05 November 2016

5. November, 2016


*"That’s bullshit. I love Perk." Ich. Im Körper von Kevin Durant.

von ANNO HAAK @kemperboyd

Das Video ist nur so. Kann losgehen.

Betriebsamkeit, Dein Name sei Sam!
Du kannst Oklahoma City manches vorwerfen, aber nicht, dass keine Musik drin ist. Während Russell "The big 0" (whoohaa, ja, das ist ein Null) durch die Zonen der Liga tanzt, ist das Front Office dauerhaft im Hochstrombetrieb. Die ca. hundert Verhandlungsstunden bei Kerzenschein in den Hamptons mit dem Versuch, den demnächst nur noch zweibesten Spieler der Franchisegeschichte zu halten, gehen davon zwar ab.

Ansonsten hat Sam Presti aber seit Ende Juni kaum einen Brick (shots fired, Russ!) auf dem anderen gelassen. Erst schredderte man das Trikot mit der Nummer 9 für Sabonis jr., Oladipo und den türkischen Big Man's Luke Ridnour. Dann zertrümmerte man das Sparschwein, um Westbrook glücklich zu machen, und nun tätigte man auch den ersten In-Season-Trade. Der Leser soll ja was kriegen für sein Geld, deshalb ein Kurz-WTD im DASFS.UM!

*WTD interlude Anfang*

Start
Oklahoma City hat - ich wies bereits darauf hin - bezahlt. Die Jungs, die man kennt. Deren Potential man zu kennen glaubt. Ein Playoffteam, geschweige denn einen Contender hat man mit der viertel Milliarde für Westbrook, Dipo und Adams indes noch nicht beisammen.

Da muss billig(er)es Ergänzungsmaterial her. Philadelphia ist immer auf dem Sprung, irgendwen oder irgendwas abzugeben, wenn es nach Draft Pick riecht.

Los
Die Sixers erhalten Ersan Ilyasova und einen top-20-geschützen Firstrounder 2020, die Thunder Jerami Grant.

Donnerwetter
Sportlich ein merkwürdiger Trade für Sam Presti. Man lädt sich noch einen jungen Athleten ohne Wurf, aber mit unbestreitbaren Defensivskills an Bord und gibt einen der wenigen Stretcher für Russell Westbrooks Drives ab. Wenn man schon mit Durant letztes Jahr nur Nr. 17 bei der Dreierquote ligaweit war, ist die Idee einen 28 %-Karriereschützen aus der Innenstadt zu holen, eher suboptimal.

Dong...
Aus Sicht der Sixers ein noch komischerer Trade. Wo man mit dem nominellen Vierer vom Bosporus hinwill, wenn (jau, großes "Wenn") alle angelernten oder tatsächlichen Bigs (Okafor, Embiid, Noel, Simmons, Holmes) mal fit sind, weiß nur der Geist des Asset-Sam(mlers).

Klingeling
In Wahrheit geht es wohl um das, worum es immer geht. Sex? Nein. Macht? Nein. Geld! Benjamins, Bitches! Philly kommt mit dem Gehalt des neuen Handelsreisenden in Sachen Basketball (Milwaukee, Detroit, Orlando, Oklahoma, Philadelphia seit Sommer 2015) näher ans Minimalplateau der Teamgehälter und kriegt dafür noch einen Pick geschenkt. Panzerherz, was willst Du mehr

Die Thunder knapsen sich mit dem Tausch wahlweise Cap Space im kommenden Sommer oder eine Trade Exeption in der laufenden Saison ab. Die man vermutlich nutzen will, um Joffrey Lauvergne per S&T für Blake Griffin abzugeben. (Ich weiß, ich wollte nur einmal "Lauvergne" schreiben). Bei den Thunder dürfte die Aktion jedenfalls nicht die letzte der laufenden Saison gewesen sein. Jerami Grant wird das Ende der Saison wohl eher nicht in türkis erleben, auch wenn die Thunder erfolgreich durch alle Kanäle sickern lassen, man habe den Neffen von Taucherbrillen-Horace und Sohn von Taucherbrillen-Horace-Bruder Harvey seit Jahren haben wollen.

With the 21st Pick
Bleibt die Draftbilanz. Der Pick, selbst wenn er denn geliefert wird, hilft den Sixers nicht weiter. Er liegt außerhalb der Vertragslaufzeit von Westbrook. Dass die Thunder in vier Jahren auch nur ein manierliches, geschweige denn ein Top-10-Team sind, ist nicht gesagt.

Und selbst wenn das Wahlrecht an die Freiheitsglocke geht: Was will man damit? Will man in vier Jahren immer noch im Aufbau sein? Von den gewandelten Zweitrundern 2022 (!) und 2023 (!!) für den Fall, dass der Pick in Oklahoma bleibt, nicht zu reden. Der Fachterminus für sowas ist, so lernte ich, ein Fake First Rounder.

Die Thunder kaufen sich zwar ein wenig Flexibilität, die sie aber an anderer Stelle gleich wieder ungewollt einsparen. Denn der 18er Erstrundenpick ist für den Ganzjahresmovember in Utah gelandet, bedeutet, die Picks 2017 und 2019 sind unberührbar. Ein Straight-Up-Trade mit zwei Verlierern. Muss man auch erst mal hinbekommen.

Gewinner
Ich, weil ich einen Thunder Move analysiert habe, ohne die Worte "Harden" oder "Sonics" zu benutzen.

*WTD Interlude Ende*


Extension, die zweite
Ende Oktober wird in schöner Regelmäßigkeit noch mal ein Bündel Grünes auf den Scheit gelegt. 2016 macht da keine Ausnahme. So erhielten drei Center ohne Wurf, ein Guard ohne Wurf und Cody Zeller rund 400 Mio. $ bis 2021 garantiert. Fünf Verträge, drei Kategorien.

Nobrainer
Hierher gehört Rudy Gobert. Der beste Defensivcenter der Liga unter 30, der Fels, auf dem das nächste Playoffteam vom Salzsee entstehen soll. Sportlich ist das unbedenklich, finanziell nicht angreifbar, strategisch sinnvoll. Das Hayward-Desaster der Giftpille des 3+1-Offer Sheet ist schließlich noch gewärtig. Dass die Jazz, bezahlen sie demnächst Hayward (erneut), Exum oder einige der anderen Talente, Richtung Luxussteuer cruisen, ist völlig egal. Ein besseres Team klauben sie weder im Draft noch – Gott bewahre – in der Free Agency zusammen.

Gorgui Dieng darf man ebenfalls hier unterbringen. Für ein Blockmonster recht günstig, als Sidekick neben der eierlegenden Wollmilchsau Towns optimal verwahrt oder kurz: ein athletischer, defensivstarker 27-jähriger für Mozgov-Money. Wer würde da nachdenken?

Head Scratcher
Kiwidipo. Ich verstehe die, die sagen, der Teufel den Du kennst, ist vorzugswürdig. Ich verstehe die, die sagen, halt die jungen Spieler erst mal, den Rest machen wir später. Ich verstehe die, die sagen, der Gegenwert für Ibaka, kann, bei allem Respekt, nicht nur Sabonis sein.

Doch die Frage im proaktiven Universum, das Sam Presti in sieben Tagen erschaffen hat, muss doch lauten: sind Adams und Oladipo die Spieler, um die man ggf. nach Westbrook den nächsten türkisen Contender baut? Wobei, wenn ich drüber nachdenke: damit ist man schon in dem Universum, in dem man den Wizards einen John-Wall-Trade wegen (nur) 42 Siegen per annum empfiehlt. Geht in Ordnung.

Whatever
Cody. In der NBA gibt es gefühlt nur knapp weniger Zellers als Plumlees und mehr Plumlees als Steph-Curry-Dreier in einer Playoffserie. Ein Segen für ihre Familien, dass die jetzt auch alle bezahlt werden wie der B2B-MVP. Glückwunsch dazu! Ob das sinnvoll war, ist mir gleich. Sorry.


The Soap Opera that never were
Es ist nahezu putzig, wie man in den USA um nahezu jeden Preis aus der einst brüderlich scheinenden Genossenschaft zwischen Russell Westbrook und Kevin Durant eine hasserfüllte Exen-Bindung extrahieren will. Durant hat sich nun anlässlich der ersten Begegnung mit der sportlichen Vergangenheit zu weiteren Äußerungen verleiten lassen, die man naturgemäß begierig melkt, bis direkt Sahne aus dem Euter fließt.

Das Problem ist: was er sagte, gibt nicht viel her. Westbrook hat früh geheiratet, Durant nicht. Westbrook hatte Mutter und Vater, Durant nur ersteres. Russell mag Fernsehabende mit der Collegeliebe, Durant mag irgendwas anderes. Westbrook interessiert sich für Mode, Durant für irgendwas anderes. Auf dem Platz Brüder, daneben nicht, den Abgang und die Art von deren Kommunikation werde man unter vier Augen besprechen.

Sich nach acht Jahren per SMS zu verabschieden, ist suboptimal, ja. Eine Fernsehshow ist es nicht. Eine Soap mit Angriffen auf das Privatleben ist himmelweit weg. Hier ist kein "Ich hätte die außerehelichen Gspusis bezahlen sollen wie Kaktus Shaq", kein Beef nirgendwo. Hört endlich auf, mir zu erzählen, das hier sei Shakobe (oder Shaqobe oder Shaqkobe) 2.0, das ist nicht mal Robinson vs. Rodman, ach nicht mal Miami-LeBron vs. der Geist von LeQuit.

Das ist ein Nichts, ein Ballon, aus dem schon der Spielplanersteller die Luft gelassen hat (erster Warriors-Besuch in OKC im Februar). Lasst mich mit dem Quatsch in Ruhe und wenn Ihr dabei seid, sagt Enes Kanter, Trash Talk von überbezahlten Bankmenschen ist peinlicher als "Ich dachte, es war einvernehmlich".


Fundstück der Woche
...ist keins. Walter Ray Jesus Judas Allen jr., ladies. You'll be dearly missed! Keep shootin'!