10 November 2016

10. November, 2016


Die neue NCAA-Saison startet am 11. November, das Final Four steigt diesmal vom 1. bis 3. April in Phoenix/Arizona. NBACHEF hat für euch - wie jedes Jahr - alle Top-Teams, Spieler & Systeme im dicksten College-Check Deutschlands.

von AXEL BABST @CoachBabst

History
Lute Olson übernahm 1983 die Arizona Wildcats, die bis dahin keine große Bedeutung für die NCAA darstellten. Doch unter Olson änderte sich das schlagartig. Ab seiner zweiten Saison nahmen die Wildcats in jedem Jahr unter Olson am NCAA Tournament teil und wurden eines der bedeutendsten Programme im Westen der USA. Olson führte Zona in drei Final Fours. Besonders das letzte in der Saison 1996/97 bleibt mit der einzigen Meisterschaft in Erinnerung. Zahlreiche NBA Spieler streiften sich während der Olson Ära das Trikots der Wildcats über und legten großartige College Karrieren hin. In der Saison 2007/2008 wollte Olson zunächst aus persönlichen Gründen eine vorübergehende Auszeit einlegen, aus der er jedoch nie wieder zurückkam. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltete sich schwierig und erst Sean Miller erwies sich als geeignet und übernahm 2009. In seiner ersten Spielzeit verpasste das Team zwar erstmals seit 1984 das NCAA Tournament doch es folgten sehr erfolgreiche Jahre und drei Elite Eights.

Letzte Saison 
(25-9, First Round der March Madness)
Dass es keine leichte Saison werden würde, stand bereits vor dem ersten Saisonspiel fest. Die Abgänge von Stanley Johnson, Brandon Ashley, der sich vorzeitig zum Draft anmeldete, und T.J. McConnell wiegten ohnehin schwer. In der Vorbereitung riss sich der beste Freshman Ray Smith ein zweites Mal das Kreuzband und fiel für die Saison aus. Das Verletzungspech blieb den Wildcats über die Saison erhalten, da auch Kaleb Tarczewksi und Allonzo Trier mehrere Spiele verpassten. Allerdings waren die Wildcats dann ab Januar komplett und hätten problemlos Fahrt aufnehmen können für einen weiteren Run im NCAA Tournament. Doch dieser blieb aus. Zu unbeständig und vor allem defensivschwach präsentierten sich die Wildcats. Während in den Vorjahren unter Miller die Defense stets das Prunkstück der Wildcats war, fehlten gute Individualverteidiger und auch die Teamdefense offenbarte zu oft Löcher. Resultat waren der Verlust der PAC12 Schirmherrschaft an Oregon und ein blamables Erstrundenaus gegen Wichita State.

Kader
Kadeem Allen (Guard, 6'3'', Senior)
Parker Jackson-Cartwright (Guard, 5'10'', Junior)
Keanu Pinder (Big, 6'9'', Junior)
Dusan Ristic (Big, 7'0'', Junior)
Chance Comanche (Big, 6'10'', Sophomore)
Allonzo Trier (Wing, 6'6'', Sophomore)
Rawle Alkins (Guard/Wing, 6'4'', Freshman)
Lauri Markkanen (Big, 7'0'', Freshman)
Kobi Simmons (Guard, 6'5'', Freshman)

Kaleb Tarczewski wird Arizona in Zukunft spürbar fehlen. Er war einer der besten Defensivcenter der NCAA und insgesamt ein extrem verlässlicher Spieler. Auch Gabe York, der sich während seiner vier Spielzeiten extrem entwickeln konnte, wird nicht leicht zu ersetzen sein. Er war der beste Schütze des Teams und rettete so manche Crunchtime für sein Team. Ryan Anderson produzierte zwar Statistiken, war jedoch ein schlechter Verteidiger und Finisher, weswegen sein Abgang weit weniger schmerzt. Die Freshman Class eine der besseren unter Sean Miller zu werden. Besonders der Finne Lauri Markannen fliegt noch unter dem Radar, was sich jedoch ganz schnell ändern sollte. Shooter Terrance Ferguson hätte dem Team sicher gut zu Gesicht gestanden, doch er entschied sich für den Weg ins Profigeschäft und spielt nun in Australien. Angesichts seiner Vorgeschichte und der Frage, ob er überhaupt die Spielberechtigung der NCAA erhalten hätte, waren viele Anhänger der Wildcats sowieso skeptisch. Eine der bittersten Geschichten der vergangenen Jahre ist der dritte Kreuzbandriss binnen 30 Monaten für Ray Smith, der seine Karriere vor wenigen Tagen beendete, ohne jemals ein College Spiel bestritten zu haben.


Starting Backcourt
Parker Jackson-Cartwright, Kadeem Allen, Allonzo Trier (Rawle Alkins)

Sean Miller wird die vergangene Saison genau analysiert haben und nun an den entsprechenden Stellschrauben drehen. Eine große Baustelle war die Rollenverteilung im Backcourt. Hätte sich Miller die Vorzüge von Parker Jackson-Cartwright und Kadeem Allen in einem einzigen Spieler zusammenschustern können, hätte er vermutlich nicht eine Sekunde gezögert und somit viele Probleme lösen können.

Die beiden gemeinsam auf das Feld zu stellen und ihnen ihren Stärken angepasst die Aufgaben zuzuteilen, ist da die realistischere Methode und Miller kündigte bereits an, dass dies durchaus eine denkbare Konstellation ist. PJC ist offensiv ein kleines, quirliges Wiesel, das immer irgendwie einen Weg in die Zone findet, dort in Anbetracht seiner geringen Körpergröße gar nicht mal so schlecht finisht und auch seine Übersicht stark verbessert hat. Schafft er es, seine Mitspieler noch besser zu bedienen, ist er in der Tat kein übler College Point Guard - zumindest im Angriff.

Denn defensiv ist PJC aufgrund seiner fehlenden Zentimeter einfach ein limitierender Faktor. Erschwerend kommt hinzu, dass er auch nicht immer den Eindruck vermittelt, er würde seinen vollen Fokus auf die Defense richten. Kadeem Allen ist da ganz anders gestrickt. Allen hatte alle Voraussetzungen, um ein Lockdown Verteidiger zu sein.

Seine Arme sind endlos lang und ständig in Bewegung, um Pässe zu stören, dem Angreifer die Sicht zu nehmen oder nach dem Ball zu schlagen. Zudem schmeißt er sich nach Loseballs und kann die Big Points in der Defense landen. Doch offensiv wirkte er in der Rolle des Spielgestalters überfordert. So manchen Run ruinierte er mit seinen leichtfertigen Ballverlusten oder kopflosen Drives. PJC in der Offense, Allen in der Defense könnte daher ganz gut funktionieren.

Eigentlich sollte Allonzo Trier der dritte Starter im Backcourt und wichtigste Spieler des Teams sein. Doch da seine Situation nebulös bleibt, wird Rawle Alkins deutlich mehr Verantwortung tragen. Alkins ist ein extrem bulliger Guard, der physisch jetzt schon in die NBA gehört. Er erfüllt das Klischee des New Yorker Guards, der immer kompetitiv unterwegs ist, alles für den Sieg gibt und im Eins-gegen-Eins stets eine Lösung findet. Doch Alkins weiß diese Eigenschaft soweit zu steuern, dass er damit wirklich dem Team hilft und keine One-Man-Show abzieht. Gerade als Passgeber wird er oft unterschätzt.


Starting Frontcourt
Lauri Markkanen, Dusan Ristic

Wenige europäische Toptalente wählen den Weg über das College in die NBA, weil die Spielweise nicht zu ihnen passt oder sie sich in der Heimat besser entwickeln können. Doch im Fall von Lauri Markkanen gestalten sich die Tatsachen etwas anders. Obwohl Markkanen unbestreitbar eines der größten Talente seines Jahrgangs in Europa ist, tauchte sein Name auf den wenigsten Mock Drafts oder in der breiten Öffentlichkeit auf.

Das sollte sich zwar eigentlich schon in diesem Sommer geändert haben, als er die U20-EM dominierte und anschließend mit der A-Nationalmannschaft Finnlands Länderspiele bestritt und somit unter anderem in Ulm beim Supercup auftrat, doch spätestens im Frühjahr wird Markkanen ein Lottery Pick sein. Er bringt alle Fähigkeiten und körperlichen Anlagen mit, die ein moderner Big Man aufweisen sollte. Er ist schnell, kann am Perimeter verteidigen, reboundet extrem gut, finisht, hat einen exzellenten Wurf und eine tolle Fußarbeit im Lowpost. Einzig Erfahrung, Masse und technische Feinheiten fehlen dem Sevenfooter noch.

Dusan Ristic ist offensiv ähnlich vielseitig veranlagt wie sein neuer Frontcourt Gefährte. Er ist am Zonenrand nur schwer zu verteidigen, da er einen guten Touch mit Größe und Fußarbeit kombiniert. Wünschenswert wären jedoch mehr Toughness im Abschluss und mehr Abschlüsse über die schwächere linke Hand.

Defensiv ist Ristic jedoch das größte Fragezeichen im Team. Ihm fehlt die Schnelligkeit, um Pick & Rolls switchen zu können und selbst beim Hedgen hat Ristic sehr oft Probleme und verliert jedes Mal den Kontakt mit seinem eigenen Gegenspieler. Entweder er schafft es, sich in dieser Hinsicht erheblich zu steigern, oder Miller muss die Verteidigung des Pick & Rolls abändern. Die dritte Alternative wäre Ristic von der Bank zu bringen, Markkanen auf die Fünf zu stellen und Ray Smith als Small Ball Vierer in Manier eines Aaron Gordon spielen zu lassen.

Bank
Kobi Simmons, Rawle Alkins, Ray Smith, Chance Comanche, Keanu Pinder

Sehr gespannt darf man auf die Freshmen Kobi Simmons und Rawle Alkins sein. Beide werden um einen Platz in der Starting Five kämpfen und können sich durchaus berechtigte Hoffnungen machen, denn die Rotation und Starting Five scheinen noch nicht in Stein gemeißelt zu sein. Miller ist immer auf der Suche nach den fünf Spielern, die am härtesten arbeiten und verteidigen.

Kobi Simmons ist ein groß gewachsener Combo Guard. Langfristig soll er als Point Guard auf dem Parkett stehen, doch dafür fehlen ihm bislang noch die Erfahrung und Werkzeuge, um diese Funktion angemessen auszufüllen. Dafür hat Simmons jedoch einen besseren Wurf, als ihm nachgesagt wird. Defensiv wird er mit seiner Größe und Schnelligkeit ebenfalls gut zu Miller passen.

Der Starspieler der Wildcats sollte Allonzo Trier werden. Trier entschied sich überraschenderweise gegen den Draft und für eine Rückkehr. Nun sind die Wildcats sein Team. Trier war bereits in der vergangenen Saison - wenn fit - nicht zu stoppen. Er hat ein angeborenes Scorergen, das es ihm garantiert, den Weg in die Zone zu finden. Auch sein Wurf hat sich deutlich verbessert. Kann er jetzt noch den Kopf oben behalten und freie Mitspieler finden, hat er offensiv das komplette Paket.

Momentan bangen die Wildcats jedoch darum, dass Trier überhaupt spielen darf. Beim Media Day der Conference tauchte Trier jedoch nicht auf, obwohl er Arizona vertreten sollte. Auch bei den Vorbereitungsspielen saß er nur in zivil auf der Bank. Was konkret das Problem ist, weiß außerhalb des Teams niemand. Coach Miller wollte sich dazu bisher nicht äußern.

Chance Comanche war einer der wenigen Lichtblicke in der abgelaufenen Saison. Zwar schaffte er es selten über Kurzeinsätze hinaus, doch er wusste in den wenigen Minuten zu gefallen. Er hat exzellente körperliche und athletische Anlagen, einen guten Touch und ein gutes Gespür in der Defense. Er sollte in der kommenden Saison konstant Minuten sehen. Doch auch Comanche verpasste die Vorbereitungsspiele, da er von Miller suspendiert wurde aufgrund nicht eingehaltener akademischer Leistungen. Dennoch könnte er im ersten Spiel gegen Michigan State wieder spielen.

Der Australier Keanu Pinder wird gerne unterschlagen, ist jedoch ein weiterer athletischer Vierer, der notfalls die Verteidigung stärken kann - eine weitere Reaktion Millers auf die verkorkste Defense auf dieser Position in der vergangenen Saison. Er könnte neben Markkanenen der größte Steal der Saison werden.

Coach
Arizona steht wieder ziemlich genau da, wo Lute Olson es hingebracht hatte. Tendenziell stehen die Wildcats in vielerlei Hinsicht sogar besser da, doch noch fehlen die durschlagenden Erfolge unter Sean Miller. Doch das scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Besonders als Recruiter hat sich Miller einen Namen gemacht und sich in diesem Herbst selbst übertroffen. In der Spielzeit 2017/18 wird Arizona eine der besten Freshman Classes der NCAA und den besten High Schooler des Jahrgangs (DeAndre Ayton) begrüßen dürfen und Miller ist nicht am Ende mit seinem Freshman Jahrgang.

Allerdings muss Miller nun auch beweisen, dass er aus all dem Talent auch einen Final Four Teilnehmer formen kann. Diesen Beweis ist er bisher schuldig geblieben. Als Coach muss er noch lernen, seine Auszeiten besser zu managen (er nimmt sie gerne zu früh) und sich flexibler dem Gegner anzupassen.

Stil
In den ersten Jahren unter Sean Miller war die Defense das Markenzeichen der Wildcats. Die vergangene Saison stellte da bislang eine Ausnahme dar. Am liebsten bestückt Miller die Positionen Zwei bis Vier mit Athleten, die allesamt vier Positionen verteidigen und entsprechend viel switchen können. Auch sonst spielen die Wildcats sehr aggressive Defense. Sie hedgen beim Pick & Roll, doppeln gerne und zwingen den Gegner zu Ballverlusten.

Können sie im Anschluss keinen Fastbreak laufen, hat Miller jedoch auch viele Halfcourt Sets in der Hinterhand. Das Pick & Roll ist bei vielen Plays das zentrale Element. Nichtsdestotrotz müssen sich Gegner immer wieder vor Backdoorplays und Alley-Oops in Acht nehmen.


NBA Kandidaten
Lauri Markkanen wird einer der Aufsteiger der kommenden NCAA Saison sein. Selbst wenn er sich erst an das physische Collegespiel, das mehr auf Eins-gegen-Eins ausgelegt ist, gewöhnen muss, ist der Finne so exzellent veranlagt und technisch ausgebildet, dass sein NBA Talent selbst in schwachen Spielen ersichtlich wird. Unter den ersten 20 wird er auf jeden Fall landen. Auch Rawle Alkins und Kobi Simmons sind potentielle NBA Kandidaten, doch ob sie bereits nach dieser Saison die Draftanmeldung einreichen werden, ist fraglich. Allonzo Trier wird hingehen nicht noch einmal warten, wenn er eine starke Saison spielt. Selbst in der NBA sollte er Wege zum Scoren finden.

BBL Kandidaten
Kadeem Allen ist der einzige Senior und aufgrund seiner guten Verteidigung könnte er tatsächlich in der BBL oder in Europa landen. Allerdings muss er offensiv solider werden und darf sich nicht mehr so viele Fehler erlauben.

Prediction
Dass die Wildcats sich diese Saison anders präsentieren werden als in der vergangenen, dürfte relativ klar sein. Besonders Miller wird diese Saison und dieses Ende nicht so auf sich sitzen lassen. Ein Spieler wie Trier ist ebenfalls nicht ohne Grund zurückgekehrt. Seit Jahren hungert Miller nach dem ersehnten Final Four und gerade dieses Jahr käme eine Teilnahme durchaus gelegen, da der Austragungsort in diesem Jahr nur zwei Stunden Autofahrt vom Campus entfernt in der Nähe von Phoenix liegt.

Ob die Wildcats jedoch tatsächlich soweit kommen, hängt zunächst davon ab, ob Trier spielen darf. Er hebt das Spiel der Wildcats auf ein ganz anderes Level. Weitere Faktoren sind die Rollenverteilung im Backcourt und die Defense der Bigs. Läuft alles nach Plan, ist das Final Four möglich, aber nicht garantiert. Offenbaren sich Schwierigkeiten, kann auch wieder am ersten Wochenende der March Madness realistisch sein.

Wichtige Spiele
Freitag, 11.11. vs. Michigan State
Samstag, 03.12. vs. Gonzaga
Samstag, 17.12. vs. Texas A&M
Samstag, 21.01. @ UCLA
Samstag, 04.02. @ Oregon
Samstag, 25.02. vs. UCLA