09 November 2016

9. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Mark Few geht in seine 18. Saison als Coach der Zags. In jedem Jahr erreichte er bisher das NCAA Tournament und hievte das Programm auf die Ebene nationaler Relevanz. Mittlerweile fällt es schwer, die Bulldogs als Mid-Major-Team anzusehen, da sie mit den großen Namen des College Basketballs locker mithalten können. 2015 war bisher der beste Beleg dafür, als das Team bis ins Elite Eight einziehen konnte und erst am späteren Champ Duke scheiterte. Auch in den NBA Rostern finden sich mittlerweile immer häufiger Absolventen Gonzagas.

Letzte Saison 
(28-8, Sweet Sixteen der March Madness)
Nach dem Verlust des Backcourts der vorangegangenen vier Saisons war eine holprige Übergangszeit eingeplant. Als sich dann aber nach fünf Spielen Starting Center Przemek Karnowksi aufgrund anhaltender Rückenbeschwerden abmelden musste, wurde die Saison ein Ritt auf der Rasierklinge. Erstmals schien die Teilnahme am NCAA Tournament stark gefährdet zu sein. Bis auf einen Sieg gegen Texas A&M (mit Karnowski) wiesen die Zags kaum Quality Wins auf und schienen die Regentschaft der WCC an St. Mary's verloren zu haben. Da also ein at-large-Bid nicht garantiert war, mussten die Zags ihr Conference Tournament gewinnen, um sich der March Madness Teilnahme gewiss zu sein. In einem starken Endspiel konnten sich die Zags tatsächlich gegen St Mary's durchsetzen und das NIT abwenden. Im Big Dance trat Gonzaga dann ganz entspannt auf und fegte am ersten Wochenende Seton Hall und Utah ganz gepflegt vom Parkett. Gegen Syracuse führten die Zags lange Zeit, verloren in der Schlussphase jedoch den Faden.

Kader
Przemek Karnowski (Big, 7'1'', Senior)
Jordan Mathews (Guard, 6'4'', Senior)
Ryan Edwards (Big, 7'1'', Junior)
Silas Melson (Guard, 6'4'', Junior)
Johnathan Williams (Big, 6'9'', Junior)
Nigel Williams-Goss (Guard, 6'3'', Junior)
Bryan Alberts (Wing, 6'5'', Sophomore)
Jeremy Jones (Wing/Big, 6'6'', Sophomore)
Josh Perkins (Guard, 6'3'', Sophomore)
Zach Collins (Big, 7'0'', Freshman)
Rui Hachimura (Wing/Big, 6'8'', Freshman)
Zach Norvell (Guard/Wing, 6'5'', Freshman)
Killian Tillie (Big, 6'10'', Freshman)

Trotz des Verlusts von den drei besten Scorern und zwei NBA Spielern in Domantas Sabonis und Kyle Wiltjer hat Mark Few auch in der kommenden Saison einen hochbrisanten Kader in Spokane versammelt. Vor allem in Sachen Tiefe wird der Kader eine neue Dimension erreichen. Theoretisch könnten alle 13 aufgeführten Spieler wichtige Minuten geben und die Liste berücksichtigt den dänischen Freshman Big Kevin Larsen, der sich Anfang Oktober am Knie verletzte und die Saison ausfällt, noch nicht mal. Die Kunst wird also darin bestehen, schnell ein Kollektiv zu formen und die richtige Minuten-/Rollenverteilung zu finden. Die Mischung aus verbliebenden Spielern, Transfer Additionen und europäischen Talenten ist einzigartig.


Starting Backcourt
Nigel Williams-Goss, Josh Perkins, Jordan Mathews

Nigel Williams-Goss war seine ersten zwei College Jahre lang der Organisator der Washington Huskies, doch aufgrund der fehlenden Struktur in der Offense konnte er seine Qualitäten nie richtig zu Tage fördern. Also entschied sich der Kanadier zu einem Tapetenwechsel und fand in Mark Few genau den richtigen Abnehmer. Williams-Goss ist vor allem im Pick & Roll und als Playmaker für seine Mitspieler ein exzellenter Zugewinn.

Er strahlt Sicherheit im Umgang mit dem Ball aus und kann gleichzeitig eine Defense im Alleingang sezieren. Genau hier lag in der vergangenen Saison oft das Problem. Denn Josh Perkins musste als Point Guard das Spiel aufziehen, was ihm offensichtlich nicht liegt. Perkins ist eher ein Combo Guard, der vor allem als Scorer in Erscheinung tritt.

Insofern dürfte auch er von der Ankunft seines neuen Backcourt Partners profitieren. Nun kann er sich verstärkt auf seine Halbfeldoffense kümmern und sich bietende Lücken der Verteidigung bestrafen. Seine Turnover- und allgemeine Fehlerquote war in der vergangenen Saison immer wieder eine Bedrohung in kniffligen Crunchtime Phasen. Die Suspendierung gleich zu Saisonbeginn ist aber kein verheißungsvoller Start in die Saison.

Jordan Mathews sorgt für das nötige Shooting im Backcourt. Weder Williams-Goss noch Perkins sind konstante Schützen, auch wenn beide durchaus den offenen Wurf treffen können. Mathews ist hingegen fast ein Spezialist. Er macht nichts lieber, als einen Jumper nach dem nächsten einzunetzen. Hat er einmal seinen Rhythmus gefunden, kann er mit selbst schwierigste Würfe versenken und damit Spiele entscheiden. Zudem wird seine Erfahrung aus drei Spielzeit bei den California Golden Bears dem Team Stabilität verleihen.

Starting Frontcourt
Johnathan Williams, Przemek Karnowski

Bereits Williams-Goss war im vergangenen Sommer ein Steal für die Zags, doch die Zusage von Power Forward Johnathan Williams ist vermutlich noch eine Stufe höher anzusiedeln. Williams bewies bei den Mizzou Tigers, wie vielseitig er ist und was für ein Potential in ihm schlummert. Die größte Stärke des athletischen Forwards ist sein Rebounding. An beiden Enden des Feldes bringt sich Williams hervorragend in Position und schnappt sich den Fehlwurf dank seines guten Timings.

Offensiv kann der Linkshänder durchaus als Jumpshooter für Spacing sorgen. Sein Wurf ist zwar nicht konstant, aber das Redshirt Jahr unter der Obhut der Shooting Docs in Gonzaga sollte ihm sicher nicht geschadet haben. Zudem ist Williams ein exzellenter Finisher und kann auch Closeouts mit einem Dribbling attackieren.

Dass Przemek Karnowski seine Senior Jahr wiederholen darf, ist eine weitere gute Nachricht für die Bulldogs. Mit ihrem Big Man haben sie offensiv immer eine verlässliche Waffe in der Hinterhand, auf die sie sich im Notfall verlassen können. Der Pole strahlt eine Ruhe aus, von der sich mancher Guard eine Scheibe abschneiden könnte. Selbst defensiv verleiht der Big seinem Team Stabilität, obwohl er in der Pick & Roll Defense anfällig ist. Zu wenige Perimeter Spieler wissen daraus einen Vorteil zu ziehen und in der Zone stellt der Hüne ein schwieriges Hindernis dar.

Bank
Silas Melson, Zach Norvell, Bryan Alberts, Jeremy Jones, Rui Hachimura, Killian Tillie, Zach Collins, Ryan Edwards

Silas Melson war in der vergangenen Saison schon der Energizer von der Bank. Er ist der beste Verteidiger am Perimeter und kann hier besonders den gegnerischen Aufbauspieler stark unter Druck setzen. Im Angriff nutzt er jede sich bietende Gelegenheit und kann dank seines fulminanten ersten Schrittes oft in die Zone vordringen. Hier fehlt ihm noch etwas die Kontrolle. Dennoch muss Starter Perkins aufpassen, dass Melson ihm nicht den Rang abläuft.

Zach Norvell sollte schon als Freshman Instant Scoring von der Bank liefern können. Die Frage bei ihm wird sein, ob und wie schnell er den teamorientierten Basketball der Zags verinnerlicht. Gelingt ihm das und kann er seinen Status als Allrounder bestätigen, wird er den Zags viel Tiefe und Variabilität ihm Backcourt verleihen. Shooter Bryan Alberts wird hingegen nur sporadisch Minuten sehen, obwohl er durchaus eine Hilfe in der Offense sein kann.

Auf den Positionen Drei und Vier herrscht im Kader die größte Ungewissheit. Jeremy Jones kam von der Rice University, wo er eigentlich Football und Basketball spielen wollte, dann aber doch nur Basketball spielte und sich darauf jetzt fokussieren möchte. Seine physische Erscheinung könnte ihm Minuten als Hustler für die Defense einbringen. Vor einigen Jahren war mit Guy Landry Edi ein ähnlicher Spieler fest in der Rotation. Rui Hachimura ist extrem talentiert, allerdings wird der Japaner vorerst vor allem kulturell und sprachlich einige Hürden meistern müssen.

Zumindest auf der Power Forward Position wird Kim Tillie für Furore sorgen. Der Franzose ist ein athletischer Allrounder, der spielerisch einiges auf dem Kasten hat, sich aber erst noch an das Spiel auf dem College gewöhnen muss. Zach Collins kann auf beiden großen Positionen eingesetzt werden. Am Korb überzeugt er mit Touch, Größe und Fußarbeit. Zusätzlich kann er auch den Dreier treffen und somit theoretisch mit Karnowski zusammen auf dem Feld stehen. Ryan Edwards ist bei Foulproblemen zur Stelle. Bei vielen anderen Colleges wäre er sogar Starter.


Coach
Mark Few hat mit seinem Staff hervorragende Arbeit in den vergangenen 17 Jahren geleistet. Die Konstanz der Bulldogs ist atemberaubend und die stetige Entwicklung zu einem der besten College Programme ist noch längst nicht am Ende angelangt. Dank Co-Trainer Tommy Lloyd haben die Zags dauerhaften Zugriff auf die besten internationale Talente, die den Weg über das College in die NBA oder zum Profi wählen. Zusätzlich hat Few erkannt, wie ertragreich Transfers sein können. Viele talentierte Spieler, die in den ersten Jahren in der NCAA an ihrem Standort lernen mussten, wie schwierig Erfolg zu erreichen ist, sehnen sich nach einem Programm, das ihnen Erfolg und eigene Weiterentwicklung in gleichem Maße gewährleistet. Für diese Spieler ist Gonzaga die richtige Anlaufstelle. Few hat hier den Vorteil, dass bei den Spielern intrinsische Motivation vorliegt, was ihm eine Menge Zeit erspart - vorausgesetzt er identifiziert die richtigen Transfers.

Stil
Gonzaga ist eines der besten Offensivteams der NCAA. Das Spacing ist hervorragend. Die Plays sind oft einfach gehalten, aber höchst effizient. Das Pick & Roll Kontinuum ist schwer zu verteidigen, zumal in der Vergangenheit das High-Low zwischen den Bigs blind funktionierte. Ob dies in der kommenden Saison ohne Sabonis und Wiltjer so weitergeht, wird sich zeigen. Neben dem Pick & Roll ist die Ausgewogenheit zwischen Inside- und Outsidegame ein Markenzeichen der Zags. Sie sind eines der wenigen NCAA Teams, das einen Vorteil am Zonenrand tatsächlich konstant zu nutzen weiß.


NBA Kandidaten
Nach dieser Saison wird Gonzaga wahrscheinlich keinen NBA Pick stellen können. Auch wenn viel Talent im Kader steckt, sind die Spieler entweder noch nicht so weit, es zu entfalten oder werden den Schritt in den NBA Draft vorerst nicht wagen.

BBL Kandidaten
Przemek Karnowski fehlt für die NBA die Schnelligkeit, doch in Europa sollte er sehr schnell einen begeisterten Abnehmer finden. Im Lowpost ist der Pole nicht zu stoppen, weswegen er direkt auf Euroleague Ebene landen könnte. Jordan Mathews ist der andere Senior des Teams und dürfte dank seines Wurfes ebenfalls in Europa einen Arbeitgeber finden.

Prediction
Gonzaga fehlt die Erfahrung und der eingespielte Kern der Vorjahre, doch in Sachen Kadertiefe und Talentlevel konnten sich die Zags besser aufstellen beziehungsweise das hohe Level halten. Die Frage wird sein, wie schnell die einzelnen Teile sich zu einem funktionierenden Gesamtkonstrukt zusammensetzen lassen. Zentrale Figur ist hierbei Nigel Williams-Goss. Der Point Guard konnte bei diversen Gelegenheiten bereits unter Beweis stellen, was für ein genialer Basketballer er sein kann. Allerdings besteht vor allem zu Saisonbeginn die Gefahr, dass er überdreht und der Collegewelt zu sehr demonstrieren will, zu was er fähig ist.

Kann er hier die richtige Mischung aus Führung und Zurückhaltung an den Tag legen, werden die Zags auf den Guardpositionen dieses Jahr wesentlich besser besetzt sein als zuletzt. Im Frontcourt steckt eine Menge Potential und die Spielertypen ergänzen sich auf dem Papier zueinander. Entwickeln die Spieler auf dem Court eine entsprechende Harmonie, werden die Zags ihre Conference gewinnen und im Tournament weit vordringen. Selbst das Final Four ist im Optimalfall eine Möglichkeit.

Wichtige Spiele
AdvoCare Invitational Tournament, 24.11.-27.11. vs. Florida/Seton Hall, Iowa State/Miami
Samstag, 03.12. vs. Arizona
Samstag, 14.01. vs. St. Mary's
Donnerstag, 02.02. @ BYU
Samstag, 11.02. @ St. Mary's
Samstag, 25.02. vs. BYU