10 November 2016

10. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Über North Carolina und die damit verbundene Tradition zum College Basketball muss man eigentlich nicht viele Worte verlieren. Die Alma Mater von Michael Jordan blickt auf eine lange Historie mit klangvollen Namen, vielen Titeln und zahlreichen NBA Legenden zurück. Besonders die Ära vom mittlerweile verstorbenen Dean Smith war prägend für die erfolgreiche Entwicklung der Tar Heels. Als Smith 1997 aufhörte, dauerte es einige Jahre bis man in Roy Williams einen Nachfolger finden konnte, der für ähnlichen Erfolg sorgte. Bereits in seiner zweiten Saison wurde Williams Meister. Nach einer weiteren Meisterschaft 2009 waren die Resultate aber nicht mehr ganz so überzeugend. Zudem war UNC in den vergangenen zwei Jahren immer wieder negativ in den Schlagzeilen konnotiert, da ein System von Scheinkursen zu Tage befördert worden war, das Spielern geschönte Noten und nicht erbrachte Leistungen bescheinigte und ihnen somit die akademische Spielberechtigung garantierte. Weder Williams noch das Basketballprogramm der Männer wurden dafür jedoch zur Rechenschaft gezogen.


Letzte Saison 
(33-7, Finale der March Madness)
Als einer der Meisterschaftsfavoriten gingen die erfahrenen Tar Heels in die Saison. Allerdings verpasste Senior Marcus Paige mal wieder verletzungsbedingt einige Partien zu Beginn der Saison und konnte nicht verhindern, dass die Northern Iowa Panthers seinem Team in seinem Heimatstaat die erste Saisonniederlage einhandelten. Zwar rehabilitierten sich die die Heels mit einem Sieg über Mitfavoriten Maryland, doch kurz vor Weihnachten folgte die nächste ärgerliche Niederlage, als man gegen Texas per Buzzerbeater verlor. Die ACC Saison verlief dann einigermaßen nach Plan, auch wenn die Heimschlappe gegen Erzrivalen Duke sicherlich immer noch schmerzt. Sowohl die Regular Season als auch das Conference Tournament der ACC wurden von UNC gewonnen. Diesen Schwung nahmen sie auch ins Tournament mit, wo sie sehr souverän bis ins Finale durcheilten. Jedes Spiel wurde mit mindestens 14 Zählern Differenz entschieden. Gegen Villanova war es dann ein hochklassiges Spiel auf Augenhöhe, das am Ende erst durch einen Buzzerbeater entschieden wurde.

Kader
Nate Britt (Guard, 6'1'', Senior)
Isaiah Hicks (Big, 6'9'', Senior)
Kennedy Meeks (Big, 6'10'', Senior)
Joel Berry II (Guard, 6'0'', Junior)
Justin Jackson (Wing, 6'8'', Junior)
Theo Pinson (Guard/Wing, 6'6'', Junior)
Luke Maye (Big, 6'8'', Sophomore)
Kenny Williams (Guard, 6'4'', Sophomore)
Tony Bradley (Big, 6'10'', Freshman)
Brandon Robinson (Wing, 6'5'', Freshman)
Seventh Woods (Guard, 6'2'', Freshman)

Mit Brice Johnson und Marcus Paige verlassen zwei erfahrene Seniors das Team, die das Gesicht der Tar Heels über vier Jahre prägten. Besonders Johnson konnte sich im Verlauf dieser Zeit wesentlich steigern und war letzte Saison einer der besten Big Men der NCAA. An dieser Stelle macht sich dann die Tiefe der Tar Heels bemerkbar. Da Roy Williams immer mindestens eine zehn-Mann-Rotation nutzt, stehen genug erfahrene Spieler zur Verfügung, um die Verantwortung neu zu verteilen. Zudem ist die Freshman Class in diesem Jahr durchaus prominent besetzt, weshalb hier auch ab dem ersten Saisonspiel Produktivität zu erwarten ist.

Starting Backcourt
Joel Berry II, Theo Pinson, Justin Jackson

Vor wenigen Wochen brach sich Theon Pinson im Training den rechten Fuß und fällt daher auf unbestimmte Zeit aus. In dieser Phase wird vermutlich Nate Britt den Starterposten übernehmen. Pinson ist ein kreativer Spieler, wenn man es euphemistisch ausdrücken will. Seine Aktionen sind weder für Freund noch für Feind vorhersehbar, was sie einerseits genial macht, andererseits Coach Williams die Hände vor dem Gesicht zusammenschlagen lässt.

Ohne Paige und Johnson sind jedoch gerade im Halbfeld Unberechenbarkeit und Angriffslust gefragt. Pinson kann bei herunterlaufender Shotclock genug Wirbel verursachen, um sich oder seinen Mitspielern per Putback Punkte zu verschaffen. Seine Einzelaktionen und seine emotionale Art können das Team auch aus einer lethargischen Phase reißen und einen der gefürchteten Runs starten. Pinsons schnelle Genesung ist daher ein großes Anliegen für Williams und seinen Staff.

Der Aufsteiger der vergangenen Saison war Joel Berry. Nach einer verletzungsgeplagten Freshman Saison startete der bullige Guard in jedem Spiel und war ein sicherer Rückhalt. Ihm gelang der Drahtseilakt zwischen hoher Tempoforcierung und geringer Fehlerquote hervorragend. Zum Ende der Saison hin spielte Berry dann mit so viel Selbstbewusstsein, dass er sich noch vor eigenen Drives scheute und scheinbar mühelos an seinem Matchup vorbei in die Zone marschierte und dort abschloss. Genau davon werden die Tar Heels in der anstehenden Saison noch mehr brauchen.

Justin Jackson heftet mittlerweile so ein wenig das Etikett des ewigen Talents an. Noch immer ist bei dem groß gewachsenen Flügelspieler ersichtlich, welches Potential in ihm steckt. Doch auch als Sophomore konnte er das nicht entfalten und eine Bewerbung für die NBA abschicken. Der Floater ist nach wie vor Jacksons Markenzeichen.

Mit seiner Schnelligkeit und Beweglichkeit ist perfekt für die schnelle Spielweise der Heels geeignet, doch im Halbfeld sieht er weiterhin unbeholfen aus. Ihm fehlen die Kilos und das Ballhandling, um wirklich mal im Eins-gegen-Eins die Zone erreichen und dort finishen zu können. Hieran wird er weiter arbeiten müssen. Auch an der Dreierquote muss Jackson dringend schrauben. An sich sieht der Wurf technisch sauber aus, allerdings gibt es in der Wurfvorbereitung noch einige Baustellen.


Starting Frontcourt
Isaiah Hicks, Kennedy Meeks

Im Schatten von Brice Johnson bekam Isaiah Hicks oft nicht die Minuten, die er eigentlich verdient hätte. Zumal das Tandem Johnson-Hicks zusammen auf dem Feld ebenfalls gut funktionierte. Doch nun ist Hicks der unangefochtene Starter auf der Vier und seine neue Rolle zu nutzen wissen. Hicks bringt eine am College selten anzutreffende Mischung aus Athletik und Physis mit. Trotz seiner kräftigen Statur ist Hicks keineswegs behäbig, sondern ganz im Gegenteil ungemein explosiv.

Er läuft den Fastbreak als Rimrunner wie ein Guard mit und hat in der Regel einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil gegenüber seines Kontrahenten. Doch auch technisch hat sich Hicks während der vergangenen Jahre deutlich gesteigert. Sein Wurf sieht besser aus und fällt aus der Mitteldistanz und von der Freiwurflinie. Im Eins-gegen-Eins hat er sich einen Spinmove vom Highpost angeeignet, der nur schwer zu verteidigen ist.

Kennedy Meeks hatte in der vergangenen Saison Verletzungsprobleme und verpasste sieben Partien. Danach brauchte er einige Zeit, bis er wieder zu seiner Form fand. Die Tar Heels werden ihn in der kommenden Saison in Topform brauchen. Seine Passqualitäten sind Grundlage vieler Fastbreaks und High-Lows. Wie schnell sich Harmonie zwischen Hicks und Meeks einstellt, wird spannend zu sehen sein. Auf dem Papier ergänzen sich die beiden in weiten Teilen ganz gut.

Besonders defensiv muss Meeks sich enorm steigern. Seine Schwäche in der Pick & Roll Defense kann durchaus Spiele kosten. Hier ist auch Roy Williams gefragt, sich etwas einfallen zu lassen und die Teamdefense zu verbessern.

Bank
Nate Britt, Seventh Woods, Kenny Williams, Brandon Robinson, Luke Maye, Tony Bradley

Nate Britt stellte in der vergangenen Saison seinen Teamgeist unter Beweis, als er die Rolle von der Bank akzeptierte und sich ohne zu murren hinter dem jüngeren Joel Berry darauf konzentrierte, von der Bank kommend das Tempo hochzuhalten. In den ersten Saisonwochen wird Britt jedoch in die Startformation hochrutschen und Pinson vertreten. Britt ist mittlerweile einer der verlässlichsten Schützen der Tar Heels und sorgt als zusätzlicher Ballhandler für noch mehr Tempo.

Vor dem Eintritt ins Teenager Alter war Seventh Woods schon so etwas wie eine Legende im High School Basketball. Mit elf Jahren dunkte das Sprungwunder erstmals in einem AAU Spiel und zierte in den Folgejahren die Cover der allgemein populären Basketballzeitschriften. Verletzungsprobleme hemmten jedoch seine Produktivität in den letzten zwei Jahren, weshalb er bei den Recruiting Portalen im Ranking sank. Woods ist aber vom ersten Tag bereit, seinen Mitspielern die Sporen zu geben und die Fastbreak Kultur zu personifizieren.

Auf dem Flügel bietet sich in dieser Saison ein vollkommen ungewohntes Bild: Williams hat die Wahl zwischen zwei ausgewiesenen Schützen. In den letzten Jahren unter Coach Williams waren die Tar Heels immer eines der schwächsten Shooting Teams der NCAA. Das könnte sich jedoch mit Kenny Williams und Brandon Robinson ändern. Beide treffen den Dreier sehr hochprozentig. Allerdings sind sie auch darauf angewiesen. Speziell Robinson fehlen mindestens 20 Kilo, um in der Zone abschließen zu können.

Die Big Man Rotation ist dieses Jahr hingegen verhältnismäßig dünn besetzt. Nur zwei Bigs sind auf der Bank zu finden, wobei beide keine große Erfahrung aufweisen können. Luke Maye ist ein Power Forward, der als Freshman hin und wieder mal ein paar Minuten sah, aber keine bedeutende Rolle spielte. Langfristig könnte er ein Stretch Vierer werden. Was er als Sophomore leisten kann, wird sich zeigen. Tony Bradley wird da die größere Verstärkung darstellen. Der Freshman ist grundsolide und genoß eine gute Grundlagenausbildung. Erste Vergleiche mit Tim Duncan sind bereits aufgekommen. Auch wenn diese natürlich verfrüht sind, gehen sie in die richtige Richtung.


Coach
Trotz zweier Championships und einer Finalteilnahme in der vergangenen Saison ist Roy Williams nicht gänzlich unumstritten. Das hat mehrere Gründe. Zum einen offenbaren die Tar Heels seit Jahren in denselben Bereichen Schwächen, was Williams bislang jedoch nicht zu einer Reaktion veranlasste. Besonders die Bereiche Defense und Shooting sind Schwachstellen bei UNC. Williams bleibt jedoch stur bei seiner Marschroute, mehr Punkte als der Gegner durch schnelleres Spiel und viele Fastbreaks erzielen zu wollen. Das kann funktionieren, wie man in den ersten Tournament Spielen der letzten Spielzeit sah. Das kann aber auch nach hinten losgehen, wie beim Upset gegen Northern Iowa oder der Finalniederlage gegen Villanova sichtbar wurde. Auch der Skandal um die Scheinkurse hat an Williams' Bild genagt. Auf der anderen Seite hat Williams wegen seiner Erfolge, der attraktiven Spielweise und der Zustimmung von Trainerlegende Dean Smith bei vielen Fans einen Stein im Brett.

Stil 
Rennen, rennen, rennen. Klingt im ersten Moment simpel und berechenbar, doch in der Form, wie die Tar Heels diese Vorgabe umsetzen, kann sich kein Gegner angemessen auf das vorbereiten, was ihm bevorsteht. Selbst aus Einwürfen nach kassierten Punkten dauert es in der Regel keine fünf Sekunden, bis der Ball schon wieder durch den anderen Korb huscht. Dieses permanente Laufen zermürbt die meisten Gegner irgendwann und es kommt der entscheidende 10-Punkte-Run, auf den sie dann keine Antwort mehr finden. Kommt es dann doch mal zu einem Halbfeldangriff, laufen die Tar Heels am liebsten ihre Secondary Offense, die dank des Backscreens für den Trailer oft in einem Alley-Oop mündet. Elevator Plays oder eine 1-3-1-Zone sind Stilmittel, die Roy Williams gelegentlich einstreut.


NBA Kandidaten
Isaiah Hicks hat die athletischen und physischen Voraussetzungen, um als Energizer den Backup als Power Forward geben zu können. Denkbar ist auch eine Rolle als Small Ball Fünfer, da er die notwendige Schnelligkeit dafür besitzt, aber problemlos auch Bigs verteidigen kann und sich viele Rebounds fischt. Bei Justin Jackson und Theo Pinson bestehen Zweifel an einer Draftanmeldung. Für beide wäre es sicher sinnvoller, eine Senior Saison dranzuhängen.

BBL Kandidaten
Kennedy Meeks ist einfach nicht für die NBA geschaffen. Ihm fehlen die Schnelligkeit und Athletik, um sich unter den dortigen Brettern durchsetzen zu können. In Sachen Rebounding, Rimprotection und Pick & Roll Defense wäre er maßlos überfordert. In Europa könnte er zumindest die beiden erstgenannten Problemherde eindämmen. An seiner Bekämpfung des Pick & Rolls muss Meeks jedoch in jedem Fall arbeiten, wenn er Profi werden will.

Prediction
Die Tar Heels verfügen in diesem Jahr nicht über die gleiche Qualität und Erfahrung im Kader wie in der letzten Saison. Zudem haben sie in dieser Saison nicht die Tiefe im Frontcourt, die man von ihnen gewohnt ist. Ob die Schützen Williams und Robinson zumindest die hartnäckige Schussschwäche der Tar Heels in den Griff bekommen können, werden die ersten Saisonwochen zeigen.

Allein aufgrund ihrer Spielweise und der vielen Rückkehrer werden die Tar Heels wieder ein Wörtchen um den ACC Titel mitreden und einer der härtesten Konkurrenten von Rivale und Favorit Duke sein. Wollen sie jedoch an die Erfolge der Vorsaison anknüpfen, müssen die Freshmen direkt wichtige Stützen darstellen, die Bigs das Pick & Roll verteidigen können und Pinson muss so schnell wie möglich fit werden. Doch selbst dann wird das Final Four schon eine knifflige Aufgabe.

Wichtige Spiele
Maui Invitational Tournament, 21.-23.11., vs. UConn/Oklahoma State, Oregon/Wisconsin
Mittwoch, 30.11. @ Indiana
Samstag, 17.12. vs. Kentucky
Montag, 16.01. vs. Syracuse
Samstag, 28.01. @ Miami
Donnerstag, 09.02. @ Duke
Samstag, 18.02. vs. Virginia
Mittwoch, 22.02. vs. Louisville
Montag, 27.02. @ Virginia
Samstag, 04.03. vs. Duke