11 November 2016

11. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von TORBEN ADELHARDT @Torben41

History
Kaum ein Name besitzt in der Welt des College-Basketballs eine größere Strahlkraft als jener der Kentucky Wildcats. Die meisten NCAA-Tournament-Teilnahmen, „Sweet Sixteen“ sowie „Elite Eight“-Auftritte und die zweitmeisten NCAA Titelgewinne aller NCAA-Teams. Lediglich die UCLA Bruins können eine erfolgreiche Historie als Wildkatzen aus Lexington aufweisen. Doch im Gegensatz zu den Bruins aus Kalifornien fanden diese Errungenschaften nicht exklusiv im letzten Jahrhundert statt. Besonders in der John Calipari-Ära, die im Jahr 2009 ihren Anfang fand, gehören die Wildcats zu der absoluten NCAA-Elite. Selbst den größten College-Basketball-Skeptikern sind die Wildcats und john Calipari ein Begriff. Denn keine andere Universität brachte in den letzten Jahren mehr NBA-Talente hervor. John Wall, Eric Bledsoe, Brandon Knight, DeMarcus Cousins, Anthony Davis, Michael Kidd Gilchrist, Nerlens Noel, Karl Anthony Towns, Devin Booker, Terrence Jones, Willie Cauley-Stein, Julius Randle – allein diese zwölf Ex-Wildcats, die in den letzten sechs Jahren in Lexington spielten, würden heute ein formidables NBA-Team darstellen (Okay, etwas wenig Shooting auf dem Flügel – aber sonst…).

Letzte Saison 
(27-9, Second Round der March Madness)
Nachdem die vielleichte talentierteste Kentucky-Mannschaft aller Zeiten mit einer Bilanz von 38-1 und einer Niederlage im Final Four gegen die Wisconsin Badgers ihr Ende fand, – sieben Spieler meldeten sich zur NBA Draft 2015 an – wurde vom letztjährigen Team keine Wunderdinge erwartet. Mit Isaiah Briscoe, Jamal Murray und Skal Labissiere debütierten zwar drei neue Fünf-Sterne-Rekruten für die Wildcats, aber das Loch im Frontcourt, das Trey Lyles, Karl-Anthony Towns, Dakari Johnson und Willie Cauley-Stein hinterließen, war einfach zu groß. Sophomore Tyler Ulis, Flügel-Shooter Murray und Briscoe bildeten ein offensiv-potetentes Trio. Dass Big Man Skal Labissiere zu keinem Zeitpunkt der Saison sein Potential abrief, sorgte jedoch für eine zu große Imbalance im offensiven Inside-Out-Spiel. Dribble-Drive-Motion Offense in aller Ehren, aber den Wildcats mangelte es einfach an einer Scoring-Waffe am Zonenrand. Mit einer Bilanz von 13-5 in der SEC teilten sich die Wildcats den Conference-Titel mit den Aggies aus Texas. Dass sie gegen Texas A&M aber zumindest im SEC-Tournament-Finale gewannen, war wie Salbe auf die geschundene Seele der erfolgsverwöhnten Wildcats-Anhängerschaft. Im NCAA-Tournament siegten die Wildcats als #4-Seed in der ersten Runde noch über Stony Brook bevor gegen die Hoosiers in der darauffolgenden Runde bereits Schluss war.

Kader
Dominique Hawkins (Guard, 6'0'', Senior)
Derek Willis (Big, 6'9'', Senior)
Isaiah Briscoe (Guard, 6'3'', Sophomore)
Isaac Humphries (Big, 7'0'', Sophomore)
Edrice "Bam" Adebayo (Big, 6'10'', Freshman)
De'Aaron Fox (Guard, 6'3'', Freshman)
Wenyen Gabriel (Big, 6'9'', Freshman)
Sasha Killeya-Jones (Big, 6'10'', Freshman)
Malik Monk (Guard, 6'3'', Freshman)
Tai Wynyard (Big, 6'10'', Freshman)


Eine ganze Menge ist - wie immer - neu. Sieben Spieler haben Lexington verlassen und fünf junge Talente sind dafür neu an Board. Als weiterer Bonus wird Tai Wynyard in der kommenden Saison sein Debüt im Trikot der Kentucky Wildcats feiern. Auf den großen Positionen, im letzten Jahr noch zweifelsohne die Achillesferse der Wildkatzen, gibt es plötzlich ein Überangebot. „Bam“ Adebayo wurde von ESPN als #5-Overall-Prospect geranked und auch die anderen beiden Bigs, Wenyen Gabriel (19) und Sacha Killeya-Jones (24), gehören zu den höchst gehandelten neuen College-Spieler.

Starting Backcourt
Lourawls "Tum-Tum" Nairn Jr., Eron Harris

Der Kentucky-Backcourt ist eine Highlight-Maschine auf sechs Beinen. Jeder Spieler besticht durch ausgereifte Ballhandling-Skills, jeder kann seinen direkten Gegenspieler am Perimeter schlagen und alle Jungs eint eine gute bis sehr gute Athletik. De’Aaron Fox wird noch am ehesten die Rolle des nominellen Aufbauspielers zu Teil werden. Der junge Ballhandler überzeugt nicht nur durch einen atemberaubenden Antritt und eine hohe Endgeschwindigkeit, sondern wirkt selbst im höchsten Tempo noch „under control“. Fox ist der ideale Aufbauspieler, um eine Offensive zu leiten, die hohen Wert auf Fastbreaks und Dribble Drives legt. Darüber hinaus genießt Fox einen Ruf als elitärer On-Ball-Verteidiger, der seinem direkten Kontrahenten mit schnellen Händen und Bewegungen das Leben so schwer wie möglich macht. Ihm an der Seite steht mit Malik Monk ein wahres Athletik-Monster. Der Combo-Guard muss zwar noch beweisen, dass er auch über einen respektablen Sprungwurf verfügt und der Gegner ihn nicht nur für seine Cuts und Drives fürchten muss. Unter dem Strich bilden Fox und Monk das athletischste Backcourt-Duo der Nation, das nur schwer von den gegnerischen Verteidigungslinien in Schach gehalten werden kann. Der Dritte im Bunde hört auf den Namen Isaiah Briscoe und ist einer der wenigen Rückkehrer aus dem letztjährigen Team. Im Gegensatz zu Fox und Monk, weiß man im Fall von Briscoe schon wesentlicher genau, was man von ihm erwarten kann – und was nicht. 13,5 Prozent seiner Dreier, 32 Prozent der Feldwürfe aus dem Zwei-Punkte-Land sowie 46 Prozent aller Freiwürfe fanden ihr Ziel. Gruselige Quoten, die auch der Grund waren, warum Briscoe seinen Namen noch von der NBA-Draft Liste nahm. Sein Sprungwurf ist sowohl aus dem Catch-and-Shoot als auch nach dem Dribbling wackeliger als ein Jenga-Turm nach 25 gespielten Runden. Briscoe brauch den Ball in seinen Händen, um Scoring-Gefahr auszustrahlen, da er als Sprungwerfer so gut wie 0,0 Prozent „Gravity“ auf seine Gegenspieler ausübt. Stattdessen kann sein Mann ohne zu zögern absinken und eine aktive Helpside-Defense spielen. Will der Sophomore neben Fox und Monk bestehen, dann muss er dringend an seinem Wurf arbeiten, um auch an der Seite von zwei weiteren balldominanten Athleten zu bestehen.


Starting Frontcourt
Miles Bridges, Kenny Goins, Nick Ward

Derek Willis nahm in der letzten Saison bereits eine prominentere Rolle ein und verfünffachte seine Einsatzzeiten im Vergleich zu seiner Sophomore-Season. Dass er sich die erhöhte Einsatzzeit verdient hat, bewies Willis mit entschlossener Reboundarbeit und effizientem Shooting. Eine 89-prozentige Freiwurfquote sowie eine Dreierquote von 44,2 Prozent zeigen, dass der Big Men über ein softes Wurfgelenk verfügt. In einem Team, das es an Shooting auf den großen Position mangelt, wird Willis auch in diesem Jahr eine große Rolle einnehmen und von den Räumen profitieren, die ihm seine Guards verschaffen. „Bam“ Adebayo floriert in all jenen Bereichen, die nicht unbedingt zu den großen Stärken von Senior Willis gehören. Adebayo kann als althletischer Fünfer den Fastbreak mitlaufen und finisht über Ringniveau auf dominante und spektakuläre Art und Weise. Seine Explosivität und Athletik sind zweifelsohne die ganz großen Pluspunkte, doch Adebayo dürfte auch hin und wieder Bälle am Zonenrand erhalten, wo er seine Gegenspieler entweder überpowern kann oder auch mit Hilfe von kurzen Hook-Shots zum Abschluss kommt. In einem Kentucky-Team, das augenscheinlich nicht über die größten Synergien verfügt, erscheint das Frontcourt-Duo Willis und Adebayo sich hervorragend zu ergänzen.

Bank
Cassius Winston, Josh Langford, Matt McQuaid, Kyle Ahrens, Ben Carter, Gavin Schilling

John Calipari hat bereits angekündigt, dass er mit einer 8 bis 9 Mann starken Rotation spielen möchte. Somit sind die Plätze hinter der Starting-Five heiß begehrt. Isaac Humphries verfügt trotz seiner 18 Jahre bereits über ein Jahr College-Erfahrung. Als ultra-junger Freshman lernte der Australier in der vergangenen Saison schon einmal das Spiel in der NCAA kennen und sammelte wichtige Erfahrungen. Humphries ermöglicht es seinem Trainer auch mit einer großen Aufstellung zu spielen, da er als mobiler Big Man mit gutem Spielverständnis und brauchbaren Passing-Skills auch außerhalb der Zone zu gebrauchen ist. Sacha Killeya-Jones darf nicht nur einen überragenden Namen sein Eigen nennen, sondern auch ein nettes Skillset auf dem Basketballfeld. Mit 2,10 Meter scheint der Big Man nur so über den Platz zu fliegen und ist dabei schon fast grazil. Killeya-Jones ist im Face-Up-Spiel auch effektiv und trifft seine Sprungwüfe bis in die Mitteldistanz hinein. Calipari äußerte bereits die leise Hoffnung, dass sein Freshman mit genug Training zu einem athletischen Stretch-Big Man heranreift. Die NBA wird bei solchen Worten natürlich sehr hellhörig. Ebenfalls gesetzt sein dürfte Wenyen Gabriel. Der Big Man tat sich in den bisherigen Freundschaftsspielen als sehr aktiver Verteidiger hervor, der am eigenen Brett entschlossen zur Sache geht und mit seiner Armspannweite auch in Passwegen wildert. Offensiv ist Gabriel aktuell noch am Anfang seiner Karriere und am besten in direkter Korbnähe aufgehoben. Für Kadertiefe sorgen noch Senior Dominique Hawkins, der Wing-Defense und Athletik auf das Parkett bringt, sowie Frosh Tai Wynyard. Letztgenannter könnte durch die teaminterne Konkurrenz in seiner eigenen Entwicklung ausgebremst werden. Nachdem der Mann aus Neuseeland schon sein erstes Jahr als „Redshirt-Freshman“ aussetzte, könnte es auch in diesem Jahr mit Einsatzzeit eng werden.


Coach
Über John Calipari muss nicht mehr viel gesagt werden. Selbst NBA-Fans ist der Mann ein Begriff. Kein anderer Spieler prägte die „One-and-Done“-Ära so nachhaltig und machte aus Kentucky DIE NBA-Talentschmiede. Dass Calipari zu seinen Spielern eine enge Beziehung auch nach ihrer Karriere in Lexington pflegt, ist gut dokumentiert. Dabei kann der Übungsleiter bei seinen Spielern auch sehr fordernd sein und duldet weder mentale Aussetzer noch Nachlässigkeiten in der Defensive und Offensive. Zu den Trainern mit den dicksten Playbooks der Nation ist Calipari zwar nicht zählen, was jedoch nicht bedeutet, dass er sich auf dem hohen Talentlevel seiner Jungs ausruht. Vielmehr arbeitet der Kentucky-Coach mit seinen Schützlingen akribisch an den entscheidenden Aspekten, die das Wildcats-Spiel in den letzten Jahren so herausragend macht: Helpside-Defense, das Besetzen der Lanes in Transition sowie das richtige Verhalten in Dribble Drives-Situationen.

Stil 
Coach Calipari hat eine klare Vorstellung davon, wie seine Mannschaften Basketball zu spielen haben. Die sogenannte „Dribble Drive Motion Offense“ ist schon in seinen Tagen als Trainer der Memphis Tigers zum Markenzeichen der Calipari-Offensive geworden. Auch im Kontext seines Recruitings lässt sich sein Faible für eine Guard-lastige Offensive erkennen. Derrick Rose, Tyreke Evans, John Wall, Eric Bledsoe und Brandon Knight blüheten allesamt als Ballhandler in der Calipari’schen Offensive auf. In diesem Jahr sind die effektivsten Scorer im Wildcats-Team allesamt Perimeter-Spieler, weshalb Calipari dafür sorgen wird, dass die Guards immer wieder mit ihren Penetrations die Zone attackieren und die restlichen Spieler durch das richtige Lesen der Spielsituation die richtigen Spots besetzen. Generell dürfte aber vor allem ein schneller Spielstil das offensive Bild der Wildcats prägen und so auch etwaige Schwächen in der Offensive (Spot- up sowie Pull-up-Jumpshooting) kaschieren.


NBA Kandidaten
Wie in jedem Jahr, so versammelt sich auch in dieser Spielzeit wieder eine Menge NBA-Talent im Wildcats-Kader. Allen voran die beiden Freshman-Guards De’Aaron Fox und Malik Monk sowie Big Man „Bam“ Adebayo gelten als sichere „One-and-Done“-Kandidaten. Bei den Frontcourt-Spielern Wenyen Gabriel und Sascha Killeya-Jones wird abzuwarten sein, ob sie bereits in ihrem Freshman-Jahr genügend Spielanteile erhalten, um positiv auf sich aufmerksam zu machen. Mit Isaiah Briscoe und Isaac Humphries gibt es noch zwei weitere Spieler im Wildcats-Team, denen perspektivisch der Sprung in die NBA zuzutrauen ist. Wer sich für NBA-Talente interessiert, der ist bei den Spielen der Kentucky Wildcats wie jedes Jahr an der richtigen Adresse.

BBL Kandidaten
Der Senior Derek Willis hat während seiner College-Karriere in Kentucky gezeigt, dass es ihm für ein NBA-Engagement einfach an dem notwendigen Overall-Talent mangelt. Nichtsdestotrotz ist er als mobiler Big Man mit effizientem Outside-Shooting (44% Dreier bei 3,8 Versuchen pro Partie) für europäische Teams ein lohnenswerter Blick.

Prediction
Die Kentucky Wildcats verfügen mal wieder über eines der talentiertesten Teams im College-Basketball und dürften gemeinsam mit den Dukies aus Durham die meisten NBA Draft-Prospects in ihren Reihen wissen. Das Backcourt-Trio bestehend aus Fox, Monk und Briscoe stellt in Sachen Ballhandling, Athletik und Explosivität das Nonplusultra in der NCAA-Saison 2016/16 dar. Auch die Big Men Adebayo, Gabriel und Humphries können ein hohes Spieltempo mitgehen, sodass die Transition-Offense wieder die größte Stärke der Wildcats sein dürfte. Doch wie ist es in der Offense um das Spacing bestellt? Dass die Dribble-Drive Motion Offense ohne Schützen auf den Flügel nur bedingt funktioniert mussten bereits einige Wildcats-Teams in der jüngeren Vergangenheit feststellen. In der Defensive werden die Wildcats auf den Faktor Größe setzen können (vier Spieler mit mindestens 6‘10“) und können dank der Agilität und Athletik ihrer Backcourt- und Frontcourt-Spieler viel switchen und eine aggressive Perimeter-Defense spielen. Das klingt alles vergleichbar mit dem Team aus der Saison 2014/15. Leider ist das gesamte Talent-Level der diesjährigen Mannschaft nicht vergleichbar mit dem Team um Trey Lyles, Devin Booker, Karl-Anthony Towns und Co. Sollten sich Briscoe, Fox und Monk im Backcourt gegenseitig auf den Füßen stehen und die Halfcourt-Offense zum Erliegen bringen, könnte es in diesem Jahr nur minimal besser laufen als vergangene Saison. Der Favorit in der SEC ist Kentucky aber ohnehin und im NCAA-Tournament darf eine Mannschaft, die über solche Athletik und individuelle Klasse verfügt, niemals unterschätzt werden.

Wichtige Spiele
Dienstag, 15.11. vs. Michigan State
Samstag, 03.12. vs. UCLA
Samstag, 17.12. vs. North Carolina
Mittwoch, 21.12. @ Louisville
Samstag, 28.01. vs. Kansas
Samstag, 04.02. @ Florida
Samstag, 25.02. vs. Florida