20 Oktober 2016

20. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Portland Trail Blazers.

von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports

Flashback
44-38, Playoffs Runde zwei (1-4 vs. Golden State)

Plus
Festus Ezeli
Grant Jerrett
Jake Layman
Shabazz Napier
Evan Turner

Minus
Cliff Alexander
Gerald Henderson
Chris Kaman
Brian Roberts

Was ist Neu?
Die letzte Saison war einfach für die Truppe aus Oregon. Nach dem Verlust von 80% der Starting Five setzte niemand auch nur einen Pfifferling auf die Trail Blazers. Im Power Ranking auf nba.com wurde Portland vor dem Saisonstart auf Rang 25 gelistet. Sechs Monate später hatten Damian Lillard und Co 44 Siege eingefahren. In den Playoffs folgte die Krönung. Trotz fehlendem Heimvorteil schickten die Blazers die zugegebenermaßen verletzungsgeplagten Clippers nach Hause, bevor gegen die Warriors kein Kraut gewachsen war. Wenn in Portland also eins neu ist, dann sind es die gewachsenen Erwartungen.


Beste Addition
Festus Ezeli … Platz 21 belegte Rose City im vergangenen Jahr im Defensivrating - der schlechteste Platz unter allen Playoff-Teams. Die Big Man Riege um Mason Plumlee, Meyers Leonard und Chris Kaman war alles andere als ein Defensivanker. Den eigenen Korb beschützen, konnte Festus Ezeli in Golden State ganz gut. Da hatte der Nigerianer zwar auch Elite-Verteidiger an seiner Seite, die ihm das Leben leichter machten, nichtsdestotrotz ist er für Portland ein Upgrade. Ezeli mag verletzungsanfällig sein, doch im schlimmsten Fall ist er nach zwei Jahren wieder weg und hat die Franchise nur 16 Millionen gekostet.

The Planet
Damian Lillard ... Portlands Nummer Null legte 2015/16 satte 25,1 Punkte und 6,8 Assists auf. Beides Karrierebestleistungen. Dass er nicht ins All-Star Game gewählt wurde, war eine der größten Farcen der letzten Saison. Schwamm drüber. Die NBA entschädigte Lillard, indem sie ihn ins All-NBA Second Team setzte. Wer vor der Spielzeit dachte, dass Guard den abgewanderten LaMarcus Aldridge nicht als Anführer ersetzen könnte, wurde schnell eines besseren belehrt. Dabei verfiel er nicht wie erwartet in den 05/06-Kobe-Modus, sondern baute seine Mitspieler effizient ein. Nichts anderes darf die NBA-Gemeinde auch diese Jahr von ihm erwarten. 


Rising Star
Allen Crabbe ... An dieser Stelle könnte so gut wie jeder Blazer stehen. Mit Evan Turner und Ed Davis sind die beiden ältesten Spieler der Franchise erst 27. Der Großteil der Spieler hat seine besten Zeiten also noch vor sich. Die Wahl fällt auf Crabbe, weil er nach C.J. McCollum im letzten Jahr wohl den größten Sprung gemacht hat. Dabei profitierte der ehemalige California Golden Bear nicht nur von der freigewordenen Spielzeit nach dem Abgang von Matthews und Batum, sondern füllte diese Zeit mit Leben. Mit 46% traf er so gut aus dem Feld wie nie. Jetzt gilt es die Werte zu bestätigen.

Falling Fast
Noah Vonleh… Wie tief kann jemand fallen, der nie so richtig hoch flog. 2014 kam Vonleh als neunter Pick der Darf in die Liga. Das sicherte ihm einen garantierten Drei-Jahres-Vertrag über 7,9 Millionen Dollar. Dass er diesen Wert ist, hat er bisher noch nicht bewiesen. Orlando verlor bereits nach einem Jahr die Geduld mit Vonleh, in Portland wird ihm eine zweite Saison gewährt, obwohl er statistisch keine großen Sprünge gemacht hat. Entweder Vonleh legt in seinem dritten NBA-Jahr eine ähnliche Leistungskurve wie seine Teamkameraden McCollum und  Crabbe hin oder seine Tage dürften nicht nur in Oregon gezählt sein.

Don’t Sleep! 
Evan Turner … Ähnlich wie Vonleh galt auch Turner lange Zeit als vergeudeter Lottery-Pick. Dabei legte die Nummer Zwei von 2010 zu Beginn seiner Karriere gute Werte auf. Doch Zahlen sind nicht alles, erst recht in Philadelphia. Als er mit Indiana zu einem ernsthaften NBA-Team getradet wurde, sank seine Effizienz ins Bodenlose. Bei den Celtics konnte Turner seinen Ruf in den letzten beiden Jahren wieder einigermaßen herstellen. Er dürfte äußerst motiviert sein, dass es dabei beleibt. Der Dreier und Turner werden zwar wohl keine Freunde mehr, als Kreierer in der zweiten Fünf ist der 27-Jährige aber definitiv zu gebrauchen.

Beste Fünf
Lillard - McCollum - Harkless - Aminu - Ezeli

Good News
+ Portland konnte seine begehrten Talente Harkless, Crabbe und McCollum langfristig binden.
+ Der Backcourt muss sich in Sachen Shooting hinter niemandem verstecken.
+ Dasss junge Team kommt gut in der Stadt an. Der Zuschauerschnitt ist im letzten Jahr trotz dem Abgang vieler Stars kaum gesunken.
+ Der Vertrag von Erfolgstrainer Stotts wurde im Sommer um drei Jahre verlängert.

Bad News
- Durch die Vertragsverlängerungen hat Portland auf Jahre nahezu kein Cap Space.
- Hoffnungsträger Ezeli musste sich Ende August am Knie operieren lassen.
- Die Konkurrenz wird sich auf die neuen Stars der Blazers besser eingestellt haben.
- Die Defensive ist selbst mit Ezeli und Turner nur Mittelmaß.

Was fehlt?
Veteranen … Spielerisch sollte es kein allzu großer Nachteil sein, dass Portland keinen richtigen Haudegen im Team hat. Aber wer ergreift in der Kabine das Wort, wenn es einmal nicht laufen sollte? Wer geht in den Playoffs voran? Niemand außer Ezeli hat bisher signifikante Minuten in den Conference Finals / Finals gesehen.


Eine Frage noch...
Bleiben die Blazers weiter vom Verletzungspech verschont? In der letztjährigen Starting Five absolvierte jeder Spieler mindestens 75 Partien. Solch ein Glück hatte Portland lange Zeit nicht. Es bleibt zu hoffen, dass es auch dieses Jahr keinen neuen Brandon Roy und Greg Oden geben wird. Lillards Karrierequote von 98 Prozent absolvierter Partien macht in dieser Hinsicht Hoffnung.

Check 1,2
Der Abschied von Kevin Durant hat Portland deutlich näher an die Division-Krone gebracht. In etlichen Power Rankings mag dieser Platz für die Utah Jazz vorgesehen sein, doch was die Trail Blazers von solchen Vorhersagen halten haben sie letztes Jahr grandios gezeigt. So oder so wird es in die Playoffs gehen. Mehr als Runde zwei ist aber auch 2016/17 nicht drin.

Chef-Orakel
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