07 November 2016

7. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Knapp 20 Jahre sorgte Billy Donovan dafür, dass Florida ein großer Name auf der Landkarte des College Basketballs war. Höhepunkt waren sicher die Back-to-back-Championships 2006 & 2007. Neben den zwei Meisterschaften, zu deren Gewinn heutige NBA Spieler wie Al Horford oder Joakim Noah beitrugen, konnte Donovan die Gators 2000 bis ins Finale führen und scheiterte 2014 als Titelanwärter erst im Final Four an Kentucky. Nach personellem Aderlass und einer schwierigen Saison 2014/15 folgte der Erfolgscoach dem Ruf der NBA. Seit letzter Saison schwingt Mike White das Zepter an der Seitenlinie.

Letzte Saison 
(21-15, Viertelfinale National Invitational Tournament)
Es war eine typische erste Saison unter neuem Trainer. Auch wenn bereits ersichtlich wurde, dass sich Whites Stil gar nicht so sehr von Donovans Philosophie unterscheidet, stand die Saison vor allem im Zeichen der Umgewöhnung. Dank ansteigender Lernkurve, engagierter Defense und einem Dorian Finney-Smith als Anführer konnten die Gators dennoch lange im Rennen um einen Tournament Platz mithalten. Letztlich verpasste Florida es jedoch, genug Siege gegen Tournament Teams einzusammeln, obwohl speziell im Februar noch etliche Gelegenheiten boten. Im NIT, dem kleineren Ableger des NCAA Tournaments, schieden die Gators im Viertelfinale gegen den späteren Sieger George Washington aus.

Kader
Canyon Barry (Wing, 6'6'', Senior)
Kasey Hill (Guard, 6'1'', Senior)
Justin Leon (Wing/Big, 6'8'', Senior)
Chris Chiozza (Guard, 6'0'', Junior)
John Egbunu (Big, 6'11'', Junior)
Devin Robinson (Wing, 6'8'', Junior)
KeVaughn Allen (Guard, 6'2'', Sophomore)
Kevarrius Hayes (Big, 6'9'', Sophomore)
Eric Hester (Guard, 6'3'', Freshman)
Keith Stone (Big, 6'8'', Freshman)

Im Kern ist der Kader weitgehend unverändert im Vergleich zur Vorsaison geblieben. Finney-Smith kämpft momentan um einen Spot im Kader der Dallas Mavericks, die anderen Abgänge waren entweder oft verletzt oder eher am Ende der Rotation zu finden. Dafür konnte sich Coach White die Dienste von Graduate Transfer Canyon Barry sichern und dem Team mit seinem ersten eigens an Land gezogenen Highschool Absolventen Eric Hester Tiefe verleihen. Auch Keith Stone ist nach seinem Redshirt Jahr bereit zum Angriff.

Starting Backcourt
Kasey Hill, KeVaughn Allen

Ob wirklich Kasey Hill als Aufbauspieler in der Starting Five stehen wird, ist keinesfalls sicher. Der ehemalige All American konnte nach seinen guten Ansätzen als Rollenspieler in einem Final Four Team nie wirklich das Kommando übernehmen. In seiner letzten Saison möchte Hill daher sicherlich nochmal beweisen, was in ihm steckt.

Hill ist ein exzellenter Passgeber, der das Tempo einer Partie diktieren kann. Im Fastbreak trifft er ähnlich überlegte Entscheidungen wie im langsamen Setplay. Gerade im Pick & Roll gibt es wenige Point Guards, die die Verteidigung gleichwertig lesen können. Allerdings wird seine Effizienz durch seinen fehlenden Distanzwurf eingeschränkt. Das ist jedoch ein Problem, das sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roster zieht.

KeVaughn Allen war die positive Überraschung der vergangenen Saison. Seine 32 Punkte gegen Florida State waren ein Indiz, zu welchen offensiven Ausbrüchen der explosive Guard imstande ist. Zwar muss der Combo Guard noch an seiner Wurfauswahl und seiner Konstanz arbeiten, allerdings ist das in seinem Alter vollkommen normal.

Ein wichtiger Baustein zu einer kompletteren Spielanlage wäre ein sicherer Jumpshot. Als Pullup aus der Mitteldistanz fühlt sich Allen mit seinen Fähigkeiten bereits sehr wohl. Doch von der Dreipunktelinie besteht noch Nachholbedarf. Sobald er aus der Distanz regelmäßig einnetzt, wird Allen am College mit seiner Mischung aus Drive und Pullup-Game kaum zu stoppen sein. Defensiv verfügt Allen ebenfalls über die nötige Kraft und Schnelligkeit sowie gute Instinkte, um ein sehr hohes Niveau zu erreichen.


Starting Frontcourt
Devin Robinson, Justin Leon, John Egbunu

Ähnlich wie bei Hill warten die Fans der Gators bei Devin Robinson seit einiger Zeit auf den Durchbruch. Der athletische Flügelspieler bringt alle Anlagen mit, die von einem Starter NBA gefordert sind. Er ist lang, schnell, bringt eine gute Größe mit und viel Talent. Allerdings war er bislang nicht in der Lage, dieses Talent effektiv auf dem Parkett zu zeigen.

Besonders Robinsons fehlende Aggressivität ist häufig ein Problem. Gemessen an seinen athletischen Voraussetzungen sind seine Drive, sofern es welche zu beobachten gibt, nur halbherzig und nicht mit der letzten Entschlossenheit versehen. Das liegt auch an Robinsons schlanker Statur, die sich seit seiner Ankunft kaum verändert hat. Da der technische Fortschritt in Sachen Ballhandling und Wurf ebenfalls ausblieb, tritt Robinson bislang auf der Stelle und muss mittlerweile aufpassen, nicht von den Notizzetteln der Scouts zu verschwinden.

Justin Leon war so etwas wie Entdeckung der vergangenen Saison. Trotz der Konkurrenz mit NBA Potential auf seiner Position startete Leon in einigen Spielen und konnte diese Entscheidung mit guten Leistungen rechtfertigen.

Leon ist ein unorthodoxer Spieler. Er erledigt viele kleine Dinge, die im Boxscore nicht auftauchen und einem Team zum Sieg verhelfen können. Er ist ein vielseitiger Verteidiger und engagierter Rebounder, der sich offensiv mit dem begnügt, was übrig bleibt. Als Cutter und Resteverwerter kann er durchaus zweistellig punkten. Zudem trifft er auch den offenen Dreier, obwohl seine Technik gewöhnungsbedürftig aussieht.

Big Man John Egbunu verdient diese Bezeichnung wirklich. In der gesamten SEC konnte kein Centerspieler die Physis von Egbunu matchen und entsprechend dominant trat er phasenweise auf. Da er sich immer wieder selber Steine in den Weg legte, blieb es beim phasenweise. Foultrouble war in dieser Hinsicht das größte Problem.

Offensiv ist Egbunu immer noch sehr roh, auch wenn Fortschritte im Lowpost zu erkennen waren. Countermoves sind jedoch bislang noch Wunschdenken. Solange er sich nur auf seine Masse und Power verlässt, wird Egbunu aber anfällig für Offensivfouls und Double Teams sein. Wird er hier ruhiger und kontrollierter, werden auch in der kommenden Saison die SEC Teams Schwierigkeiten mit dem Schwergewicht haben - selbst Kentuckys NBA Garde.

Bank
Chris Chiozza, Eric Hester, Canyon Barry, Keith Stone, Kevarrius Hayes
Sollte Hill wieder nicht in der Lage sein, sein Potential zu entfalten, könnte er sich den Starterposten wieder mit Chris Chiozza teilen oder ihn sogar gänzlich an den Junior verlieren. Chiozza ist zwar ein Stück kleiner als Hill und wilder in seinen Aktionen, doch immerhin fällt sein Distanzwurf öfter und auch mit Lethargie hat der Guard wenig zu kämpfen.

Eric Hester ist ein junger Freshman, der vor allem für seine bissige Verteidigung auf den Scouting Portalen gelobt wird. In dieser Hinsicht passt er sehr gut in die restliche Backcourt Rotation, da ein Wadenbeißer als Spezialist bislang fehlte. Allerdings wird Hester physisch zulegen müssen. Auch offensiv bleibt abzuwarten, was Hester bereits leisten kann.

Genau an dieser Stelle soll Graduate Transfer Canyon Barry Abhilfe schaffen. Aus Charleston kommend wird der Scharfschütze besonders die chronische Wurfschwäche der Gators beheben, die seit dem Abgang von Michael Frazier keinen Schützen mehr in ihren Reihen aufzuweisen hatten. Zuletzt verpasste der Sohn von Rick Barry das Saisonende mit einer Schulterverletzung, die aber ausgeheilt sein soll. Seine Unterhandfreiwürfe, die er von seinem Vater beigebracht bekam, sollten die Fans begeistern.

Keith Stone fiel vor der Beginn der Tiefe auf den beiden Forward Positionen zum Opfer. Angesichts der drei etablierten Kräfte auf diesen Positionen, überrredete Coach White den Freshman zu einem Redshirt Jahr, das dieser nutzte, um an Masse zu gewinnen. Nun kann der ehemalige Top100 Recruit zeigen, was er drauf hat und seinen Muskelzuwachs als Backup auf der Vier zur Schau stellen.

Bereits in der letzten Saison konnte Kevarrius Hayes erfolgreich die Backup Rolle hinter Egbunu erkämpfen. Anders als der Starter ist Hayes eher athletisch statt kräftig. Er finisht gerne über Ringniveau und ist ein guter Rebounder. An beiden Enden des Feldes muss Hayes als Sophomore konstanter spielen.


Coach
In seiner ersten Saison in Gainesville konnte Mike White schon viele Freunde gewinnen und die Spieler von seiner Art überzeugen. Zudem zeigte er sich lernwillig und selbstkritisch, was für einen jungen Coach die wichtigsten Eigenschaften sind. White hat aber schon eine klare Handschrift etabliert und klare Vorstellungen, wie Basketball seiner Meinung nach gespielt werden sollte. 
In seinen ersten vier Jahren als Headcoach an der Louisiana Tech konnte White über hundert Spiele gewinnen und damit seine Qualität unter Beweis stellen.

Stil
Ähnlich wie unter Donovan werden die Gators auch unter White zuerst auf harte Defense Wert legen. In der vergangenen Saison ließ White immer wieder eine Zonenpresse spielen, die an Donovans beste Zeiten erinnern ließ. Dank der vielen Athleten im Team, die mit langen Armen und schnellen Reflexen Pässe abfangen können, bietet sich diese Verteidigungsform an.

Zusätzlich ergibt sich aus den Steals der Vorteil, viele Fastbreaks laufen zu können. Auch das sollte im Interesse der zahlreichen Sprungwunder des Kaders liegen. Im Halbfeld werden erneut Egbunu und Hill/Chiozza die zentralen Anlaufstellen sein. Geht der Ball nicht in den Lowpost zu Egbunu, sollen die Aufbauspieler mit ihrer Kreativität im Pick & Roll für gute Würfe sorgen. Notfalls wandert der Ball bei herunterlaufender Shotclock in die Hände von Allen, der den Balll immer irgendwie im Korb unterbringen kann. 


NBA Kandidaten
Einen klaren NBA Kandidaten gibt es nicht im Kader. Eigentlich sollte Devin Robinson hier ohne Zweifel zu nennen sein. Allerdings gilt es abzuwarten, wie der Wing seine Junior Saison angeht. Kann er seine langersehnte Breakout-Saison feiern, wird er sich ohne Zweifel zum Draft anmelden und eventuell Ende der ersten Runde gedraftet werden. Kann sich Robinson nicht steigern, wäre eine letzte Senior Saison die logische Konsequenz.

BBL Kandidaten
Kasey Hill fehlt der Wurf, um in der NBA landen zu können, was angesichts seiner Künste im Pick & Roll eigentlich schade ist. Mittlerweile drängt sich jedoch die Frage auf, ob er diese Spielintelligenz nicht besser in Europa demonstrieren kann. Hill hat durchaus das Potential, ein BBL Team zu orchestrieren.

Prediction
Nach einer vielversprechenden ersten Saison unter White ist das Team im Kern zusammengeblieben und gezielt verstärkt worden. Barry liefert Shooting, Hester stellt möglicherweise einen Kettenhund am Perimeter dar und Stone sorgt für mehr Tiefe auf den großen Positionen, was angesichts der Foulanfälligkeit der beiden Fünfer durchaus wichtig ist. Da die eigene Spielstätte bis Mitte Dezember saniert wird, sollte das Team den ersten Saisonmonat mit elf Auswärtsspiele nutzen, um eine Einheit zu werden.

Greifen alle Zahnräder so ineinander wie erhofft, werden die Gators dieses Jahr kein Bubble Team sein, sondern relativ sicher das Tournament erreichen und dann ein unangenehmes Matchup darstellen. In der erneut schwach besetzten SEC werden sie darum kämpfen, hinter Primus Kentucky den zweiten Platz zu sichern und den Favoriten ein wenig zu ärgern.

Wichtige Spiele
AdvoCare Invitational in Orlando, 24.-27.11. vs. Seton Hall + evtl. Gonzaga, Miami
Dienstag, 06.12. vs. Duke
Sonntag, 11.12. @ Florida State
Samstag, 28.01. @ Oklahoma
Samstag, 04.02. vs. Kentucky
Samstag, 11.02. vs. Texas A&M
Samstag, 25.02. @ Kentucky