11 November 2016

11. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Es gibt wenige traditionsreichere Programme in der NCAA als Kansas. Dr. James Naismith, der Erfinder der Sportart, begründete das Basketballprogramm der Universität nach seiner Ankunft. Es folgten Trainerlegenden wie Phog Allen, Larry Brown, Roy Williams oder momentan Bill Self. Gerade in dieser Saison könnten die Jayhawks Geschichte schreiben. Die Jayhawks sind auch diese Saison wieder der Favorit in ihrer Big12 Conference und sollten sie tatsächlich erneut die Conference gewinnen, wäre dies die dreizehnte Meisterschaft in Folge, was den Rekord der UCLA Bruins unter John Wooden einstellen würde. Auch sonst sind die Jayhawks auf vielen All-time-Listen sehr weit oben, oft unter den Top3 angesiedelt (All-time-Wins, Siegquote etc.). Ebenfalls beeindruckend ist die Heimbilanz im Allen Fieldhouse. Seit Selfs Amtsantritt 2003 verloren die Jayhawks beispielsweise nur neun Heimspiele. Sie gewannen also mehr Conference Meisterschaften als sie Heimspiele verloren - eine unfassbare Leistung.

Letzte Saison 
(33-5, Elite Eight der March Madness)
Die Saison startete ungewohnt früh, da Kansas die USA bei den "World University Games" vertreten durfte. Im Finale bezwangen sie die deutsche Auswahl nach Verlängerung. Der Start in die richtige Saison wurde jedoch von der Ungewissheit um Freshman Cheick Diallo überschattet. Eigentlich als nächster talentierter Innenspieler und Hoffnungsträger angesehen, wurde ihm erst verspätet die Spielerlaubnis seitens der NCAA erteilt. Diallo fasste in der gesamten Saison nie wirklich Tritt und blieb daher oft unberücksichtigt. Davon abgesehen verlief die Saison jedoch sehr vielversprechend. Das Maui Invitational Tournament wurde gewonnen und gleich zu Beginn der Big12 Saison konnte die Vormachtsstellung in einem denkwürdigen Spiel gegen Oklahoma gesichert werden. Allerdings folgten in relativ kurzer Zeit drei Niederlagen, weshalb es kurzzeit so erschien, als würde Oklahoma den Streak der Jayhawks beenden können. Ein Sieg über Kentucky im Rahmen der Big12/SEC-Challenge bedeutete jedoch den Umschwung und Kansas verlor bis zum Elite Eight kein weiteres Spiel mehr. Gegen den späteren Champ Villanova fehlte am Ende nicht viel, doch eine dritte Final Four Teilnahme blieb Bill Self verwehrt.

Kader
Landen Lucas (Big, 6'10'', Senior)
Frank Mason (Guard, 5'11'', Senior)
Dwight Coleby (Big, 6'9'', Junior)
Devonte' Graham (Guard, 6'2'', Junior)
Sviatoslav Mykhailiuk (Wing, 6'8'', Junior)
Carlton Bragg Jr. (Big, 6'10'', Sophomore)
Lagerald Vick (Wing, 6'5'', Sophomore)
Udoka Azubuike (Big, 7'0'', Freshman)
Josh Jackson (Wing, 6'8'', Freshman)
Mitch Lightfoot (Big, 6'8'', Freshman)

Nach gefühlten zehn Jahren steht Perry Ellis nicht mehr im Kader der Jayhawks. Speziell in den letzten zwei Jahren war er die erste Anlaufstelle in der Offense und Verlässlichkeit in Person. Mit jedem Jahr wurde sein Spiel vielseitiger und entsprechend schwieriger zu verteidigen für den Gegner. Seine Erfahrung wird dem Team fehlen. Josh Jackson ist jedoch nicht die schlechteste Option als Ersatz. Der Allrounder ist ein Anführer und Siegertyp, der nicht viel mit dem gewöhnlichen Freshman gemein hat.


Starting Backcourt
Frank Mason, Devonte' Graham

Schon in der letzten Saison formten Frank Mason und Devonte' Graham ein exzellentes Guard Gespann, das in der kommenden Saison das stärkste der NCAA sein sollte. Die beiden ergänzen sich in ihren Stärken und Schwächen hervorragend und wissen mittlerweile, wie der jeweils andere tickt.

Mason ist der offensivstärkere Spieler. Trotz seiner geringen Körpergröße ist Mason nur sehr schwer am Drive zu hindern und in der Zone sehr effizient beim Abschluss. Dank seines kräftigen Oberkörpers und seines explosiven Absprungs steht er beim Korbleger in der Luft und nimmt Kontakt problemlos auf. Dreipunktespiele sind bei ihm daher die Regel.

Der Distanzwurf ist stark verbessert, weswegen Verteidiger Closeouts nicht zu früh abbrechen dürfen oder sich keinen Sicherheitsabstand im Eins-gegen-Eins mehr leisten können. Außerdem kann er dadurch auch abseits des Balls Gefahr ausstrahlen, was in der kommenden Saison noch wichtiger sein wird.

Graham hält sich im Angriff in der Regel vornehm zurück und überlässt seinem Backcourt Partner die Show. Sein Dreier ist trotzdem enorm gefährlich und Partien wie das Rückspiel gegen Oklahoma sollten jedem Gegner in dieser Hinsicht eine Warnung sein. Doch Grahams Stärke liegt vor allem darin, nichts zu überstürzen und gute Entscheidungen zu treffen.

In der Verteidigung ist Graham für die Spezialaufgaben zuständig. Er legt den gegnerischen Aufbauspieler gerne an die Kette oder kümmert sich um den besten Scorer des Gegners. Tatsächlich kann er trotz seiner eher geringen Größe bis zu drei Positionen verteidigen, weil er smart genug ist, seinem Gegner dessen Lieblingsmoves abspenstig zu machen.


Starting Frontcourt
Josh Jackson, Carlton Bragg Jr., Landen Lucas

Auch wenn der Backcourt das Prunkstück der Jayhawks sein wird und sich Bill Self sogar zu einem Philosophie Wandel bewegen konnte, sind die Starter im Frontcourt allesamt interessante Spieler, die ihren Gegner an den meisten Abenden individuell überlegen sein werden.

Allen voran Josh Jackson hat das Potential zum Star und ersten Pick des kommenden Drafts. Älter als die meisten anderen Freshmen, tritt er auch dementsprechend selbstbewusst auf. Jackson lässt selten Zweifel daran aufkommen, dass er der beste Spieler auf dem Court ist. Inwiefern ihm hier die Umstellung zur NCAA gelingt wird interessant zu beobachten sein.

Doch eigentlich sollte hier keine größeren Probleme entstehen, schließlich ist der Nummer-eins-Rekrut extrem vielseitig veranlagt und kann seinen neuen Mitspielern auf verschiedene Arten helfen. Er reboundet auf einem sehr hohen Niveau, kann in der Defense mehrere Positionen verteidigen und seinen Gegner kaltstellen und ist zusätzlich noch ein explosiver Scorer im Eins-gegen-Eins. Einzig sein Wurf ist noch etwas wackelig.

Carlton Bragg Jr. konnte in der vergangenen Saison nur selten zeigen, was für ein intelligenter Basketballspieler er ist. Besonders seine mäßige Defensive kam ihm oft in die Quere. Nach dem Abgang von Ellis ist Bragg jedoch der einzige Power Forward nach Selfs Geschmack und ist somit gesetzt. Bragg bringt Qualitäten als Passgeber und Scorer mit, kann zusätzlich auch noch beim Rebound zugreifen.

Genau das ist auch die große Stärke von Landen Lucas, der sich in der vergangenen Saison zum Starter mauserte. Durch solide Defense und starkes Rebounding ist er nicht mehr aus der ersten Fünf herauszudenken. Offensiv scheint beim Senior ebenfalls noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein. Ein wenig mehr Selbstbewusstsein in seinen Aktionen sollte die gute Grundausbildung zu Tage fördern.

Bank
Lagerald Vick, Svi Mykhailiuk, Mitch Lightfoot, Dwight Coleby, Udoka Azubuike

Auf den Außenpositionen stehen mit Lagerald Vick und Svi Mykhailiuk zwei Flügelspieler als Backups zur Verfügung. Vick konnte als Freshman kaum nennenswerte Minuten abgreifen, hat sich über den Sommer aber gut entwickelt und sollte nun in der Lage sein, jedes Spiel mindestens zehn Minuten für Entlastung zu sorgen.

Mykhailiuk wartet noch auf sein Breakout Jahr und die Chancen, dass dieser Durchbruch in der anstehenden Saison erfolgt, stehen nicht schlecht. Nebenbuhler Brannen Greene hat sich verabschiedet, Mykhailiuk konnte bei der U20-EM Selbstvertrauen tanken und seine Jugend darf man dabei nicht vergessen. Schließlich ist der Ukrainer vier Monate jünger als Freshman Josh Jackson. Mykhailiuk ist ein vielseitiger Spieler, der besonders als Schütze in dieser Saison eine wichtige Aufgabe übernehmen wird, gleichzeitig aber auch ein guter Passgeber und Verteidiger ist.

Auf den großen Positionen werden sich diverse Kandidaten darum bemühen, Bill Self zu seiner angestammten 3-außen-2-innen-Aufstellung zu zwingen. Udoka Azubuike ist ein Koloss von einem Freshman und der typische Bulldozer am Brett, den Self gerne nutzt. Allerdings muss er sich zunächst daran gewöhnen, dass er seinen Gegenspielern nicht mehr massiv überlegen ist.

Dwight Coleby ist da eher der athletische Big Man, der trotz seiner Muskelberge auch explosiv abspringen und den Ring beschützen kann. Nach einer Knieverletzung und dem Redshirt Jahr in Folge seines Wechsels wird der Bahamaer sicherlich ebenfalls eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigen. Mitch Lightfoot ergänzt die Rotation und bringt Wurfqualitäten mit.

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Coach
Im vergangenen Jahrzehnt gab es wenige Coaches, die erfolgreicher als Bill Self waren. Speziell die Konstanz, mit der Self erfolgreich ist, sticht hervor. Eine der fünf besten Conferences auf ein Dutzend Jahre zu dominieren und mit einer klaren Handschrift zu versehen, ist eine extraordinäre Leistung. Self findet eine gute Mischung aus erfahrenen Spielern, die das Team über eine Saison tragen und in den entscheidenden Momenten pushen, und hochtalentierten Freshmen, die Kansas in der öffentlichen Diskussion halten und spielerische Qualität liefern.

Die einzige Kritik, die ihm bislang gerne mal angeheftet wurde, besteht darin, dass seine Teams etwas altbacken spielen und sehr starr agieren, was so manches frühes Ausscheiden zur Folge hatte. Sollte sich Self hier in der kommenden Saison, wie von ihm selbst angekündigt, tatsächlich anpassen können, würde sich auch diese letzte Kritik erübrigen.

Stil
Normalerweise würden an dieser Stelle kurze Erläuterungen zu den Standard-Plays der Jayhawks folgen. Das High-Low und hohe Pick & Rolls waren und sind vermutlich auch in der kommenden Saison wieder die zentralen Elemente. Doch man darf gespannt sein, wie viel freie Offense und Small Ball man in der nächsten Saison sehen wird. Jackson als Power Forward aufzustellen und sich das Ballhandling von gleich zwei gelernten Aufbauspielern zu Nutze zu machen, würde den Stärken des Teams am ehesten entsprechen und wäre für die wenigsten Teams über 40 Minuten zu verteidigen. Ob dieses Szenario diese Saison länger als die vier Angriffe der letzten Saison eintritt, wird sich bereits in den ersten Saisonspielen zeigen.


NBA Kandidaten
Josh Jackson wird sich mit mehreren anderen Spielern darum knüppeln, als erster Pick im kommenden Draft gezogen zu werden. Anders als Andrew Wiggins vor drei Jahren ist er nicht bloß ein Talent, das über Jahre entwickelt werden muss. Jackson wird sofort dominant in Erscheinung treten und Spiele entscheiden. Das hängt natürlich auch mit seinem Alter zusammen, das ein limitierender Faktor bei der Talentewahl im Juni sein könnte. Frank Mason, Landen Lucas und Devonte' Graham sind gute Basketballer, die das Zeug zu Backups in der NBA haben, doch keine No-Brainer.

BBL Kandidaten
Landen Lucas und Frank Mason werden daher wohl eher in Europa landen. Lucas hat viel Potential und könnte auf europäischem Level durchaus eine Bereicherung für Playoffanwärter sein. Mason müsste sich da schon eher auf das europäische Spiel umstellen, sollte diese Herausforderung auf lange Sicht aber bewältigen können.

Prediction
Bereits in der vergangenen Saison hat nicht viel zur Final Four Teilnahme gefehlt. Auch wenn mit Perry Ellis und Wayne Selden zwei wichtige Spieler als Abgänge zu verkraften sind, sind die Jayhawks ein ernsthafter Titelanwärter. Der Backcourt ist erfahren, eingespielt und ergänzt sich gut. Mit Josh Jackson hat KU nun auch einen Scorer vom Flügel, der gleichzeitig dank hoher Flexibilität viele Aufgaben übernehmen kann. In Anbetracht der schwächeren Big12 sollte daher der dreizehnte Titel in der Conference eine machbare Aufgabe sein.

Im Tournament wird dann tatsächlich viel davon abhängen, wie die Jayhawks ihre Stärken nutzen und ihre Spielweise entsprechend anpassen können. Ohne dominanten Inside Scorer wird Bill Self in dieser Hinsicht Neuland betreten. Da die Jayhawks aber auch in dieser Saison einen unfassbar schwierigen Spielplan abreißen, werden sie kampferprobt ins Tournament gehen.

Wichtige Spiele
Freitag, 11.11. vs. Indiana
Dienstag, 15.11. vs. Duke
Montag, 16.01. @ Iowa State
Samstag, 21.01. vs. Texas
Samstag, 28.01. @ Kentucky
Samstag, 04.02. vs. Iowa State
Samstag, 25.02. @ Texas