07 Oktober 2016

7. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Philadelphia 76ers.

von MATTIS OBERBACH @MattisOb

Flashback
10-72, keine Playoffs

Plus
Ben Simmons
Dario Šarić
Anthony Barber
Jerry Bayless
Gerald Henderson
Shawn Long
Timothe Luwawu
Brandon Paul
Sergio Rodriguez
James Webb

Minus
Isaiah Canaan
Carl Landry
Kendall Marshall
Ishmael Smith
Christian Wood

Was ist Neu?
GM Sam Hinkie ist weg, Ben Simmons ist da, auch Dario Šarić und Joel Embiid stehen endlich für die Sixers bereit. Allerdings ist Simmons auch gleich wieder weg: mit einem Bruch im Fuß wird er mehrere Monate ausfallen. Das ist hart. Richtig hart. Kevin Durant verpasste so 16 Spiele, damit könnte man leben. Aber diese Verletzung kann, so heißt es, Simmons' Entwicklung langfristig beeinflussen und behindern. So muss nicht nur ein neuer Spieler für die Lineup gefunden, sondern auch über die Richtung des Teams nachgedacht werden. Was ist also nicht neu?


Beste Addition
Dario Šarić ...  Eigentlich natürlich Ben Simmons, aber, naja… deshalb eben Šarić. Er wird vermutlich deutlich mehr zu tun bekommen, als ihm lieb ist. Denn mit Simmons geht der beste Ballhandler verloren. Šarić kann den Mitspieler sehen, er kann zum Korb ziehen und auch werfen. Er gibt dem Team damit eine neue Dimension. Mit einer Körpergröße von 2,08 Meter kann auch Šarić mehrere Positionen ausfüllen, Brown beschrieb ihn bereits als guten Defensiv-Rebounder. Das größte Problem könnte der Sprung von Europa in die USA sein. Šarić muss sich schnell daran gewöhnen, dass er nun gegen die Besten der Besten antreten muss - die Chancen dazu wird er bekommen, besonders ohne Simmons.

The Planet
Ben Simmons ... Auch wenn der Rookie nach seinem Fußbruch mehrere Monate oder sogar die komplette Saison ausfallen sollte - er ist als Nummer eins Pick nicht nur per Definition schon der Franchise-Player hier, sondern als einziger in diesem Kader auch über jeden Zweifel erhaben. Frustrierend für Philly ist sicherlich, dass Verantwortliche, Teamkollegen und Fans nun auf unbestimmte Zeit vertröstet werden und so lange warten müssen, ehe Fragen nach dem idealen Fit um Simmons herum beantwortet werden können. Sobald er wieder komplett gesund ist, rutscht er nicht nur automatisch in die Startformation, sondern bekommt auch den Ball - wie das für Franchise-Heilsbringer nun mal üblich ist.


Rising Star
Joel Embiid ... Klopfen wir dreimal auf Holz. Er ist gesund, er ist fit, er will es jetzt wissen. Er ist so groß, dass er automatisch und vom ersten Tag offensiv und defensiv alle Rebounds der Welt pflücken wird. Das kann dann auch leicht zu Punkten führen. An der Uni Kansas hat er aber eben auch seine Übersicht für den freien Mitspieler beweisen können und man darf darauf hoffen, dass er den einen oder anderen Mid Range-Jumper versenkt. Embiid kommt nach viel zu langer Zeit ohne Basketball unter Wettbewerbsbedingungen wieder zurück und muss sich zurecht finden. Außerdem wird er vermutlich zunächst geschont und langsam herangeführt. Aber: Er wird im Laufe der Saison „risen“ und kann, ich betone, kann sich über kurz oder lang ins Team spielen. Wir klopfen auf Holz.

Falling Fast
Jahlil Okafor ... Der Titel dieser Kategorie impliziert, dass es einen Spieler gibt, der „fallen“ kann. So richtig weit fällt in Philadelphia keiner, es gab ja auch lange keinen, der besonders hoch gestiegen ist. Deshalb ist mit Vorsicht zu genießen, was mit Jahlil Okafor passieren könnte. Auch er war letztes Saison verletzt und defensiv einer der schwächeren Spieler der NBA. Und auch wenn er flinker wird und seinen Basketball-IQ auf magische Art hochschraubt: Sollte es einen Weg geben, sich von seinen off-field-Problemen zu trennen und Okafor zu traden, dann wäre das vermutlich der richtige Move.

Don’t Sleep! 
Sergio Rodriguez ... Jetzt 30 Jahre alt, nach mehreren Jahren auf unserer Seite vom Atlantik, will der Spanier seine zweite Chance in der NBA nutzen. Es muss nicht viel bedeuten, aber die lokalen Reporter waren begeistert von seiner Fähigkeit, schnell das Team zu führen und den Ball zu verteilen. In seinen ersten Jahren in der NBA und besonders danach in Europa verbesserte er sich in quasi allen relevanten Wurf-Statistiken, zuletzt traf er über 40% seiner Dreier. So richtig wird niemand wissen, wer welche Rollen ausfüllen wird, bis die Sixers Ende Oktober die Thunder begrüßen. Aber Rodriguez ist definitiv ein Kandidat für eine größere Rolle als erwartet.
Beste Fünf
Bayless - Henderson - Šarić - Noel - Okafor

Good News
+ Šarić ist da und kann als gereifter Spieler und jetzt erwachsener Mann seinen NBA-Weg beginnen
+ Embiid ist gesund: Mit Noel wird er früher oder später offensiv und defensiv ein Monster-Scoring-und-Rebounding-Duo bilden
+ Die personelle Foundation für die Zukunft ist gelegt, jetzt muss gutes Coaching mit dem Willen der Exekutiven zusammen für Erfolg sorgen
+ Es sind noch immer Picks en masse auf Lager, dazu viele Big Men: Kommt also noch ein Move?

Bad News
- Ben Simmons ist verletzt... Ben Simmons wird nie zurückkehren... Ben Simmons hätte die Franchise retten sollen... Wir sind verloren...
- Junge Spieler, wohin das Auge reicht: Kann das Team zusammen finden und als Einheit funktionieren?
- Hinter welchem Führungsspieler wird sich versammelt, wenn wieder eine Serie an Niederlagen eingefahren wird?
- (Noch) zu viele Spieler unter dem Korb und (noch) kein adäquater Plan, diese Spieler richtig einzusetzen


Was fehlt?
Die Zauberformel. Wer hat wann den Ball? Wer soll von außen werfen? Wer zieht rein und gesellt sich zur Center/Power Forward-Kombo? Ben Simmons wird hoffentlich als Ben Simmons zurückkehren, nicht als Schatten seiner selbst; das Center-Chaos muss geordnet, die Rollenspieler gefunden werden. Erst dann hat die Stadt der brüderlichen Liebe bald wieder richtig Spaß am Spiel mit dem orangenen Ball. Prognose heute: Ab 2017 fliegt in Philly die Kuh!

Eine Frage noch...
Ist Brett Brown der Richtige? Der 55-Jährige geht in seine vierte Saison auf der Bank, seine Leistung wurde stets damit gerechtfertigt, dass er einfach nicht die richtigen Spieler hatte. Doch auch für ihn kann die Zeit ablaufen. Das soll nicht heißen, dass er vor Weihnachten entlassen wird. Aber im Profi-Sport ist das nun mal so: Die Coaches können einfacher ausgewechselt werden als die Spieler.

Check 1,2
Gesund bleiben, Rotation finden, eventuell Simmons’ Abwesenheit kaschieren und nicht überreagieren... Die Playoffs sind definitiv nicht drin, aber es wäre nicht überraschend, wenn 20 oder mehr Siege eingefahren werden. Head Coach Brett Brown hat wieder eine Monster-Aufgabe vor sich, weil der Kader unausgereift ist und der beste Spieler lange fehlt. Auch 2016 heißt es also, für die Zukunft zu planen. Die Zukunft ist heute aber wenigstens wieder einen Schritt näher.

Chef-Orakel
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