22 Oktober 2016

22. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Phoenix Suns.

von SEB DUMITRU @nbachefkoch

Flashback
23-59, keine Playoffs

Plus
Dragan Bender
Marquese Chriss
Tyler Ulis
Leandro Barbosa
Jared Dudley

Minus
Mirza Teletovic
Jon Leuer
Ronnie Price
DeJuan Blair

Was ist Neu?
Die Denkweise in Phoenix, wo zur Abwechslung mal die Vernunft über die zu hohen Ambitionen der Vergangenheit gesiegt hat. Nachdem der Versuch, via Tyson Chandler hochkarätige Free Agents á la LaMarcus Aldridge zu ziehen, völlig in die Hose gegangen war, besann sich das Front Office in diesem Sommer auf die sinnvollere Alternative zum Wettrüsten: eigene Talente entwickeln und in weitere investieren. Dragan Bender, Marquese Chriss und Tyler Ulis gesellen sich zu einem enorm jungen Kern von U-24 Youngstern. Die ehemaligen Suns-Cracks Leandro Barbosa und Jared Dudley sollen als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft fungieren - und angewiderte Fans zurückgewinnen.

Beste Addition
Jared Dudley … Der Veteran spielte zwischen 2009 und 2013 schon einmal für die Suns. Seine Rückkehr in die Wüste bringt nicht nur einen der am meisten unterschätzten Three-and-D/Glue Player der Liga zurück nach Phoenix, sondern obendrein einen der besten Teamkollegen, die in der Association herum laufen. Dudley hält jede Umkleide auf Trab, war zudem einer der Publikumslieblinge und soll helfen, das zerrüttete Verhältnis zu den Fans wieder positiver zu stimmen. Egal ob als Flügel oder Smallball-Vierer: der 31-Jährige wird Coach Watson dank seiner überdurchschnittlichen Verteidigungsarbeit und 40% Karrierequote von Downtown eine Vielzahl von Optionen geben, die er so nicht hatte.

The Planet
Eric Bledsoe … Der Drang, Devin Booker schon jetzt hier her zu packen, ist nicht nur groß, sondern vermutlich auch richtig. Dennoch bleibt Bledsoe bis aus Weiteres der on-court Anführer und beste Player dieses Klubs. Seine schwere Knieverletzung der Vorsaison hat Viele vergessen lassen, dass ‘E-Bled’ mit 20.4 Punkten und 6.1 Assists sein bestes Profijahr spielte. Dass es nur 31 Partien waren, ließ ihn sein “Fragil”-Label freilich nicht abschütteln… und die Suns nicht ruhiger schlafen. Wenn er jedoch spielt, ist der kleine Bulldozer Ballhandler aber die mit Abstand explosivste Offensivoption. Seine überdurchschnittlich gute Verteidigung und langjährige Erfahrung hebt ihn von Booker & co. ab.

A photo posted by Phoenix Suns (@suns) on

Rising Star
Devin Booker … Der junge Guard rutschte nach den Verletzungen vor ihm unverhofft in die Startformation und tat dort nichts, ausser sich im Eiltempo als Phoenix’ produktivster Spieler zu etablieren. Mit 19.2 Punkten pro Partie nach der All-Star Pause und nicht für möglich gehaltenen Qualitäten als Spielmacher – Pick & Roll, Dribble Drives und Assists – hat Booker Watsons Vertrauen mehrfach zurück gezahlt. Alle sind gespannt, wie der Elite-Shooter aus der Sommerpause zurück kommt und ob er an seine Leistungen aus dem Frühjahr nicht nur anknüpfen kann, sondern an der Seite von Bledsoe - und dank besserer Nebenleute - einen weiteren Sprung unter die Off-Guard-Elite schaffen wird.

Falling Fast
Tyson Chandler … Nicht nur der Fakt, dass der ehemalige Verteidigungsspieler des Jahres mittlerweile etwas älter und langsamer geworden ist, verschaffen ihm diese fragwürdige Ehre. Es war die mieseste Saison, vielleicht seiner gesamten Karriere, kombiniert mit seiner Körpersprache auf dem Parkett, die Chandlers Signing in Phoenix vor zwei Jahren in ein noch abstruseres Licht gerückt hat. Sein defensiver Impact ist auf einem All-Time-Low Wert angelangt, die Suns spielten trotz des 2,16 Meter Hünen Bottom-Five Defense. Der Blick aufs Alter (34) und Gesamtsalär (39 Mio. $ bis 2019) verkompliziert die Problematik zunehmend.


Don’t Sleep! 
Marquese Chriss … Der Rookie-Big, den die Sacramento Kings unerklärlicherweise an Phoenix weiterschickten, galt nicht nur bereits im Draft-Vorfeld als potentieller Star in der Mache, sondern verschwendete in dieser Preseason keine Sekunde, um das noch einmal zu verdeutlichen. Klar, es ist die Preseason; und klar, als noch nicht einmal 20-Jähriger wird Chriss noch eine Menge Lehrgeld zahlen müssen. Aber Boiiii: mit seinen Dunks, Blocks, Low Post Moves, Midrange Jumpern, Drives, Speed und Sprungkraft, verpackt in einen aggressiven in your Face Style, ist dieser Monsterathlet schon jetzt ein absoluter Spaßfaktor im lange einschläfernden Suns-Frontcourt. 

Beste Fünf
Bledsoe – Booker – Warren – Dudley – Chriss

Good News
+ Junge, athletische Truppe
+ Starker Backcourt mit Bledsoe, Booker und überdurchschnittlich guten Backups
+ Null Erwartung nach Jahren herber Enttäuschungen
+ Neue Ausrichtung mit Fokus auf Rebuild & Talententwicklung

Bad News
- Noch immer ist kein roter Franchise-Faden erkennbar, die Fans sind mies gelaunt
- Wenig bis gar keine Starpower. Die Hoffnung lastet auf Booker
- Viele Scorer im Team, aber keine Passgeber/Vorbereiter
- Höchste Turnover-Rate der NBA

Was fehlt?
Ein Franchise-Player ... Seit Steve Nashs Ende in Phoenix suchen die Suns nach ihrem neuen Star. Vier Jahre sind eine lange Zeit; Fans der vierterfolgreichsten regular season Franchise aller Zeiten sind ungeduldig geworden. Vielleicht ist Devin Booker die Antwort auf eine der wichtigsten aller Fragen bei jedem Klub in der Basketball Association: “Um wen wollen wir unsere Mannschaft aufbauen?” Solange dieses Detail nicht geklärt ist, steckt der Wüstenklub in der Findungsphase fest.


Eine Frage noch...
Was sind die Ziele in 2016/17?
Phoenix fährt zweigleisig, hat eine Reihe von Veteranen an Bord, die Spielzeit einfordern und Siege anpeilen werden. Die optimale Entwicklung der Youngster, inklusive Einsatz- und Experimentierminuten, stehen dem diametral gegenüber. Wie Coach Watson die PT verteilt, wird selbstredend großen Einfluss auf das on-court-Produkt ausüben - und früh darüber Aufschluss geben, ob Phoenix in seinem notwendigen Rebuild all-in ist. Ein Jagen nach Playoff-Plätzen zu Ungunsten der jungen Talente wäre verheerend.

Check 1,2
Der teaminterne Konflikt ist real. Und hausgemacht. Erfahrene Spieler wie Tyson Chandler und Brandon Knight werden sich nicht damit abfinden, auf der Bank zu sitzen und 50-plus zu verlieren. Die Lösung? Trades. Plural. In einer idealen Welt verschifft McDonough redundante Roster-Bauteile für mehr Youngster und Picks; Watson setzt vollends auf seine Young Guns, die sich optimal entwickeln; Phoenix verliert zwar häufig, sahnt aber einen weiteren hohen Pick in einer starken Draft-Klasse ab; und geht mit Booker als Star in eine erfolgreichere Zukunft als bisher in dieser Dekade. 

Chef-Orakel
28-54