Auf der Suche nach Spielern, um den Kader mit Gesichtern zu füllen, befand sich Bennett schon fast am Rande der Verzweiflung, ehe er per Zufall Adam Caporn für sich gewinnen konnte. Er war der erste Australier unter Bennett und damit Wegbereiter zu einer Pipeline, die in der kommenden Saison ihren Höhepunkt finden wird, da sieben Australier im Kader stehen werden. Mit den Australiern kam sportlicher Erfolg und sogar NBA Flair. Patty Mills und Matthew Dellavedova waren die prägendsten Gesichter vergangener Jahre und sorgten für Tournament Teilnahmen. In der vergangenen Saison wäre es zudem fast gelungen, Primus Gonzaga vom Thron zu stoßen.

Letzte Saison 
(29-6, Viertelfinale National Invitational Tournament)
Je nach dem welche Kriterien man zugrunde legen will, ist die vergangene Saison unter Umständen als die beste der bisherigen Unigeschichte zu bezeichnen. Mit 29 Siegen stellte das Team von Bennett einen neuen Bestwert auf und schrammte nur ganz knapp an der magischen 30-Siege-Marke vorbei. In der WCC sah es lange Zeit so aus, als würde Saint Mary's am Ende vor den Zags die Ziellinie überschreiten. Am Ende kam es zum Foto Finish und St Mary's musste sich im hochklassigen Finale des Conference Tournaments Gonzaga geschlagen geben. Leider reichten die erbrachten Leistungen nicht für ein at-large Bid und das Tournament, weshalb die Gaels mit dem NIT Vorlieb nehmen mussten. Dennoch können sich die Bilanz und vor allen Dingen die Art und Weise der erbrachten Leistungen sehen lassen. Ohne einen einzigen Senior im Team fehlte am Ende die Erfahrung.

Kader
Dane Pineau (Big, 6'9'', Senior)
Joe Rahon (Guard, 6'2'', Senior)
Calvin Hermanson (Wing, 6'6'', Junior)
Jock Landale (Big, 6'11'', Junior)
Emmett Naar (Guard, 6'1'', Junior)
Kyle Clark (Wing/Big, 6'7'', Sophomore)
Evan Fitzner (Big, 6'10'', Sophomore)
Stefan Gonzalez (Guard, 6'2'', Sophomore)
Jordan Ford (Guard, 6'1'', Freshman)
Tanner Krebs (Wing, 6'6'', Freshman)
Jock Perry (Big, 7'1'', Freshman)
Elijah Thomas (Wing, 6'5'', Freshman)

Die Gaels sind in vielerlei Hinsicht ein Unikat im College Basketball. Doch die mit Abstand beeindruckendste Tatsache dürfte sein, dass alle acht Rotationsspieler der vergangenen Saison, die zusammen 29 Siege einfahren konnten, geschlossen zurückkehren. Das ist wirklich eine Situation, die es so seit Jahrzehnten vermutlich nicht mehr gegeben hat. Hinzukommen vier weitere interessante Freshmen, die vor allem dem Backcourt und auf dem Flügel für Tiefe sorgen werden. Die beiden neuen Australier Tanner Krebs und Jock Perry erhöhen das Kontingent der Legionäre auf sieben, was der neue Bestwert für Randy Bennett ist.


Starting Backcourt
Emmett Naar, Joe Rahon, Calvin Hermanson

Während andere Teams die ersten Saisonwochen dazu nutzen müssen, in mühseliger Detailarbeit ihre neuen Spielgestalter auf das System und die Plays einzustellen, hat der Backcourt der Gaels in der vergangenen Saison ein blindes Verständnis füreinander entwickelt. Emmett Naar ist der nächste großartige Point Guard der Uni und die tritt in die Fußstapfen seiner Landsleute Mills und Dellavedova. 

Naar ist ein intelligenter Spielmacher, der unheimlich abgezockt spielt und sich niemals aus der Ruhe bringen lässt. Selbst wenn die Schussuhr runterlaufen sollte, findet der Guard immer eine gute Option und wird bei seinen Entscheidungen nicht von Ungeduld getrieben. Zudem ist er ein feiner Basketballspieler, der alle Werkzeuge besitzt, die ein Floor General zur Verfügung haben muss. Sein Schuss ist exzellent, seine Pässe sind präzise und von Übersicht geleitet und dank seines Floaters kann er auch in der Zone abschließen.

Mit Joe Rahon steht Naar ein zweiter Aufbauspieler zur Seite, der das Pick & Roll ebenso gut laufen kann. Rahon verließ Kalifornien, um sich für zwei verkorkste Jahre an die Ostküste ans Boston College zu begeben. Frustriert von der dortigen Situation, kehrte Rahon zurück in die Heimat und schloss sich den Gaels an. In der vergangenen Saison durfte er erstmals auf das Parkett und wusste direkt zu überzeugen. Wie alle Spieler im Team trifft er den Dreier, gute Entscheidungen und spielt sehr uneigennützig. 

Calvin Hermansson wird gerne außen vor gelassen, wenn St Mary's denn mal in der öffentlichen Diskussion steht. Das ist jedoch eine schwerwiegende Fehleinschätzung. Immerhin ist er der Glue Guy des Teams, der viele Dinge erledigt, die auf den ersten Blick nicht auffallen. Er ist der beste Verteidiger am Perimeter und schießt zudem selbstverständlich auch aus der Distanz hochprozentig.

Starting Frontcourt
Dane Pineau, Evan Fitzner
Dane Pineau ist einer der vielseitigsten Bigs der NCAA. Grundsätzlich als Stretch Vierer einzuordnen, kann Pineau von der Dreierlinie aus wie ein Guard Closeouts attackieren und zum Korb ziehen. Im Postup entscheidet er sich am liebsten für den Fadeaway, allerdings geht er nur in den Lowpost, wenn es die Situation erfordert. In Korbnähe fehlt ihm ein wenig die Masse, auch wenn an seiner Toughness nicht zu zweifeln ist.

Gemeinsam mit Evan Fitzner bildet er einen schwer zu verteidigenden Frontcourt. Beide großen Spieler sind schnell auf den Beinen und können offensiv sehr vielseitig eingesetzt werden. Auf Fitzner lasten nach seiner starken Freshman Saison große Erwartungen. Besonders als Rebounder sollte der Sophomore nun zulegen und Pineau unterstützen.


Bank
Stefan Gonzalez, Jordan Ford, Tanner Krebs, Elijah Thomas, Kyle Clark, Jock Landale, Jock Perry

Stefan Gonzalez war bereits in der vergangenen Saison der Backup für Rahon und Naar, hinter denen in der Regel wenige Minuten übrig bleiben. Insofern wird der Konkurrenzkampf mit Freshman Jordan Ford sicher eine Belebung darstellen und Bennett möglicherweise dazu forcieren, die Minutenzahl der Starter etwas zu reduzieren, um beiden Spielern angemessene Minuten geben zu können.

Auf dem Flügel war Kyle Clark die erste Option. Durch die Ankunft von Tanner Krebs und Elijah Thomas, die beide eher Guards denn Power Forwards sind, bietet sich Clark auch sicher vermehrt die Möglichkeit als beweglicher Vierer zu spielen.

Die Centerposition ist weiterhin fest in australischer Hand. Jock Landale wird weiterhin der Backup für Fitzner sein und mit seiner Physis und eine gute Ergänzung zum Starter darstellen. Doch auch Freshman Jock Perry sollte durchaus die eine oder andere Minuten abgreifen können.

Coach
Was Randy Bennett in seinen 15 Jahren an dieser Uni bislang geleistet hat, wurde anfangs ja bereits angedeutet. Dank seines kreativen Scoutings und seiner Art Basketball spielen zu lassen, zählen die Gaels seit einigen Jahren schon zu den besseren Mid Majors der NCAA. Bennett passt sich dabei sehr flexibel den Stärken seines Personals an. In den Jahren mit Delly und Mills war das Pick & Roll der zentrale Baustein der Offense, wohingegen mit Brad Waldow als Star des Teams vor allem der Weg an den Zonenrand vorgegeben war. Die erste 30-Siege-Saison und ein erster wirklich tiefer Run im Tournament dürften daher nicht mehr lange auf sich warten lassen.


Stil
Die Gaels spielen einen europäisch-internationalen Stil, der auf guten Schützen, viel Pick & Roll, Spacing und Extrapässen basiert. Nicht zuletzt die Vielzahl an australischen Spielern, die genau diese Elemente in ihrer Grundausbildung erhielten, spielte dabei eine entscheidende Rolle. Auch Bennett ist ein Anhänger dieser Philosophie.

Offensiv arbeiten die Gaels daher sehr geduldig mit vielen Pick & Rolls und warten nur darauf, bis sich die Defense einen Fehler erlaubt. Sobald dies der Fall ist werden Mismatches oder Unachtsamkeiten dazu genutzt, mit einer Penetration in die Zone vorzudringen und die gesamte Verteidigung zur Rotation zu zwingen.

Mit blitzschnellem Ballmovement und intelligenten Entscheidungen erspielen sich die Gaels viele gute Würfe und schließen daher hochprozentig ab. Je nach favorisierter Metrik waren die Gaels letztes Jahr unter den besten drei Offensivteams aller 351 Division I Mannschaften anzutreffen.

NBA Kandidaten
Dane Pineau könnte aufgrund seines Potentials als Stretch Vierer Einladungen zu Trainings Camps erhalten, in Europa ist er vermutlich jedoch besser aufgehoben.

BBL Kandidaten
Denn hier kann Pineau sein komplettes Paket ausspielen und wird nicht zum Spezialisten degradiert. Da die Gaels wie angeschnitten sehr europäisch spielen, sollte die Umstellung für Pineau minimal sein. Als Rebounder und offensiv vielseitiger Vierer könnte er bereits auf Anhieb viele Bereiche des Spiels abdecken. Lediglich beim Finish und als Verteidiger würde er sich eingewöhnen müssen. Joe Rahon ist ein zweiter Kandidat für Europa und die BBL. Er ähnelt beispielsweise einem Jordan Hulls, der gerade für Bremerhaven startet - auch wenn er kein ganz so guter Schütze ist.

Prediction
Ein junges, entwicklungsfähiges Team, das 29 Siege einfährt und gegen ein Sweet Sixteen Team nur knapp die Tournament Teilnahme verpasst, sollte mit einem Jahr mehr Erfahrung auf dem Buckel relativ sicher das Tournament erreichen und erneut an der Grenze zu den 30 Siegen herumscharwenzeln. 

In der Tat haben die Gaels alles, um sogar das Final Four zu erreichen. Gutes Guardplay, eine eingespielte Rotation, Tiefe im Kader, Shooting auf allen Positionen und einen guten Coach. Das diesjährige Gaels Team dürfte das beste aller Zeiten sein und wird in der kommenden NCAA Saison für Furore sorgen. Die einzige größere Einschränkung besteht darin, dass der Spielplan der WCC nicht so viele Prüfsteine wie der anderer Conferences bietet. Das könnte sich beispielsweise in den entscheidenden Momenten gegen gute ACC Teams rächen, da diese einfach öfter Drucksituationen ausgesetzt sind.

Wichtige Spiele
Samstag, 19.11. @ Dayton
Donnerstag, 05.01. vs. BYU
Samstag, 14.01. @ Gonzaga
Samstag, 11.02. vs. Gonzaga
Samstag, 18.02. @ BYU