07 November 2016

7. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
In jüngerer Vergangenheit erlangte die Universität vor allem durch ihren Absolventen Doug McDermott größere Aufmerksamkeit, der unter Regie seines Vaters in den elitären Kreis der 3000-Punkte-Scorer eintauchen konnte und anschließend von den Chicago Bulls gedraftet wurde. Seit Greg McDermott 2010 das Coaching bei den Blue Jays übernahm konnten die Blue Jays 2012-14 jeweils das Tournament erreichen und damit an die erfolgreichen Jahre Anfang des Jahrtausends anknüpfen, als Dana Altman (heute Oregon) noch Headcoach war. Gerade in der BBL sind zudem die Absolventen der Uni gern gesehene Legionäre. Aktuell spielen mit Geoffrey Groselle und Jahenns Mannigat zwei ehemalige Blue Jays im deutschen Oberhaus.

Letzte Saison 
(20-15, Viertelfinale National Invitational Tournament)
Vor der Saison war Creighton selbst in den Prognosen zur Big East irgendwo in der unteren Hälfte angesiedelt und selten eine Erwähnung wert. Doch auch wenn die Lücke von Doug McDermott auch in Jahr zwei nach seinem Abgang immer noch groß war, konnte das Team positiv überraschen. Pflichtaufgaben im Spielplan wurden erfüllt und den einen oder anderen Favoriten konnten die Blue Jays tatsächlich ärgern. In heimischer Halle konnte beispielsweise Xavier geschlagen werden. Allerdings ging den Jays zum Ende der Conference Saison hin die Puste aus und von den letzten sechs Partien wurden fünf verloren. Im NIT war gegen BYU Schluss.

Kader
Zach Hanson (Big, 6'9'', Senior)
Cole Huff (Big, 6'8'', Senior)
Maurice Watson Jr (Guard, 5'10'', Senior)
Isaiah Zierden (Guard, 6'3'', Senior)
Tyler Clement (Guard, 6'1'', Junior)
Marcus Foster (Guard, 6'3'', Junior)
Toby Hegner (Big, 6'10'', Junior)
Ronnie Harrell Jr (Wing, 6'7'', Sophomore)
Khyri Thomas (Guard, 6'3'', Sophomore)
Martin Krampelj (Big, 6'9'', Freshman)
Davion Mintz (Guard, 6'3'', Freshman)
Kobe Paras (Wing, 6'6'', Freshman)
Justin Patton (Big, 7'0'', Freshman)

Wie bei vielen Teams in der NCAA liegt auch bei Creighton die Hauptlast auf den Schultern von Transfers. Während Mo Watson bereits letzte Saison ins Geschehen eingreifen konnte, ist Marcus Foster nach einem Redshirt Jahr nun auch spielberechtigt. Der ehemalige Kansas State Guard wurde dort aus dem Kader aussortiert, obwohl er als Freshman und Sophomore Topscorer des Teams war. Coach McDermott setzt darauf, dass der Scorer sich gut eingefunden hat und unter der Anleitung seines Backcourt Partners künftig reifer spielen wird. Funktioniert das Tandem, ist es eines der besten in der NCAA auf den kleinen Positionen. Auf den großen Positionen hat McDermott diese Saison mehr Optionen und in Justin Patton einen hochinteressanten Redshirt Freshman zur Hand.


Starting Backcourt
Maurice Watson Jr, Marcus Foster, Khyri Thomas

Mo Watson war bereits in der letzten Saison einer der besseren Aufbauspieler in den großen Conferences, bekam alllerdings kaum die gebührende Aufmerksamkeit. Nach einem Jahr Eingewöhnung sollte Watson nun als Leader dafür sorgen, dass Creighton diese Saison die Big East aufmischt und sein Name größere Bekanntheit erlangt.

Watson ist ein kleiner Aufbauspieler mit viel Speed, der seine Gegner oder gar eine ganze Teamdefense schwindelig spielen kann. Er verfügt über ein gutes Auge für den Mitspieler und kann das Pick & Roll gut aufziehen. Um noch effizienter zu sein, muss er allerdings seinen Wurf aus der Distanz verbessern und auch bessere Entscheidungen treffen. Besonders Tempovariationen fehlen dem Aufbauspieler, der bisher nur volles Tempo gehen kann, noch.

Von der guten Übersicht soll Marcus Foster profitieren. Bei Kansas State war er der Dreh- und Angelpunkt und musste sich seine Würfe selber erarbeiten. Das war oft Schwerstarbeit für ihn und raubte ihm im Laufe eines Spiels die notwendige Kraft für die Schlussphase. Das soll sich für den Junior ändern.

Es wird spannend zu sehen sein, ob er tatsächlich abseits des Balls effektiv sein kann und ob die Rollenverteilung zwischen Watson und Foster passt. Dass ein College Trainer seinen jungen Topscorer nach der zweiten Saison ziehen lässt und lieber einen Neuanfang startet, ist aus Sicht der Blue Jays hoffentlich kein böses Omen.

Khyri Thomas konnte sich in der vergangenen Saison bestens einfügen und trotz absteigender Formkurve im NIT nochmal Vertrauen tanken. Thomas könnte in der kommenden Saison seine Breakout Saison feiern. An der Seite von Watson und Foster besteht für den Flügelspieler wenig Druck und er wird im Schatten der beiden seine Qualitäten als Slasher einbringen können.

Starting Frontcourt
Cole Huff, Justin Patton
Cole Huff konnte in seiner ersten Saison für die Blue Jays direkt als Starter auf der Vier überzeugen. Er ist ein typischer Strech Big, der am liebsten den offenen Wurf aus der Distanz nimmt und daher besonders im Pick & Pop gefährlich ist. Dank seiner Gefahr von außen hatte Aufbauspieler Watson immer einen Big Man weniger in der Zone, was der ganzen Offense eine höhere Durchschlagskraft verlieh und auch in der kommenden Saison verleihen soll.

Justin Patton war ein Lateboomer in der High School und flog lange unter dem Radar. Erst vor seiner letzten Saison konnte sich der Big Man bei AAU Spielen einen Namen machen und stieg rasant auf den Recruiting Ranglisten. Vor der letzten Saison kamen Patton und McDermott überein, dass ein Redshirt Jahr sinnvoll wäre. Patton nutzte das Jahr, um an Masse zuzulegen. Nun sollte er bereit für die Big East sein. Dank Länge und Athletik ist er ein Rimprotector und offensiv überrascht er mit einem feinen Skillset. Selbst am Perimeter fühlt sich der Sevenfooter wohl.


Bank
Tyler Clement, Davion Mintz, Isaiah Zierden, Ronnie Harrell Jr, Kobe Paras, Toby Hegner, Zach Hanson, Martin Krampelj
Solange Zierden gesund bleibt und das Duo Watson-Foster harmoniert, werden in der Rotation auf den drei Guard Spots nur wenige Minuten übrig bleiben. Tyler Clement wird wie in der vergangenen Saison den Backup von Watson geben. Zwar kann er nicht die Kreativität des Starters aufweisen, verrichtet dafür aber solide seine Arbeit und sorgt für wichtige Entlastung. Ein sicherer Wurf wäre ein netter Bonus. Davion Mintz wird sich mit Clement um die Minuten hinter Watson streiten.

Der Ruhepol im Backcourt ist Isaiah Zierden. Dessen oberstes Ziel dürfte erstmal lauten, gesund zu bleiben. Nach Knieproblemen und einer Schulteroperation im Sommer soll Zierden als Senior verletzungsfrei durch die Saison kommen und seine Spielintelligenz einbringen. Mit ihm auf dem Feld wirken alle Aktionen direkt durchdachter und ruhiger. Freshman Kobe Paras ist ein athletischer Spieler, der vor Konkurrenzdruck sorgen wird und ebenfalls seine Minuten erhalten sollte. Ronnie Harrell Jr. ist ein weiterer Breakout Player, der eine gute Größe mitbringt und auf mehreren Positionen einzusetzen ist.

Toby Hegner ist wie Starter Cole Huff ein Stretch Vierer, der trotz seiner Größe lieber an der Dreierlinie für Spacing sorgt. Dass Trainer McDermott aber auch Stretch Fünfer in Betracht zieht, durfte Ethan Wragge vor einigen Jahren demonstrieren. Diese Variante könnte also durchaus auch mal ausprobiert werden.

Zach Hanson war letzte Saison schon der Backup auf der Fünf. Eine Operation setzte ihn den ganzen Sommer außer Gefecht, doch mittlerweile ist er wieder voll im Teamtraining. Martin Krampelj wäre eine andere Alternative als Big Man. In der vergangenen Saison erlitt er einen Kreuzbandriss und verpasste den Großteil. Seine Ansätze waren vielversprechend, allerdings gilt es abzuwarten, wie fit er nach der Verletzung ist.

Coach
Greg McDermott gehört zu den besten Coaches der NCAA. Aus Creighton einen 3 Seed zu machen (2014) oder auch die vergangene Saison haben bewiesen, dass er das Optimum aus den verfügbaren Spielern herausholen kann. Er ist kreativ und denkt unabhängig von traditionellen Konventionen. Seine Sets sind clever und kaum ein College Team sieht so gut gegen eine Zonendefense aus.

Die Kunst wird in dieser Saison darin bestehen, die richtige Balance im Backcourt zu finden. Doch genau hier sollte McDermott wieder sein gutes Gespür für Mismatches und Tagesform unter Beweis stellen können.

Stil
Am auffälligsten ist die sehr ausgewogene Mischung aus Freiheiten der Spieler und klar strukturierten Setplays. Einen Mischmasch gibt es nicht. Entweder die Blue Jays kommen ins Laufen und profitieren von der Kreativität ihres Aufbauspielers Watson, der dann auch gerne mal die Schützen in der Transition bedient, oder sie ziehen im Halbfeld ganz unaufgeregt ihre Systeme durch.
Spacing, Timing und Ideenreichtum sind die Grundpfeiler der Sets. Solange Watson und in der kommenden Saison vermutlich auch Foster als Ballhandler das Pick & Roll gut lesen, wird es für die gegnerische Defense schwer, nicht offene Würfe abzugeben.


NBA Kandidaten
Bester Fit in der NBA ist Cole Huff. Als Power Forward mit gutem Schuss hat sicher jedes Team einen Spot in den hinteren Kaderregionen für den Senior übrig. Die Frage wird sein, ob sein Schuss dafür konstant genug fällt und er defensiv auf NBA Level verteidigen kann. In der zweiten Runde könnte ein Team durchaus einen Versuch wagen.

BBL Kandidaten
Mo Watson ist für die NBA einfach ein Stück zu klein. Um seine geringe Körpergröße auszugleichen, müsste er zumindest einen verlässlichen Jumper und eine exzellente Entscheidungsfindung aufweisen können. Beides ist derzeit noch nicht vorhanden. In Europa kann Watson dank seiner Schnelligkeit und Kreativität aber sicherlich einen Coach von sich begeistern.

Prediction
Creighton ist ein schwer einzuschätzendes Team. Das liegt vor allem an der Unberechenbarkeit von Marcus Foster. Gelingt ihm der zweite Anlauf in der NCAA und läuft das Zusammenspiel mit Watson reibungslos, haben die Blue Jays tatsächlich einen der gefährlichsten Backcourts der NCAA, was in der Guard-orientierten College Liga sicher keine schlechte Voraussetzung ist.

Doch selbst wenn der Optimalfall eintreten sollte, wäre da noch die Frage, ob die Bigs die Zone bewachen können und ihren Guards ordentlich zuarbeiten können. Besonders Rebounding kann hier das entscheidende Thema werden. Zeigen sich die großen Spieler hier von ihrer besten Seite, hat Creighton tatsächlich ein gut funktionierendes Team mit klarer Rollenverteilung und hungrigen Anführern. Das kann im März eine eine explosive Mischung sein - oder im Januar dafür sorgen, dass das Tournament in weite Ferne rückt.

Wichtige Spiele
Dienstag, 15.11. vs. Wisconsin
Samstag, 31.12. vs Villanova
Mittwoch, 11.01. vs. Butler
Montag, 16.01. @ Xavier
Dienstag, 31.01. @ Butler
Samstag, 04.02. vs. Xavier
Samstag, 25.02. @ Villanova