11 November 2016

11. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Eine wirklich glorreiche Tradition können die Oregon Ducks nicht aufweisen. Es gab nur wenige Tournament Teilnahmen, die dann allerdings relativ erfolgreich verliefen. Unter Ernie Kent, der 1997 als Trainer antrat und diesen Posten für 13 Jahre innehatte, erreichten die Ducks beispielsweise nur fünf Mal die March Madness, konnten aber 2002 und 2007 das Elite Eight erreichen. Dennoch wurde Kent 2010 entlassen und durch Dana Altman ersetzt. Ihm gelang es als erstem Trainer der Unigeschichte konstant erfolgreich zu sein. Im ersten Jahr noch im drittklassigen CBI Tournament vertreten, gehören die Ducks seit 2013 zur Stammbelegschaft im großen NCAA Tournament. Mittlerweile sind sie der Krösus der PAC12 und Final Four Contender.

Letzte Saison 
(31-7, Elite Eight der March Madness)
Die vergangene Saison war die erfolgreichste unter Coach Altman und vermutlich auch der Unigeschichte, wenn man die Meisterschaftssaison vor fast 80 Jahren außen vor lässt. Trotz der Verletzung von Transfer Dylan Ennis formten die Ducks ein extrem gefährliches Team, das tatsächlich in der Lage war, jeden Gegner zu bezwingen. Dabei verlief der Start in die Saison gar nicht gut. Bereits im Dezember mussten sich die Ducks zwei Mal geschlagen geben. Sowohl UNLV als auch Boise State war man unterlegen. Beide Teams waren zu dem Zeitpunkt sicher nicht schlecht besetzt, doch gemessen am Potential des Teams waren diese Ergebnisse ernüchternd. Auch der Start in die PAC12 verlief zunächst ernüchternd mit Niederlagen gegen Oregon State und Colorado, doch der Sieg in Arizona bedeutete einen Umschwung. Fortan spielten die Ducks mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein. Spielverluste bei California und Stanford auf der Zielgeraden der Conference Saison sorgten jedoch für die notwendige Demut. Nach Conference Regular Season Titel und Gewinn des Conference Tournaments lösten die Ducks ihre Aufgaben gegen Holy Cross, St. Joseph's und Duke beeindruckend abgeklärt. Besonders der Auftritt gegen Duke war bemerkenswert. Gegen Buddy Hield war im Elite Eight dann aber kein Kraut gewachsen.

Kader
Chris Boucher (Big, 6'10'', Senior)
Dylan Ennis (Guard, 6'2'', Senior)
Jordan Bell (Big, 6'9'', Junior)
Casey Benson (Guard, 6'3'', Junior)
Kavell Bigby-Williams (Big, 6'11'', Junior)
Dillon Brooks (Wing/Big, 6'7'', Junior)
Roman Sorkin (Big, 6'10'', Junior)
Tyler Dorsey (Guard, 6'4'', Sophomore)
M.J. Cage (Big, 6'10'', Freshman)
Payton Pritchard (Guard, 6'2'', Freshman)
Keith Smith (Wing, 6'7'', Freshman)

Die Offseason hätte für die Oregon Ducks kaum besser laufen können. Besonders die Verbleibe der beiden Seniors waren enorm wichtig. Chris Boucher, das seltenste Einhorn im College Basketball, erhielt ein zusätzliches Jahr bei den Ducks aufgrund der Diskrepanzen zwischen kanadischem und us-amerikanischem Bildungssystem. Dylan Ennis, der eigentlich letzte Saison als Graduate Senior seine erste und letzte Saison in Oregon hätte spielen sollen, darf dank Medical Waiver nach seiner ausgeheilten Fußverletzung in eine sechste Collegesaison gehen. Zusätzlich entschieden sich Dillon Brooks und Tyler Dorsey vernünftigermaßen gegen eine Draft Anmeldung, weshalb nur die Seniors Elgin Cook und Dwayne Benjamin die Ducks verließen.


Starting Backcourt
Casey Benson, Tyler Dorsey

Eine feste Starting Five bei Oregon zu benennen fällt schwer. Der Kader ist tief besetzt und die Spieler verfügen neben einer hohen Qualität über enorme Vielseitigkeit. Fast alle Akteure können zwei Positionen spielen, bei einigen sind sogar drei Positionen denkbar. Zumal Dana Altman nicht so sehr nach strengen Positionen ordnet, sondern seine Spieler eher ihren Stärken entsprechend einsetzt und passende Formationen sucht.

Casey Benson ist ein Name der häufig unterschlagen wird, allerdings ist der Point Guard einer der besten der Conference und würde so ziemlich jedem Collegeteam auf Anhieb helfen. Benson strukturiert und organisiert die Offense. Er trifft kluge Entscheidungen und kontrolliert das Tempo einer Begegnung. Dank seines ordentlichen Wurfes kann der Linkshänder aber auch problemlos abseits des Balls agieren. Als nette Kirsche obendrauf ist Benson ein harter Arbeiter in der Verteidigung, der geschickt verteidigt und viele Ballverluste forciert.

Tyler Dorsey ist einer dieser Athleten mit vielen Dimensionen und Einsatzmöglichkeiten. Er ist eigentlich ein Aufbauspieler und Playmaker, der sich oder seinen Mitspielern im Eins-gegen-Eins und im Pick & Roll gute Würfe erspielen kann. In der vergangenen Saison stellte er sich aber auch abseits des Balls nicht ungeschickt an und war in der Lage den Catch-and-Shoot-Dreier zu treffen. Defensiv ist er aufgrund seiner langen Arme und seiner Schnelligkeit ebenfalls dafür geeignet, mindestens drei verschiedene Positionen zu verteidigen.

Starting Frontcourt
Dillon Brooks, Chris Boucher, Jordan Bell

Die interessanteste Entscheidung wird für Altman darin bestehen, wer Elgin Cooks Platz in der ersten Fünf einnimmt. Angesichts der vielen großen Spieler im Team und der Vielseitigkeit von Chris Boucher wäre eine große Formation mit dem Kanadier als Vierer eine durch denkbare Variante.

Dillon Brooks ist in jedem Fall gesetzt. Zumindest sobald er von seiner Verletzung wieder gänzlich genesen ist. In der Tat ist der Ausfall Brooks' der einzige, dafür aber relativ schwerwiegende Wermutstropfen, den die Ducks schlucken müssen. Nach einer Operation am linken Fuß ist Brooks noch nicht wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und Coach Altman konnte bisher keinen Zeitplan für seine Rückkehr bekannt geben.

Dabei ist der Kanadier die zentrale Schaltstelle in der Offense. Brooks ist am College kaum zu verteidigen. Wird er von einem Guard verteidigt, geht Brooks ins Postup über, wo er seine körperlichen Vorteile ausspielt. Wird er von größeren Gegenspielern aufgenommen, zieht er sie raus zur Dreierlinie, wo er sie entweder per Dribbling attackiert oder ihnen den Distanzwurf ins Gesicht einschenkt. Die erste und wichtigste Waffe der Ducks ist kaum zu ersetzen.

Chris Boucher machte sich in der vergangenen Saison einen Namen als ungewöhnlicher Spielertyp. Boucher wirkt auf den ersten Blick eher wie ein Ausdauerläufer aufgrund seiner spindeldürren Statur und seiner Schnelligkeit. Doch neben seinem ungewöhnlich niedrigen Ruhepuls kann er auch als Basketballer mit gefragten Fähigkeiten aufwarten.

Er ist ein exzellenter Shotblocker, der nicht bloß seine Arme ausstreckt oder durch Sprungstärke besticht, sondern vor allem dank senes guten Spielverständnisses und seines ausgezeichneten Timings die Würfe vom Ring fernhält. Offensiv überrascht der Big Man mit einem relativ sicheren Distanzwurf. Auch wenn die Technik krude aussieht, traf er pro Spiel einen Dreier bei drei Versuchen. Dadurch kann er für Spacing sorgen und mit einem anderen Big zusammen auf dem Feld stehen.

Dieser andere Big wird wahrscheinlich vorwiegend Jordan Bell sein. Bell ist auf seine Art und Weise ebenfalls sehr vielseitig. Allerdings eher defensiv. Bell kann tatsächlich alle fünf Positionen am College verteidigen, Pick & Rolls switchen und den Ring beschützen. Bells Mischung aus Physis und Athletik ist sehr selten anzutreffen. Offensiv ist Bell jedoch eher auf seine Mitspieler angewiesen. Außer Putbacks und Alley-Oops kommt von Bell wenig Zählbares. An der Seite von Boucher, Dorsey und Brooks sollte jedoch genau diese Rolle ideal sein.


Bank
Dylan Ennis, Payton Pritchard, Keith Smith, M.J. Cage, Kavell Bigby-Williams, Roman Sorkin

Nach einem Jahr Verletzungspause sollte sich Dylan Ennis als sechster Mann vorerst an die Abstimmung seiner Backcourt Kollegen herantasten. Sollte Brooks länger ausfallen, wäre es durchaus denkbar, dass Ennis als als dritter Ballhandler in die Starting Five rückt und für noch mehr Shooting und Penetrations sorgt. Denn genau hier kann der Veteran seine Stärken einbringen.

Payton Pritchard ist ein Freshman Guard, der sich im Schatten der erfahreneren Außenspieler in Ruhe akklimatisieren kann. Allerdings wird Pritchard direkt zeigen wollen, was er draufhat. Er ist ein ausgewiesener Shooter, der dem Team in dieser Hinsicht sehr gut zu Gesicht steht, kann aber auch den Weg zum Korb finden dank seines schnellen ersten Schrittes und seiner Tempowechsel. Beim diesjährigen Hoop Summit konnte er sich zudem mit den besten Talenten seines Alters messen.

Keith Smith ist ein weiterer Freshman und typischer Altman Spieler. Idealerweise wird Smith mittelfristig bis zu drei Positionen bekleiden können. Bis dahin wird er dem Team jedoch durch seine Athletik in der Defense helfen. Ähnliches gilt für M.J. Cage, der ein mobiler Big Man ist und viel Upside besitzt.

Kavell Bigby-Williams wird hingegen sofort eine mächtige Verstärkung sein. Der Engländer kommt vom Junior College, wo er im Schnitt ein Double Double auflegte und zusätzlich noch über fünf Würfe pro Spiel blockte. Genau diese Rimprotection wird er auch bei den Ducks einbringen können und die Rotation auf den großen Positionen damit deutlich verstärken. Bei Foulproblemen bieten sich somit mehr Optionen. Bisher war Roman Sorkin der Notnagel bei einer angespannten Personalsituation, doch ob der Junior in diesem Jahr noch Minuten sieht, ist eher als unwahrscheinlich zu bewerten.

Coach
Nicht umsonst wurde Dana Altman zuletzt zum dritten Mal in vier Jahren zum PAC12 Trainer des Jahres gewählt. Den radikalen Umbruch, den Altman während seiner bisherigen Amtszeit bei den Ducks vollzogen hat, ist bemerkenswert. Innerhalb von fünf Jahren sind Ducks vom CBI Teilnehmer zum Final Four Aspiranten aufgestiegen und haben nun eine gesunde Basis für lange währenden Erfolg. 

Altman schuf nicht nur abseits des Courts die entsprechenden Rahmenbedingungen durch gutes Recruiting und eine stimmige Kaderzusammenstellung, sondern gab den Ducks auch spielerisch eine Identität. Spielerentwicklung und taktische Disziplin werden bei Altman groß geschrieben, was auch die Hauptursache für den sportlichen Erfolg der vergangenen Jahre ist.

Stil
In der Verteidigung experimentieren die Ducks sehr gerne mit verschiedenen Varianten. Fast immer greifen sie dabei auf eine 1-2-2-Zonenpresse zurück, die nicht unbedingt aggressiv auf einen Ballgewinn im Vorfeld aus ist, sondern viel Zeit von der Uhr nimmt und schlechte Pässe auf Höhe der Mittellinie erzwingt. Hieraus ergeben sich viele Ballgewinne, die dann wiederum in einfachen Punkten resultieren. Doch selbst wenn es nicht zum Steal kommt, haben die Ducks meist so viel Zeit von der Uhr genommen, dass der Gegner den Angriff im Halbfeld kaum strukturieren kann. Auch wirkt Oregon gerne erschwerend ein durch wechselnde Zonenverteidigungen oder eine harte Mannverteidigung. Offensiv nutzen die Ducks Mismatches gnadenlos aus und kreieren gute Isolations. Besonders Dillon Brooks und Tyler Dorsey sind in die Nutznießer dieser Taktik.


NBA Kandidaten
Chris Boucher bringt zwei Qualitäten mit, die bei NBA Bigs momentan wahrscheinlich am höchsten im Kurs liegen: Rimprotection und ein gutes Händchen aus der Distanz. Spätestens Anfang der zweiten Runde wird der Kanadier trotz fortgeschrittenen Alters einem NBA Team angehören. Bei Dillon Brooks und Tyler Dorsey muss wieder abgewartet werden, wie gut die Saison verläuft. Im Fall von Brooks kann eine Senior Saison nicht schaden. Jordan Bell ist ebenfalls ein Kandidat für die NBA, doch auch er sollte sein viertes Jahr nutzen, um offensiv mehr bieten zu können.

BBL Kandidaten
Für Dylan Ennis dürfte die NBA nicht zu erreichen sein. Sein fortgeschrittenes Alter, seine athletischen Limits und der Fußbruch sind nur einige störende Faktoren. In Europa könnte der Combo Guard jedoch eine wichtige Rolle in einem Team einnehmen und als kreativer Offensivspieler übernehmen.

Prediction
Bereits letzte Saison hatten die Ducks das Zeug dazu, ins Final Four einzuziehen. Gegen einen gut aufgelegten Buddy Hield hatten in der vergangenen Saison die wenigsten Teams das entsprechende Gegenmittel. Mit der Erfahrung aus dem Vorjahr und dem Verbleib des Mannschaftskern sollten die Ducks dieses Jahr erneut lange im Rennen um das Final Four oder gar mehr bleiben. Das Team ist tiefer als in der Vorsaison und hat an Talent hinzugewonnen.

Allerdings sollten der Abgang von Elgin Cook und die Verletzung von Dillon Brooks nicht unterschätzt werden. Die beiden als Flügelzange in der Starting Five aufstellen zu können, bildete die größte Stärke der Ducks. Denn beide waren in der Lage, gegnerische Vierer zu verteidigen, hatten gleichzeitig aber offensiv in der Regel ein Mismatch, das sie ausspielen konnten. Die wenigsten Teams hatten einen Verteidiger für einen der beiden und zwei von dieser Sorte konnte tatsächlich kein NCAA Team aufbieten. Dieser Vorteil wird in diesem Jahr vermutlich nicht mehr gegeben sein. Nichtsdestotrotz gehen die Ducks als Favorit in die PAC12 Saison und werden als 1 oder 2 Seed im Tournament antreten.

Wichtige Spiele
Maui Invitational Tournament, 21.11.-23.11. vs. Georgetown, Wisconsin, North Carolina
Mittwoch, 28.12. vs. UCLA
Samstag, 04.02. vs. Arizona
Donnerstag, 09.02. @ UCLA