16 November 2016

16. November, 2016


von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports

75 Triple Doubles legten die NBA-Profis im vergangenen Jahr auf - 29 mehr als in jeder anderen Saison innerhalb der letzten zehn Jahre. Ob Statistikverliebheit oder pure Vielseitigkeit. Die zweistelligen Werte bei Punkten, Assists und Rebounds werden mehr und mehr. Bis zu den Rekorden von Oscar Robertson ist es aber noch ein weiter Weg.

38,7 Punkte, 12 Rebounds  und 11,7 Assists pro Spiel. Russell Westbrook legte einen ersten NBA-Monat hin, der dem Namen seiner Franchise alle Ehre machte. Nun war das statistische Donnerwetter nur ein Mittelwert aus drei Oktober-Partien.

Mit den folgenden November-Partien sanken seine Werte auf mittlerweile 32 Punkte, 9,7 Rebounds und 9,9 Assists „gesunken“. Nichtsdestotrotz: Russ’ Stats-Profil grenzt an eine Errungenschaft, die 54 Jahre niemandem mehr gelungen ist: ein Triple Double im Schnitt.


1961/62 spielte Oscar Robertson die vielseitigste Saison der NBA Geschichte. Es gab bessere Scorer, bessere Passer und bessere Rebounder seither. Doch an die Kombination von 30,8 Punkten, 12,5 Rebounds und 11,4 Assists im Schnitt kam nie wieder jemand heran. 31,4 Punkte, 9,9 Rebounds und 11 Assists sind die nächstbesten Durchschnittswerte. Die stellte ebenfalls 'The Big O' auf.

Schon vor dem Start der diesjährigen Saison war gemunkelt worden, dass Westbrook die einmalige Leistung des langjährigen Cincinnati Royal angreifen würde. Mit dem Abgang seines „One-Two-Punch“-Partners Kevin Durant sollte er schließlich absolute Narrenfreiheit erhalten. Schon in den letzt beiden Jahren hatten niemand häufiger„Dreifach Doppel“ aufgelegt als OKCs Nummer Null.


Nur ein aktiver NBA-Spieler hat in seiner Karriere bisher mehr Triple Doubles als Westbrook auflegt. Doch genau der könnte ihm jetzt den Angriff auf Robertsons Fabelwerte streitig machen.

Nach zehn Partien liegt LeBron James bei 23,4 Punkten, 8,9 Rebounds und 9,6 Assists im Schnitt. Der Finals-MVP mag nicht die gleiche Motivation wie Westbrook haben, es der ganzen Welt zu zeigen, doch dafür bringt er die wesentlich besseren Anlagen mit.


So hat der Cavalier die deutlich besseren Mitspieler, die seine grandiosen Anspiele im Zweifelsfall eher verwerten können. Viel wichtiger aber: James ist zwölf Zentimeter größer. Oscar Robertson pflückte zwar trotz „nur“ 1,96 Metern Länge unheimliche viele Rebounds. Doch heute ist die Liga nicht nur durchschnittlich sechs Zentimeter größer, es wird auch viel besser ausgeboxt.

Die Abpraller könnten also zum echten Problem für Westbrook werden. Auch wenn davon bisher nichts zu erkennen ist. Was würde es eigentlich über ihn als Spieler aussagen, wenn es ihm trotzdem gelingen würde? Fantasy-Owner dürfte es sicherlich erfreuen, aber ist ein Triple Double mehr als ein Muster ohne Wert?


Zunächst das Offensichtliche: Statistiken sind schön. Siege sind besser. Russell Westbrook hat in den letzten 365 Tagen 22 Triple Doubles aufgelegt. Sein Team hat jedes einzelne dieser Matches gewonnen - bis zur Niederlage am Montag gegen Orlando. Dreimal zweistellige Werte als Schlüssel zum Sieg? Es kommt ganz drauf an, was im Vordergrund steht. Will einer Spieler unbedingt ein Triple Double holen, mindert das die Siegchance seines Teams eher.

JaVale McGee legte am 15. März 2011 beispielsweise 11 Punkte, 12 Rebounds und 12 Blocks auf. Lange Zeit stand er jedoch nur bei neun Zählern. Nach dem Spiel gab er offen zu: „Das war der schwierigste Punkt in meinem Leben, den ich je versucht habe, zu machen.“ Wie Recht er hat: die Schlussphase der Partie gegen Chicago geriet zur Slapstick-Show von McGee, Washington verlor 79-98.


Aber nicht nur dem langjährigen „Shaqtin a Fool“-MVP wird vorgeworfen, dass er seine Statistiken künstlich in die Höhe treibt. Ricky Davis trieb es einst bei der Jagd nach einem Triple Double auf die Spitze.

Rajon Rondo musste sich dieses Fazit selbst in gegnerischen Scouting-Reports gefallen lassen. Der Point Guard der Bulls hat in den letzten vier Jahren eine negative Triple-Double/Sieges-Bilanz. Seit er nicht mehr für Paul Pierce, Kevin Garnett und Ray Allen auflegen kann, ging es steil bergab. In den Contender-Jahren der Celtics gewann Rondo alle zwölf Partien, in denen er mindestens 10, 10 und 10 auflegte.

Die ernüchternd einfache Erkenntnis: Spielt ein guter Spieler in einem guten Team gut, hat das Team auch gute Siegchancen. Gleichwohl ist das alleinige Erzielen eines Triple Doubles kein Erfolgsrezept. Oscar Robertsons Royals gewannen 1961/62 nur 43 Partien. Das lag natürlich nicht am zwölfmaligen All-Star, sondern am Fehlen ähnlich produktiver Mitspieler. Die absurden Statistiken von „The Big O“ können also durchaus mit dem Spruch „good stats on a bad Team" in Verbindung gebracht werden.


So gesehen scheint Westbrook seinem Vorgänger mehr und mehr zu ähneln. Die Thunder von 2015/16 sind höchstens Durchschnitt. Der Vergleich ist aufgrund der unterschiedlichen Epochen natürlich nicht ganz sauber. Die Royals spielten damals auch ein unglaubliches Tempo, was Robertsons Zahlen weiter ansteigen ließ. Ihr Pace-Rating lag damals bei 124,9. Das schnellste Team dieser Saison, Phoenix, kommt aktuell auf 105,1 Angriffe pro Spiel.

Dieser Fakt soll Robertsons Werk aber keineswegs schmälern. Im Gegenteil. Vielmehr soll er Verständnis dafür erzeugen, wenn Westbrook oder LeBron unter dreimal zweistellig im Schnitt bleiben. Um tatsächlich von Oktober bis April diesen statistischen Output zu halten, muss wirklich alles perfekt zusammenkommen.

Triple Double Facts

Offiziell werden Triple Doubles erst seit der Saison 1979/80 erfasst.
Dolph Schayes soll  am 8. Februar 1951 für die Syracuse Nationals das erste Triple Double der NBA aufgelegt haben. Gegen die Knicks brachte er es auf 18 Punkte, 22 Rebounds und 13 Assists.
Obwohl er 1961/62 ein Triple Double im Schnitt auflegte, gelang Oscar Robertson dieses Kunststück „nur“ in 41 Spielen jener Saison.
Insgesamt gelangen Robertson in seiner Karriere 181 Triple Doubles. Auf Platz zwei der Rangliste folgt Magic Johnson mit 138, dahinter Jason Kidd mit 107.
Nichtsdestotrotz hält Wilt Chamberlain den Rekord für die meisten Triple Double hintereinander. Vom 8. bis 20. März 1968 legte er neunmal in Folge ein Triple Double auf.