09 November 2016

9. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Tradition wird im Hoosier State groß geschrieben. Legendär sind die Ausfälle von Trainerlegende Bob Knight, der 29 Jahre lang für den Basketball in Indiana stand und Meisterschaften errang, wenn er nicht gerade die Schiedsrichter mit Stühlen bewarf. Umso ernüchternder verliefen die Jahre nach Knight. 2002 erwies sich die Finalteilnahme als Ausrutscher nach oben. Als Tom Crean 2008 sein Amt antrat, fand er nur einen Scherbenhaufen vor und musste praktisch bei Null anfangen. Entsprechend verliefen die ersten drei Saisons, doch in seiner vierten erfolgte schließlich der Turnaround. Als möglicher Meisterschaftsfavorit im Vorhinein identifiziert, stießen die Hoosiers 2012 bis ins Sweet Sixteen vor, das sie in der Folgezeit zwei weitere Male erreichen konnten.

Letzte Saison 
(27-8, Sweet Sixteen der March Madness)
Tom Crean stand vor Saisonbeginn schon ein wenig unter Druck, weil Fans nicht ganz zu unrecht der Meinung waren, dass Crean bis zu diesem Zeitpunkt zu wenig aus seinen Teams herausgeholt hatte und sich die Resultate nicht den hohen Ansprüchen der traditionsreichen Hoosiers genügten. Im Maui Invitational setzte es prompt zu Saisonbeginn gegen eher schwächer einzuschätzende Teams wie Wake Forest und UNLV Niederlagen. Das Gastspiel bei den Duke Blue Devils wurde regelrecht zum Desaster. Duke sezierte die Defense der Hoosiers und dominierte die Partie 40 Minuten lang. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war Creans Trainerstuhl glühend heiß. Es folgte jedoch eine Siegesserie (gegen zugegebenermaßen schwache Gegner) von zwölf Erfolgen. Erst gegen Ende der Big Ten Saison konnten die Hoosiers auch die starken Conference Rivalen besiegen. Im Conference Tournament schieden sie aber schon im Viertelfinale aus, was die Fans wieder in Unruhe versetzte. Der Befreiungsschlag gelang erst in der zweiten Runde des Tournaments, als man Kentucky aus dem Turnier warf. Gegen UNC war im Sweet Sixteen die Defense wieder der Schwachpunkt und verhinderte den Upset-Sieg.

Kader
Collin Hartman (Big, 6'7'', Senior)
James Blackmon Jr. (Guard, 6'4'', Junior)
Robert Johnson (Guard, 6'3'', Junior)
Freddie McSwain (Wing, 6'6'', Junior)
Josh Newkirk (Guard, 6'1'', Junior)
O.G. Anunoby (Wing, 6'8'', Sophomore)
Thomas Bryant (Big, 6'10'', Sophomore)
Zach McRoberts (Wing, 6'6'', Sophomore)
Juwan Morgan (Wing/Big, 6'8'', Sophomore)
De'Ron Davis (Big, 6'10'', Freshman)
Devonte Green (Guard, 6'3'', Freshman)
Curtis Jones (Guard, 6'4'', Freshman)

Yogi Ferrell war vier Jahre lang der Starter auf der Point Guard Position und verkörperte den schnellen, angriffslustigen und manchmal etwas unkontrollierten Offensivbasketball, den Tom Crean bei den Hoosiers installiert hat. Ihn zu ersetzen wird entsprechend schwer. Die vorzeitige Draft Anmeldung von Troy Williams war sicher etwas unglücklich für Indiana, allerdings war er bei weitem kein so guter und wichtiger College Spieler, zu welchem er oft hochstilisiert wurde. O.G. Anunoby und Thomas Bryant sind in dieser Hinsicht wichtiger für die Hoosiers und beiden kehren erfreulicherweise zurück. Die Freshman Class ist solide. Dazu gesellen sich interessante Transfers und James Blackmon Jr. ist wiedergenesen.


Starting Backcourt
Robert Johnson, James Blackmon Jr.

Beide aufgeführten Guards sind keine gelernten Aufbauspieler, doch die braucht es bei den Hoosiers auch nicht zwangsläufig. Zudem sollte den meisten Fans klar sein, dass Ferrell sowieso nicht direkt zu ersetzen ist. Johnson war in den letzten Spielzeiten stets der beste Verteidiger am Perimeter, den das Team aufzuweisen hatte. Mit James Blackmon als Backcourt Partner dürfte Johnson auch in diesem Jahr wieder die Spezialaufgaben aufgehalst bekommen und zusätzlich nun auch den Ballvortrag übernehmen.

Sobald Johnson dann das Setplay initiiert hat, dürfte dann jedoch Defensivallergiker Blackmon das Steuer übernehmen und das Kreieren im Halbfeld übernehmen, sofern dies notwendig wird. Er hat zwar nicht den Speed eines Ferrells, dafür jedoch einen ähnlich guten Wurf. Dank seiner Größe schließt er ordentlich in der Zone ab. Blackmon ist wegen seines weit gefächerten Arsenals kaum vom Punkten abzuhalten und lässt sich selten unter Druck setzen.

Für ihn wird offensiv der Schlüssel darin liegen, die Aufmerksamkeit, die die Defense ihm widmen wird, so zu nutzen, dass auch seine Mitspieler davon profitieren. In erster Linie heißt das, dass er bereit für den Kickoutpass zum freien Mitspieler sein muss.

Starting Frontcourt
O.G. Anunoby, Juwan Morgan, Thomas Bryant

Einer der größten Aufsteiger im Laufe der vergangenen Saison war O.G. Anunoby, der irgendwann kurz vor Conference Saison Beginn seinen Platz in der Rotation fand und sich aufgrund seines Hustle Faktors nicht mehr vertreiben ließ. Obwohl er in der gesamten Saison nur fünf Mal zweistellige Punktzahlen auflegte, war Anunoby vermutlich der Grund für das glimpfliche Saisonresultat. Sogar NBA Scouts wurden auf den Flügelspieler aufmerksam.

In der Tat ist es nicht unfair, von Anunoby eine Breakout-Saison zu erwarten. Die Spielzeit auf dem Flügel ist nach Williams' Abgang auf jeden Fall vorhanden und Anunoby wurde mit jedem Spiel besser. Ihn jetzt schon mit Spielern wie Jimmy Butler oder Kawhi Leonard zu vergleichen, wie es mancherorts getan wird, geht momentan vielleicht noch einen Schritt zu weit, doch gewisse Parallelen sind unverkennbar. Allein Anunobys Feuer und seine körperlichen Voraussetzungen sollten ihm zu gegebener Zeit einen Kaderspot in der NBA sichern.

Juwan Morgan ließ sich in der Offseason an der Schulter operieren, konnte aber in den letzten zwei Wochen wieder mit dem Team trainieren und einen guten Eindruck hinterlassen. Der Sophomore konnte sich ähnlich wie Anunoby ungemein entwickeln im Laufe der vergangenen Saison. Morgan ist ein exzellenter und aggressiver Verteidiger, der mindestens vier Positionen verteidigen kann und offensiv durchaus einen passablen Wurf aufbieten kann.

Thomas Bryants Premierensaison verlief insgesamt ordentlich und sicherlich im Rahmen dessen, was man von ihm erwarten konnte. Will er in die NBA, muss er dringend seine Defense am Perimeter verbessern. Besonders im Pick & Roll fehlt Bryant bislang jegliches Gespür für den richtigen Moment und er wird gerne von gegnerischen Guards düpiert.


Bank
Josh Newkirk, Curtis Jones, Devonte Green, Zach McRoberts, Collin Hartman, Freddie McSwain, De'Ron Davis

Sollten Johnson und Blackmon Probleme bei der Spielgestaltung bekommen, steht mit Josh Newkirk ein gelernter Spielmacher zur Verfügung, der dann auch durchaus in die Starting Lineup rutschen könnte. Newkirk verbrachte zwei Jahre in Pittsburght und dürfte sich trotz des Redshirt Jahres erst noch an den komplett anderen Stil gewöhnen müssen. Besonders für ihn als Point Guard wird das höhere Tempo jedoch langfristig ein Zugewinn sein.

Die Freshmen Curtis Jones und Devonte Green sind die weiteren Optionen im Backcourt der Hoosiers. Jones sollte sich direkt als Scorer in der Offense einbringen können. Zumindest konnte Coach Crean am eigenen Leib erfahren, wie sprunggewaltig Jones ist, als dieser über seinen Coach beim Slam Dunk Contest der Hoosiers dunkte. Green ist hingegen eher ein weiterer potentieller Ballhandler. Zach McRoberts lief als Freshman vor zwei Jahren für Vermont auf und wird diese Saison als Shooter die eine oder andere Minute sehen.

Neben Morgan plagen auch die anderen Forwards im Kader Verletzungsprobleme. Sowohl Freddie McSwain als auch Collin Hartman laborieren an Knieverletzungen. Während McSwain wohl bis Saisonbeginn zumindest wieder ins Training einsteigen sollte und dann als Energizer von der Bank fungieren wird, zittert Hartman um seine Seniorsaison. Der Stretch Vierer verletzte sich im September und wurde umgehend operiert, doch sein Aussichten auf eine Rückkehr sind momentan ungewiss.

De'Ron Davis soll vor allem die Defense der Hoosiers stabilisieren. Seine größte Stärke ist das Shotblocking und er dürfte genügend Gelegenheiten bekommen, um diese Schokoladenseite zur Schau zu stellen. Kann Davis sich tatsächlich als Rimprotector etablieren, wären die Defensivsorgen der Hoosiers direkt deutlich geringerer Natur. Davis besitzt hohes Sleeper-Potential. Ob er genug Spielzeit hinter oder sogar neben Bryant sehen wird, ist hier die entscheidende Frage.

Coach
In der vergangenen Saison konnte Tom Crean mit dem Sieg über Kentucky und dem starken Big Ten Finish vermutlich noch den Hals aus der Schlinge ziehen. Dennoch lastet weiter gehöriger Erfolgsdruck auf den Hoosiers und ihrem Coach. Seit 2002 ging es nicht mehr über das Sweet Sixteen hinaus. Selbst attraktiver, moderner Basketball und vielversprechende Namen unter den Rekruten können Teamerfolg nicht ersetzen. Entsprechend wird Crean, dessen Individualtraining und Spielerausbildung in höchsten Tönen gelobt werden, endlich Wege finden müssen, eine ordentliche Defense auf die Beine zu stellen.

Stil
Offensiv spielen die Hoosiers einen der sehr attraktiven Basketball. Die Guards drücken aufs Tempo, die Flügel sprinten bis zum Kollaps und selbst die Center schießen Dreier. Gelingt das Punkten im Fastbreak nicht, können sich die Hoosiers auch im Halbfeld durch Spacing, Ballmovement und viel Bewegung abseits des Balls guter Würfe gewiss sein.

Das hilft jedoch alles nichts, wenn die Defense löchrig ist. Speziell was Fastbreaks angeht, entgehen den Hoosiers viele Möglichkeiten, weil sie einfach nicht die nötigen Stops generieren, um den Gegner in die Transition Defense zu zwingen.


NBA Kandidaten
O.G. Anunoby wird, sofern alles nach Plan für ihn und die Hoosiers verläuft, nach dieser Saison die Anmeldung zum NBA Draft einreichen und von den NBA Franchises als einer der besten 3-and-D-Spieler mit Potential zu mehr angesehen werden. Ähnliche Wunschvorstellungen könnte Thomas Bryant äußern, allerdings steht hinter der Defense noch ein Fragezeichen - so verlockend sein Dreier und seine Hustle Plays auch sein mögen.

BBL Kandidaten
Da Collin Hartman der einzige Senior im Kader ist und sein gesundheitlicher Zustand noch nicht geklärt ist, was ein Redshirt Jahr und einen somit verlängerten College Aufenthalt wahrscheinlich macht, wird vermutlich kein Hoosier für BBL Teams von Interesse sein.

Prediction
Das Potential im Kader der Hoosiers ist beachtlich und sollte sie zu einem Big Ten Contender machen. Doch das alleine reicht nicht für eine erfolgreiche Saison, die Coach Crean dringend braucht. Viele Faktoren werden das Abschneiden von IU beeinflussen. Zu allererst müssen alle Spieler möglichst schnell wieder fit werden. Besonders auf der Vier herrscht ein kleiner Engpass. Sind alle Spieler fit, müssen sie im zweiten Schritt in der Verteidigung ihre Leistungsgrenze überschreiten und sich verbessern. 

Erst dann können die Hoosiers beruhigt ihre Offense aufziehen, wo es den Wirbel von Ferrell und Williams zu ersetzen gilt, was ebenfalls keine einfache Aufgabe ist. Ein richtiger Aufbauspieler, der im Angriff die Strippen zieht, fehlt. Sich nur auf eine positive Entwicklung von Anunoby und Bryant zu verlassen, wäre nachlässig. Indiana ist vielleicht das Boom-or-Bust-Team schlechthin in der kommenden Saison - keine neue Situation im Hoosier State.

Wichtige Spiele
Freitag, 11.11. vs. Kansas
Mittwoch, 30.11. vs. North Carolina
Samstag, 17.12. vs. Butler
Samstag, 31.12. vs. Louisville
Dienstag, 03.01. vs. Wisconsin
Samstag, 21.01. vs. Michigan State
Sonntag, 05.02. @ Wisconsin
Donnerstag, 09.02. vs. Purdue
Dienstag, 28.02 @ Purdue