07 November 2016

7. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Mit der Ankunft von Fred Hoiberg wurde 2010 die erfolgreichste Ära der Unigeschichte eingeleitet. "The Mayor" lotste diverse talentierte Spieler nach Ames und etablierte ein schnelles, auf Mismatches ausgelegtes System. Viele seiner Rekruten spielen heute in der NBA, Euroleague oder auch in der BBL. Die Cyclones konnten sich seit 2012 für jedes NCAA Tournament qualifizieren, was die längste Serie der eigenen Historie bedeutet. Über das Sweet Sixteen ging es jedoch nie hinaus, womit auch die erfolgreichste bisherige Saison 1999/2000 (32-5 Bilanz und Elite Eight) sowie die Final Four Teilnahme aus den 40ern nicht übertroffen werden konnten. Seit letzter Saison leitet Steve Prohm die Geschicke und ersetzt den zu den Bulls abgewanderten Hoiberg.

Letzte Saison 
(23-12, Sweet Sixteen der March Madness)
Das Erbe von Hoiberg war kein leichtes für Coach Prohm. Schließlich galt es nicht nur, mit einem fremden Team, dem er keine eigenen Spieler hinzugefügt hatte, spielerisch das Optimum herauszuholen. Hoiberg ist eine Institution in Ames und die Euphorie, die seine Person verbreitete, war kaum zu reproduzieren. Zu allem Überfluss hatte Prohm mit einer dünnen Personaldecke zu kämpfen, die durch die Verletzung von Veteran Naz Mitrou-Long nicht weniger spannte. Angesichts dieser Vorzeichen sind die Erfolge der vergangenen Saison noch höher einzuschätzen.

Prohm baute schnell Verbindungen zu den Spielern auf und ließ sich jede Menge einfallen, um sie optimal und ihren Stärken entsprechend einzusetzen. Auch wenn das Final Four für einen Spieler wie Georges Niang sicher ein traumhafter Abschluss einer tollen Collegekarriere gewesen wäre, ist das Erreichen des Sweet Sixteen unter den Gegebenheiten absolut als Erfolg einzuordnen.

Kader
Darrell Bowie (Big, 6'8'', Senior)
Deonte Burton (Wing/Big, 6'4'', Senior)
Merrill Holden (Big, 6'8'', Senior)
Naz Mitrou-Long (Guard, 6'4'', Senior)
Monte Morris (Guard, 6'3'', Senior)
Matt Thomas (Wing, 6'4'', Senior)
Donovan Jackson (Guard, 6'2'', Junior)
Simeon Carter (Big, 6'8'', Sophomore)
Nick Weiler-Babb (Wing, 6'5'', Sophomore)
Jakolby Long (Wing, 6'5'', Freshman)
Solomon Young (Big, 6'8'', Freshman)

Im Sommer wechselten sich Hochs und Tiefs beinahe im Wochentakt ab. Einkalkuliert waren die altersbedingten Abgänge von Abdel Nader, Georges Niang und Jameel McKay - also des kompletten Frontcourts. Die Lücke dort sollte gestopft werden mit Emmanuel Malou, einem sehr vielseitigen Big Man der Schiene Niang. Doch da seine Spielberechtigung in der Schwebe lag, meldete sich Malou zum Draft an. Unmittelbar vor Beginn der Summerleague verletzte er sich. Ob er jemals in der NBA landet, ist ungewiss. Ähnlich lief es bei Freshman Recruit Cameron Lard, der überraschend nicht für das Herbstsemester eingeschrieben war und nun möglicherweise im Frühjahr zum Team stößt - doch auch das ist nicht sicher. Grad-Transfers Darrell Bowie und Merrill Holden sind nach diesem Chaos die ersten Optionen unter den Körben.

Immerhin im Backcourt lief die Offseason besser als erhofft. Mit Donovan Jackson hatte sich Prohm bereits einen Nachfolger für Monte Morris vom Junior College gesichert. Doch Morris entschied sich gegen die NBA und wird nun als Senior in sein viertes Jahr als Cyclone gehen.


Starting Backcourt
Monte Morris, Naz Mitrou-Long, Matt Thomas

Monte Morris zählt bereits seit zwei Jahren zur Point Guard Elite der NCAA und jeder Fan in Ames hätte es nachvollziehen können, wenn er seinem Buddy Georges Niang vorzeitig in die NBA gefolgt wäre. Dass Morris nun doch ein viertes Jahr dranhängt, ist für Prohm der absolute Jackpot.

Morris erfüllt alle Kriterien, die sich ein College Trainer von seinem Aufbauspieler erhofft. Er ist ein Anführer auf dem Feld, der das Tempo diktiert und immer unter Kontrolle spielt. Seine schlechten Entscheidungen lassen sich an einer Hand abzählen. Selten unterlaufen dem Floor General Fehler, was seine extrem starke Assist-Turnover-Ratio (4,3) unterstreicht. Auch wenn er größtenteils darauf bedacht ist, seine Mitspieler in Szene zu setzen, ist Morris mittlerweile auch als Scorer sehr verlässlich unterwegs. Er kann Drives mit Kontakt finishen und auch sein Wurf ist deutlich besser geworden. Speziell der Pullup aus der Mitteldistanz ist nicht zu verteidigen.

Für Naz Mitrou-Long war die vergangene Saison bereits nach nicht einmal acht Spielen beendet. Immerhin wurde ihm ein weiteres Jahr College Basketball seitens der NCAA gestattet, weshalb er seine Senior Saison wiederholen darf. Mitrou-Long ist seines Zeichens ein ausgewiesener Dreierspezialist, der zudem auch der beste Perimeter Verteidiger des Teams bis zu seiner Verletzung war.

Genau hier, in der Defense, konnte sich Shooter Matt Thomas letzte Saison enorm steigern. Wurde er als Sophomore noch gezielt von gegnerischen Mannschaften attackiert, war er letzte Saison in Abwesenheit von Mitrou-Long derjenige, der sich um den besten Guard beim Opponenten kümmerte.

Offensiv ist Thomas ebenfalls stark verbessert. Deutete er in seinen ersten Jahren bereits an, dass er ein guter Werfer ist, konnte er letzte Spielzeit die nötige Konstanz an den Tag legen, um als Scharfschütze bezeichnet werden zu dürfen. Auch einen Pullup nach Wurffinte hat der Senior nun im Repertoire. Als Ballhandler im Pick & Roll kann er Morris ebenfalls vertreten, wenn Not am Mann ist. Seine Entscheidungen sind meist goldrichtig.

Starting Frontcourt
Deonte Burton, Merrill Holden

Wenn es einen Spieler gibt, der Georges Niang und dessen Spielweise ansatzweise ersetzen kann, dann ist Deonte Burton die richtige Adresse. Zwar ist Burton nochmal zehn Zentimeter kleiner als Niang, der gelegentlich als zu klein geratener Small Ball Center verschrien wurde, doch Burton ist in athletischer Hinsicht das genaue Gegenteil zu Niang. Burton ist ein fulminanter Flummi, der jede Woche neue Postermotive liefert.

Burton ist aber nicht nur ein sprungstarker Rebounder und Finisher. Auch im Umgang mit dem Ball hat der Linkshänder einiges auf dem Kasten. Er trifft den Dreier, hat das Ballhandling eines Guards und kann sogar das Pick & Roll als Ballhandler laufen. Prohm wird ihn vermutlich wieder viel im Pick & Pop als Blocksteller einsetzen.

Auf der nominellen Centerposition wird es hingegen spannend zu sehen sein, wer startet und wie sich die Minuten aufteilen. Merrill Holden, Transfer von der Louisiana Tech, ist aufgrund seiner Defensivstärke und seiner Genügsamkeit in der Offense scheinbar die erste Option. Doch auch Darrell Bowie wird Ansprüche anmelden.

Weiß keiner von beiden zu überzeugen, wäre womöglich sogar eine Super Small Lineup mit Burton auf der Fünf und vier Guards eine Möglichkeit, vor der der innovativ denkende Prohm nicht zurückschrecken wird.


Bank
Donovan Jackson, Nick Weiler-Babb, Jakolby Long, Simeon Carter, Solomon Young, Darrell Bowie
Sollte es tatsächlich zu einer solchen Lineup aus vier Guards kommen, wäre Jackson derjenige, der in die Starting Five aufrücken würde. Jackson ist ein Combo Guard, der ursprünglich als Morris Ersatz direkt eine Menge Verantwortung schultern sollte. Doch auch im Gespann mit Morris wird Jackson funktionieren. Zuletzt überzeugte er als Scorer und Shooter, weshalb er auch abseits des Balls spielen kann und von Morris' Präsenz profitieren wird.

Nick Weiler-Babb ist nach einem Redshirt-Jahr bereit zum Angriff. Der ehemalige Arkansas Razorback bringt eine gute Größe mit und verleiht der Rotation auf dem Flügel Tiefe. Coach Prohm äußerte zuletzt sogar, dass Weiler-Babb das meiste NBA Potential unter allen Spielern im Kader verfüge. Dank seiner Physis wird auch er als ein wichtiger Bestandteil einer möglichen 4-Guard-Lineup sein, da er durchaus Bigs im Lowpost verteidigen kann. In seiner Spielweise lassen sich Parallelen zu Bruder Chris (Ulm) erkennen.

Darrell Bowie setzte die letzte Saison aus, um eine Schulterverletzung auszukurieren. Zuvor war er drei Jahre für Northern Illinois unterwegs und konnte als Rebounder einen Starterposten erobern.

Simeon Carter und Solomon Young sind weitere Optionen auf den großen Positionen, allerdings werden sie wohl nur im Notfall das Parkett betreten. Freshman Jakolby Long wird als weiterer Flügelspieler ebenfalls kaum Minuten hinter den etablierten Kräften sehen.

Coach
Steve Prohm konnte in seinem ersten Jahr bei den Cyclones bereits durch exzellentes Krisenmanagement und viel Ideenreichtum überzeugen. Er lässt seinen Anführern auf dem Feld durchaus Freiheiten, schafft es gleichzeitig aber auch, durch geschickte Kniffe, die im ersten Moment gar nicht so sehr auffallen, die Fähigkeiten der Spieler zu optimieren.

Seine Sets sind clever konzipiert und relativ einfach strukturiert. Diese einfachen Strukturen müssen die Spieler jedoch einhalten. Wollen/können sie das nicht, werden sie nicht eingesetzt, wie Jameel McKay in der letzten Saison während seiner Suspendierung leidvoll erfahren musste. Spannend wird es, sobald Hoibergs Spieler tatsächlich alle das Nest verlassen haben und sich Prohm eigene Teams zusammenstellen darf - beziehungsweise muss.

Stil
Das Pick & Pop wird auch ohne Niang als Blocksteller weiterhin fester Bestandteil im Playbook der Cyclones sein. Besonders das Duo Morris-Burton verspricht eine Vielzahl von Optionen und Kopfschmerzen für die Defense.

Besonders gefährlich wird es dieses Jahr dadurch, dass mehr Schützen im Team zu finden sind und durch eine potentielle 4-Guard-Lineup noch mehr Platz auf dem Feld für Penetrations vorhanden ist. Auch das generelle Spieltempo dürfte durch die kleinere Formation deutlich in die Höhe schnellen. Zumal Prohm dieses Jahr auch auf einen tieferen Kader zurückgreifen kann.


NBA Kandidaten
Monte Morris wäre dieses Jahr vermutlich Ende der ersten Runde gezogen worden. Er hat das Potential zum Starter in der NBA, wenn er seinen Wurf weiter stabilisiert. Er vereint Spielübersicht, Passqualitäten und Verständnis im Pick & Roll.

BBL Kandidaten
Matt Thomas und Deonte Burton könnten zwei Namen sein, die BBL Interessenten in dieser NCAA Saison genauer verfolgen sollten. Burton ist für die NBA vermutlich dann doch etwas zu klein, aber in Europa wird er aufgrund seiner Vielseitigkeit und Athletik sicher einen Arbeitgeber finden. Dominique Sutton verzückt in Ulm gerade die BBL mit einem ähnlichen Paket. Thomas fehlen die Schnelligkeit und das Sprungvermögen für die beste Liga der Welt, doch sein relativ komplettes Paket und sein guter Wurf werden in Europa und der BBL Interesse wecken.

Prediction
Trotz des Verlusts des kompletten Frontcourts sind die Cyclones ein spannendes Team, das vor allem über eine Menge Erfahrung verfügt. Sechs Seniors unter den ersten acht Spielern der Rotation sind in der One-and-Done-Ära fast schon rekordverdächtig. Sollte sich Prohm tatsächlich zu einer ultra kleinen Formation durchringen können, darf man auf die Auswirkungen gespannt sein.

Das NCAA Tournament ist spätestens nach der Bekanntgabe der Morris-Rückkehr fest gebucht. Wie weit es dann gehen kann und welche Rolle Iowa State in der Big12 spielen kann, wird davon abhängen, was die Bigs an Produktion liefern. Je unkonventioneller die Cyclones spielen, desto gefährlicher werden sie für ihre Kontrahenten sein.

Wichtige Spiele
AdvoCare Invitational in Orlando, 24.-27.11. vs. Indiana State + evtl. Miami/Stanford, Seton Hall, Gonzaga, Florida
Donnerstag, 01.12. vs Cincinnati
Donnerstag, 08.12. @ Iowa
Samstag, 07.01. vs. Texas
Montag, 16.01. vs. Kansas
Samstag, 04.02. @Kansas
Dienstag, 07.02. @Texas
Samstag, 11.02. vs. Oklahoma
Freitag, 03.03. @ West Virginia