10 November 2016

10. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
1971 begann die 30 Jahre währende Ära von Danny Crum als Trainer. In dieser Zeit stieg Louisville zu einem der Power Houses der NCAA auf. Höhepunkte waren die Titelgewinne 1979 und 1986, sowie weitere vier Final Four Teilnahmen. Als Nachfolger wurde 2001 Rick Pitino präsentiert. Pitino hatte zuvor vier Jahre die Boston Celtics trainiert und brisanterweise davor die Kentucky Wildcats, den Rivalen schlechthin, gecoacht. Doch spätestens mit der ersten Final Four Teilnahme 2005 war dieser Fakt bei den meisten Fans in den Hinterkopf gerückt. 2012 und 2013 konnten die Cardinals zwei Mal in Folge das Finalwochenende erreichen und 2013 sogar die Meisterschaft erringen.

Letzte Saison 
(23-8, selbsterklärter Verzicht auf Postseason)
Wenige Wochen vor dem Saisonstart stand Louisville in den Schlagzeilen, da eine Frau in ihrem kurz zuvor veröffentlichten Buch behauptete, Louisvilles Coaching Staff hätte Highschool Rekruten und  Spieler mittels ihres Escort Services manipuliert. Die ganze Saison über blieb dieser Skandal an der Tagesordnung und bestimmte die Berichterstattung. Im Februar kam dann für den aktuellen Kader die nicht leicht zu verkraftende Nachricht, dass die universitätseigene sportliche Leitung, einen selbst auferlegten Bann für eine mögliche Postseason Teilnahme verhängen würde, um der NCAA zuvor zu kommen. Besonders für die Graduate Transfers Damion Lee und Trey Lewis war diese Nachricht bitter, da beide extra nach Louisville gekommen waren, um sich ihren Traum vom Big Dance zu erfüllen. Obwohl keiner der Spieler des Kaders in die Vorwürfe einbezogen war, wurde einem talentierten Team die Chance auf einen tiefen Tournament Run genommen. Die beteiligten Akteure verweilen längst in der NBA oder in Europa.


Kader
Tony Hicks (Guard, 6'2'', Senior)
Mangok Mathiang (Big, 6'10'', Senior)
Jaylen Johnson (Big, 6'9'', Junior)
Anas Mahmoud (Big, 7'0'', Junior)
Quentin Snider (Guard, 6'2'', Junior)
Matz Stockman (Big, 7'0'', Junior)
Deng Adel (Wing, 6'7'', Sophomore)
Donovan Mitchell (Guard, 6'3'', Sophomore)
Raymond Spalding (Big, 6'10'', Sophomore)
V.J. King (Wing, 6'6'', Freshman)

Die Graduate Transfers der vergangenen Saison sind nicht mehr im Kader, was für die Freshmen der vergangenen Saison wesentlich mehr Verantwortung bedeutet. Da diese jedoch in der vergangenen Saison allesamt ihre Potential andeuten konnten und mit jedem Saisonmonat einen weiteren Entwicklungssprung hinlegten, dürfte die Staffelübergabe zum richtigen Zeitpunkt stattfinden. Mit Tony Hicks befindet sich auch in diesem Jahr ein Graduate Transfer in Reihen der Cardinals. Die Rückkehr von Defensivanker Mangok Mathiang wird sich ebenfalls positiv bemerkbar machen.

Starting Backcourt
Quentin Snider, Donovan Mitchell

Quentin Snider und Donovan Mitchell bilden einen typischen Louisville Backcourt, der vor Athletik und Schnelligkeit strotzt. Snider konnte sich als Sophomore deutlich steigern, was Spielkontrolle und Wurfauswahl betrifft. Den Sommer soll er dazu genutzt haben, weiter seinen Wurf zu stabilisieren. Zwar fiel der Dreier schon der vergangenen Saison statitistisch zu einer hohen Quote, dennoch wirkte die Technik nicht konstant.

Kann Snider nun noch defensiv eine Schippe drauflegen und ein besseres Gespür für Steals entwickeln, würde ihm das so manches Foul ersparen und viele Fastbreak Punkte einbringen. In dieser Hinsicht wusste Donovan Mitchell bereits als Freshman zu überzeugen. Mitchell ist wie einige andere Mitspieler ein heißer Breakout-Kandidat.

Der sprunggewaltige Guard ist defensiv eine Pest, da er alle Anlagen mitbringt, die ein guter Verteidiger in sich vereinen sollte. Mitchell ist schnell auf den Füßen, reaktionsschnell, hat lange Arme, viel Biss und den bulligen Körper, um mehrere Positionen zu verteidigen. Nach seinem ersten Lehrjahr sollte er vor allem in der Presse noch mehr Schrecken verbreiten.

Offensiv konnte sich Pitinos Lieblingsschüler auch kontinuierlich steigern. Zwar fehlen ihm manchmal noch das Ballhandling und der Wurf, um effizient scoren zu können, doch an beiden Schwächen arbeitete Mitchell und konnte bereits klar erkennbare Fortschritte verzeichnen.

Starting Frontcourt
Deng Adel, Jaylen Johnson, Mangok Mathiang

Länge, Größe und Athletik sind die wichtigsten Schlagwörter, wenn man sich über den Frontcourt der Cardinals unterhält. Doch auch Begriffe wie Talent, Potential und Breakout-Saison sollten fallen. Denn alle drei aufgeführten Namen sollten in der kommenden Saison einen gewaltigen Satz in der Entwicklung hinlegen.

Deng Adel verpasste verletzungsbedingt als Freshman einen Teil der Saison und brauchte anschließend einige Spiele, um seinen Rhythmus zu finden. Doch diese wenigen guten Spiele reichten bereits aus, um erkennen zu lassen, wie wichtig Adel in der kommenden Saison sein wird. Adel ist ein vielseitiger Spieler und kann durchaus als Point Forward agieren.

Der Australier verfügt über das Ballhandling und die Übersicht, um Pick & Rolls als Ballhandler zu initiieren. Physisch ist der Wing ebenfalls sehr weit entwickelt für einen Sophomore, weshalb er in der Zone und über zumeist kleinere Gegenspieler relativ hochprozentig abschließen kann. Nur in seinen Wurf muss Adel ein wenig Konstanz reinbringen.

Auf der Vier hat sich Jaylen Johnson als Hustler und Energizer bewährt. Pitino lässt ihn gerne starten, um mit der richtigen Aggressivität auf dem Feld in eine Partie zu gehen. Johnson ist ein exzellenter Rebounder und Verteidiger, der sich offensiv einen passablen Wurf angeeignet hat und somit an beiden Enden des Feldes als Unterstützung dient.

Bei Mangok Mathiang predigt Pitino seit nun fast einem Jahr, dass er seinen Big Man behutsam zurück auf das Parkett führen will. Nach seinem Fußbruch musste Mathiang operiert werden und ist nun seit wenigen Wochen wieder im Mannschaftstraining. Pitino erwartet jedoch im ersten Saisonmonat noch nicht viel von seinem Big Man. Der Center muss erst für die wichtigen Spiele fit werden und dort dann in der Lage sein, die Defense zu orchestrieren.


Bank
Tony Hicks, V.J. King, Raymond Spalding, Anas Mahmoud, Matz Stockman

Da Pitino gefallen an den Free Agents der NCAA gefunden hat, bekommt dieses Jahr Tony Hicks die Chance, als Graduate Transfer für Furore zu sorgen. Pitino attestierte ihm bereits einen ähnlichen Speed, wie ihn seinerzeit Peyton Siva auf dem Parkett demonstrieren konnte. Allerdings wisse Hicks noch nicht so recht, wie er seine Schnelligkeit einbringen könne, was auch der Guard selber momentan einräumt. Sobald Hicks sich jedoch mit der Gesamtschnelligkeit des Teams arrangiert hat, könnte er in der Conference Saison oder im März eine weitere gefährliche Option im Backcourt sein.

Freshman V.J. King erhält hinter den starken Sophomores auf seiner Position die Gelegenheit, sich in aller Ruhe an seine neue Umgebung und den neuen Stil zu gewöhnen. King passt genau in Pitinos Beuteschema. King ist athletisch, kann verteidigen und in Transition scoren. Bestätigt er die guten ersten Trainingseindrücke während der Saison, ist sogar eine größere Rolle für ihn drin.

Das größte Potential aller Spieler des Kaders hat aber zweifelsohne Raymond Spalding. Spalding hat nicht nur den perfekten Basketballnamen, sondern auch ideale körperliche und athletische Anlagen. Der Wuschelkopf ist trotz seiner Größe extrem schnell auf den Beinen und übersprintet selbst die schnellsten gegnerischen Guards. Zudem hat er endlos lange Arme und irrsinnig schnelle Reflexe, die ihm vor allem defensiv zu Gute kommen.

In der Presse der Cardinals spielt Spalding daher eine entscheidende Rolle. Körperlich muss er sicherlich noch deutlich zulegen, da er im Moment einfach zu dürr ist, um sich in der Zone durchsetzen zu können. Offensiv beweist er mit seinen Pässen gutes Spielgefühl, allerdings fehlen ihm noch Ballhandling und Wurf, um an diesem Ende des Courts genauso wichtig zu sein wie in der Verteidigung. Das Potential zum Lottery-Pick ist jedoch vorhanden.

Anas Mahmoud wird starten, solange Mangok Mathiang noch nicht vollends genesen und integriert ist. Doch selbst darüber hinaus ist der Ägypther immer ein Kandidat für die erste Fünf. Er ist der offensiv begabteste Big des Kaders, was er mit seiner hervorragenden Fußarbeit im Lowpost und seinem weichen Handgelenk immer wieder unterstreicht. Manchmal fehlen ihm jedoch die Entschlossenheit und der letzte Biss, was schade ist, da er einer der dominantesten Bigs der ACC sein könnte. Defensiv lebt Mahmoud von Länge und Beweglichkeit, ist aber kommunikativ noch nicht auf der Stufe eines Mathiangs anzusiedeln. Der Norweger Matz Stockman verleiht der Big Man Rotation Tiefe.

Coach
Rick Pitino gehört zu den aktiven Coaching Legenden. Sein Feuer und die aggressive Spielweise, die er praktizieren lässt, gehören zu seinen Markenzeichen. Er gehört zu den wenigen College Coaches, die in der Lage sind, Spieler über vier Jahre auf mehreren Dimensionen auszubilden und sie zu besseren Spielern zu machen.

Dennoch ist und bleibt die Frage, welche Schuld Pitino an dem Skandal trägt. Selbst wenn er nichts von dem Geschehen wusste, hat er seine Aufsichtspflicht verletzt, wofür er von der NCAA auch mit einem Verweis versehen wurde. Welche Konsequenzen das für ihn haben wird und ob er vielleicht sogar gesperrt wird, wird sich erst in den kommenden Monaten herauskristallisieren.

Stil
Getreu dem Credo "Defense wins Championships" setzt Pitino hier den Hebel beim Coaching an. Die Cardinals vollführen eine einzigartige Form der Matchup-Zone, die für den Gegner sehr komplex zu durchblicken ist und eigentlich nur bei häufiger auftretenden Kommunikationsproblemen zu knacken ist. Während eines Angriffs wechseln die Cardinals mehrfach zwischen Mannzuordnung und einer 2-3-Zonenaufstellung, abhängig von den Aktionen der Offense.

Zudem pressen die Cardinals sehr intensiv und erschweren oft schon den Einwurfpass. Ihr Ziel ist es, in solchen Situationen zwei, drei demoralisierende 6-0-Runs pro Spiel zu erreichen, um am Ende einen knappen Vorsprung über die Ziellinie zu retten.


NBA Kandidaten
NBA Talent ist im Kader der Cardinals erneut massig vertreten. Speziell Donovan Mitchell und Raymond Spalding sind zwei Namen, die sich NBA Fans merken sollten. Während es bei ersterem durchaus realistisch ist, dass er sich vorzeitig zum Draft anmeldet, wird bei Spalding vor allem die physische Entwicklung darüber entscheiden, wann er den Sprung wagen sollte. Deng Adel und Mangok Mathiang sind weitere potentielle NBA Spieler.

BBL Kandidaten
Bei Mathiang werden die NBA Clubs aber vielleicht etwas zurückschrecken, da Bigs mit Fußproblemen selten gern gesehen sind. Zudem ist Mathiang offensiv eher limitiert, weshalb ihm das zusätzlich verlorene Jahr noch stärker anzumerken sein dürfte. Für europäische Teams könnte der Australier als Stabilisator in der Defense jedoch einen Versuch wert sein.

Prediction
In der vergangenen Saison wurde den Cardinals sportlich wenig Beachtung geschenkt, obwohl sie mit jedem Monat besser wurden und so manches Topteam schlagen konnten. Doch gerade als sie als mögliches Dark Horse für das NCAA Tournament gehandelt wurden, kam die Nachricht von der Postseason Sperre, die dann allen Diskussionen in dieser Hinsicht einen Riegel vorschob.

In diesem Jahr sollte Louisville jedoch in jedem Fall ab dem ersten Tag als Kandidat für das Final Four zumindest in derartige Überlegungen einbezogen werden. Das Team hat Talent und passt hervorragend zum Stil von Pitino. Der eingespielte und hoch veranlagte Nucleus wurde um interessante Neuzugänge und Rückkehrer verstärkt, sodass Louisville tatsächlich in der Lage sein sollte, jedes andere NCAA Team zu besiegen. Im März werden dann die Nerven des relativ unerfahrenen Teams Auskunft über die Tiefe des Tournament Runs geben. Der überaus brutale Spielplan sollte dabei helfen, die notwendige Erfahrung auf höchstem Niveau zu sammeln.

Wichtige Spiele
Battle 4 Atlantis Tournament, 23.11.-25.11. vs. Wichita State/LSU, Michigan State/VCU/Baylor
Mittwoch, 30.11. vs. Purdue
Mittwoch, 21.12. vs. Kentucky
Mittwoch, 28.12. vs. Virginia
Samstag, 31.12. @ Indiana
Samstag, 14.01. vs. Duke
Montag, 06.02. @ Virginia
Samstag, 11.02. vs. Miami
Montag, 13.02 @ Syracuse
Mittwoch, 22.02. @ North Carolina
Sonntag, 26.02. vs. Syracuse