23 November 2016

23. November, 2016


von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Seit er 2010 mit dem fünften Pick des Drafts (u.a. hinter Evan Turner, Derrick Favors und Wesley Johnson) von den Sacramento Kings gepickt wurde, hatte DeMarcus “Boogie” Cousins sechs verschiedene Trainer.

Das sind mehr als die San Antonio Spurs und Dallas Mavericks seit 1996 zusammen, und genauso viele wie die Miami Heat in ihrer gesamten Franchise-Geschichte (seit 1988). Die Frage nach Boogie und dem Coach-Verbrauch in Sacramento ist die NBA-Version des “Henne-Ei-Problems”.

Ganz egal wer oder was zuerst da war: Im Status Quo sind wir Alle Verlierer! Die Kings verlieren seit dem 2010er Draft so viele Spiele wie sonst nur die Sixers und Wolves (letztere könnten sie schon dieses Jahr einholen), der Abstand zum viertschwächsten Team aus Charlotte beträgt schon 25 Siege.

Cousins kann zwar individuell brillieren, hat aber nun schon sechs Jahre verloren, in denen er nicht in die Nähe der ganz oberen Superstar-, geschweige denn MVP-Diskussion kommt. NBA-Fans verlieren einen potenziellen Must Watch Spieler, den sie nur in bedeutungslosen Partien neben bedeutungslosen Durchschnittskollegen bewundern können.

Die einfache Lösung, durch die wir alle zu Gewinnern werden könnten: ein Boogie-Trade!


Was wollen die Kings?

Die Situation in der kalifornischen Hauptstadt ist kompliziert. Der Erfolgsdruck aufgrund der wirklich außerordentlich schönen neuen Arena und einem genauso siegeshungrigen wie unerfahrenen Besitzer ist enorm. Der sportlichen Leitung um General Manager Vlade Divac ist es bisher nicht gelungen, diesem Druck standzuhalten und um den Franchise-Player Cousins ein erfolgreiches Team zu bauen.

Öffentliche Andeutungen von Journalisten über in NBA-Kreisen kursierende Boogie-Geschichten, die wohl insbesondere seinen Umgang mit Teamkollegen betreffen, waren dabei sicherlich auch keine Unterstützung. Die hohen Draftpicks, die der Franchise durch das schlechte Abschneiden Jahr für Jahr zur Verfügung standen, wurden außerordentlich schlecht genutzt. Auch auf dem Free Agent Markt spielen die Könige eine sehr untergeordnete Rolle.

Die Chance, bereits etabliertes Talent, das nicht auf eine Position und/oder einen einzigen Spieler konzentriert ist, und eventuell weitere Patronen für bessere Draft-Schüsse zu akquirieren, besteht einzig und allein in einem Trade von DeMarcus Cousins.


Nach Jahren am Boden der Liga die zarten Pflänzchen niederzureißen und nochmal komplett bei Null zu beginnen, fällt sicher schwer. Um irgendwann in mittelfristiger Zukunft Playoff-Basektball im Golden 1 Center sehen zu können, ist dieser Schritt aber nahezu alternativlos.

Der Vertrag des zweifachen Allstar und All-NBA Team Centers läuft nach der nächsten Saison im Sommer 2018 aus. Deshalb sinkt sein Marktwert durch die kürzere “Nutzungsdauer”, die ein potenzieller Tradepartner definitiv gesichert hätte, quasi täglich.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass Sean Deveney von den “Sporting News” zuletzt über vermehrte Gerüchte innerhalb der Liga berichtete, nach denen Cousins bereits im Dezember getradet werden könnte, um seinen Marktwert höher zu halten als das bei der Trade-Deadline im Februar der Fall wäre. Es ist also längst an der Zeit, potenzielle Trade-Ziele für DeMarcus Cousins ins Auge zu fassen und potentielle Deals zu durchleuchten.


Mögliche Ziele

Boston Celtics
Need
Die Celtics brauchen einen Star. Das Asset-Sammeln der letzten Jahre soll letztendlich in einem Superstar enden. Via Draft stellt sich das immer als Risiko und schwierige Aufgabe dar, daher ist ein Trade für Boston die sicherere Variante. Mit der Verpflichtung von Al Horford sind sie in einer Situation, wo das Zeitfenster für den großen Wurf etwas enger wird.


Viele ihrer “jungen” Spieler sind zwar jung, aber nicht Timberwolves-jung, sondern kurz vor oder bereits in ihrer Prime (Crowder, Bradley, Thomas). In dieses Gefüge würde Boogie Cousins exzellent reinpassen.

Fit
Das “positionslose Spiel” könnte mit einem Horford / Cousins Frontcourt auf die Spitze getrieben werden. Beide können den Dreier treffen, beide können unter dem Korb agieren, beide können (wenn sie (insbesondere Cousins) wollen) gut verteidigen. Die Altersstruktur im Roster wäre fantastisch, da der erweiterte Kern noch mindestens 2-3 Jahre gemeinsam auf der absoluten Höhe seines Schaffens spielen könnte.

Der Trade
Cousins für Rozier + Brown + Johnson + 1 Brooklyn-Pick ODER Rozier + Johnson + 2 Brooklyn Picks


Denver Nuggets
Need
Die Nuggets wollen eher heute als morgen in die Erfolgsspur finden und minimum wieder Playoffs. Der Kader ist zwar sehr tief, hat aber eigentlich fast überall “zu viel Talent” um es angemessen zu fördern. Ein Trade könnte diese Problematik durch eine Ausdünnung der Tiefe und Konzentration auf weniger, aber dafür größere Talente lösen und gleichzeitig das Potenzial des Teams heute und in der mittelfristigen Zukunft merklich anheben.

Fit
Einer der jüngeren Frontcourt-Spieler, die jetzt schon Erfahrung in “Doppel-Big-Lineups” sammeln konnten, müsste natürlich gehen, um Platz für Cousins zu machen. Zusätzlich könnte der “Talentstau” bei den Guards gelockert werden, was mittelfristig auch mehr Zufriedenheit bei den verbleibenden Spielern zur Folge haben würde. Denver wechselt sofort in den Win-Now-Modus und ist ein ernstzunehmendes und unangenehm zu spielendes Playoff-Team.

Der Trade
Cousins für Faried + Nurkic/Jokic + Harris/Barton + First Rounder


Washington Wizards
Need
Es läuft nicht in Washington. Der Saisonstart zeigt, dass das letzte Jahr wohl kein Ausrutscher war und der Trend in einem Team, das den Zenit eigentlich noch vor sich haben sollte, in die falsche Richtung zeigt. Der Druck auf die sportliche Führung wächst und es muss in Alternativen gedacht werden. Talent ist zwar vorhanden, aber der Backcourt um Wall und Beal nun auch schon im gemeinsamen Jahr Nummer 5. Vielleicht braucht man einfach “etwas anderes”.


Fit
DeMarcus Cousins und College-Kollege John Wall könnten das tödlichste Point Guard / Center - Gespann sein das die Liga zu bieten hat. In der College-Saison 2009/2010 gewann die University of Kentucky 35 ihrer 38 Spiele, in jeder einzelnen statistischen Kategorie angeführt von Wall oder Cousins, manchmal von beiden auf Rang eins und zwei. Wenn man Otto Porter, der dieses Jahr tolle Leistungen zeigt, aus dem Trade raushalten kann hätte man ein Team was vor allem in der Spitze über jeden Zweifel erhaben ist und in dem zumindest die Chemie stimmen sollte.

Der Trade
Cousins + Casspi für Beal + Oubre + First Rounder (ab Januar möglich)


Weitere Optionen

Wo wäre ein Trade für Cousins außerdem vorstellbar? Die Antwort ist leicht: Fast überall!


Wirklich vorstellbar und/oder zumindest interessant zu bedenken sind mindestens folgende Teams: Die Oklahoma City Thunder, die ihr vorhandenes Talent gegen ein erneutes Superstar-Tandem eintauschen und damit ein (in jeder Hinsicht) unberechenbares zweiköpfiges Monster erschaffen könnten.

Die Houston Rockets, die mit Harden ebenfalls einen Partner aus der ganz oberen Superstar-Schublade, aber wohl weniger Trademasse als die Thunder anbieten können. Die Los Angeles Lakers, die viele junge Assets und  genauso viel Bedarf an kurzfristigem Erfolg und Superstars haben.

Die Miami Heat, weil man Mr. Pat Riley nie aus dem Rennen um einem verfügbaren Superstar ausschließen sollte. Die Portland Trail Blazers, die einen Center brauchen, ihr Talent vielleicht auf unterschiedlicheren Positionen verteilen wollen und genug im Angebot haben, was die Kings interessieren könnte. Die Orlando Magic, wegen ihrer zahlreichen Potenzialträger und Erfahrung mit launischen Superstar-Centern.

Die New York Knicks, weil wirklich alles passieren kann, wenn Phil Jackson und Vlade Divac an einem Tisch sitzen. Und, nicht zu vergessen: die Golden State Warriors, die einen Center brauchen und mehr Angst vor einem Gegner mit DeMarcus Cousins als einem Gegner mit Klay Thompson haben dürften.

Das zeigt: Nicht ist unmöglich, aber eines ist klar...Boogie muss weg!