08 November 2016

8. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Seit 2005 ist der aktuelle Headcoach Matt Painter in seiner Funktion bei den Boilermakers tätig. Bereits in seiner zweiten Saison erreichte Painter mit seinem Team das NCAA Tournament und konnte 2009 und 2010 mit zwei aufeinanderfolgenden Sweet Sixteen Einzügen den positiven Trend fortsetzen. Allerdings waren das dann auch die Höhepunkte unter Painter. Nach zwei verpassten Teilnahmen stand der Trainer 2014 sogar schon vor dem Aus, ehe Purdue in den letzten beiden Saisons wieder in die Spur fand.

Letzte Saison 
(26-8, First Round der March Madness)
Die Euphorie war groß vor der vergangenen Saison. Die Boilermakers verfügten über einen der besten Frontcourts der NCAA in Form der beiden Brettcenter A.J. Hammons und Isaac Haas sowie Top10 Rekrut Caleb Swanigan als Power Forward. Gerade die Zusage des Letztgenannten, der sich eigentlich schon für Michigan State entschieden hatte, sorgte für Schlagzeilen. Diese häuften sich nach dem 11-0-Start in die Saison. Auch während der Big Ten Saison konnte Purdue sich in der Topgruppe positionieren und das Championship Game des Conference Tournaments erreichen. Ein jähes Ende fand die Saison jedoch im ersten Tournament Spiel gegen Underdog Little Rock, das nach zweifacher Verlängerung verloren wurde.

Kader
Spike Albrecht (Guard, 6'0'', Senior)
Vince Edwards (Wing, 6'8'', Junior)
Isaac Haas (Big, 7'2'', Junior)
Dakota Mathias (Guard, 6'4'', Junior)
Basil Smotherman (Wing/Big, 6'6'', Junior)
P.J. Thompson (Guard, 5'10'', Junior)
Ryan Cline (Wing, 6'6'', Sophomore)
Caleb Swanigan (Big, 6'9'', Sophomore)
Jacquil Taylor (Big, 6'10'', Sophomore)
Carsen Edwards (Guard, 6'0'', Freshman)

Im Vergleich zur Vorsaison hat sich bei den Boilermakers wenig getan. A.J. Hammons ist altersbedingt in die NBA abgewandert, Caleb Swanigan entschied sich gegen eine vorzeitige Anmeldung zum Draft. Basil Smotherman kehrt nach einem freiwilligen Redshirt Jahr in den Kader zurück. Neu dabei ist neben Freshman Carsen Edwards auch noch Spike Albrecht. Der hatte seine Sneaker nach Hüftproblemen eigentlich schon an den Nagel gehängt, entschied sich dann aber plötzlich für den Wechsel aus Michigan nach Indiana.


Starting Backcourt
P.J. Thompson, Dakota Mathias

In den vergangenen Jahren erwies sich die Position des Aufbauspielers als Achillesferse im Spiel der Boilermakers. Aufgrund der Inside-lastigen Spielanlage müssen die Guards nicht in der Lage sein großartig aus dem Pick & Roll zu attackieren, sondern eher einen Big Man mit Postpässen füttern  und den offenen Spot-up-Dreier versenken. P.J. Thompson ist daher trotz seiner geringen Größe der erste Kandidat als diesjähriger Starter.

Er verfügt über beide erforderlichen Eigenschaften und verlangt nicht viele Würfe für sich. Zudem ist er der erfahrenste der drei Aufbauspieler, was angesichts des nicht alltäglichen Systems ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist.

Dakota Mathias ist ein typischer Flügelspieler der Marke Painter. Er ist in erster Linie ein reiner Spot-up-Shooter, der auf Kickouts der Big Men lauert und seine offenen Dreier versenkt. Durch seine Treffsicherheit aus der Distanz müssen Gegner immer genau abwägen, ob sie sich das Doppeln leisten können oder dann einen offenen Dreier in Kauf nehmen.


Starting Frontcourt
Vince Edwards, Caleb Swanigan, Isaac Haas

Auch in dieser Spielzeit ist der Frontcourt das Prunkstück im Kader. Vince Edwards ist das personifizierte Schweizer Taschenmesser, das seine Werkzeuge in jeder Saison um einige Gadgets verbesserte. Edwards' Wurf ist mittlerweile so sicher, dass er auch abseits des Ball eingesetzt werden kann, womit er seinen Frontcourt Partnern im Lowpost mehr Platz gewährt.

Hinzukommt, dass Edwards der beste Verteidiger des Teams ist und problemlos vier oder gar alle fünf Positionen defensiv unter Kontrolle hat. Offensiv ist er der einzige Spieler im Kader, der sich konstant vom Perimeter aus seinen eigenen Wurf kreieren kann und genug Power besitzt, um seine Drives auch zu vollenden.

In der letzten Saison überraschte Caleb Swanigan mit einem ungeahnten Verlangen nach Dreiern. In dieser Hinsicht muss sich in der kommenden Saison etwas verändern. Entweder er reduziert sein Volumen und setzt den durchaus vorhandenen Wurf dosierter ein oder, die für ihn persönlich bessere Alternative, er verbessert seine Quote so sehr, dass sein Dreier eine effiziente Waffe wird.

Nach zwei Jahren als Backup hat Isaac Haas nun die Gelegenheit zu zeigen, dass er in 30 Minuten genauso wirkungsvoll und zielstrebig agieren kann wie zuvor in beschränkter Rolle. Dank seiner Größe ist Haas nicht zu stoppen, wenn er den Ball erst nah genug am Brett erhält. Seine Kombination aus Körpergröße und Touch lassen seine Baby-Hooks zu einer unschlagbaren Waffe werden.

Allerdings bleibt die Frage, wie sich die steigende Minutenzahl auf seine Trefferquote auswirkt. Schließlich muss Haas seinen Körper auch über das Feld transportieren, was anstrengend ist und womit er automatisch das Spiel verlangsamt. Zudem müssen die Boilermakers immer ein wenig darauf hoffen, dass die Gegner nicht zu viel Pick & Roll spielen, denn hier tut sich der Center defensiv sehr schwer.

Bank
Spike Albrecht, Carsen Edwards, Ryan Cline, Basil Smotherman, Jacquil Taylor

Auf den Guardpositionen werden Spike Albrecht und Carsen Edwards alles daran setzen, Starter Thompson die Minuten und dessen gehobenen Posten streitig zu machen. Albrecht hat grundsätzlich mehr Erfahrung als Thompson, erleidet momentan jedoch einen gehörigen Kulturschock. Es gibt kaum gegensätzlichere Philosophien als den Unterschied zwischen Purdue und Michigan.

Michigan ist auf viel Ballbewegung, Read & React und haufenweise Pick & Rolls ausgelegt, wohingegen Purdue den Ball immer wieder in Brettnähe bringt. Diese Umgewöhnung wird dauern. Hinter Albrechts Gesundheit steht nach Operationen an beiden Hüften zudem ein Fragezeichen.

Edwards hinterließ beim Spanien-Trip im August einen guten Eindruck, doch es bleibt abzuwarten, wie gut der Freshman sich einfügen kann. Als Guard mit score-first-Mentalität wird er sich ebenfalls eingewöhnen müssen.

Ryan Cline ist ähnlich wie Mathias in erster Linie ein Shooter, der auf Kickout wartet und für gutes Spacing sorgt. Er hat die Größe, um auch als Small Forward eingesetzt werden zu können, womit er sicher auch Edwards Verschnaufpausen geben wird.

Zum X-Faktor könnte Basil Smotherman mutieren. Nach zwei Jahren als Energizer und Glue Guy von der Bank, traf er im vergangenen Sommer mit den Coaches die Übereinkunft, ein Redshirt Jahr einzulegen, um sein Junior Jahr nicht auf der Bank zu verschwenden. Denn Spielzeit zu finden, wäre für den Tweener in der vergangenen Saison nicht leicht gewesen. Nun darf man gespannt sein, ob Smotherman das spielfreie Jahr wirklich nutzen konnte, um an seinem Spiel und an seinem Körper zu arbeiten.

Als einzig verbleibender Big Man kommt Sophomore Jacquil Taylor von der Bank. Er sah in den letzten beiden Jahren kaum Minuten und dürfte entsprechend motiviert sein, sich nun von der besten Seite zu präsentieren. Allerdings werden ihm noch viele Fehler unterlaufen, was angesichts der dünnen Personaldecke ein gewisses Risiko bedeutet.

Coach
Matt Painter konnte mit der Tournament Teilnahme 2015 seinen Kopf aus der Schlinge ziehen und sich zuletzt sogar eine Vertragsverlängerung im Sommer erarbeiten. Dennoch ist Painter nicht unumstritten. Purdue fristet das Dasein einer grauen Maus, die zwar immer mal wieder das Tournament erreicht, aber scheinbar nie wirklich Ambitionen für Höheres zustande bringt. Daher dürfte Painter nach zweimaligem Erstrundenaus darauf brennen, endlich wieder ein Sweet Sixteen zu erreichen oder endlich noch weiter vorzustoßen.

Stil
Purdue spielt einen sehr traditionellen Stil. Die Marschroute ist ganz klar: Der Ball soll in den Lowpost zu den Centern wandern. Dafür haben die Boilermakers diverse clevere Screen-the-Screener-Sets, die den Bigs gute Position verschaffen. Das Spacing bei den Postups ist gut, da alle anderen vier Spieler oberhalb der Freiwurflinie positioniert sind. Kommt es zum Doppeln, befinden sich genug Schützen im Kader, um das Helfen zu bestrafen.

In den vergangenen Jahren offenbarten die Boilermakers jedoch auch immer wieder Schwächen. Mit Pressverteidigungen tun sie sich oft schwer und zudem besteht die Tendenz, dass sie sich zu sehr auf den Dreier gegen einfaches Doppeln verlagern und den Ball kaum noch nach innen bringen. Defensiv werden sie zu viel Zonenverteidigung gezwungen sein, um die schwache Pick & Roll Verteidigung zu verstecken.


NBA Kandidaten
Caleb Swanigan und Vince Edwards sind die beiden Namen, die in Zusammenhang mit dem Draft immer wieder fallen. Kann Swanigan seinen Dreier stabilisieren, ist er tatsächlich ein potentieller Stretch Vierer, der trotzdem über eine gute Physis verfügt und diese beim Rebound und am Zonenrand einzusetzen weiß. Edwards sollte aufgrund seiner Vielseitigkeit und Athletik auf jeden Fall einen NBA Spot erhalten. Da beide jedoch keine Seniors sind, hängt ihre Entscheidung pro Draft sehr vom Saisonverlauf ab.

BBL Kandidaten
Unter den Seniors drängt sich kein Spieler auf. Mittelfristig könnten Isaac Haas und Vince Edwards jedoch Namen sein, die in der übernächsten Spielzeit in einem europäischen Kader auftauchen. Haas fehlt die Athletik für die NBA und Edwards wäre in Europa der perfekte Allrounder, sollte er nicht in der NBA landen.

Prediction
Die Starting Five ist eingespielt und ergänzt sich gut. Zudem haben die Boilermakers auf den Außenpositionen aufgrund der Tiefe eine gewisse Flexibilität, die in der letzten Saison in dieser Form nicht vorhanden war. Alleine vom Potential her sollte das Sweet Sixteen machbar sein. Allerdings lassen sich auch genügend Kritikpunkte finden, die ein vorzeitiges Ausscheiden oder gar das Verpassen des Tournaments bedeuten können.

Erneut fehlt ein Aufbauspieler, der gegen Druck Ruhe und Übersicht bewahren kann. Dadurch scheint kein Vorsprung sicher zu sein, da eine halbwegs solide Presse des Gegners schnell einen entsprechenden Run einläutet. Zudem müssen die Boilermakers aufpassen, nicht zu viele Dreier zu nehmen - selbst wenn es offene Würfe sind. Des Weiteren fehlt im Frontcourt die Tiefe, was angesichts der Foulanfälligkeit bei Swanigan und Haas schnell zu Problemen führen wird. In der Vorbereitung zeigte sich zudem die fehlende Tiefe im Frontcourt. Basil Smotherman und Ryan Cline sind suspendiert, Jacquil Taylor ist angeschlagen. Solche Rückschläge können die Boilermakers nicht verkraften.

Wichtige Spiele
Montag, 14.11. vs. Villanova
Mittwoch, 30.11. @ Louisville
Sonntag, 08.01. vs. Wisconsin
Dienstag, 24.01. @ Michigan State
Donnerstag, 09.02. @ Indiana
Samstag, 18.02. @ Michigan State
Dienstag, 28.02. vs. Indiana