11 November 2016

11. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Kein anderes Programm polarisiert so sehr wie Duke. Entweder man mag die Blue Devils oder man hasst sie, aber eine Meinung hat jeder NCAA Beobachter. Diesen Status verdankt Duke Mike Krzyzweski, der seit 1980 dafür verantwortlich ist, dass Duke zu einem der mächtigsten Basketballteams im College Basketball zählt. Legenden wie Christian Laettner füllten so manches Kapitel in der Chronik der kleinen Privatuni aus North Carolina. Die Rivalität mit den North Carolina Tar Heels ist die am stärksten ausgeprägte der NCAA und vielleicht sogar im US-Sport. Die Meisterschaft 2015 war ein Fingerzeig Richtung Kentucky, dass auch Coach K in Sachen Freshman Recruiting in der One-and-Done-Ära mitmischen kann und dieses Spiel vielleicht sogar am besten beherrscht.

Letzte Saison 
(25-11, Sweet Sixteen der March Madness)
Nach der Meisterschaft und dem Abgang der starken Freshman Class, waren die Blue Devils nicht sonderlich tief besetzt und hatten Mühe, einen konkurrenzfähigen Kader auf die Beine zu stellen. Erst die späten Zusagen von Brandon Ingram, der eigentlich UNC nicht mehr wegzuschnappen schien, und Derryck Thornton, der extra ein Jahr früher die High School verließ, verliehen dem Kader etwas mehr Glanz und Tiefe. Das frühe Saisonaus von Amile Jefferson führte jedoch dazu, dass Duke die Saison de facto mit einer Sechs-Mann-Rotation bestritt. Besonders in der ACC wirkte es des öfteren so, als hätten sie nicht die nötige Kraft, um gegen tief besetzte Mannschaften eine enge Schlussphase für sich zu entscheiden. Einzig das Prestige Duell gegen UNC in Chapell Hill war hier eine markante Ausnahme. Im Tournament zitterte man sich über das erste Wochenende mit knappen Siegen über UNC Wilmington und Yale. Gegen Oregon waren die Blue Devils jedoch klar unterlegen.

Kader
Amile Jefferson (Big, 6'9'', Senior) 
Matt Jones (Wing, 6'5'', Senior) 
Grayson Allen (Guard, 6'5'', Junior) 
Chase Jeter (Big, 6'10'', Sophomore) 
Luke Kennard (Wing, 6'6'', Sophomore) 
Marques Bolden (Big, 6'11'', Freshman) 
Javin DeLaurier (Big, 6'10'', Freshman) 
Harry Giles (Big, 6'10'', Freshman) 
Frank Jackson (Guard, 6'3'', Freshman) 
Jayson Tatum (Wing, 6'8'', Freshman) 
Jack White (Wing, 6'7'', Freshman)
 


Die wichtigste Nachricht vorweg: Erstmals seit 2008 spielt kein Plumlee für die Blue Devils in der kommenden Saison. Wer sich nun fragt, warum Duke dann eigentlich überhaupt noch antritt, wird ob der eintreffenden Freshman Class schnell die Zweifel an der Wettbewerbstauglichkeit verlieren. Alle sechs Freshmen sind, sofern gesund, in der Lage, sofort einen Einfluss auf das Spiel des Meisterschaftsfavoriten zu nehmen. Nicht umsonst wird vielerorts vom talentiersten Kader gesprochen/geschrieben, den Coach K jemals zur Verfügung hatte. Die Rückkehrer Amile Jefferson und Grayson Allen, der sich gegen die NBA entschied, dürften ebenfalls ihren Teil dazu beitragen, dass Duke die NCAA dominiert. Einzig die Verletzungen von Harry Giles, Jayson Tatum und Marques Bolden, den Kronjuwelen des Recruiting Jahrgangs, trüben das Bild.

Starting Backcourt
Grayson Allen, Matt Jones, Luke Kennard

Auch in dieser Saison fehlt den Blue Devils ein klassischer Floor General und Spielmacher, doch das ist genau genommen nicht als Schwäche anzukreiden. Gerade in der vergangenen Saison bewies Duke immer wieder, dass diese Konstellation durchaus eine gewisse Unberechenbarkeit beherbergt, die den Gegner irritieren kann. Das Spiel bricht nicht auseinander, wenn ein einzelner Akteur aus dem Spiel genommen wird. Stattdessen tritt ein anderer in dessen Fußstapfen und übernimmt Verantwortung.

Diese Verantwortung dürfte in erster Linie Grayson Allen aufgebürdet werden. Seine Leistungssteigerung zwischen Freshman- und Sophomore-Saison war historisch und hätte einen Platz Ende der ersten Runde im NBA Draft gerechtfertigt. Ihn für ein drittes Jahr zur Verfügung zu haben, wird Coach K zu schätzen wissen.

Allen ist ein athletischer Spieler, der ein angeborenes Talent dafür besitzt, den Schiedsrichtern Foulpfiffe zu entlocken und die Freiwurflinie als Konsequenz als sichere Einkommensquelle betrachtet. Allen ist zusätzlich ein talentierter Spieler im Pick & Roll, der eine gute Mischung zwischen eigenem Abschluss und Pass zum freien Mitspieler findet. An der Dreierlinie sollte Allen nicht allein gelassen werden.

Das gilt für Dreierspezialist Luke Kennard sowieso. Seine Quote war in der vergangenen Saison alles andere als berauschend, doch das sollte sich in seinem zweiten Jahr schlagartig ändern. Kennard ist körperlich stärker geworden und wird sich auf die größeren Gegenspieler eingestellt haben, weshalb er seinen Wurf schneller anbringen wird. Oft fehlte ihm die Geistesgegenwart, seinen Wurf angemessen vorzubereiten. Dieses Problem sollte nicht erneut aufkommen.

Matt Jones ist der Defensivspezialist des Teams und ein extrem unangenehmer Gegenspieler. Lange Arme, schnelle seitliche Bewegungen und flinke Finger lassen ihn die Positionen Eins bis Drei gleichermaßen effektiv verteidigen. Selbst so mancher Vierer ist unter Jones' Obhut bestens aufgehoben. Offensiv sollte Senior etwas mehr Konstanz beim Dreier entwickeln, da er als klassischer 3-and-D-Spieler wenig anderes zur Produktion im Angriff beisteuern kann.


Starting Frontcourt
Amile Jefferson, Marques Bolden

Amile Jefferson wurde in der vergangenen Saison schmerzlich vermisst. Zwar ermöglichte sein Fehlen Brandon Ingram als Vierer auf dem Parkett zu stehen und ein wandelndes Mismatch darzustellen, doch Jeffersons Toughness ist eine Tugend, die jedes hochwertige NCAA Team ab einer gewissen Runde im Tournament einfach braucht.

Insofern wird Jefferson als Leader und Defensivanker fungieren. Zudem gibt es keinen besseren Offensivrebounder in der Mannschaft und selbst in der ganzen Conference befindet sich vielleicht nur Syracuses Tyler Roberson auf einer Ebene. Jefferson ist ein genügsamer Spieler, für den keine System gelaufen werden müssen, damit er offensiv Akzente setzt.

Marques Bolden wird angesichts seiner Freshman Kollegen gerne mal vergessen. Das ist jedoch ein schwerwiegender Fehler, den die Öffentlichkeit spätestens zur Conference Saison begradigen wird. Bolden ist vielleicht der talentierste Fünfer der kommenden Draftclass und könnte beispielsweise eine bessere NBA Perspektive als Jahlil Okafor aufweisen.

Bolden ist physisch und athletisch sehr reif für sein Alter, kann sich aber immer noch verbessern. In der Defense liefert er Rimprotection und Rebounding. Im Angriff besitzt er eine gute Ausbildung bezüglich vieler Basics. Er weiß, wie er sich aufposten muss und gute Winkel kreiert, ist aber auch im Pick & Roll ein gefährlicher Blocksteller. Vor wenigen Tagen kam dann die Nachricht, dass Bolden mit einer Verletzung am Bein zu kämpfen hat und erst über das Wochenende untersucht wird. Chase Jeter wird ihn zunächst vertreten.


Bank
Frank Jackson, Jayson Tatum, Jack White, Harry Giles, Javin DeLaurier, Chase Jeter

Aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass die Namen Jayson Tatum und Harry Giles nicht in der ersten Fünf auftauchen. Das liegt einzig und allein an ihren Verletzungen. Bei Giles ist nach wie vor die Frage, ob er jemals das NCAA Parkett betreten wird oder das Jahr lieber komplett aussetzt und sich direkt für den NBA Draft anmeldet. Nach zwei Kreuzbandrissen will Giles nichts riskieren, wie der Fall von Ray Smith zuletzt traurig unterstrich.

Jayson Tatum knickte bei einem Scrimmage Ende Oktober um. Die anfängliche Befürchtung eines gebrochenen Fußes konnte schnell entkräftet werden. Tatum wird zu Saisonbeginn wieder ins Training einsteigen. Sobald er wieder fit ist, dürfte er sehr schnell die Starting Five erobern und eine ähnliche Rolle wie Brandon Ingram in der vergangenen Saison übernehmen. Tatum ist ein extrem talentierter Flügelspieler, der aus allen Lagen scoren kann und das Potential zum Top3 Pick hat.

Frank Jackson ist ebenfalls ein gängiger Name bei Talentscouts. Der Combo Guard könnte grundsätzlich starten, allerdings wird er sich erst daran gewöhnen müssen, als Ballhandler und Organisator die Offense aufziehen zu müssen. Jackson ist eigentlich eher ein Scorer, der problemlos mal 30 Punkte auflegen kann und selbst am College im Eins-gegen-Eins kaum zu stoppen sein wird.

Jack White rutscht angesichts der sechsköpfigen Freshman Class gerne mal aus der Diskussion, weil er als Australier einfach ein wenig unbekannter ist. Doch er ist genau der Spieler, den Coach K in der letzten Saison gerne zur Hand gehabt hätte. White ist ein Allrounder, der physisch spielt, gut verteidigt und grundsätzlich viele gute Entscheidungen trifft. Er macht, was die Mannschaft von ihm braucht und dürfte daher als Freshman bereits wichtige Minuten sehen. Auf lange Sicht wird White einer der Köpfe der Blue Devils sein.

Javin DeLaurier und Chase Jeter werden auf den großen Positionen die Backups geben. Von Jeter muss nach einem Lehrjahr nun mehr kommen. Als Freshman unterliefen ihm viele Flüchtigkeitsfehler und Coach K schenkte ihm nur begrenzt sein Vertrauen. Als Rebounder und Verteidiger könnte er dem Team helfen, wenn er lernt, weniger ungestüm zu Werke zu gehen. Boldens Verletzung befördert ihn in die erste Fünf, was eine große Chance für den jungen Center sein kann. DeLaurier ähnelt Jefferson ein wenig in Spielweise und körperlicher Konstitution, muss aber noch an Erfahrung gewinnen.

Coach
Zu Mike Krzyzewski muss man eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren. Ein möglicher Meilenstein, den er diese Saison setzen könnte, bestünde darin, die 1.000 Siege bei den Duke Blue Devils vollzumachen. Dafür müsste Duke diese Saison 30 Spiele gewinnen, was durchaus realistisch ist. Zudem demonstrierte Coach K spätestens mit der diesjährigen Recruiting Class, dass er John Calipari und seinen Durst nach Top Freshmen absolut matchen kann. Die besten Talente der USA wollen unter der Legende spielen.


Stil
Die Blue Devils spielen einen sehr abgezockten Stiefel, was vor allem an Coach K liegt, der durch seine Arbeit mit dem Team USA auf internationaler Ebene viele Einflüsse aus der NBA und Europa mitgekriegt und sie einbaut, wenn sie ins Konzept passen. Die Pick & Roll Motion der Blue Devils sorgt für gutes Spacing und viel Bewegung, was in Kombination mit dem vorhandenen Talent dazu führt, dass sich offensiv immer gute Optionen ergeben. Die Mischung aus Distanzwürfen und Drives zum Korb ist ausgewogen. Durch das gute Spacing ergeben sich lange Wege für die Defense und viele einfache Punkte für die talentierten Scorer. Defensiv sollte Duke dieses Jahr wieder weniger Zone spielen, da die Rotation tiefer ist und die individuelle Verteidigungsleistung der Spieler besser sein sollte, als in den Vorjahren von so manchem NBA Spieler praktiziert.

NBA Kandidaten
Harry Giles und Jayson Tatum werden in der kommenden Saison definitiv Top10 Picks sein - das ist die konservative Aussage. Vermutlich sollten beide Top5 Spieler sein, doch angesichts der Tiefe des kommenden Jahrgangs und der Verletzung Giles' ist das nicht garantiert. Marques Bolden hat ebenfalls mindestens Lottery Talent und wäre in manchem Jahr ein Kandidat für die Top5. Grayson Allen und Frank Jackson könnten Ende der ersten Runde gezogen werden, so sie sich denn für den Draft tatsächlich anmelden. Amile Jefferson und Matt Jones könnten als Rollenspieler/Spezialisten ebenfalls Nischen finden.

BBL Kandidaten
Über Jefferson würde sich aber auch jedes europäische Team freuen. Er ist ein harter Arbeiter, der sich in den Dienst der Mannschaft stellt und für die NBA physisch etwas zu schwach auf der Brust sein könnte.

Prediction
Selbst wenn der Super-GAU eintreten sollte und Harry Giles gar nicht spielt und Jayson Tatum lange braucht, bis er nach der Verletzung Tritt fasst, hat Duke so viel Talent, dass sie nur schwer als Topfavorit auf die Meisterschaft wegzudiskutieren sind. Das Team ist tiefer als in der vergangenen Saison, hat an Erfahrung hinzugewonnen und auch das Talentlevel ist gestiegen.

In den meisten Teams würde sich dann die Frage anschließen, ob es angesichts eines solchen Konglomerats an talentierten Einzelkönnern nicht zu Reibereien bei Rollen- und Minutenverteilung kommen könnte. Bei Coach K stellt sich diese Frage nicht. Wer aus NBA-Diven alle zwei Jahre eine halbwegs funktionierende Einheit bilden kann, kriegt das bei College Freshmen erst recht hin. Duke wird nur schwer zu stoppen sein und der fehlende Point Guard könnte die einzige Schwäche des Teams sein. Gegen Pressverteidigungen taten sich die Blue Devils vergangene Saison schwer. Die Meisterschaft wird nur gewinnen, wer Duke schlagen kann. Das sind nicht viele Teams.

Wichtige Spiele
Dienstag, 15.11. vs. Kansas
Dienstag, 29.11. vs. Michigan State
Dienstag, 06.12. vs. Florida
Samstag, 14.01. @ Louisville
Samstag, 21.01. vs. Miami
Donnerstag, 09.02. vs. North Carolina
Mittwoch, 15.02. @ Virginia
Mittwoch, 22.02. @ Syracuse
Samstag, 25.02. @ Miami
Samstag, 04.03. @ North Carolina