20 Oktober 2016

20. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Utah Jazz.

von HARALD MAINKA

Flashback
40-42, keine Playoffs

Plus
George Hill
Joe Johnson
Boris Diaw
Henry Sims
Marcus Paige

Minus
Trey Burke
Trevor Booker

Was ist Neu?
Das größere Skrotum. Die Mannschaft hatte nicht die Eier, Kobes Farewell-Show zu vermasseln und mit einem Sieg die Playoffs klar zu machen. Dass Quin Snyder seine Jungs trotz kontinuierlicher Verletzungssorgen bis kurz vor die Post Season bugsierte, spricht für das behutsam aufgebaute Projekt, dass hier jahrelang durch der NBA-Peripherie schipperte. Da die Schlüßelspieler Hayward, Favors und Gobert in ihre besten Jahre kommen, hat General Manager Dennis Lindsey an den richtigen Stellschrauben gedreht und mit Hill, Johnson und Diaw drei äußerst fähige Veteranen geholt, die ihren Mann bereits mehrfach in den Playoffs gestanden haben. Dazu die retroschicken Uniforms… ergibt die volle Offseason-Punktzahl!

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Beste Addition
George Hill… Haltet einfach mal zehn Sekunden lang inne und denkt über die besten Verteidiger auf der Eins nach. Genau, Hill ist kriminell unterbewertet, war ein Zugpferd der Pacers-Defense und gibt den Jazz nun eine Antwort auf die Westbrooks, Currys und Pauls dieser Western Conference. Als Three and D-Spieler ist er das größte Plus gegenüber der letzten Saison und macht mit Exum und/ oder Hood den Flügel der ohnehin schon starken Defense noch zermübender. Mag sein, dass er vorne nicht der große Ballverteiler ist - Hill baut das Play auf, exekutieren sollen andere. Von seinen Point Guards bekam Utah in der letzten Saison nicht einmal das. Hills Zugang ist daher ein großes Ugrade.

The Planet
Gordon Hayward ... ist wie Jerry West. Nun ja, fast. Entwirft die NBA nämlich irgendwann ein Logo für All Stars, die aufgrund ihrer Teamzugehörigkeit in einem kleinem Markt spielen und daher jährlich unberücksichtigt bleiben, dann sollte das hübsche Gesicht des 26-Jährigen abgebildet werden. Die Liga hat auf Small Forward Kevin Durant, Kawhi Leonard, Paul George, gleich dahinter folgt Hayward. Habt dieses Jahr ein Auge auf sein All Around-Game, dass ihm schließlich das Ticket nach New Orleans lösen wird. Mit seinem auslaufendem Vertrag steht er ohnehin besonders im Fokus und weckt heimlich ligaweit Begehrlichkeiten.


Rising Star
Dante Exum … von dem niemand weiß, wie gut er wirklich mal werden wird. Nach seinem Kreuzbandriss bekommt er mit der variableren Rotation im Backcourt genug Zeit für die Rehabitilation. Mit seinen körperlichen Voraussetzungen ist er als Eckpfeiler der Jazz-Defense eingeplant und wusste erst ausschöpfen können, wenn er sich offensiv eine Waffe zulegen kann. Was ist Exum vorne? Ein Playmaker? Ein Cutter? Ein Distanzschütze? Der Aussie hat genau die richtigen Jungs um sich, die ihm bei der Identitätsfindung behilflich sein werden.

Falling Fast
Die Anzahl der Hausbesuche von Missionaren, weil selbst Mormonen dieses Jahr Basketball spielen sehen wollen! Wem das zu politisch unkorrekt ist: eine Backcourt-Rotation aus Hill, Exum, Hood, Mack und Burks balanciert genug Playmaking, Scoring, Perimeterverteidigung, sodass für Raul Neto wohl nicht mehr viele Minuten übrig bleiben werden. Der Brasilianer fällt hier hinten über, ist vielleicht für andere Teams als Backup-Point Guard interessant.

Don’t Sleep! 
Rodney Hood …ist einfach ein toller Fit in diesem Team auf der Shooting Guard-Position. Völlig unbeachtet entwickelte er sich in seiner Sophomore-Saison zum Scharfschützen und war ein Lichtblick in der sonst pragmatischen Offensive der Jazz. Der Ex-Dukie ist talentiert genug, sich den eigenen Wurf zu kreieren, kann in verschiedenen Formationen als Spot Up-Schütze und Stopper fungieren. Der Typ macht Spaß! Genau so wie die Big Men-Kombo Favors/Gobert, die ich bis hierhin mit noch keiner einzigen Silbe erwähnt habe… oder Trey Lyles… verdammte Jazz!

Beste Fünf
Hill - Hood - Hayward - Favors - Gobert

Good News
+ Neue Mentalität! Hill, Johnson und Diaw extrahieren das Salz aus den Seen und führen das junge Team vom ersten Tag an
+ Tiefe auf den großen Positionen: Utah hat mit Favors und The French Rejection die vielleicht beste Big Man Kombo im Game, in Trey Lyles einen modernen Stretch-Vierer mit viel Upside und dann auch noch die kaffeetrinkende Spielintelligenz namens Boris Diaw
+ in der Crunchtime erzielt Joe Johnson genau die drei Punkte, mit der Utah regelmäßig knappe Spiele abgab
+ Utah spielt eine Top 5-Defense, bekommt mit Hill und (quasi) Exum weitere fähige Verteidiger dazu

Bad News
- Vertragssituation: die drei Eckpfeiler Hayward, Favors und Gobert wollen alle neue Verträge
- Haywards Fingerverletzung wird ein paar Siege kosten
- womöglich sind Exum, Hood und Lyles zu jung für den Kampf um den Heimvorteil
- niemand unterschätzt das Team mehr


Was fehlt?
Ja, das frage ich euch! Wir reden hier vom Gewinner der Offseason und ihr fragt mich, was fehlt? Ich sehe hier hervorragende Offseason-Arbeit und alle Bausteine für ein erfolgreiches Abschneiden. Aber bitte: 'Vivint Smart Home Arena'? Euer Ernst, Utah Jazz? Kein Wunder, dass Bon Jovi hier nicht auf Tour geht.

Eine Frage noch...
Wem gehört dieses Team? Mit Hayward, dem John Mayer der NBA, Derrick Favors und Rudy Gobert hat Utah drei völlig unterschiedliche potentielle Franchise-Player. Indizien hierfür kann nur Quin Snyders Spielsystem geben, sofern der Trainer das überhaupt will. Haywards hat die Rolle des go-to Players bisher auf natürliche Weise ausgefüllt, seine offene Vertragssituation birgt das meiste Unruhepotential.

Check 1,2
Mit Utah ist es wie im Plattenladen: eigentlich schaut man nach den Beatles (Warriors), Prince (LeBron James) oder einer Barry Manilow-Platte für die nächste Familienfeier (Sacramento) - doch der Jazz-Bereich macht einfach am meisten Spaß. Ihr sucht ein Team, dass die großen Drei im Westen angreift? Dann habt ihr es hier zuerst gelesen: die Utah Jazz sind ein Tipp für’s Conference-Finale.

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