11 November 2016

11. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von TORBEN ADELHARDT @Torben41

History
Die Michigan State Spartans gehören zweifelsfrei zu den populärsten aller College-Teams, was sowohl mit ihrer erfolgreichen Historie – zwei NCAA-Meisterschaften und 13 Big Ten Conference-Championships – als auch dem dazugehörigen Trainer- und Spielerpersonal zusammenhängt. Von Earvin „Magic“ Johnson über Scott Skiles bis hin zu Steve Smith – in den letzten drei Dekaden des vergangenen Jahrhunderts trugen diverse Legenden das grüne Spartans-Jersey und gehören auch heute noch zu den ganz großen Namen, die der College-Basketball hervorgebracht hat. Dass darüber hinaus mit Jud Heathcote und Tom Izzo in den letzten 40 Jahren nur zwei (!!!) verschiedene Übungsleiter an der Seitenlinie standen, trägt zweifelsfrei zu dem besonderen Standing von Michigan State in der Welt des College-Basketballs bei.

Unter der Regentschaft von Izzo bringen es die Spartys aktuell auf 19 NCAA-Turnierteilnahmen in Folge. Nur die Kansas Jayhawks (27) und Dukies aus Durham (21) weisen momentan eine noch längere Serie auf. Im Gegensatz zu Trainer-Kollegen wie Sean Miller, „Coach K“ oder John Calipari ist Izzo nicht unbedingt dafür bekannt, dass er im Rahmen des umkämpften Recruitings der Top-High School-Talente besonders umtriebig ist. Vielmehr zeugen Namen wie Eric Snow, Zach Randolph, Mateen Cleaves oder Draymond Green von einem bestimmten Spielertypus, der für Izzo entscheidend ist und den Michigan State Basketball seit Jahren charakterisiert.


Letzte Saison 
(33-7, Finale der March Madness)
Die letzte Spartans-Saison stand ganz im Zeichen der historischen Saison von Point Forward Denzel Valentine. Der Ballhandler legte in seiner finalen Spielzeit in East Lansing eine Statline von 19,2 PPG, 7,8 APG und 7,5 RPG auf das NCAA-Parkett. Sein absurd hohes Offensiv-Rating von 127,2 - bei einer Usage-Rate von immerhin 28,4 Prozent – verdeutlicht, dass wir Zeuge einer individuellen Leistung wurden, die Eingang in die College-Basketball-Geschichtsbücher finden wird. Angeführt von ihrem Superstar brachten die Spartans eine sehr gute Saison hinter sich, die mit einer Bilanz von 29-6 endete. Daran anschließend gingen die „Spartys“ als #2-Seed mit hohen Erwartungen in das letztjährige NCAA-Tournament. Doch was dann folgen sollte, dürfte als der vielleicht krasseste Upset aller Zeiten in die Geschichte der March Madness eingehen. MSU ging gegen Außenseiter Middle Tennesse mit 81:90 baden und musste somit – verdientermaßen – bereits nach der ersten Turnierrunde die Segel streichen. Ein unrühmliches Ende für Valentine, Scharfschütze Bryan Forbes und Big Man Matt Costello, die allesamt nach ihrem vierten College-Jahr graduierten.

Kader
Ben Carter (Big, 6'9'', Senior)
Eron Harris (Guard/Wing, 6'3'', Senior)
Gavin Schilling (Big, 6'9'', Senior)
Kenny Goins (Big, 6'6'', Junior)
Lourawls "Tum-Tum" Nairn Jr. (Guard, 5'10'', Junior)
Kyle Ahrens (Guard, 6'5'', Sophomore)
Matt McQuaid (Guard, 6'5'', Sophomore) 
Miles Bridges (Wing, 6'7'', Freshman)
Josh Langford (Guard/Wing, 6'6'', Freshman)
Nick Ward (Big, 6'8'', Freshman)
Cassius Winston (Guard, 6'1'', Freshman)

Durch die Abgänge von Deyonta Davis, Denzel Valentine, Matt Costello, Bryan Forbes, Javon Bess und Marvin Clark muss Michigan State auf einen Streich fünf der sechs effektivsten Scorer ersetzen. Im Speziellen der Abgang von Starspieler Valentine wird selbst im Kollektiv nur schwer aufzufangen sein. Schmerzhafte Abgänge auf der einen Seite, massive Talentinfusion auf der anderen. Mit Miles Bridges, Josh Langford, Cassius Winston und Nick Ward überzeugte Coach Izzo gleich vier Top-40-Rekruten (ESPN Ranking) davon ihre Immatrikulation in East Lansing einzureichen. Eine solche Recruiting-Klasse sahen die Spartans-Anhänger bislang noch nie.


Starting Backcourt
Lourawls "Tum-Tum" Nairn Jr., Eron Harris
Nach dem Abgang von Valentine, der in den vergangenen beiden Jahren den de-facto Point Guard mimte, klafft im Backcourt der Spartans eine große Playmaker-Lücke. „Tum Tum“ Nairn blieb in der Vergangenheit den Beweis schuldig, dass in ihm mehr als nur ein halbwegs brauchbarer Back-up-Ballhandler steckt.

Der kleine Guard ist mit seiner Schnelligkeit und Dynamik zwar durchaus eine Waffe, aber desolate Quoten aus dem Dreierbereich (2015/16: 18,8% 3FG) sowie unterdurchschnittliches Finishing am Ring (45,7% FG@Rim) tragen dafür Sorge, dass der Junior nicht der Dreh- und Angelpunkt im Angriff sein sollte. Nicht auszuschließen, dass Izzo im Laufe der Saison Nairn aus der Startformation nimmt und dafür Top-Freshman Winston die Rolle des primären Ballhandler einnimmt.

Als einziger Vorjahres-Starter meldet sich Eron Harris wieder zurück zum Dienst. Sein offensiver Output sollte – und muss – in dieser Saison deutlich größer ausfallen. Neben Miles Bridges wird Harris in erster Linie als Scorer gefragt sein, der sowohl für Shooting vom Flügel sorgt (2015/16: 43,8% 3FG) als auch durch seine Dribble Drives den Korb attackieren kann.

Starting Frontcourt
Miles Bridges, Kenny Goins, Nick Ward

Eigentlich sollten die beiden Big Men Gavin Schilling und UNLV-Transfer Ben Carter für die nötige Power im Spartans-Frontcourt sorgen, doch zwei schwerere Verletzungen später, stehen die Spartans ohne ihre beiden Seniors da. Zu welchem Zeitpunkt der Saison Schilling und Carter in das Geschehen eingreifen werden, steht aktuell noch in den Sternen. Und so muss Izzo gleich zum Saisonstart auf die Produktivität seiner Underclassmen bauen.

Miles Bridges ist es aufgrund seines immensen Talents jedoch zweifelsohne zuzutrauen, dass er von Beginn an als offensiver Go-to-Guy große Offensivlast schultern kann. Bridges teilt sich mit Kansas-Freshman Josh Jackson den Titel als athletischster College-Neuling in diesem Jahr und passt von seiner Spielanlage her perfekt zu Tom Izzo.

Der MSU-Coach liebt Spieler, die auf beiden Seites des Feldes mit Energie, Durchsetzungsvermögen und Power überzeugen. Doch Bridges ist noch weitaus mehr als ein reiner Athletik-Freak. Zwar kommen seine athletischen Vorzüge besonders in Transition-Situation zu tragen, aber Bridges weiß auch im Halbfeld zu gefallen. In den ersten Preseason-Spielen zeigte sich, dass der Frosh ein variabler Ballhandler ist, der nicht nur mit beiden Händen zum Dribbling ansetzen kann, sondern auch ein fähiger Passgeber ist.

Durch die Verletzungen von Schilling und Carter rutsch Junior Kenny Goins in die Startformation. Der kraftvolle Big deutete in seinem zweiten College-Jahr an, dass er ein brauchbarer Rotationsspieler sein kann. In der Offensive lebt Goines von Durchsteckern und Lob-Anspiele seiner Teamkameraden, die er effizient verwertet.

Am defensiven Ende des Parketts überzeugt er durch die „klassischen“ Izzo-Tugenden Physis und Härte, wodurch er zu den besten Defensiv-Rebounder im letztjährigen Team zählte (11,3 Rebounds auf 40 Minuten). Es ist jedoch auch nicht auszuschließen, dass Izzo mit einer kleineren Aufstellung starten möchte und Bridges als „Smallball-Vierer“ neben Ward aufläuft. Letztgenannter ist ebenfalls neu am MSU-Campus und soll die Verluste von Deyonta Davis und Matt Costello auffangen. Aufgrund seiner guten Mobilität und Sieben-Fuß-Armspannweite nimmt Ward als prädestinierter Ringbeschützer eine wichtige Rolle ein.

Bank
Cassius Winston, Josh Langford, Matt McQuaid, Kyle Ahrens, Ben Carter, Gavin Schilling

Neben Miles Bridges ist Josh Langford der zweite Top-20-Rekrut, der ab diesem Jahr für MSU auf Körbejagd gehen wird. Der Flügelspieler besitzt mit einer Körpergröße von 6‘6“ die idealen Maße für einen Flügelspieler. Ähnlich wie Bridges besticht auch Langford mit einer hervorragenden Mischung aus Athletik und Kraft, die es ihm auf High School-Niveau problemlos erlaubte den Korb zu attackieren. Besonders angetan zeigte sich Coach Izzo bislang von den defensiven Fertigkeiten seines neuen Combo-Guards, der „drei, vier Positionen gleichermaßen gut checken kann.“

Als designierter Shooting-Experten im Spartans-Kader tut sich Sophomore Matt McQuaid auf. In seinem ersten Jahr versenkte der Guard in begrenzter Einsatzzeit 40,9 Prozent seiner Dreipunktewürfe. Obwohl die Backcourt-Rotation von MSU üppig besetzt ist, wird McQuaid einen deutlischen Anstieg seiner Minuten sehen. Effizientes Shooting und beherzte Perimeter-Defense werden von Izzo geschätzt.

Mit Cassius Winston holte sich Tom Izzo einen Point Guard der klassischeren Bauart nach East Lansing. In den Preseason-Spielen offenbarte der Aufbauspieler sein gutes Spielgefühl und die Fähigkeit eine gegnerische Defensive zu lesen und den Ball zu den richtigen Spots zu bewegen.

Die X-Faktoren im diesjährigen Spartans-Team sind die Frontcourt-Spieler Schilling und Carter. Wenn fit, bringen beide Jungs Fähigkeiten mit, die von MSU dringend gebraucht werden. Graduate Senior Carter ist ein mobiler Big, der in der Defensive für Shotblocking sorgt und im Angriff dank eines guten Wurfes das Spielfeld breit macht. Schilling hingegen ist der athletische Rimrunner und eint die traditionellen „Spartans-Skills“ auf sich.


Coach
Der Name Tom Izzo ist weit über die Grenzen des College-Basketballs hinaus bekannt. Wie kaum ein anderer Trainer in der NCAA ist Izzo mit seiner Universität verbunden und pflegt auch mit seinen Spielern eine Beziehung, die von nahezu allen EX-MSU-Spielern als eine Art „Vater-Sohn“-Verbindung bezeichnet wird.

Stil 
Normalerweise steht MSU-Basketball für klare Attribute: Rebounding, Härte, Uneigennützigkeit und Effizienz. Tom Izzo verlangt von seinen Schützlingen in der Verteidigung stets vollen Einsatz und verabscheut kaum eine Sache mehr als zweite Abschlüsse für den Gegner. Die Spartans befanden sich in den vergangenen zehn Jahren neun Mal in der Top-30 der effizientesten Defensiv-Teams und stehen mittlerweile als Synonym für fokussierte und harte Team-Defense.

Im Angriffsspiel variieren die Spartans gerne zwischen konsequentem Fastbreakstil und bewegungslastiger Halbfeld-Offensive. Tom Izzo ist ein großer Anhänger von teamdienlichem Basketball, sodass simple Isolation-Plays kein integraler Bestandteil seines Playbook sind. In dieser Saison wird es spannend sein zu sehen, wie Izzo die individuellen Fähigkeiten seiner jungen Schützlinge in eine funktionierende Team-Offensive integriert. Mit Bridges als Power Forward kann in der Offensive das Spielfeld breitgezogen werden und eine ganze Armada an fähigen Perimeter-Slashern und –Schützen zeitglich auf dem Parkett stehen.


NBA Kandidaten
Dass Miles Bridges in die Fußstapfen von Deyonta Davis tritt und als nächster „Sparty“ East Lansing bereits nach einem NCAA-Jahr in Richtung NBA verlässt, scheint bereits eine sichere Wette zu sein. Rein körperlich befindet er sich schon auf NBA-Niveau und im Gegensatz zu jemanden wie Jaylen Brown erscheint auch das Spielverständnis und die Playmaking-Fähigkeiten des Talents ausgereift zu sein. Sollte Bridges auch seinen Sprungwurf auf einem konstant guten Level treffen, dürfte ein Pick in der Lottery ziemlich wahrscheinlich sein. Eron Harris könnte als Scorer in seiner finalen NCAA-Saison noch für Werbung in eigener Sache werben, während Josh Langford als Two-Way-Guard über NBA-Talent verfügt.

BBL Kandidaten
Gavin Schilling gilt als ganz heißer Kandidat für ein späteres Engagement in der BBL. Der deutsche Junioren-Nationalspieler kann mit einer guten Mischung aus Athletik und Robustheit überzeugen, und ist sowohl als entschlossener Rebounder als auch sprunggewaltiger Finisher in Korbnähe zu gebrauchen. Dass er über einen deutschen Pass verfügt, macht ihn für BBL-Teams nur noch attraktiver.

Prediction
Es fällt aktuell schwer eine valide Aussage über das Leistungsvermögen der Spartans zu treffen. Diverse Verletzungssorgen und ein personeller Umbruch machen die „Spartys“ zu einem „Boom-or-Bust“-Team in der Big Ten. Noch nie zuvor stand Coach Izzo eine dermaßen talentierte Recruiting-Klasse zur Verfügung. Doch selten zuvor musste der Hall-of-Famer auch einen solchen personellen Aderlass hinnehmen. Die Verletzungen von Schilling und Carter dünnen die ohnehin schwache Frontcourt-Rotation noch weiter aus, sodass Jungs wie Bridges und Ward vom ersten Tag an gefordert sein werden. Die Spartys sind jung, athletisch und variabel – kaum ein anderes Team verfügt über eine solche Fülle an Combo-Guards und Flügel-Spieler.

Wenn die Jungspunde um Ward, Bridges und Langford einen guten Start in die College-Saison erwischen, dann könnte die Rückkehr von Schilling und Carter zu einem späteren Zeitpunkt für weiteren Auftrieb sorgen. So oder so – auf Tom Izzo war in den vergangenen Jahrzehnten immer Verlass.

Wichtige Spiele
Freitag, 11.11. vs. Arizona
Dienstag, 15.11. vs. Kentucky
Battle 4 Atlantis Tournament, 23.11.-25.11. vs. St. John's, VCU/Baylor, Louisville/Wichita State
Dienstag, 29.11. @ Duke
Samstag, 21.01. @ Indiana
Dienstag, 24.01 vs. Purdue
Samstag, 18.02. @ Purdue
25.02./26.02. vs. Wisconsin