25 November 2016

25. November, 2016


von TORBEN SIEMER @LifeofTorben

Die Offseason 2016 war eine ereignisreiche für die Atlanta Hawks – mit Al Horford verließ der Franchise Player Georgia, mit Dwight Howard kam ein komplett anderer Spielertyp neu zum Team von Coach Mike Budenholzer.

Ein signifikanter Einschnitt: In den letzten Jahren war das Offensivspiel der Hawks geprägt von hohem Tempo, vielen Pässen und gutem Spacing dank des Frontcourt-Tandems Paul Millsap und Horford.

Beide stehen exemplarisch für die Skillball-Ära der NBA, können sowohl passen als auch den Sprungwurf treffen und damit das Spielfeld breit machen. So standen phasenweise fünf respektable Distanzschützen auf dem Feld, ein freier Abschluss war das Ziel des Hawks-Angriffs.

Defensiv wurde das Fehlen eines klassischen Ringbeschützers durch häufiges Switchen aufgefangen, ermöglicht durch die Beweglichkeit und Schnelligkeit von Millsap und Horford. An den Brettern ließen die Hawks aber routinemäßig Federn.

Neuzugang Howard ist weder ein guter Schütze aus der Mitteldistanz oder gar von der Dreierlinie, noch ist er ähnlich mobil wie Horford – er ist ein klassischer Center, der aus dem Pick & Roll am Korb abschließen kann und den Ring beschützt. Wie also würde sich seine Verpflichtung auf den Stil der Hawks auswirken? Nach knapp vier Wochen sind erste Trends zu erkennen.

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Die vielleicht auffälligste Neuerung: Howard wirkt so fit, mobil und motiviert wie lange nicht. Das zahlt sich aus. Während die Hawks in den Vorjahren bei der offensiven Reboundrate (2015/16: nur 19.1 Prozent, Platz 30) zum Bodensatz der NBA gehörten, liegen sie dort momentan mit 25.6 Prozent im vorderen Drittel.

Mit Howard auf dem Feld steigt dieser Wert auf über 30 Prozent. Offensiv ist das Pick & Roll zwischen Howard und Dennis Schröder bisher höchst effektiv, weil Howard über 65 Prozent seiner Abschlüsse in Ringnähe verwertet und Schröder bisher seinen Dreier deutlich über Karriereschnitt trifft.

Auch defensiv hat Mike Budenholzer die Ausrichtung seines Teams angepasst: Die Hawks verteidigen etwas konservativer als mit Horford. Rückte dieser oft bis an die Dreierlinie heraus und übernahm nach Switches im Pick & Roll den Guard, bleibt Howard vorrangig in der Zone und gibt dort den Ringbeschützer.


In Korbnähe lässt Atlanta aktuell 53.2 Prozent Trefferquote zu - ein Top 3-Wert und eine erneute Steigerung des Vorjahreswertes (55.5%). Die Defensive ist trotz des veränderten Stils auch 2016 elitär: Mit einem Verteidigungsrating von 96.2 ist Atlanta Ligaspitze, das Net-Rating von 6.8 ist das aktuell drittbeste.

Wie nachhaltig dieser Trend ist? Schwer zu sagen. Der Spielplan war bisher eher gnädig, am Wochenende lieferten die Hawks und allen voran Schröder bei den New York Knicks die schwächste Saisonleistung ab. Vor dem Sieg gegen verletzungsgeplagte Indiana Pacers hatte Atlanta drei in Folge verloren.

Auch in dieser Saison sind die Hawks kein echter Contender. Die 60 Siege plus Conference Finals aus der Spielzeit 2014/15 werden wohl nur ein Ausreißer bleiben. Aber die neue Ausrichtung funktioniert.

Howard sieht auf dem Feld so gut aus wie lange nicht und der Saisonstart macht Hoffnung, an die 48 Siege aus 2015/16 anknüpfen zu können. Das neue Gesicht macht die Hawks nicht nur aus deutscher Sicht zu einem interessanten Team.

(Stats via NBA.com und Basketball-Reference - Stand 25. November).